{"id":297,"date":"2015-10-06T23:44:10","date_gmt":"2015-10-06T21:44:10","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=297"},"modified":"2026-01-24T02:25:43","modified_gmt":"2026-01-24T01:25:43","slug":"donner-blitz-und-wetter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/donner-blitz-und-wetter\/","title":{"rendered":"Donner, Blitz und Wetter"},"content":{"rendered":"<p>schw\u00e4bisches M\u00e4rchen<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Es war einmal ein alter K\u00f6nig, der hatte einen Sohn und drei T\u00f6chter. Eines Tages wurde er schwer krank, lie\u00df den Prinzen zu sich rufen und sprach: &#8222;Lieber Sohn, ich f\u00fchle, dass ich sterben muss. H\u00f6re meinen letzten Willen: Meine drei T\u00f6chter, deine Schwestern, sollen nicht eher heiraten, als bis nach meinem Tode sechs Jahre dahingegangen sind. Versprich mir, daf\u00fcr zu sorgen, dass dieser letzte Wunsch, den ich an euch und an das Leben habe, Erf\u00fcllung findet. Der Sohn versprach es dem Vater in die Hand, und bald darauf schloss der K\u00f6nig seine Augen. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">In der Folgezeit warben viele edle und reiche Prinzen um die sch\u00f6nen Prinzessinnen doch der junge K\u00f6nig lie\u00df es nicht zu, dass seine Schwestern heirateten, und sagte, sie m\u00fcssten warten, bis die sechs Jahre herum seien. So waren nun schon drei Jahre vergangen, und gar mancher Freier war abgewiesen worden. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Da erschienen eines Tages drei vornehme Br\u00fcder und warben um die Schwestern des K\u00f6nigs; der eine hie\u00df Donner, der andere Blitz und der dritte Wetter. Doch auch ihnen wurde die gleiche Antwort zuteil wie allen andern. In einem aber unterschieden sich die drei Br\u00fcder von den fr\u00fcheren Freiern: sie ritten nicht schon am selben Tage wieder nach Hause, sondern nahmen in der N\u00e4he des Schlosses Quartier, damit sie die sch\u00f6nen Prinzessinnen so oft wie m\u00f6glich sehen konnten. Als nun aber eines Tages der K\u00f6nig verreiste, drangen sie ins Schloss ein, hoben die Prinzessinnen zu sich auf die wartenden Pferde und jagten mit ihrer holden Beute davon, \u00fcber Wiesen und Felder fort in den dunkeln Wald. Als der K\u00f6nig zur\u00fcckkam und seine Schwestern nicht mehr vorfand, war er untr\u00f6stlich. Er machte sich sogleich auf den Weg, sie zu suchen, und sollte er gehen m\u00fcssen bis ans Ende der Welt. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Nachdem er lange Zeit vergeblich gewandert war, kam er in einen gro\u00dfen Wald. Er ging immer tiefer in ihn hinein, rief und suchte nach seinen Schwestern, konnte aber nirgends eine Spur von ihnen entdecken. Mit einemmal erblickte er auf einer Lichtung ein sch\u00f6nes Schloss. Und wie er ans Tor trat, rief ihm aus einem Fenster eine Stimme zu: &#8222;O Bruder, zu einer ungl\u00fccklichen Stunde bist du ausgezogen und hierher gekommen! Kehre eilends um! Hier wohnt der Blitz und der ist mein Mann; wenn er heimkommt und dich findet, bringt er dich um!&#8220; &#8211; &#8222;Ist mir diese Stimme nicht bekannt?&#8220;, dachte der K\u00f6nig, schritt n\u00e4her an das Schloss heran und erkannte seine \u00e4lteste Schwester. Da freute er sich sehr \u00fcber das Wiedersehen und blieb trotz allem Mahnen bei ihr. W\u00e4hrend sie nun so miteinander sprachen und sich erz\u00e4hlten, wie es ihnen seit der Trennung ergangen war, kam der Blitz nach Hause. Der aber zeigte sich \u00fcber den fremden Besuch gar nicht b\u00f6se, sondern begr\u00fc\u00dfte den K\u00f6nig freundlich und lud ihn ein, sein Gast zu sein, solange es ihm gefalle. Dazu sagte der K\u00f6nig gerne &#8222;ja&#8220;, denn nun konnte er wenigstens f\u00fcr eine kurze Zeit bei seiner lieben Schwester bleiben. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Schwager Blitz unterhielt sich jeden Tag mit dem K\u00f6nig und suchte ihm mit allerlei Spielen die Zeit zu vertreiben. Meistens schossen sie mit Pfeil und Bogen. Das Ziel aber, denkt euch nur! war eine ganze Stunde weit entfernt, und der Pfeil hatte die merkw\u00fcrdige Eigenschaft, dass er immer wieder von selbst zur\u00fcckkam, und dazu brauchte er jedes Mal zwei volle Stunden. Der K\u00f6nig konnte sich nicht genug dar\u00fcber wundern, zumal Blitz so zu schie\u00dfen verstand, dass der Pfeil weit \u00fcber das Ziel hinausging, am Ende des Tales mit feurigem Zucken tief in einen Felsen eindrang und dennoch immer wieder zur\u00fcckkehrte. Acht Tage lang blieb der K\u00f6nig bei Blitz zu Gast, dann reiste er weiter, um seine beiden andern Schwestern aufzusuchen. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Er wanderte fort und fort durch den gro\u00dfen, dunkeln Wald und stand mit einemmal wieder am Rande einer Wiese vor einem herrlichen Schloss. Da rief ihm aus einem Fenster eine Stimme zu: &#8222;O Bruder, zu einer ungl\u00fccklichen Stunde bist du ausgezogen und hierher gekommen! Kehre eilends um! Hier wohnt der Donner und der ist mein Mann; wenn er dich da f\u00e4nde, w\u00fcrde er dich ohne Gnade umbringen!&#8220; Der K\u00f6nig freute sich, dass er auch seine zweite Schwester gefunden hatte, lie\u00df sich nicht bange machen und blieb da. Als der Donner aber heimkam und den Bruder seiner Frau sah, begr\u00fc\u00dfte er ihn freundlich und bat ihn, doch einige Tage hier zu bleiben, damit sie sich zusammen die Zeit vertreiben k\u00f6nnten. Der K\u00f6nig nahm die Einladung gerne an, und Schwager Donner f\u00fchrte ihn gleich zu seiner Kegelbahn. Die war, denkt euch nur! zwei Stunden lang, und die geworfene Kugel kam nach jedem Wurf von selbst wieder zur\u00fcck. Am Ende der Bahn, die in einer abgr\u00fcndigen, finstern Schlucht lag, drang sie mit Krachen und Dr\u00f6hnen tief in eine Felswand ein, rollte zur\u00fcck und brauchte zu diesem Weg jedes Mal vier volle Stunden. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Nachdem der K\u00f6nig acht Tage lang bei seinem Schwager Donner sich aufgehalten hatte, zog er wieder weiter, um seine dritte Schwester zu suchen. Nach einigen Tagereisen kam er zu einem dritten Schloss, das grau und verwittert mitten in einem wilden Tannenforste lag. Aus dem Turmfenster rief ihm eine Stimme zu: &#8222;O Bruder, zu einer ungl\u00fccklichen Stunde bist du ausgezogen und hierher gekommen! Rette dich, so gut du kannst! Dieses Schloss geh\u00f6rt meinem Mann, dem b\u00f6sen Wetter; wenn er dich hier f\u00e4nde, w\u00fcrde er dich auf der Stelle umbringen!&#8220; Der K\u00f6nig aber beruhigte seine Schwester und blieb bei ihr, bis ihr Mann zur\u00fcckkehrte. Wetter sah zuerst finster drein, wie er da den Fremden bei seiner Frau erblickte. Als sie ihm aber sagte, dass es ihr Bruder sei, der sie vor einer Stunde mit seinem Besuch \u00fcberrascht habe, zeigte auch Wetter sein freundlichstes Gesicht und bat den Schwager, f\u00fcr ein paar Tage sein Gast zu sein. Und weil er mit Leib und Seele J\u00e4ger war, lud er den K\u00f6nig ein, ihn auf die Jagd zu begleiten. Da sagte der K\u00f6nig mit Freuden zu. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Als sie nun eines Tages im Walde jagten, erblickte der K\u00f6nig pl\u00f6tzlich einen Hirsch; der war so stattlich und sch\u00f6n, wie er in seinem Leben noch keinen gesehen hatte. &#8222;Den muss ich erlegen! Koste es, was es wolle!&#8220; dachte er und nahm sofort die Verfolgung auf. Doch der Hirsch schien ihn necken zu wollen; er lie\u00df ihn immer ganz nahe herankommen, zielen und abdr\u00fccken, &#8211; im selben Augenblick aber, in dem der Pfeil von der Sehne schwirrte, war er verschwunden und setzte irgendwo zwischen fernen B\u00e4umen gesund und munter davon. Das ging mehrere Stunden lang so fort, und der K\u00f6nig merkte nicht, dass er seinen Jagdgef\u00e4hrten schon l\u00e4ngst verloren hatte. Er befand sich mitten im dunkeln, fremden Wald und wusste nicht aus und nicht ein. Endlich kam er auf einen freien Wiesengrund und traf dort einen alten Sch\u00e4fer mit seiner Herde an. Bei dem erkundigte er sich nach dem Weg und h\u00f6rte nun, wie weit er sich vom Schlosse weg verirrt hatte. Er lie\u00df sich mit dem freundlichen Sch\u00e4fer in ein Gespr\u00e4ch ein, erz\u00e4hlte, wie er hierher gekommen, und auch das sonderbare Erlebnis, das er bei der Jagd mit dem Hirsch gehabt hatte. Da sch\u00fcttelte der Alte l\u00e4chelnd den Kopf und sagte: &#8222;Das war kein gew\u00f6hnlicher Hirsch, sondern Wetter, Euer Schwager! Er hat sich in den Hirsch verwandelt, um Euch zu t\u00e4uschen und irrezuf\u00fchren.&#8220; &#8211; &#8222;Glaubt Ihr?&#8220; fragte der K\u00f6nig. &#8211; &#8222;Das glaube ich nicht nur, sondern das wei\u00df ich gewiss&#8220;, antwortete der Sch\u00e4fer. Da wollte der K\u00f6nig sogleich heimkehren, ein gro\u00dfes Kriegsheer sammeln und seine Schwestern aus der Gewalt der drei zauberm\u00e4chtigen Br\u00fcder befreien. Der Sch\u00e4fer aber sagte: &#8222;Nein! H\u00f6rt mich an und tut, wie ich Euch sage: Seht den gro\u00dfen Wald dort dr\u00fcben; er ist des Wolfsk\u00f6nigs Reich. Durch ihn m\u00fcsst Ihr hindurch, wenn Ihr den Zauberbann brechen wollt. Tretet Ihr aber unwissend in ihn ein, so werdet Ihr unversehens von wilden Tieren zerrissen. Darum nehmt dies Schaf aus meiner Herde, geht mit ihm bis an den Waldrand und ruft: &#8218;Wolfsk\u00f6nig, hier bringe ich dir ein Schaf!&#8216; &#8211; und Euch wird kein Leid zusto\u00dfen.&#8220; &#8211; Der K\u00f6nig tat, wie ihn der alte Sch\u00e4fer gehei\u00dfen, und der Wolfsk\u00f6nig trat heraus, bedankte sich freundlich und sprach: &#8222;Nun gehe ohne Furcht durch den Wald, und solltest du einmal Hilfe brauchen, so denke nur an mich; ich werde dir gerne zu Diensten sein.&#8220; &#8211; &#8222;Ich danke dir auch und werde dein Anerbieten nicht vergessen&#8220;, sagte der K\u00f6nig, verabschiedete sich und zog wohlgemut durch den Wald weiter. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Als er eine Weile gewandert war, kam er an einen See. Da lag ein sch\u00f6ner roter Fisch am trockenen Ufer und schlug verzweifelt mit dem Schwanze. &#8222;Du armer Kerl!&#8220; sagte der K\u00f6nig, hob ihn voll Mitleid auf und setzte ihn wieder ins Wasser. Der Fisch schwamm aber nicht gleich davon, sondern sprach: &#8222;Ich danke dir und will es dir lohnen. Wenn du einmal in Not bist, so denke nur an den Fischk\u00f6nig; dann werde ich dir zu Hilfe kommen.&#8220; &#8211; &#8222;Vielen Dank!&#8220; antwortete der K\u00f6nig und setzte seine Reise fort. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Als er am andern Tag so gem\u00fctlich den Weg dahinging, sah er eine Hornisse vor seinen F\u00fc\u00dfen liegen. Sie lag auf dem R\u00fccken und konnte sich nicht wieder von allein in die Luft erheben. Andere h\u00e4tten wohl das Tier zertreten; der K\u00f6nig aber, der ein gutes Herz f\u00fcr alle Gesch\u00f6pfe hatte, hob es auf und lie\u00df es fliegen. Doch ehe die Hornisse weiterflog, bedankte sie sich und sprach: &#8222;Ich bin der Hornissenk\u00f6nig. Wenn du je einmal in Not ger\u00e4tst, so denke an mich; ich werde dir sogleich zu Hilfe eilen.&#8220; <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Nach mehreren Tagen erreichte der K\u00f6nig das Ende des Waldes. Er kam auf eine Wiese und fand dort eine H\u00fctte und darin ein altes M\u00fctterchen. Das nahm ihn freundlich auf. Und weil er m\u00fcde und hungrig war, blieb er da, um sich ein wenig zu erholen. Die alte Waldfrau aber war eine weise Zauberin und die Mutter der drei Br\u00fcder Donner, Blitz und Wetter. Als die Nacht hereingebrochen war, kamen die drei zu ihrer Mutter in die H\u00fctte. Wie erstaunt waren sie da, als sie ihren Schwager, den K\u00f6nig, in dem gro\u00dfen Gastbett neben dem Ofen liegen und schlafen sahen. Besonders Wetter machte gro\u00dfe Augen und sagte: &#8222;Wie kommt denn der hierher? Ich dachte, er findet nie mehr aus meinem Walde heraus, in dessen finsterste Gr\u00fcnde ich ihn auf einer Hirschjagd verlockt habe!&#8220; &#8211; &#8222;Er muss geheime und m\u00e4chtige Gehilfen haben!&#8220; entgegnete die Zauberin. &#8222;Es gibt nur eine Rettung f\u00fcr uns: Wir m\u00fcssen ihm eine Aufgabe stellen, die so schwer ist, dass er sie nicht erf\u00fcllen kann. Andernfalls ist es um uns und unsere Herrschaft geschehen!&#8220; &#8211; &#8222;Wei\u00dft du eine solche Aufgabe, Mutter?&#8220; fragten die drei S\u00f6hne. &#8222;Ja, h\u00f6rt zu. Ihr sollt euch in den kommenden N\u00e4chten in Pferde verwandeln, und die will ich ihn dann h\u00fcten lassen. Versteckt euch aber ja gut im Wolfswalde, dass weder er noch sonst jemand euch finden kann! Denn sonst ist es aus mit uns!&#8220; &#8211; &#8222;Ja, so wollen wir&#8217;s machen!&#8220; sagten die Br\u00fcder; &#8222;er wird zum letzten Mal so gut geschlafen haben, wie er es gerade tut!&#8220; Wenn aber nur wahr gewesen w\u00e4re, was die Zauberin und ihre drei S\u00f6hne glaubten! Doch der K\u00f6nig schlief nicht, hatte alles wohl verstanden, was sie da miteinander besprochen hatten, und merkte es sich gut. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Am andern Morgen sagte die alte Zauberin zum K\u00f6nig: &#8222;Daf\u00fcr, dass ich dir Essen und Nachtquartier gebe, musst du drei N\u00e4chte lang auf der Weide drau\u00dfen meine Pferde h\u00fcten.&#8220; &#8211; &#8222;Das will ich gerne tun&#8220;, antwortete der K\u00f6nig. Als es nun Abend geworden war, nahm sie ihn mit hinaus vor die H\u00fctte, wo drei pr\u00e4chtige Pferde im Sande scharrten und sagte: &#8222;F\u00fchre sie auf die Weide. Sieh aber wohl zu, dass dir keines verloren geht!&#8220; Der K\u00f6nig versprach, gut auf sie Acht zu geben, und trieb sie in die Koppel. Sie weideten auch einige Stunden lang ganz ruhig, und der K\u00f6nig lie\u00df sie nicht aus den Augen. Auf einmal aber waren alle drei spurlos verschwunden. &#8222;Wie wird es dir ergehen?&#8220; dachte besorgt der K\u00f6nig und suchte die Pferde \u00fcberall, bis der Tag anbrach. Doch alles Suchen war vergebens. Da \u00fcberfiel ihn eine gro\u00dfe Angst vor der Strafe der Zauberin, und er seufzte: &#8222;Wenn jetzt nur der Wolfsk\u00f6nig da w\u00e4re und mir helfen k\u00f6nnte.&#8220; Kaum hatte er dies vor sich hin gesagt, stand auch schon der Wolfsk\u00f6nig vor ihm und fragte, was er w\u00fcnsche. Da klagte ihm der K\u00f6nig seine Not; der Wolfsk\u00f6nig beruhigte ihn aber, ging fort und sandte alle seine Knechte aus, die den ganzen Wolfswald nach den drei Pferden durchsuchten. Es dauerte nicht lange, da fanden sie, tief in einer Felsenh\u00f6hle versteckt, die drei Pferde und f\u00fchrten sie vor den K\u00f6nig. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Die Alte staunte nicht wenig, als der K\u00f6nig ihr die Pferde wiederbrachte. &#8222;Nun bin ich aber m\u00fcde und m\u00f6chte mich ein wenig ausruhen&#8220;, sagte er, zog Rock und Stiefel aus und legte sich auf sein Lager. Da h\u00f6rte er, wie die Frau in der Stube drau\u00dfen zu ihren S\u00f6hnen sagte: &#8222;Versteckt euch heute Nacht auf dem Grund des Sees; dort k\u00f6nnen die Boten des Wolfsk\u00f6nigs nicht hinkommen.&#8220; <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Am Abend bekam der K\u00f6nig wieder die drei Pferde zu h\u00fcten, f\u00fchrte sie hinaus auf die Koppel und gab wohl Acht auf sie. Ein paar Stunden lang weideten sie fromm wie L\u00e4mmer vor seinen Augen; dann aber waren sie ganz pl\u00f6tzlich wieder verschwunden. Diesmal aber blieb der K\u00f6nig ganz ruhig und sagte: &#8211; &#8222;Nun k\u00f6nntest du mir helfen, lieber Fischk\u00f6nig.&#8220; Kaum hatte er diese Worte vor sich hin gesprochen, stand auch schon der Fischk\u00f6nig da und fragte ihn, was er w\u00fcnsche. Da erz\u00e4hlte der K\u00f6nig, wie es ihm seither ergangen war und in welch gro\u00dfer Not er sich nun befinde. &#8222;Sei ohne Sorge!&#8220; sagte der Fischk\u00f6nig und gab sogleich allen Fischen den Befehl, den gro\u00dfen See bis in die letzten Schlupfwinkel hinein zu durchsuchen. Und richtig! &#8211; sie fanden die drei Pferde tief auf dem Grunde unter einem gewaltigen Stein verborgen und brachten sie dem K\u00f6nig. Der dankte dem Fischk\u00f6nig von Herzen f\u00fcr seine Hilfe und f\u00fchrte sie dann wohlgemut vor die H\u00fctte der alten Zauberin. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Die konnte vor Staunen gar keine Worte finden; der K\u00f6nig aber begab sich in seine Kammer und legte sich nieder, um auszuruhen. Da h\u00f6rte er, wie die Mutter ihre drei S\u00f6hne wieder schalt, weil sie sich nicht besser verborgen hatten. Sie aber entgegneten: &#8222;H\u00e4tte der Fischk\u00f6nig ihm nicht geholfen, so h\u00e4tte uns in alle Ewigkeit niemand finden k\u00f6nnen!&#8220; &#8211; &#8222;So versteckt euch heute Nacht hoch in den Wolken; dahin kann euch weder der Fischk\u00f6nig noch der Wolfsk\u00f6nig folgen!&#8220; sagte die Mutter. &#8222;Das eine aber lasst euch gesagt sein: Findet euch der K\u00f6nig zum dritten Male, dann hat meine und eure Macht \u00fcber die Menschen f\u00fcr immer ein Ende!&#8220; <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Der K\u00f6nig hatte jedes Wort der Unterhaltung wohl verstanden und merkte sie sich gut. Am Abend trieb er die drei Pferde wieder auf die Wiese und sah ihnen mehrere Stunden lang beim Weiden zu. Auf einmal waren sie wieder spurlos verschwunden. &#8222;Habt keine Sorge&#8220;, sagte der K\u00f6nig l\u00e4chelnd, &#8222;ich wei\u00df schon, wo ihr zu finden seid! Diesmal wird der Hornissenk\u00f6nig mir aushelfen k\u00f6nnen.&#8220; Kaum hatte er dies gesagt, kam auch schon der Hornissenk\u00f6nig angeflogen und fragte, auf welche Weise er ihm dienen k\u00f6nne. Als der K\u00f6nig ihm Bescheid gegeben hatte, befahl der Hornissenk\u00f6nig seinen hunderttausend Hornissen, den ganzen Himmel zu durchstreifen und alle Wolken zu durchsuchen, solange, bis sie die drei Pferde f\u00e4nden. Da brausten die Hornissen wie der Wind davon. Lange, lange suchten sie vergebens. Endlich aber fanden sie hoch oben in einer schwarzen Wolke die drei Rosse und f\u00fchrten sie ihrem Herrn und Meister zu. Der \u00fcbergab sie sogleich dem K\u00f6nig, und als der sie der Zauberin zum dritten Male zur\u00fcckbrachte, wurde sie sehr traurig und sprach: &#8222;Du hast die Aufgabe, die ich dir stellte, besser gel\u00f6st, als ich dachte. Nimm daf\u00fcr ein anderes, merkw\u00fcrdiges Pferd zum Geschenk an. Es bringt dir Gl\u00fcck und tr\u00e4gt dich sicher nach Hause.&#8220; Wie aber staunte der K\u00f6nig, als er dieses Pferd sah! &#8212; denn es war aus Holz und hatte vier K\u00f6pfe. Und w\u00e4hrend er das seltsame, schreckliche Wesen betrachtete, h\u00f6rte er eine dunkle Stimme sprechen: &#8222;Nimm dein Schwert und haue damit dem Tier seine vier K\u00f6pfe ab, so werden deine Schwestern aus der b\u00f6sen Zaubermacht der Alten und ihrer drei S\u00f6hne befreit sein!&#8220; Der K\u00f6nig gehorchte der Stimme, und alsbald stand ein sch\u00f6nes, gesatteltes Pferd vor ihm. Er ritt zu den drei Schl\u00f6ssern im Walde, befreite seine Schwestern und nahm so viel Gold und Edelsteine aus den verborgenen Schatzkammern mit sich, dass er dadurch zum reichsten K\u00f6nig der Welt wurde. Dann ritt er auf seine heimatliche Burg, nahm die drei Schwestern zu sich und lebte mit ihnen froh und gl\u00fccklich bis an sein Ende.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>schw\u00e4bisches M\u00e4rchen<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[85,150,133],"tags":[],"class_list":["post-297","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-maerchen","category-schwaben","category-maerchen-weltweit"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/297","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=297"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/297\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":298,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/297\/revisions\/298"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=297"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=297"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=297"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}