{"id":283,"date":"2015-10-06T22:58:26","date_gmt":"2015-10-06T20:58:26","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=283"},"modified":"2025-12-15T13:32:19","modified_gmt":"2025-12-15T12:32:19","slug":"die-drei-schlangenblaetter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-drei-schlangenblaetter\/","title":{"rendered":"Die drei Schlangenbl\u00e4tter"},"content":{"rendered":"<p>Gebr. Grimm<br \/>\n<!--more--><br \/>\nEs war einmal ein armer Mann, der hatte einen einzigen Sohn, er konnte ihn aber nicht mehr ern\u00e4hren. Da sprach der Sohn: &#8222;lieber Vater, es geht euch so k\u00fcmmerlich, ihr k\u00f6nnt mir das Brot nicht mehr geben, ich will fort und sehen, wie ich mir durch die Welt helfe.&#8220; Da gab ihm der Vater seinen Segen und nahm mit gro\u00dfer Trauer Abschied, der Sohn aber ward Soldat und zog mit ins Feld. Als er vor den Feind kam, da ging&#8217;s scharf her und regnete blaue Bohnen, dass seine Kameraden von allen Seiten niederst\u00fcrzten. Endlich fiel auch ihr Anf\u00fchrer, da wollten die \u00fcbrigen fliehen, aber der J\u00fcngling trat heraus, sprach ihnen Muth ein und rief: &#8222;unser Vaterland wollen wir nicht lassen!&#8220; Da folgten sie ihm und er drang ein und schlug den Feind. Wie die Nachricht zum K\u00f6nig kam, dass dieser allein die Schlacht gewonnen h\u00e4tte, erhob er ihn, machte ihn zu einem m\u00e4chtigen und angesehenen Manne und gab ihm gro\u00dfe Sch\u00e4tze.<\/p>\n<p>Dieser K\u00f6nig hatte eine sch\u00f6ne aber wunderliche Tochter, die einen seltsamen Schwur getan. Wer n\u00e4mlich ihr Herr und Gemahl werden wolle, m\u00fcsse versprechen, sie nicht zu \u00fcberleben, also dass wenn sie zuerst st\u00fcrbe, er sich lebendig mit ihr m\u00fcsse begraben lassen; dagegen wollte sie ein gleiches tun, wenn er zuerst st\u00fcrbe. Dieser Schwur aber hatte alle Freier abgeschreckt, weil ein jeder sich f\u00fcrchtete, lebendig ins Grab gehen zu m\u00fcssen. Nun sah der J\u00fcngling, als einer der ersten an des K\u00f6nigs Hof, die sch\u00f6ne Tochter und ward von ihrer Sch\u00f6nheit ganz eingenommen, dass er endlich bei dem alten K\u00f6nig um sie anhielt. Da antwortete der K\u00f6nig: &#8222;wer meine Tochter heiratet, muss sich nicht f\u00fcrchten lebendig in das Grab zu gehen;&#8220; und erz\u00e4hlte ihm, was sie f\u00fcr einen Schwur getan. Aber seine Liebe war so gro\u00df, dass er das Versprechen tat und an die Gefahr nicht dachte, und da ward ihre Hochzeit mit gro\u00dfer Freude gefeiert.<\/p>\n<p>Nun lebten sie eine Zeit lang gl\u00fccklich und vergn\u00fcgt mit einander, da geschah es, dass die junge K\u00f6nigin krank ward und kein Arzt ihr helfen konnte, also dass sie starb. Und als sie tot da lag, fiel ihm mit Schrecken ein, was er versprochen hatte, dass er sich lebendig mit ihr wolle begraben lassen und der alte K\u00f6nig lie\u00df alle Thore mit Wachen besetzen, damit er nicht entfliehen sollte und sprach, nun m\u00fcsste er halten was er gelobt h\u00e4tte. Als der Tag kam, wo die Leiche in das k\u00f6nigliche Gew\u00f6lbe beigesetzt wurde, da ward er mit hinab gef\u00fchrt und dann das Thor verriegelt und verschlossen. Neben dem Sarg stand ein Tisch, darauf ein Licht, vier Laibe Brot und vier Flaschen Wein, wenn das zu Ende ging, musste er verschmachten.<\/p>\n<p>Nun sa\u00df er da bei dem Sarg voll Schmerz und Trauer und a\u00df jeden Tag nur ein Biss lein Brot, trank nur einen Schluck Wein, und sah doch, wie der Tod immer n\u00e4her r\u00fcckte. Da geschah es, dass er einmal aus der Ecke des Gew\u00f6lbes eine Schlange hervorkriechen sah, die sich der Leiche n\u00e4herte. Und weil er dachte, sie k\u00e4me um die Leiche zu verletzen, zog er sein Schwert und sprach: &#8222;so lang ich lebe, sollst du sie nicht anr\u00fchren&#8220; und hieb die Schlange in drei St\u00fccke. \u00dcber eine Weile sah er, wie eine zweite Schlange aus der Ecke herauskroch, doch als sie die andere da tot und zerst\u00fcckt liegen fand, kroch sie eilig zur\u00fcck, kam aber bald wieder und hatte drei Bl\u00e4tter im Munde. Dann nahm sie die drei St\u00fccke von der Schlange, legte sie zusammen wie sich&#8217;s geh\u00f6rte, und tat auf jede Wunde eins von den Bl\u00e4ttern. Alsbald f\u00fcgte sich das Getrennte aneinander und die Schlange regte sich, war lebendig und beide eilten fort; die Bl\u00e4tter aber blieben auf der Erde liegen. Der Mann hatte alles mit angesehen und dachte: &#8222;welche wunderbare Kraft muss in den Bl\u00e4ttern stecken! haben sie die Schlange wieder lebendig gemacht, so helfen sie vielleicht auch einem Menschen.&#8220; Da hob er sie auf und legte eins davon auf den Mund der Toten und auf jedes Auge eins. Alsbald bewegte sich das Blut in ihrem Leib und stieg in das bleiche Angesicht, dass es sich wieder r\u00f6tete. Da zog sie Atem, schlug die Augen auf und \u00f6ffnete den Mund und sprach: &#8222;Ach Gott! wo bin ich?&#8220; &#8222;Du bist bei mir, liebe Frau,&#8220; antwortete er, und gab ihr etwas Wein und Brot um sie zu st\u00e4rken, und erz\u00e4hlte ihr dann alles, wie es gekommen, und er sie wieder ins Leben erweckt. Da stand sie fr\u00f6hlich auf und sie klopften an der T\u00fcre; so laut, dass es die Wachen h\u00f6rten und dem K\u00f6nige meldeten. Der K\u00f6nig kam selbst und \u00f6ffnete die T\u00fcre; da standen beide frisch und gesund und er f\u00fchrte sie hinauf und freute sich mit ihnen, dass nun alle Not \u00fcberstanden war. Die drei Schlangenbl\u00e4tter aber, die der junge K\u00f6nig mitgenommen, gab er einem treuen Diener und sprach: &#8222;verwahr sie sorgf\u00e4ltig und trag sie zu jeder Zeit bei dir, wer wei\u00df, wie sie uns noch helfen k\u00f6nnen.&#8220;<\/p>\n<p>Es war aber, als ob der Frau, seit sie ihr Mann wieder ins Leben erweckt, das Herz sich ganz ver\u00e4ndert und umgekehrt h\u00e4tte. Und als nach einiger Zeit eine Fahrt nach seinem alten Vater geschehen sollte und sie aufs Meer kamen, verga\u00df sie g\u00e4nzlich seine gro\u00dfe Liebe und Treue, und es erwuchs in ihr eine b\u00f6se Neigung zu dem Schiffer. Und als der junge K\u00f6nig einmal da lag und schlief, ging ihre Bosheit so weit, dass sie zu dem Schiffer sprach: &#8222;komm und hilf mir, wir wollen ihn ins Wasser werfen und zur\u00fcck fahren dann will ich sagen, er w\u00e4r gestorben und du w\u00e4rst w\u00fcrdig, mein Mann zu werden und die Krone meines Vaters zu erben.&#8220; Da fasste sie ihm am Kopf und der Fischer an den F\u00fc\u00dfen und warfen ihn \u00fcber Bord, dass er im Meer ertrinken musste. Nun w\u00e4re der Frau ihr Anschlag gelungen, wenn nicht der treue Diener alles mit angesehen h\u00e4tte, der machte heimlich ein kleines Schifflein von dem gro\u00dfen los und fuhr der Leiche nach, und fischte sie wieder auf. Darauf nahm er die drei Schlangenbl\u00e4tter und legte sie ihm auf Augen und Mund, davon ward er alsbald wieder lebendig.<\/p>\n<p>Nun sprach er zu dem Diener: &#8222;wir wollen rudern Tag und Nacht, damit wir fr\u00fcher bei dem alten K\u00f6nig anlangen.&#8220; Der K\u00f6nig aber, als er sie wieder sah, verwunderte sich und sprach: &#8222;was ist euch begegnet?&#8220; Da erz\u00e4hlte ihm der junge K\u00f6nig alles und der alte sprach: &#8222;ich kann\u2019s nicht glauben, dass meine Tochter so schlecht soll gehandelt haben,&#8220; und hie\u00df sie beide in eine verborgene Kammer gehen, da sollten sie sich vor jedermann heimlich halten. Bald darauf landete die Frau mit dem gro\u00dfen Schiff und kam vor ihren Vater mit ganz betr\u00fcbtem Gesicht. Sprach er: &#8222;meine Tochter, warum kommst du allein, wo ist dein Mann?&#8220; &#8222;Ach, antwortete sie, wie in gro\u00dfer Trauer, er ist pl\u00f6tzlich auf dem Meer krank geworden und gestorben; dieser gute Schiffer hat mir beigestanden und wei\u00df, wie alles zugegangen ist.&#8220; Da \u00f6ffnete der K\u00f6nig die Kammer und hie\u00df die beiden herausgehen und als sie ihren Mann erblickte, war sie wie vom Donner ber\u00fchrt und sank auf die Knie und rief um Gnade. <span style=\"font-family: Arial;\">Der K\u00f6nig sprach &#8218;da ist keine Gnade, er war bereit, mit dir zu sterben, und hat dir dein Leben wiedergegeben, du aber hast ihn im Schlaf umgebracht, und sollst deinen verdienten Lohn empfangen.&#8216; Da ward sie mit ihrem Helfershelfer in ein durchl\u00f6chertes Schiff gesetzt und hinaus ins Meer getrieben, wo sie bald in den Wellen versanken.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gebr. 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