{"id":299,"date":"2015-10-06T23:45:48","date_gmt":"2015-10-06T21:45:48","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=299"},"modified":"2025-12-27T22:36:52","modified_gmt":"2025-12-27T21:36:52","slug":"dornroeschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/dornroeschen\/","title":{"rendered":"Dornr\u00f6schen"},"content":{"rendered":"\n<!--more-->\n\n\n\n<p><strong>Gebr. Grimm<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Vorzeiten war ein K\u00f6nig und eine K\u00f6nigin, die sprachen jeden Tag: &#8222;Ach, wenn wir doch ein Kind h\u00e4tten!&#8220; und kriegten immer keins. Da trug sich zu, als die K\u00f6nigin einmal im Bade sa\u00df, dass ein Frosch aus dem Wasser ans Land kroch und zu ihr sprach: &#8222;Dein Wunsch wird erf\u00fcllt werden ehe das Jahr vergeht, wirst du eine Tochter bekommen.&#8216;, Was der Frosch gesagt hatte, das geschah, und die K\u00f6nigin bekam ein M\u00e4dchen, das war so sch\u00f6n, dass sich der K\u00f6nig vor Freude nicht zu lassen wusste und ein gro\u00dfes Fest anstellte. Er lud nicht blo\u00df seine Verwandten, Freunde und Bekannten, sondern auch die weisen Frauen dazu ein, damit sie dem Kinde hold und gewogen waren. Es waren ihrer dreizehn in seinem Reiche; weil er aber nur zw\u00f6lf goldene Teller hatte, von welchen sie essen sollten, so musste eine von ihnen daheim bleiben. Das Fest ward mit aller Pracht gefeiert, und als es zu Ende war, beschenkten die weisen Frauen das Kind mit ihren Wundergaben; die eine mit Tugend, die andere mit Sch\u00f6nheit, die dritte mit Reichtum, und so mit allem, was auf der Welt zu w\u00fcnschen ist. Als elf ihre Spr\u00fcche eben getan hatten, trat pl\u00f6tzlich die dreizehnte herein. Sie wollte sich daf\u00fcr r\u00e4chen, dass sie nicht eingeladen war, und ohne jemand zu gr\u00fc\u00dfen oder nur anzusehen, rief sie mit lauter Stimme: &#8222;Die K\u00f6nigstochter soll sich in ihrem f\u00fcnfzehnten Jahr an einer Spindel stechen und tot hinfallen!&#8220; Und ohne ein Wort weiter zu sprechen, kehrte sie sich um und verlie\u00df den Saal. Alle waren erschrocken, da trat die zw\u00f6lfte hervor, die ihren Wunsch noch \u00fcbrig hatte, und weil sie den b\u00f6sen Spruch nicht aufheben, sondern ihn nur mildern konnte, so sagte sie: &#8222;Es soll aber kein Tod sein, sondern ein hundertj\u00e4hriger tiefer Schlaf, in den die K\u00f6nigstochter f\u00e4llt.&#8220;<br>\nDer K\u00f6nig, der sein liebes Kind vor dem Ungl\u00fcck gern bewahren wollte, lie\u00df den Befehl ausgehen, dass alle Spindeln im ganzen K\u00f6nigreiche sollten verbrannt werden. An dem M\u00e4dchen aber wurden die Gaben der weisen Frauen s\u00e4mtlich erf\u00fcllt, denn es war so sch\u00f6n, sittsam, freundlich und verst\u00e4ndig, dass es jedermann, der es ansah, lieb haben musste. Es geschah, dass an dem Tage, wo es gerade f\u00fcnfzehn Jahr&#8216; alt wurde, der K\u00f6nig und die K\u00f6nigin nicht zu Hause waren, und das M\u00e4dchen ganz allein im Schlosse zur\u00fcckblieb. Da ging es allerorten herum, besah Stuben und Kammern, wie es Lust hatte, und kam endlich auch an einen alten Turm. Es stieg die enge Wendeltreppe hinauf und gelangte zu einer kleinen T\u00fcr. In dem Schlosse steckte ein verrosteter Schl\u00fcssel, und als es umdrehte, sprang die T\u00fcr auf, und da sa\u00df in einem kleinen St\u00fcbchen eine alte Frau mit einer Spindel und spann emsig Flachs. &#8222;Guten Tag, du altes M\u00fctterlein&#8220;, sprach die K\u00f6nigstochter, &#8222;was machst du da?&#8220; &#8211; &#8222;Ich Spinne&#8220;, sagte die Alte und nickte mit dem Kopfe. &#8222;Was ist das f\u00fcr ein Ding, das so lustig herumspringt?&#8216; fragte das .\\M\u00e4dchen, nahm die Spindel und wollte auch spinnen. Kaum hatte sie aber die Spindel anger\u00fchrt, so ging der Zauberspruch in Erf\u00fcllung, und sie stach sich damit in den Finger.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">In dem Augenblick aber, als sie den Stich empfand, fiel sie auf das Bett nieder, das dastand, und lag in einem tiefen Schlafe. Und dieser Schlaf verbreitete sich \u00fcber das ganze Schloss: der K\u00f6nig und die K\u00f6nigin, die eben heimgekommen und in den Saal getreten waren, fingen an einzuschlafen, und der ganze Hofstaat mit ihnen. Da schliefen auch die Pferde im Stalle, die Hunde im Hofe, die Tauben auf dem Dache, die Fliegen an der Wand, ja das Feuer, das auf dem Herde flackerte, ward still und schlief ein, und der Braten h\u00f6rte auf zu brutzeln, und der Koch, der den K\u00fcchenjungen, weil er etwas versehen hatte, an den Haaren ziehen wollte, lie\u00df ihn los und schlief. Und der Wind legte sich, und auf den B\u00e4umen vor dem Schlosse regte sich kein Bl\u00e4ttchen mehr.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Rings um das Schloss aber begann eine Dornenhecke zu wachsen, die jedes Jahr h\u00f6her ward und endlich das ganze Schloss umzog, ja dar\u00fcber hinauswuchs, dass gar nichts mehr davon zu sehen war, selbst nicht die Fahne auf dem Dache. Es ging aber im Lande die Sage von dem sch\u00f6nen schlafenden Dornr\u00f6schen, denn so wurde die K\u00f6nigstochter genannt, also dass von Zeit zu Zeit K\u00f6nigss\u00f6hne kamen und durch die Hecke in das Schloss dringen wollten. Es war ihnen aber nicht m\u00f6glich, denn die Dornen, als h\u00e4tten sie H\u00e4nde,. hielten fest zusammen, und die J\u00fcnglinge blieben darin h\u00e4ngen, konnten sich nicht wieder losmachen und starben eines j\u00e4mmerlichen Todes. Nach langen, langen Jahren kam wieder einmal ein K\u00f6nigssohn in das Land und h\u00f6rte, wie ein alter Mann von der Dornenhecke erz\u00e4hlte, es sollte ein Schloss dahinter stehen, worin eine wundersch\u00f6ne K\u00f6nigstochter, Dornr\u00f6schen genannt, schon seit hundert Jahren schliefe und mit ihr schliefen der K\u00f6nig und die K\u00f6nigin und der ganze Hofstaat. Er wusste auch von seinem Gro\u00dfvater, dass schon viele K\u00f6nigss\u00f6hne gekommen w\u00e4ren und versucht h\u00e4tten, durch die Dornenhecke zu dringen, aber sie w\u00e4ren darin h\u00e4ngen geblieben und eines traurigen Todes gestorben. Da sprach der J\u00fcngling: &#8222;Ich f\u00fcrchte mich nicht, ich will hinaus und das sch\u00f6ne Dornr\u00f6schen sehen.&#8220; Der gute Alte mochte ihm abraten, wie er wollte, er h\u00f6rte nicht auf seine Worte.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Nun waren aber gerade die hundert Jahre verflossen, und der Tag war gekommen, an dem Dornr\u00f6schen wieder erwachen sollte. Als sich der K\u00f6nigssohn der Dornenhecke n\u00e4herte, waren es lauter sch\u00f6ne, gro\u00dfe Blumen, die taten sich von selbst auseinander und lie\u00dfen ihn unbesch\u00e4digt hindurch, und hinter ihm taten sie sich wieder als eine Hecke zusammen Im Schlosshof sah er die Pferde und schekkigen Jagdhunde liegen und schlafen, auf dem Dache sa\u00dfen die Tauben und hatten das K\u00f6pfchen unter den Fl\u00fcgel gesteckt. Und als er ins Haus kam, schliefen die Fliegen an der Wand, der Koch in der K\u00fcche hielt noch die Hand, als wollte er den Jungen anpacken, und die Magd sa\u00df vor dem schwarzen Huhn, das gerupft werden sollte. Da ging er weiter und sah im Saale den ganzen Hofstaat liegen und schlafen, und oben bei dem Throne lag der K\u00f6nig und die K\u00f6nigin. Da ging er noch weiter, und alles war so still, dass einer seinen Atem h\u00f6ren konnte, und endlich kam er zu dem Turme und \u00f6ffnete die T\u00fcr zu der kleinen Stube, worin Dornr\u00f6schen schlief. Da lag es und war so sch\u00f6n, dass er die Augen nicht abwenden konnte, und er b\u00fcckte sich und gab ihm einen Kuss. Wie er es mit dem Kusse ber\u00fchrt hatte, schlug Dornr\u00f6schen die Augen auf, erwachte und blickte ihn ganz freundlich an. Da gingen sie zusammen hinab, und der K\u00f6nig erwachte und die K\u00f6nigin und der ganze Hofstaat, und sahen einander mit gro\u00dfen Augen an. Und die Pferde im Hofe standen auf und r\u00fcttelten sich, die Jagdhunde sprangen und wedelten, die Tauben auf dem Dache zogen das K\u00f6pfchen unterm Fl\u00fcgel hervor, sahen umher und flogen ins Feld, die Fliegen an den W\u00e4nden krochen weiter, das Feuer in der K\u00fcche erhob sich, flackerte und kochte das Essen, der Braten fing wieder an zu brutzeln, und der Koch gab dem Jungen eine Ohrfeige, dass er schrie, und die Magd rupfte das Huhn fertig. Und nun wurde die Hochzeit des K\u00f6nigssohnes mit dem Dornr\u00f6schen in aller Pracht gefeiert, und sie lebten vergn\u00fcgt bis an ihr Ende. <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[87,85],"tags":[],"class_list":["post-299","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gebr-grimm","category-maerchen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/299","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=299"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/299\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2846,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/299\/revisions\/2846"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=299"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=299"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=299"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}