{"id":295,"date":"2015-10-06T23:22:03","date_gmt":"2015-10-06T21:22:03","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=295"},"modified":"2026-01-26T03:39:22","modified_gmt":"2026-01-26T02:39:22","slug":"das-maerchen-vom-donner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/das-maerchen-vom-donner\/","title":{"rendered":"Das M\u00e4rchen vom Donner"},"content":{"rendered":"\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Das M\u00e4rchen vom Donner<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nordamerikanisches Indianerm\u00e4rchen<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Es war einmal ein gro\u00dfer H\u00e4uptling, der hie\u00df Donner und wohnte im Himmel. Er hatte drei T\u00f6chter, die alle junge M\u00e4nner von der Erde zu heiraten w\u00fcnschten, aber dem Vater war keiner als Freier recht. Wenn die jungen M\u00e4nner kamen und um die T\u00f6chter warben, wurden sie von Donner get\u00f6tet.<\/p>\n\n\n\n<p>Er lie\u00df die Freier ins Haus ein, gab ihnen zu essen, aber das Haus war in Wirklichkeit ein<\/p>\n\n\n\n<p>B\u00e4rengrube, und die B\u00e4ren zerrissen die jungen M\u00e4nner, sobald sie ihren Fu\u00df \u00fcber die Schwelle gesetzt hatten.<\/p>\n\n\n\n<p>Endlich aber kam ein junger Mann, der auch eine der T\u00f6chter gern zum Weibe gehabt h\u00e4tte. Er n\u00e4herte sich dem Haus des H\u00e4uptlings. Da sah er einen kleinen See, in dem drei Frauen badeten. Der junge Mann versteckte sich und schlich sich zu der Stelle, an der die Kleider der Frauen lagen. Als die Frauen das sahen, sch\u00e4mten sie sich und wollten nicht aus dem Wasser kommen. Sie blieben im Wasser und hielten Rat. Die \u00e4lteste der Frauen sagte, der junge Mann k\u00f6nne ihre j\u00fcngste Schwester haben, wenn er ihr nur ihre Kleider zur\u00fcckg\u00e4be, aber der junge Mann lehnte ab. Dann sagte sie, er k\u00f6nne ihre beiden Schwestern haben, doch der junge Mann sagte, er wolle sie. Also sprach die Frau schlie\u00dflich:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbNun, ich bin ein armes Weib, aber wenn du mir meine Kleider zur\u00fcckgibst, will ich dir geh\u00f6ren.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Der junge Mann war einverstanden. Er wandte sich um, und die Frauen kleideten sich an.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann gingen sie alle zusammen mit dem jungen Mann zur\u00fcck zum Haus ihres Vaters.<\/p>\n\n\n\n<p>Unterwegs erkl\u00e4rten ihm die Frauen, dass Donner jeden Mann t\u00f6te, und wie er es anstellen m\u00fcsse, um ihm zu entkommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als sie das Haus erreicht hatten, bat Donner den jungen Mann herein und forderte ihn auf, etwas zu essen. Er trat \u00fcber die Schwelle, wie all die anderen Freier auch, aber es gab eine T\u00fcr auf der anderen Seite des Zimmers, durch die entkam er, ehe die B\u00e4ren ihn packen und zerrei\u00dfen konnten. Seine Frau wartete auf ihn, und zusammen gingen sie zu ihrem Haus, und sie gab sich ihm hin. Zeitig am Morgen stand der junge Mann auf und lief zum Haus des H\u00e4uptlings Donner zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Donner sprach zu ihm:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbMein Haus ist zu alt. Wenn du mir ein neues Haus machen kannst, sollst du meine Tochter haben.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Der junge Mann setzte sich hin, st\u00fctzte seinen Kopf auf die H\u00e4nde und dachte nach. Sehr angestrengt dachte er nach, und als er den Kopf wieder hob, da stand da ein neues Haus.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber Donner weigerte sich, ihm das M\u00e4dchen zur Frau zu geben. Er sprach zu dem jungen Mann:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbMein Garten ist v\u00f6llig verwildert. \u00dcberall liegen Steine, \u00fcberall wachsen Diesteln. Wenn du meinen Garten in Ordnung bringst, sollst du meine Tochter haben.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Der junge Mann setzte sich hin, st\u00fctzte seinen Kopf auf die H\u00e4nde und dachte nach, und als er nach einer kleinen Weile wieder aufsah, war der Garten sauber und ordentlich. Immer noch weigerte sich Donner, ihm das M\u00e4dchen zur Frau zu geben.<\/p>\n\n\n\n<p>Jede Nacht aber ging der junge Mann zum Frauenhaus&nbsp; zu seiner Freundin. Er schlief mit ihr. Sie aber verriet ihm all die Arten, auf die ihr Vater junge M\u00e4nner zu t\u00f6ten pflegte, doch immer empfand sie Furcht, dass ihr Geliebter dem Donner noch in die Falle gehen k\u00f6nne. Endlich schlug sie vor, in das Dorf des jungen Mannes davonzulaufen. Sie hatten so viele Kleider und Gegenst\u00e4nde, dass man damit mehrere H\u00e4user h\u00e4tte f\u00fcllen k\u00f6nnen, aber der junge Mann machte daraus eine kleine Rolle, die h\u00fcllte er in seine Decke, und dann machten sie sich auf den Weg.<\/p>\n\n\n\n<p>Am n\u00e4chsten Tag entdeckte Donner, dass der junge Mann ihm seine Tochter gestohlen hatte. Sofort machte er sich daran, die Liebenden zu verfolgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Mann und das M\u00e4dchen kamen an einen gro\u00dfen See. Sie verwandelten sich in Schwan und Ente und schwammen zum anderen Ufer.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Donner an den See kam, sah er nichts als zwei Wasserv\u00f6gel. Da zog er wieder heim, w\u00e4hrend die Liebenden ihre wahre Gestalt annahmen und weiterreisten. Donner kam nach Haus und erz\u00e4hlte seiner Frau, was geschehen war.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie lachte und sprach:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDu Dummkopf, die Wasserv\u00f6gel waren der Mann und die Frau.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Da wurde Donner zornig und machte sich noch einmal an die Verfolgung. Wieder h\u00f6rten ihn die Liebenden<\/p>\n\n\n\n<p>hinter sich kommen. Der junge Mann sah sich nach einem Versteck um. Da entdeckte er eine Eule, und sie<\/p>\n\n\n\n<p>verbarg den jungen Mann und die junge Frau unter ihrem Gefieder. Als Donner heran war, konnte er keine<\/p>\n\n\n\n<p>Spur von ihnen entdecken. Er sah die Eule, hieb auf sie ein, riss ihr alle Federn vom Leib, aber unter ihren Fl\u00fcgeln verga\u00df er nachzusehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ohne die Fl\u00fcchtenden entdeckt zu haben, kehrte er heim, w\u00e4hrend der junge Mann und die Frau ihren Weg fortsetzten.<\/p>\n\n\n\n<p>Als sie sich nun dem Dorf des Mannes n\u00e4herten, sagte die junge Frau:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbIch will hier warten, geh du voraus und erz\u00e4hl deiner Familie, dass du nicht allein bist.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Kaum dass der junge Mann gegangen war, begann die Frau vier H\u00e4user zu bauen. Sie holte die Sachen aus der Rolle hervor und f\u00fcllte die R\u00e4ume mit Kleidern<\/p>\n\n\n\n<p>und Dingen. Und eines der H\u00e4user bereitete sie f\u00fcr die Mutter des jungen Mannes.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht lange darauf, st\u00fcrmte der Donner wieder heran. Diesmal wollte er alle Menschen des Dorfes vernichten. Aber seine Tochter zauberte einen Spalt in den Boden. Der Donner fiel hinein bis zur H\u00fcfte und blieb darin stecken. Dann baute die Tochter ein Zelt \u00fcber seinem Kopf und f\u00fctterte ihn durch ein Loch im Zeltdach. Dort blieb er zwei Jahre. Aber schlie\u00dflich wurde er es leid. Er sagte zu seiner Tochter:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bb Wenn du mich herausl\u00e4sst, will ich heimgehen und euch weiter keine Schwierigkeiten mehr machen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00ab Da befreite sie ihn, und er zog fort. Der junge Mann und seine Frau aber lebten in Frieden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war einmal ein gro\u00dfer H\u00e4uptling, der hie\u00df Donner und wohnte im Himmel. Er hatte drei T\u00f6chter, die alle junge M\u00e4nner von der Erde zu heiraten w\u00fcnschten, aber dem Vater war keiner als Freier recht. 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