{"id":289,"date":"2015-10-06T23:04:05","date_gmt":"2015-10-06T21:04:05","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=289"},"modified":"2025-12-15T13:31:20","modified_gmt":"2025-12-15T12:31:20","slug":"die-drei-wuensche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-drei-wuensche\/","title":{"rendered":"Die drei W\u00fcnsche"},"content":{"rendered":"<p>Schw\u00e4bisches Volksm\u00e4rchen \u2013 Ernst Meier<br \/>\n<!--more--><br \/>\nUnser Heiland und der heilige Petrus kamen auf ihren Wanderungen eines Abends in ein Dorf und baten einen Mann, der ein gro\u00dfes sch\u00f6nes Haus hatte, um eine Nachtherberge. Der Mann aber wies sie ab und gab ihnen noch b\u00f6se Worte mit auf den Weg. Da gingen sie zu seinem n\u00e4chsten Nachbar, der war sehr arm und hatte nur eine kleine H\u00fctte, nahm aber die beiden Wanderer sogleich freundlich auf, obwohl er sie nicht erkannte, und teilte mit ihnen Alles, was er nur hatte.<\/p>\n<p>Als die Fremden nun ausgeruht hatten und am andern Morgen fort wollten, sagte der Heiland zu dem armen Mann und zu seiner Frau: sie d\u00fcrften drei W\u00fcnsche tun, die sollten ihnen gew\u00e4hrt werden. Da w\u00fcnschten sie sich ein besseres Haus, eine Kuh nebst Futter f\u00fcr dieselbe, und drittens w\u00fcnschten sie, dass sie immer einen &#8222;\u00fcbrigen Groschen&#8220; in der Tasche haben m\u00f6chten, damit sie auch den Armen etwas abgeben k\u00f6nnten. Und wie die Leute sich dies gew\u00fcnscht hatten, so bekamen sie es auf der Stelle. Die Fremdlinge aber reisten weiter.<\/p>\n<p>Als der Nachbar nun anstatt der kleinen H\u00fctte pl\u00f6tzlich das sch\u00f6ne neue Haus erblickte verwunderte er sich \u00fcber die Ma\u00dfen und schickte sogleich seine Frau hin\u00fcber, dass sie sich erkundigen sollte. Die erfuhr nun Alles, wie es gekommen war. Da \u00e4rgerte sich der Mann, dass er die Reisenden abgewiesen hatte und machte sich sogleich mit seiner Frau auf den Weg hinter ihnen her, holte sie auch alsbald ein und bat, dass der Heiland doch ihm und seiner Frau ebenfalls drei W\u00fcnsche gew\u00e4hren m\u00f6chte. Der Heiland sagte: ja, das wollte er wohl tun, was sie sich denn w\u00fcnschten? Da sagte die Frau sogleich: &#8222;ach, eine neue Hechel!&#8220; Und kaum hatte sie es ausgesprochen, so war auch die Hechel schon da. Ihr Mann aber ward unwillig, dass sich die Frau etwas so Geringes gew\u00fcnscht hatte und verlangte, dass er die beiden andern W\u00fcnsche tun d\u00fcrfe. Der Heiland sagte ihm: ja, er solle nur nach Haus gehen und was er sich w\u00fcnsche, das werde ihm gew\u00e4hrt werden.<\/p>\n<p>Als der Mann nun mit seiner Frau heimging und diese \u00fcber ihre sch\u00f6ne Hechel eine gro\u00dfe Freude bezeigte, so konnte es der Mann gar nicht verschmerzen, dass die Frau sich nicht etwas Besseres gew\u00fcnscht hatte und schalt sie recht t\u00fcchtig aus wegen ihrer Dummheit. Die Frau aber bek\u00fcmmerte sich nicht darum und hielt ihrem Mann best\u00e4ndig die Hechel hin und sagte: &#8222;aber sieh doch nur diese sch\u00f6ne Hechel!&#8220; Da sagte er endlich im Zorn: &#8222;ach ich wollte, dass Du auf deiner Hechel reiten m\u00fcsstest, da w\u00fcrdest Du wohl still davon sein!&#8220; Und mit Einem Male sa\u00df die Frau auf der Hechel und fing ganz erb\u00e4rmlich an zu schreien; denn die eisernen Spitzen stachen ihr den Allerwertesten ganz wund und blutig, und sie war nicht im Stande, sich davon loszumachen.<\/p>\n<p>Nun sah der Mann mit Schrecken, was f\u00fcr Unheil er durch seinen Wunsch angerichtet hatte, und suchte seine Frau zu tr\u00f6sten. &#8222;Sei doch nur still, sprach er, wir haben ja noch einen Wunsch und k\u00f6nnen uns die gr\u00f6\u00dften Sch\u00e4tze der Welt verschaffen!&#8220; Die Frau aber schrie immer lauter und j\u00e4mmerlicher und sagte: &#8222;was helfen mir alle Sch\u00e4tze, wenn ich solche Schmerzen ausstehen soll?&#8220; und sie lie\u00df ihrem Manne keine Ruhe, als bis er den dritten Wunsch aussprach, um sie von der Hechel frei zu machen. &#8222;Ei, so hol der Henker deine Hechel!&#8220; rief er endlich ganz zornig. Da war die Frau wieder frei aber ihre sch\u00f6ne Hechel war fort, also, dass sie von ihren drei W\u00fcnschen gar nichts mehr hatten, als \u00c4rger und den Spott der Leute, und die Frau noch au\u00dferdem viele Wunden und Schmerzen am Allerwertesten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schw\u00e4bisches Volksm\u00e4rchen \u2013 Ernst Meier<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[94,85],"tags":[],"class_list":["post-289","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-ernst-meier","category-maerchen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/289","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=289"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/289\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":290,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/289\/revisions\/290"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=289"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=289"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=289"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}