{"id":281,"date":"2015-10-06T22:52:17","date_gmt":"2015-10-06T20:52:17","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=281"},"modified":"2026-01-24T02:18:53","modified_gmt":"2026-01-24T01:18:53","slug":"die-drei-schoenen-prinzessinnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-drei-schoenen-prinzessinnen\/","title":{"rendered":"Die drei sch\u00f6nen Prinzessinnen"},"content":{"rendered":"<p><!--more--><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">In alten Zeiten regierte in Granada ein maurischer K\u00f6nig namens Mohammed, den seine Untertanen el Hayzari, den Linksh\u00e4nder nannten. Einige Chronisten meinen, man habe ihm diesen Beinamen gegeben, weil er mit seiner linken Hand so gut umgehen konnte wie mit der rechten; andere aber glauben, dass er alles verkehrt anfasste und linkisch verpfuschte, was zu regeln gewesen w\u00e4re. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Wie auch immer dem sei, sicher ist, dass w\u00e4hrend seiner Regierungszeit Granada von schweren Unruhen und Revolutionen heimgesucht wurde. Er selbst konnte nie in Frieden leben, und vom Ungl\u00fcck verfolgt oder infolge schlechter Verwaltung wurde er dreimal vom Throne gesto\u00dfen; dabei musste er sogar bei einer Gelegenheit als Fischer verkleidet bis Afrika hin\u00fcberfl\u00fcchten, um sein Leben zu retten. Doch war K\u00f6nig Mohammed so tapfer wie ungeschickt und f\u00fchrte linksh\u00e4ndig den Krumms\u00e4bel so kr\u00e4ftig, dass er sich nach schweren Gefechten den Thron immer wieder zur\u00fcckeroberte. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Aber anstatt aus dem Missgeschick zu lernen und klug zu werden, wurde er hartherzig, eigenwillig und halsstarrig und bediente sich seines linken Armes, um seine Willk\u00fcr zu behaupten. \u00dcber das Ungl\u00fcck, das er so \u00fcber sich und sein Reich brachte, berichten dem Forscher die alten arabischen Annalen Granadas; die hier folgende Geschichte soll nur von seinem h\u00e4uslichen Leben erz\u00e4hlen: <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Als dieser Mohammed eines Tages mit seinen H\u00f6flingen am Fu\u00dfe der Sierra Elvira einen l\u00e4ngeren Spazierritt unternahm, begegnete er einem Trupp seiner Leute, der von einem Streifzug durchs Grenzland der Christen siegesfroh zur\u00fcckkehrte. Die Reiter f\u00fchrten einen langen Zug mit Beute schwer beladener Maulesel mit sich; auch sah man viele Gefangene beiderlei Geschlechts. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Unter den Frauen und M\u00e4dchen fiel dem Herrscher ein sch\u00f6nes und reich gekleidetes M\u00e4dchen auf, das weinend auf einem kleinen Pferd sa\u00df, kaum auf die ihr zur Seite reitende Duena h\u00f6rte und deren tr\u00f6stende Worte nicht zu verstehen schien. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Der K\u00f6nig, von der Sch\u00f6nheit des M\u00e4dchens bezaubert, erkundigte sich sogleich nach der Herkunft der Gefangenen. Der Anf\u00fchrer der Truppe konnte ihm melden, dass es sich um die Tochter des Alcaiden, des Burgvogtes, einer Grenzfestung handle, die man im Handstreich eingenommen und dann gepl\u00fcndert habe. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Mohammed forderte das Christenm\u00e4dchen als k\u00f6niglichen Beuteanteil und lie\u00df es in den Harem auf der Alhambra bringen. Hier tat man alles, um die Auserkorene des F\u00fcrsten zu zerstreuen, ihren Kummer zu d\u00e4mpfen und ihre Stimmung zu heben. Der n\u00e4rrisch verliebte K\u00f6nig beschloss daraufhin, das sch\u00f6ne M\u00e4dchen zu seiner Gemahlin zu machen. Die Christin wies anfangs seinen Antrag schroff ab, denn der Bewerber war ein Ungl\u00e4ubiger, ein offener Feind ihres Vaterlandes und, was das Schlimmste war, er z\u00e4hlte nicht mehr zu den j\u00fcngeren Jahrg\u00e4ngen, denn Silberlocken umrahmten sein ehrw\u00fcrdiges Haupt. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Als der K\u00f6nig sah, dass all seine Bem\u00fchungen fruchtlos blieben, beschloss er, mit der Duena, die damals mit dem M\u00e4dchen gefangengenommen worden war, zu reden, da diese auf ihre junge Herrin bestimmt einen gro\u00dfen Einfluss aus\u00fcbte. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Dieser dienstbare Geist war Andalusierin von Geburt; doch kennt man ihren christlichen Namen nicht, denn in den maurischen Sagen nennt man sie immer \u00bbDie kluge Kadiga\u00ab, und klug war sie in der Tat, was aus der Geschichte ganz klar hervorgeht. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Der maurische K\u00f6nig hatte mit ihr eine kurze, geheime Unterredung. Dabei begriff sie, dass es ihm ernst war, und also machte sie seine Sache bei ihrer jungen Herrin zur ihrigen. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbSchluss jetzt!\u00ab rief sie eindringlich, \u00bbwas gibt es denn da zu weinen und zu jammern? Ist es nicht besser, hier die Herrin zu sein, in diesem wundervollen Palast mit all den sch\u00f6nen G\u00e4rten und Brunnen, als in Eures Vaters altem Grenzturm zwischen nackten Felsen eingeschlossen zu leben? Dass dieser Mohammed ein Ungl\u00e4ubiger ist, was tut dies schon gro\u00df zur Sache? Ihr heiratet ja ihn und nicht seine Religion. Und dass er alt ist? Desto eher werdet ihr Witwe und dann Eure eigene Herrin sein. Auf jeden Fall seid Ihr in seiner Gewalt und habt nur die Wahl zwischen K\u00f6nigin oder Sklavendasein. Sagt man nicht, es sei immer noch besser, seine Ware an den R\u00e4uber zu einem annehmbaren Preis zu verkaufen, als sie sich mit Gewalt nehmen zu lassen?\u00ab <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Die Vorhaltungen der klugen Kadiga hatten Erfolg. Das spanische M\u00e4dchen trocknete ihre Tr\u00e4nen und wurde die Gemahlin Mohammeds des Linksh\u00e4nders. Sie nahm auch zum Schein den Glauben ihres k\u00f6niglichen Gatten an; ihre Duena aber wurde sofort eine eifrige Bekennerin der Lehren des Propheten. Sie erhielt den arabischen Namen Kadiga und blieb die vertraute Dienerin ihrer Herrin. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Nach angemessener Zeit wurde der maurische K\u00f6nig stolzer und gl\u00fccklicher Vater von drei h\u00fcbschen T\u00f6chtern, die alle zur selben Stunde geboren wurden. Ihm w\u00e4ren wohl S\u00f6hne lieber gewesen, doch er tr\u00f6stete sich mit der \u00dcberlegung, dass immerhin drei gleichzeitig geborene T\u00f6chter f\u00fcr einen einigerma\u00dfen bejahrten und obendrein noch linksh\u00e4ndigen Mann eine beachtenswerte Leistung w\u00e4ren. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Wie es bei den moslemischen K\u00f6nigen Sitte war, rief auch r bei diesem gl\u00fccklichen Ereignis die bekanntesten Astrologen zu sich und bat sie, den drei kleinen Prinzessinnen ihr Horoskop zu stellen. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Gerne kamen die weisesten M\u00e4nner des Reiches dem Wunsch ihres Landesherrn nach, und ernst, mit den gelehrten H\u00e4uptern nickend, sagten sie: \u00bbT\u00f6chter, o K\u00f6nig, sind immer ein unsicherer Besitz; aber diese hier werden deiner Wachsamkeit ganz besonders bed\u00fcrfen, wenn sie in das heiratsf\u00e4hige Alter kommen. Dann nimm sie in deine _$alleinige Obhut und vertraue sie keinem anderen Menschen an.\u00ab <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Mohammed, der Linksh\u00e4nder, wurde von seinen H\u00f6flingen und Hofschranzen als weiser K\u00f6nig anerkannt, und er selbst betrachtete sich auch als einen von Gott gesegneten Landesvater. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Die Prophezeiung der Astrologen verursachte ihm und seinem Hofstaat also wenig Kopfzerbrechen; er traute ihrem und seinem Verstande zu, die \u00dcberwachung der Infantinnen zu gegebener Zeit umsichtig, zu organisieren und damit des Geschickes M\u00e4chte \u00fcberlisten zu k\u00f6nnen. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Die Drillingsgeburt war \u00fcbrigens die letzte und einzige eheliche Troph\u00e4e des K\u00f6nigs. Seine Gemahlin gebar ihm darauf keine Kinder mehr und starb einige Jahre sp\u00e4ter, Die jungen T\u00f6chter der Obhut seiner Liebe und der Treue der klugen Kadiga \u00fcberlassend. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Viele Jahre gingen ins Land, ehe die Prinzessinnen das von den Astrologen genannte gef\u00e4hrliche Alter der Heiratsf\u00e4higkeit erreichten. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;Ein kluger Mann baut vor\u00ab, sagte sich der schlaue K\u00f6nig und beschloss, den Wohnsitz seiner T\u00f6chter und ihres Hofstaates nach dem k\u00f6niglichen Schloss Salobrena zu Verlegen und sie dort erziehen zu lassen. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Dieser pr\u00e4chtige Palast stand inmitten einer starken maurischen Festung, die vor Jahren einer der granadinischen F\u00fcrsten auf den uneinnehmbaren Gipfel eines Berges an den Ufern des Mittelmeeres hinaufgebaut hatte. Salobrena war also so etwas wie ein Fruchtkern, von einer harten Schale umschlossen, und unm\u00f6glich schien es, mit den Bewohnern des Palastes von au\u00dfen her in Kontakt zu treten. Hier oben, fern von Granada und den Hofintrigen, den R\u00e4nken und politischen Verschw\u00f6rungen, war eine Art von k\u00f6niglicher Pfalz, wo die mohammedanischen Potentaten unliebsame Verwandte einsperrten, die ihnen im Wege standen oder ihre Sicherheit zu gef\u00e4hrden schienen. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Den Bewohnern dieses politischen Sanatoriums wurde \u00fcbrigens jede Art von Wohlleben und Unterhaltung geboten, in deren unbeschr\u00e4nktem Genus sie ihr Leben in \u00fcppiger Tr\u00e4gheit und woll\u00fcstiger Faulheit hinbrachten, bis sie endlich verfettet ins bestimmt nicht bessere jenseits hin\u00fcberschlummerten. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Nachdem diese Residenz von vielen Arbeitern und K\u00fcnstlern zweckdienlich hergerichtet worden war, \u00fcbersiedelten die drei Infantinnen dorthin. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Hier lebten sie von aller Welt abgeschlossen, doch mit ihren Freundinnen und von Sklavinnen bedient, die ihnen jeden Wunsch von den Augen ablasen. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Sie spazierten in den k\u00f6stlichen Schlossg\u00e4rten umher, wo die herrlichsten Blumen wuchsen und die B\u00e4ume seltene Fr\u00fcchte trugen; sie spielten in duftenden Hainen und erfrischten sich in wohlriechenden B\u00e4dern. Von drei Seiten schaute die Burg auf ein reiches und gepflegtes Tal nieder, und weit hinten am Horizont leuchteten die Berge der Alpujarra; in der anderen Richtung ging der Blick aufs sonnenbestrahlte offene Meer hinaus, wo Fischer ihrem schweren Handwerk nachgingen und Kauffahrer dahinsegelten. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Die Prinzessinnen wuchsen in dieser Umgebung unter ewig blauem Himmel im mildesten Klima der Welt zu wahren Sch\u00f6nheiten heran. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Obgleich alle drei Schwestern die gleiche Erziehung genossen, waren sie in bezug auf ihre Charaktereigenschaften von klein auf grundverschieden. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Sie hie\u00dfen Zaida, Zoraida und Zorahaida; und das war auch die Reihenfolge ihres Alters. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Genau drei Minuten lagen zwischen der Geburt einer jeden. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Zaida, die \u00e4lteste, hatte einen unerschrockenen Geist und war ihren Schwestern in allem voraus, was sich ja schon bei ihrem Eintritt in diese Welt gezeigt hatte. Sie war neugierig, wissensdurstig, fragte viel und ging den Dingen gern auf den Grund. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Zoraida war eine K\u00fcnstlernatur von feinem Geist und Gef\u00fchl. Ein besonderer Sinn f\u00fcr alles Sch\u00f6ne und \u00e4sthetische zeichnete sie aus, was ohne Zweifel der Grund war, weshalb sie so gern in Spiegeln und Brunnen ihr eigenes Bild betrachtete; Blumen, Juwelen und kunstvoller Putz lie\u00dfen ihr kleines Herz rascher schlagen. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Zorahaida wieder war sanft und sch\u00fcchtern, \u00e4u\u00dferst empfindsam und dazu von hingebungsvoller Z\u00e4rtlichkeit. Mit Liebe pflegte sie Blumen, V\u00f6gel und andere Tiere. Sanft und voll Liebe unterhielt sie sich mit ihren Schwestern, und nie sprach sie einen ihrer W\u00fcnsche in arrogantem Tone aus. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Sinnend und tr\u00e4umend sa\u00df sie oft stundenlang auf dem Balkon und schaute in milden Sommern\u00e4chten zu den funkelnden Sternen hinauf oder auf das weite, vom Mond bestrahlte Meer hinaus. In solchen Momenten konnte ein fernes Fischerlied, der leise Ton einer maurischen Fl\u00f6te oder der Ruderschlag einer vor\u00fcbergleitenden Barke sie ganz und gar verz\u00fccken. Der geringste Aufruhr der Elemente aber erf\u00fcllte sie mit Schrecken und Angst, und ein einziger Donnerschlag reichte oft hin, sie in Ohnmacht fallen zu lassen. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">So gingen ruhig und heiter die Jahre dahin. Treu erf\u00fcllte die kluge Kadiga ihre Pflicht und sorgte unerm\u00fcdlich f\u00fcr das Wohl der ihr anvertrauten Prinzessinnen. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Das Schloss Salobrena lag, wie bereits erw\u00e4hnt, auf einem Berg an der Seite des H\u00fcgels. Die Anlage zog sich hin bis zu einem vorspringenden Felsen, der \u00fcber die See hinausragte. Die Wellen schlugen sanft auf einen kleinen Strand, dessen Ufersand der K\u00fcste jede Rauheit nahm. Oben auf dem Felsenriff stand ein alter Wachtturm, der zu einem sch\u00f6nen Pavillon umgebaut worden war, durch dessen vergitterte Fenster die frische Seeluft hereinkam. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Hier verbrachten die Infantinnen gew\u00f6hnlich die schw\u00fclen Stunden des Mittags und schliefen w\u00e4hrend der Siesta-Zeit dann ruhig und zufrieden. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Die neugierige Zaida sa\u00df eines Tages an einem der Fenster des Pavillons und schaute \u00fcbers Meer hin, w\u00e4hrend ihre beiden Schwestern auf weichen Ottomanen schliefen. Aufmerksam beobachtete sie eine Galeere, die mit gleichm\u00e4\u00dfigen Ruderschl\u00e4gen die K\u00fcste entlangfuhr und sich dem Turm n\u00e4herte. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Bald konnte sie auch feststellen, dass es sich um ein milit\u00e4risches Fahrzeug handelte, da es mit Bewaffneten bemannt war. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Die Galeere warf unterm Turm beim Felsen Anker, und eine gr\u00f6\u00dfere Anzahl maurischer Soldaten brachten mehrere christliche Gefangene an Land und stellten diese am schmalen Sandstrand auf. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Zaida weckte sofort ihre Schwestern und berichtete ihnen eingehend \u00fcber den Vorfall. Alle drei lugten dann vorsichtig durch die dichten Fenstergitter zur K\u00fcste hinunter, derart, dass sie von drau\u00dfen nicht gesehen werden konnten. Unter den Gefangenen befanden sich drei reich gekleidete spanische Ritter. Sie standen in der Bl\u00fcte der Jugend und waren von edlem Aussehen; aus ihrem Wesen sprach Vornehmheit, und stolz schauten sie zu ihren Feinden und W\u00e4chtern hin\u00fcber, die auf weitere Anordnungen bez\u00fcglich der mit Ketten beladenen Christen zu warten schienen. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Die Infantinnen blickten voll gespanntem Interesse hinunter und konnten sich an den sch\u00f6nen jungen M\u00e4nnern nicht sattsehen. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Was Wunder, dass die Erscheinung der drei Ritter aus adeligem Hause ihre jungen Herzen einigerma\u00dfen beunruhigte. Im Schloss kamen sie fast ausschlie\u00dflich mit weiblicher Dienerschaft zusammen und sahen vom m\u00e4nnlichen Geschlecht nur schwarze Sklaven und dann und wann einen Fischer oder einen Soldaten der K\u00fcstenwache. Die etwas arrogante Sch\u00f6nheit der drei h\u00fcbschen Ritter in der Bl\u00fcte ihrer Jugend musste die Infantinnen aufs tiefste bezaubern. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbHat jemals ein edleres Wesen die Erde betreten, als jener Ritter in Scharlachrot?\u00ab rief Zaida, die \u00e4lteste der Schwestern. \u00bbSchau, wie stolz er sich benimmt, als ob alle rings um ihn seine Sklaven w\u00e4ren! \u00ab <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbAber seht nur jenen in Gr\u00fcn! \u00ab rief Zoraida, \u00bbwelche Anmut, welche Hoheit, welche Eleganz! \u00ab <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Zorahaida aber schwieg und verriet ihren Schwestern nichts, doch insgeheim gefiel ihr der Ritter im blauen Gewand am besten. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Die Prinzessinnen wandten von den Gefangenen kein Auge ab, bis sie in der Ferne ihren Blicken entschwanden Dann seufzten die drei Infantinnen tief, drehten sich um, schauten sich einen Augenblick an und setzten sich sinnend und tr\u00e4umend in ihre Ottomanen. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">So traf sie bald hernach die kluge Kadiga. Die M\u00e4dchen erz\u00e4hlten ihrer treuen Duena, was sie gesehen hatten. Schw\u00e4rmend lie\u00dfen sie ihren Zungen freien Lauf, dass so gar das welke Herz Kadigas rascher zu schlagen begann. \u00bbArme Jungen! \u00ab rief sie aus, \u00bbihre Gefangenschaft und das harte Los, das ihrer harrt, wird manch edlem und sch\u00f6nem M\u00e4dchen in ihrem Heimatland gro\u00dfen Kummer und schweres Herzeleid verursachen! Ach, liebe Kinder, ihr habt keinen Begriff von dem Leben, das diese Ritter auf ihren Burgen und Schl\u00f6ssern, in Pal\u00e4sten und am Hofe ihres K\u00f6nigs f\u00fchren! Welche Pracht bei den Turnieren herrscht, welche Bewunderung von seiten sch\u00f6ner Frauen ihnen entgegengebracht wird. Und dann dieser Minnedienst mit Liedern und Serenaden!\u00ab <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Bei Zaida stieg die Neugierde aufs h\u00f6chste. Ihre Fragen wollten kein Ende nehmen, und nach und nach entlockte sie der alten Dienerin die lebendigsten Schilderungen von Festen und Spielen, die sie in der Jugend in ihrem Heimatlande gesehen und erlebt hatte. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Die sch\u00f6ne Zoraida richtete sich schnell auf, als Kadiga von den Reizen der spanischen Frauen berichtete, und ging zum gro\u00dfen Wandspiegel, wo sie sich insgeheim mit kritischem Blick, doch hochzufrieden betrachtete. Die zarte Zorahaida dr\u00fcckte sich wieder tief in die Kissen auf ihrer Ottomane und seufzte traurig in sich hinein, als von den feurigen Mondscheinserenaden die Rede war. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">jeden Tag kam die neugierige Zaida wieder mit ihren Fragen, und jeden Tag wiederholte die kluge Duena ihre Erz\u00e4hlungen, denen die edlen Zuh\u00f6rerinnen mit gr\u00f6\u00dfter Aufmerksamkeit lauschten, und manchmal seufzten sie tr\u00e4nenden Auges dabei. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Endlich merkte die alte Frau, dass sie dabei war, ein gro\u00dfes Unheil anzurichten. Sie hatte \u00fcbersehen, dass aus den ihr anvertrauten drei Kindern nunmehr kokette junge Frauen im heiratsf\u00e4higen Alter geworden waren, durch deren Adern hei\u00df das Blut pulsierte und deren Herzen nach Liebe verlangten. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Es wird Zeit, dachte sich die Duena daher, dass der K\u00f6nig benachrichtigt wird, mag er dann verf\u00fcgen, was ihm richtig erscheint. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Mohammed der Linksh\u00e4nder sa\u00df eines Morgens in einer der k\u00fchlsten Hallen der Alhambra auf dem Diwan, als ein Bote von der Festung Salobrena in den Thronsaal gef\u00fchrt wurde, der Kadigas Gl\u00fcckw\u00fcnsche zum Geburtstag seiner drei T\u00f6chter \u00fcberbrachte. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Die kluge Duena sandte dem K\u00f6nig ein mit Blumen verziertes, feines K\u00f6rbchen, in dem auf Weinlaub und Feigenbl\u00e4ttern gebettet ein Pfirsich, eine Aprikose und eine Nektarine lagen. Als der Monarch die frischen Fr\u00fcchte im verf\u00fchrerischen Reiz beim Anflug ihrer Reife sah, da erriet er sogleich die Bedeutung dieses Geschenkes. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Ernst geworden, \u00fcberlegte er sich: \u00bbDie von den Astrologen angedeutete gef\u00e4hrliche Zeit ist also gekommen; meine T\u00f6chter sind im heiratsf\u00e4higen Alter. Vorsicht ist geboten! Doch was soll ich tun? Richtig ist, dass sie den Blicken der M\u00e4nner entzogen sind; dass Kadiga klug und treu ihrer Pflicht nachkommt, auch das ist wahr! Die Astrologen verlangten aber, dass ich selbst die M\u00e4dchen in Obhut nehme und sie keiner anderen Person anvertraue! Um k\u00fcnftigen Verdruss und \u00e4rger zu vermeiden, muss ich mich ab heute selbst um meine T\u00f6chter k\u00fcmmern.\u00ab <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">So sprach Mohammed und lie\u00df einen Turm auf der Alhambra zum Aufenthaltsort der Infantinnen ausbauen. Dann ritt er an der Spitze seiner Leibwache bis Salobrena, um die drei Sch\u00f6nheiten mit Kadiga und dem Hofstaat in h\u00f6chst eigener Person auf die K\u00f6nigspfalz in Granada zu bringen. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Ungef\u00e4hr drei Jahre waren verflossen, seitdem der K\u00f6nig seine T\u00f6chter zum letzten Mal gesehen hatte. Er traute seinen Augen nicht, als er die wunderbare Ver\u00e4nderung gewahrte, die w\u00e4hrend dieses Zeitraums mit ihrem \u00e4u\u00dferen vor sich gegangen war. Sie hatten in wenigen Monaten jene mysteri\u00f6se Grenzlinie des weiblichen Lebens \u00fcberschritten, welche das wilde, ungez\u00e4hmte, eckige und gedankenlose M\u00e4dchen von der aufbl\u00fchenden und selbstst\u00e4ndig urteilenden jungen Frau trennt. Aus Kindern waren Erwachsene geworden! \u00e4hnliches erlebt der Reisende, der aus der reizlosen und kahlen Mancha des kastilischen Hochlandes in die \u00fcppigen T\u00e4ler und schwellenden H\u00fcgel Andalusiens gelangt. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Zaida war schlank und sch\u00f6n gewachsen, von stolzer Haltung, und unter fein geschwungenen Brauen leuchteten durchdringend tief schwarze Augen. Sie trat mit gemessenen Schritten ein und machte vor Mohammed eine tiefe Verbeugung, die mehr dem K\u00f6nig als dem Vater zu gelten schien. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Zoraida war von mittlerem Wuchs, sie hatte ein bezauberndes Wesen. Sie unterstrich es vorteilhaft durch ausgesuchte Kleidung und geschmackvollen Schmuck und Putz. L\u00e4chelnd kam sie auf ihren Vater zu, k\u00fcsste ihm die H\u00e4nde und begr\u00fc\u00dfte ihn mit einigen Versen aus einem arabischen Gedicht, was dem K\u00f6nig gro\u00dfe Freude bereitete. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Zorahaida war sch\u00fcchtern und scheu, etwas kleiner als ihre Schwestern, und ihre Sch\u00f6nheit hatte jenen zarten einschmeichelnden Charakter, der Liebe und Schutz sucht. Sie war keine Herrschernatur, so wie ihre \u00e4lteste Schwester, auch war sie nicht von blendender Sch\u00f6nheit, wie die zweite; sie schien dazu geschaffen, sich an die Brust des geliebten Mannes zu schmiegen, verw\u00f6hnt zu werden und sich gl\u00fccklich zu f\u00fchlen. Sch\u00fcchtern und z\u00f6gernd n\u00e4herte sie sich ihrem Vater und getraute sich nicht nach seiner Hand zu fassen, um sie zu k\u00fcssen. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Erst als sie sein v\u00e4terliches L\u00e4cheln sah, kam ihre Z\u00e4rtlichkeit zum Durchbruch. Voll Freude warf sie sich an seine Brust, umarmte und k\u00fcsste ihn mit kindlicher Liebe. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Mit Stolz, doch auch mit sorgenvoller Verwirrung blickte Mohammed der Linksh\u00e4nder auf seine T\u00f6chter, denn w\u00e4hrend er sich \u00fcber ihre gro\u00dfe Sch\u00f6nheit freute, fiel ihm die ernste Prophezeiung der Astrologen ein. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbDrei T\u00f6chter! Drei T\u00f6chter!\u00ab murmelte er mehrmals in seinen wei\u00dfen Bart hinein, \u00bbund alle im heiratsf\u00e4higen Alter! Das sind wahrhaftig lockende Hesperidenfr\u00fcchte, die einen Drachen zum W\u00e4chter brauchten! \u00ab <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Bald hatte er alles geordnet und bereitete seine R\u00fcckkehr nach Granada vor. Doch vorher lie\u00df er noch durch k\u00f6nigliche Herolde verk\u00fcnden, dass sich jedermann vom Wege fernzuhalten habe, den der K\u00f6nig mit T\u00f6chtern und Gesinde nehmen wolle, und dass beim Herannahen des Zuges Fenster und T\u00fcren zu schlie\u00dfen seien, denn die Infantinnen sollten niemanden sehen. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Als so alles geregelt schien, brach er auf, geleitet von einem Trupp schwarzer Reiter h\u00e4sslichsten Aussehens, deren R\u00fcstungen im Schein der ersten Sonnenstrahlen funkelten. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Auf feurigen wei\u00dfen Pferden ritten die Prinzessinnen neben dem Vater. Weite Seidenm\u00e4ntel tarnten ihre wohlgeformten Leiber, und dichte Schleier verh\u00fcllten die so sch\u00f6nen Gesichtsz\u00fcge der wundervollen M\u00e4dchen. Die Schimmel, auf denen sie im Sattel sa\u00dfen, trugen samtene Decken, reich mit Gold und Silber bestickt; Kandare, Kinnkette und Steigb\u00fcgel waren aus Gold, die seidenen Z\u00fcgel mit Perlen und Diamanten verziert. Am Zaumzeug hingen Dutzende von silbernen Gl\u00f6ckchen, deren melodischer Klang das Ohr erfreute. Aber wehe dem Ungl\u00fccklichen, der am Wege z\u00f6gernd stehenblieb, wenn er den wohlklingenden Ton der Silberschellen h\u00f6rte! Die Wachmannschaft hatte den strikten Befehl, ihn ohne Gnade niederzuhauen! <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Der k\u00f6nigliche Geleitzug n\u00e4herte sich bereits Granada, als er am Ufer des Genil eine Abteilung maurischer Soldaten einholte, die einen Trupp christlicher Gefangener begleitete. Schon war es f\u00fcr die Soldaten zu sp\u00e4t, aus dem Weg zu gehen und sich seitlich in die B\u00fcsche zu schlagen, wie es befohlen war. Sie warfen sich also auf den Boden, mit den Gesichtern zur Erde versteht sich. Ihren Gefangenen befahlen sie, es ihnen nachzutun. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Unter den Gefangenen befanden sich aber auch die drei spanischen Ritter, welche den Infantinnen vor einigen Tagen im Pavillon zu Salobrena das Herz hatten h\u00f6her schlagen lassen. Die Ritter hatten den Befehl des Hauptmanns der Wache wohl nicht verstanden, oder sie waren zu stolz, ihm zu gehorchen. Aufrecht blieben sie stehen und sahen voll Interesse dem prunkvollen Reiterzug entgegen. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Als Mohammed diese Missachtung seiner Befehle gewahr wurde, riss er zornig seinen Krumms\u00e4bel aus der Scheide, sprengte vorw\u00e4rts und wollte gerade einen seiner linksh\u00e4ndigen Streiche f\u00fchren, der wenigstens einen der trotzigen Gaffer zu Boden gestreckt h\u00e4tte, als die Prinzessinnen ihn umringten und f\u00fcr die Gefangenen um Gnade baten. Sogar die zarte Zorahaida hatte pl\u00f6tzlich ihre Sch\u00fcchternheit vergessen und setzte sich f\u00fcr die Christen ein. Noch hielt der Maure seinen S\u00e4bel hoch in der Luft, als der F\u00fchrer der Wache vor ihm sein Knie beugte und sagte: \u00bbM\u00f6ge Eure Majest\u00e4t nicht eine Tat begehen, die im ganzen Reich gro\u00dfen \u00e4rger erregen w\u00fcrde. Dies sind drei spanische Ritter aus edelster Familie, die wir nach hartem Kampfe gefangen nehmen konnten; mutig wie L\u00f6wen k\u00e4mpften sie, und erst als ihre Waffen unbrauchbar geworden waren, ergaben sie sich uns. Von hohem Adel sind sie und werden Euch ein hohes L\u00f6segeld einbringen.\u00ab <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Langsam lie\u00df der K\u00f6nig die Hand mit der Waffe sinken und rief: \u00bbNun denn! Ich werde den Christen hier das Leben schenken! Doch ihre Verwegenheit und ihr Trotz verlangen Strafe. Bringt sie daher zu den Torres Bermejas und weist ihnen die h\u00e4rteste Arbeit an! \u00ab <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Das war wieder einer der linkischen Streiche, die Mohammed hin und wieder zu machen pflegte. In dem Aufruhr und dem st\u00fcrmischen Hin und Her der eben beschriebenen Szene wurde n\u00e4mlich die au\u00dferordentliche Sch\u00f6nheit der drei Prinzessinnen nur allzu deutlich ins Bild ger\u00fcckt, da sich bei den raschen und un\u00fcberlegten Bewegungen ihre Schleier verschoben und sich so der Glanz ihrer sch\u00f6nen Augen und ihre zarten Haut enth\u00fcllte. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Die spanischen Ritter hatten so Gelegenheit, den g\u00fctigsten Feen aus dem granadinischen Morgenland tief in die Augen zu blicken, was in ihren so jungen Herzen eine lohende Flamme entfachte. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">In den damaligen Zeiten verliebten sich die jungen Leute viel schneller als heutzutage, und es darf daher nicht wundern, dass die junge M\u00e4nner aus C\u00f3rdoba von solche Sch\u00f6nheit zutiefst beeindruckt waren, um so mehr, als sich Dankbarkeit zur Bewunderung hinzugesellte. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Es ist jedoch seltsam und wirklich der Erw\u00e4hnung wert dass sich jeder von ihnen in eine andere der Infantinnen verliebt hatte, die ihrerseits vom adeligen Auftreten de Gefangenen \u00fcberrascht waren und alles, was sie von de m\u00e4nnlichen Tapferkeit und ihrer spanischen Grandezza geh\u00f6rt hatten, wie Zauberblumen in ihrer Phantasie auf gehen lie\u00dfen. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Der Reiterzug setzte seinen Weg fort; die drei Prinzessinnen ritten nachdenklich auf ihren Zeltern dahin, und von Zeit zu Zeit sp\u00e4hten sie mit verstohlenen Blicken zu den christlichen Gefangenen hin\u00fcber, in die sie sich so heftig verliebt hatten. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Auf der Alhambra angekommen, sahen sie noch, wie die drei Spanier in den roten Turm gebracht wurden. Da kaum begonnene Idyll schien schon zu Ende zu sein. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Die f\u00fcr die Infantinnen hergerichtete Wohnung war so vorteilhaft und sch\u00f6n, wie sie nur arabische Phantasie er sinnen konnte. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Das neue Heim der K\u00f6nigst\u00f6chter befand sich in einem Turm, der etwas abseits vom Hauptpalast der Alhambra stand, doch mit diesem durch die Burgmauer verbunden war, die die ganze Anh\u00f6he umschloss. Auf der einen Seite,&#8220;,; \u00fcberschaute man von dort das Innere der Festung und sah auf einen h\u00fcbschen Blumengarten mit den seltensten Gew\u00e4chsen. Auf der anderen Seite hatte man die Aussicht auf eine tiefe, schattige Schlucht, die das Gel\u00e4nde der Alhambra von dem des Generalife trennte. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Das Innere des Turms war in kleine, gem\u00fctliche Gem\u00e4cher unterteilt. Sie waren im feinsten arabischen Stil gehalten, und ihre W\u00e4nde waren mit kunstvollem Zierwerk geschm\u00fcckt. Diese wundervollen Kemenaten umgaben eine hohe Halle, deren gew\u00f6lbte Decke fast bis zur Spitze der Turms hinaufreichte. Hier konnte man Arabesken, sinnvolle Inschriften, Stuckarbeiten und Stalaktiten bewundern sowie zahlreiche in Gold und gl\u00e4nzenden Farben gehaltene Fresken. Der Boden war mit wei\u00dfen Marmorplatten belegt, und in der Mitte stand ein fein gearbeiteter Alabasterbrunnen; duftende Str\u00e4ucher und Blumen fassten ihn ein, und schillernde Wasserstrahlen k\u00fchlten den Raum, w\u00e4hrend ihr leises Pl\u00e4tschern ein sanft einschl\u00e4ferndes Ger\u00e4usch verursachte. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Im Saal hingen Goldk\u00e4fige und Bauer aus Silberdraht geflochten, mit den sch\u00f6nsten Singv\u00f6geln, deren liebliches Zwitschern und Trillern jedes Ohr erfreute. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Wie man dem K\u00f6nig berichtet hatte, waren die Prinzessinnen auf Schloss Salobrena immer heiter und guter Dinge gewesen; so erwartete er nat\u00fcrlich, dass es ihnen auf der Alhambra in ihrem Feenpalast ganz besonders gefallen werde. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Zu seinem gro\u00dfen Verdruss war das nicht der Fall; sie waren melancholisch, mit allem und jedem unzufrieden und schienen sich \u00fcber irgend etwas tief zu gr\u00e4men. Die Blumen teilten ihnen ihren Duft nicht mit, der Gesang der Nachtigall st\u00f6rte ihre Nachtruhe, und der Alabasterbrunnen mit seinem ewigen Rinnen und Pl\u00e4tschern, das vom Morgen bis zum Abend und wieder bis zum Morgen dauerte, war ihnen eine Qual und griff ihre Nerven an. Kurz gesagt, den drei jungen Frauen schien alles l\u00e4stig zu sein und nichts eine Freude zu machen. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Der K\u00f6nig, ein Mann von aufbrausender und tyrannischer Gem\u00fctsart, nahm dieses Verhalten anfangs sehr ungn\u00e4dig auf; aber bald fiel ihm ein, dass seine drei T\u00f6chter ja eigentlich keine Kinder mehr waren, sondern bereits erwachsene junge Frauen, deren Interesse nat\u00fcrlich nicht durch Spielereien gefesselt werden k\u00f6nne. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbDa geh\u00f6ren jetzt andere Sachen her!\u00ab sagte er sich und verschaffte allen Schneidern, Schustern, Webern und Juwelieren, Goldschmieden und Silberarbeitern des ganzen Zacatin Granadas Besch\u00e4ftigung. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Handwerker kamen und gingen, Kaufleute aus den fernsten L\u00e4ndern brachten ihre Waren auf die Alhambra, H\u00e4ndler zogen reich beladen den Schlossberg hinauf und verkauften dem K\u00f6nig ihre Kostbarkeiten. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Der besorgte Vater \u00fcbersch\u00fcttete seine gem\u00fctskranken T\u00f6chter mit Geschenken, nur um sie zufrieden zu sehen und ihren Sinn aufzuheitern. Es f\u00fcllten sich die Kemenaten mit Gew\u00e4ndern von Seide, Goldstoffen und Brokat, mit feinen Schultert\u00fcchern und Kaschmirschals; auf den Tischen lagen Halsb\u00e4nder von Perlen und schwere Goldketten mit klaren Edelsteinen besetzt, auf Samtkissen wieder sah man Armb\u00e4nder und Ringe; in kunstvollen Fl\u00e4schchen und Dosen dufteten wohlriechende Essenzen und milde Salben. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Doch das half alles nichts; die Prinzessinnen blieben bleich, bedr\u00fcckt und traurig mitten in ihren Kostbarkeiten und glichen drei welken Rosenknospen, die von einem abgeschnittenen Zweige niederhingen. Der K\u00f6nig wusste nun wirklich nicht mehr, was er anfangen sollte. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">F\u00fcr gew\u00f6hnlich vertraute er seinem eigenen Urteil, holte sich bei niemandem Rat und nahm nat\u00fcrlich auch keinen an. Die Launen und Einf\u00e4lle dreier heiratsf\u00e4higer T\u00f6chter indessen reichen hin, um den kl\u00fcgsten Kopf in Verlegenheit zu bringen, und also suchte er zum ersten Mal in seinem Leben fremden Rat. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Er wandte sich an die erfahrene und kluge Duena und sagte zu ihr: \u00bbKadiga, ich wei\u00df, dass du eine der kl\u00fcgsten und treuesten Frauen auf der ganzen Welt bist. Dies war auch der ausschlaggebende Grund, dass ich dich immer bei meinen T\u00f6chtern lie\u00df. V\u00e4ter k\u00f6nnen in der Wahl solcher Vertrauenspersonen nicht vorsichtig genug sein! Ich w\u00fcnsche jetzt von dir, dass du die geheime Krankheit ausfindig machst, die den Frohsinn der Prinzessinnen zum Schwinden brachte und an ihrem Gem\u00fcte nagt. Suche mir ein Mittel, das meine T\u00f6chter wieder gesund und froh macht! \u00ab <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Kadiga versprach, sich der Sache anzunehmen und ihr auf den Grund zu gehen. In Wirklichkeit wusste sie nat\u00fcrlich mehr von der Krankheit der Prinzessinnen, als die T\u00f6chter selbst. Indessen blieb sie mit ihnen zusammen, lie\u00df sie keinen Augenblick allein und bem\u00fchte sich, ihr unbedingtes Vertrauen in der Herzenssache zu erlangen. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbMeine lieben Kinder, warum seid ihr so traurig und betr\u00fcbt an einem der sch\u00f6nsten Orte der Welt, wo ihr alles habt, was euer Herz begehrt?\u00ab fragte sie. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Die Infantinnen schauten gedankenlos im Zimmer herum und seufzten dann tief auf. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbKinder, sprecht! Was fehlt euch denn? Soll ich euch den wunderbaren Papagei bringen lassen, der alle Sprachen spricht und von dem ganz Granada entz\u00fcckt ist?\u00ab <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbGreulich!\u00ab rief die energische Zaida. \u00bbEin h\u00e4sslich kreischender Vogel, der Worte ohne Gedanken plappert und schnattert. Nur Menschen ohne Verstand und Hirn k\u00f6nnen solch ein Tier um sich dulden. \u00ab <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbSoll ich um einen Affen vom Felsen von Gibraltar schicken, damit ihr euch an seinen Possen erg\u00f6tzen k\u00f6nnt?\u00ab <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbEin Affe? Nur nicht. Das h\u00e4tte gerade noch gefehlt Der Affe ist der abscheulichste Nachahmer des Menschen, h\u00e4sslich und von widerlichem Geruch. Mir ist dieses Tier ausgesprochen verha\u00dft! \u00ab <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">So sprach die h\u00fcbsche Zoraida mit fester Stimme, die keinen Widerspruch zu dulden schien. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbUnd was sagt ihr zu dem bekannten schwarzen S\u00e4nger Casem aus dem k\u00f6niglichen Harem von Marokko? Man erz\u00e4hlt von ihm, dass seine Stimme so fein sei wie die eines Frauenzimmers\u00ab, schlug Kadiga vor. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbWollt Ihr uns auf den Tod erschrecken\u00ab, sagte die zarte Zorahaida, \u00bballe Freude an der Musik und am Gesang hat sich bei mir vollkommen verloren. \u00ab <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbAch, mein Kind, so w\u00fcrdest du bestimmt nicht reden\u00ab, erwiderte listig die Alte, \u00bbwenn du die Musik geh\u00f6rt h\u00e4ttest, die gestern abend die drei spanischen Ritter machten, als sie nach des Tages Arbeit ausruhten. Erinnerst du dich noch der gefangenen Edelleute, die wir auf unserer Reise trafen? Aber Gott steh mir bei, Kinder! Was gibt es denn, dass ihr so err\u00f6tet und pl\u00f6tzlich vor Aufregung zittert?\u00ab \u00bbNichts! Nichts, gute Mutter; bitte erz\u00e4hlt nur weiter. \u00ab \u00bbGut, wie ihr wollt. Als ich gestern abends bei den Torres Bermejas vorbeikam, sah ich die drei Ritter am Fu\u00df des roten Turms sitzen und musizieren. Der eine spielte r\u00fchrend sch\u00f6n auf der Gitarre, und die beiden anderen sangen zum Klang der Saiten so anmutig und hinrei\u00dfend, dass selbst die hartherzigen W\u00e4chter bewegungslos dastanden und verzauberten Bilds\u00e4ulen glichen. Allah m\u00f6ge mir vergeben! Auch ich konnte mich der Wehmut und der Tr\u00e4nen nicht erwehren, als ich diese Lieder aus meiner Heimat h\u00f6rte. Und dann erst drei so edle und h\u00fcbsche J\u00fcnglinge in Ketten und als Sklaven zu sehen! \u00ab <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">jetzt wurde es f\u00fcr die gutherzige alte Frau wirklich zuviel. Laut schluchzte sie auf, und gro\u00dfe Tr\u00e4nen kullerten ihr \u00fcber die welken Wangen. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbVielleicht, Mutter, k\u00f6nntest du es einrichten, dass wir die drei Ritter einmal sehen d\u00fcrfen\u00ab, sagte Zaida. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbEtwas Musik w\u00fcrde bestimmt auch uns aufheitern\u00ab, warf Zoraida ein. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Die sch\u00fcchterne Zorahaida schwieg und sagte gar nichts; doch legte sie liebevoll ihre schneewei\u00dfen Arme um den Hals der alten Kadiga. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbDer Himmel bewahre mich vor so einer unsinnigen Tat\u00ab, klagte die kluge alte Frau. \u00bbWas schwatzt ihr da, Kinder? Wisst ihr, was ihr da von mir verlangt? Euer Vater w\u00fcrde uns alle t\u00f6ten, wenn ihm so etwas zu Ohren k\u00e4me. Gewiss, diese Ritter sind augenscheinlich edle und wohlerzogene J\u00fcnglinge; aber was liegt uns daran? Uns interessieren sie bestimmt nicht! Auch sind sie Feinde unseres heiligen Glaubens, und ihr d\u00fcrft ohne Abscheu nicht an sie denken.\u00ab <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Nun gibt es eine bewunderungsw\u00fcrdige Unerschrockenheit und Festigkeit in der weiblichen Willenskraft, die sich weder durch Gefahren noch Verbote einsch\u00fcchtern l\u00e4sst und besonders bei Frauen und M\u00e4dchen im heiratsf\u00e4higen Alter oft au\u00dfergew\u00f6hnliche Formen annehmen kann. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Die drei Prinzessinnen lie\u00dfen alle Register ihrer \u00dcberredungskunst spielen. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Sie umarmten ihre Duena, schmeichelten, flehten, weinten und erkl\u00e4rten, dass eine abschl\u00e4gige Antwort ihnen das Herz brechen w\u00fcrde. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Was sollte sie tun? Sie war gewiss die kl\u00fcgste alte Frau auf der ganzen Welt und eine der treuesten Dienerinnen des K\u00f6nigs; aber konnte sie zusehen, wie drei sch\u00f6nen Prinzessinnen das Herz brach, wie ihre Gesundheit, ihr Frohsinn dahinschwanden? <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Kadiga lebte nun schon viele Jahre unter den Mauren und hatte seinerzeit gleich ihrer Herrin den Glauben gewechselt und diente seither treu dem Propheten. Doch innerlich war sie Spanierin geblieben, und eine leise Sehnsucht nach dem Christentum, ihrem fr\u00fcheren Gottesglauben, konnte sie nie aus dem Herzen bannen. Sie sann daher nach, wie man die W\u00fcnsche der Prinzessinnen leicht und gefahrlos erf\u00fcllen k\u00f6nne, denn ganz so einfach war die Sache nicht. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Die im roten Turm eingeschlossenen Gefangenen standen unter der Aufsicht eines langb\u00e4rtigen und breitschultrigen Renegaten namens Hussein Baba, von dem die Sage ging, dass er leicht zu bestechen w\u00e4re. Ihn besuchte Kadiga heimlich, lie\u00df vorsichtig ein gro\u00dfes Goldst\u00fcck in seine Hand gleiten und sagte mit leiser Stimme: \u00bbHussein Baba, meine Herrinnen, die K\u00f6nigst\u00f6chter, die im Turm dort eingeschlossen sind, kommen vor Einsamkeit um, denn keine Unterhaltung zerstreut sie. Vor einigen Tagen wurde ihnen von den musikalischen Talenten der drei spanischen Ritter erz\u00e4hlt, und nun m\u00f6chten sie gerne eine Probe ihrer K\u00fcnste h\u00f6ren. Ich kenne dich, alter Freund, und wei\u00df, dass du in deiner Gutherzigkeit den armen M\u00e4dchen nicht diese unschuldige Freude versagen wirst.\u00ab <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bb0 du alte Hexe! Fahr zum Teufel mit deinem Ansinnen! Du willst wohl meinen aufgespie\u00dften Kopf von der Spitze dieses Turms heruntergrinsen sehen? Denn das w\u00e4re der Lohn f\u00fcr die Untat, wenn der K\u00f6nig sie entdeckte oder auch nur dieses Gespr\u00e4ch ihm zu Ohren k\u00e4me <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbAufrichtig gesagt, ich sehe keine Gefahr dabei. Man muss nur die Sache so einrichten, dass die Laune der Prinzessinnen befriedigt wird und ihr Vater doch nichts davon erf\u00e4hrt. Du kennst die tiefe Klamm au\u00dferhalb der Burgmauer; vom Turm der Infantinnen sieht man direkt hinunter auf die gr\u00fcnen H\u00e4nge. Bring die drei Christen dorthin zur Arbeit und lasse sie in den Ruhestunden spielen und singen, und jedermann wird glauben, dass sie dies zu ihrer eigenen Unterhaltung t\u00e4ten. Die Prinzessinnen h\u00f6ren vom Fenster ihres Turms aus die Musik und den Gesang, und du kannst sicher sein, dass sie dich daf\u00fcr gut und reichlich bezahlen werden. \u00ab <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Als die gute alte Frau geredet hatte, dr\u00fcckte sie freundlich die rauhe Hand des Renegaten und lie\u00df noch ein weiteres Goldst\u00fcck darin zur\u00fcck. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Einer solch wohlklingenden und so \u00fcberzeugenden Beredsamkeit konnte nat\u00fcrlich niemand widerstehen, und auch Hassan nicht. Am n\u00e4chsten Tag schon arbeiteten die Ritter mit ihren Kameraden in der Schlucht. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">W\u00e4hrend der Mittagszeit schliefen ihre Ungl\u00fccksgef\u00e4hrten im Schatten der dicht belaubten B\u00e4ume, die drei spanischen Ritter aber setzten sich auf den weichen Rasen am Fu\u00dfe des Turms der Infantinnen und sangen ein Lied aus ihrer Heimat, das einer von ihnen auf der Gitarre begleitete. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Die Wachen d\u00f6sten auf ihren Posten und taten schl\u00e4frig ihre Pflicht. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Das Tal und die Schlucht waren tief, und der Turm ragte hoch in die L\u00fcfte, aber die Stimmen der S\u00e4nger und der Klang der Gitarre stiegen in der Stille des hei\u00dfen Sommermittags bis zu den Fenstern und dem Balkon empor. Dort lauschten die sch\u00f6nen M\u00e4dchen dem Lied, dessen Melodie und z\u00e4rtlichen Worte sie zutiefst r\u00fchrten, denn die Duena hatte sie die spanische Sprache so gut und genau gelehrt, dass sie auch die feinsten Tonschattierungen h\u00f6ren, verstehen und f\u00fchlen konnten. Die alte Kadiga tat hingegen furchtbar erschrocken und rief angstvoll: \u00bbAllah beh\u00fcte uns! Sie singen ein Liebeslied, das an euch gerichtet ist. ja, kann sich jemand eine solche Frechheit vorstellen? Ich werde gleich zum Aufseher laufen und ihnen eine Bastonade geben lassen, denn das ist wirklich zuviel! \u00ab <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbWas solch edlen Rittern willst du die Bastonade geben lassen, nur weil sie so sch\u00f6n und lieblich singen ?\u00ab <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Voll Schauder sch\u00fcttelten die Prinzessinnen ihre h\u00fcbschen K\u00f6pfchen. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Bei all dieser tugendhaften Entr\u00fcstung war die Alte vers\u00f6hnlicher Natur und lie\u00df sich beruhigen und bes\u00e4nftigen. Zudem schien die Musik ihre jungen Herrinnen wirklich wohltuend zu beeinflussen. Die Wangen der M\u00e4dchen zeigten einen feinen rosa Schimmer, ihre Augen fingen an zu gl\u00e4nzen, und die zarten Lippen schienen zu l\u00e4cheln. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Die kluge Kadiga dachte also nicht daran, das Liebeslied &#8218;der Ritter zu unterbinden. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">`Als die letzte Strophe leise verklungen war, blieb alles eine still, nachdenklich schauten die Prinzessinnen vor hin. Dann aber griff Zoraida nach der Laute und sang lieblicher Stimme leise und ger\u00fchrt eine h\u00fcbsche maurische Weise mit dem vielsagenden Refrain: \u00bbWenn die Rosenknospe sich auch hinter Bl\u00e4ttern birgt, so lauscht sie doch mit Entz\u00fccken dem Sang der Nachtigall.\u00ab <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Von dieser Zeit an arbeiteten die Ritter fast t\u00e4glich in der Schlucht. Der gewissenhafte Hussein Baba wurde immer nachsichtiger und von Tag zu Tag schl\u00e4friger auf seinem Posten. Eine Zeitlang bestand ein gar seltsamer Verkehr zwischen Turm und Au\u00dfenwelt. Dem gegenseitigen Gedankenaustausch dienten n\u00e4mlich Lieder und Romanzen, deren Inhalt sich einigerma\u00dfen entsprach und dazu diente, den Gef\u00fchlen der Liebespaare Ausdruck zu geben. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Nach und nach zeigten sich die Prinzessinnen auf dem Balkon, wenn sie es, ohne von der Wache gesehen zu werden, tun konnten. Auch Blumen lie\u00dfen die M\u00e4dchen sprechen, denn alle Beteiligten schienen das Blumenalphabet vorz\u00fcglichst zu kennen und zu deuten. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Die Schwierigkeit des Verkehrs erh\u00f6hte den Reiz des Liebesspiels und fachte die Leidenschaft der jungen Menschenkinder aufs heftigste an. Liebe k\u00e4mpft ja bekanntlich gern, \u00fcberwindet Schwierigkeiten. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Dieser geheime Verkehr wirkte wahre Wunder. Die Prinzessinnen wurden froh wie fr\u00fcher, ihre Augen gl\u00e4nzten feuriger als je, neckisch klangen ihre Stimmen, melodisch wie Lauten, Zimbeln und Gitarren. Niemand jedoch konnte gl\u00fccklicher sein als der K\u00f6nig selbst, den diese Ver\u00e4nderung so \u00fcberraschte, dass er die kluge Kadiga reichlich beschenkte und voll Freude seine drei sch\u00f6nen T\u00f6chter besuchte. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Aber auch dieser fernschriftliche Verkehr hatte eines Tages sein Ende, denn die drei Ritter erschienen nicht mehr au dem Arbeitsplatz unterm Turm. Vergebens sp\u00e4hten die Prinzessinnen umher, vergebens beugten sie sich weit \u00fcber den Balkon, um eine Spur ihrer Ritter zu finden, vergebens sangen sie wie Nachtigallen, vergebens schlugen sie die Saiten. Keine Stimme antwortete aus dem Geb\u00fcsch kein Lautenspiel war zu vernehmen, kein Ritter zeigte sich. Die kluge Kadiga ging besorgt fort, um etwas \u00fcber die drei Spanier zu erfahren. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Bald kam sie mit kummervollem Gesicht wieder heim und&#8216;, erz\u00e4hlte den drei verliebten M\u00e4dchen die traurige Neuigkeit, die man ihr mitgeteilt hatte. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbAch, meine Kinder! Ich sah es voraus, dass alles so kommen w\u00fcrde! Doch ihr wolltet ja unbedingt euren Willen durchsetzen. Nun ist das Ende da, und ihr k\u00f6nnt eure` Lauten zerschlagen oder an einen Weidenbaum h\u00e4ngen. Die spanischen Ritter wurden von ihren Familien losgekauft und wohnen nun unten in Granada, wo sie ihre Heimreise vorbereiten.\u00ab <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Untr\u00f6stlich waren die drei M\u00e4dchen, als sie diese Nachricht vernommen hatten. Die sch\u00f6ne Zaida z\u00fcrnte ihrem Ritter, dass er ohne Abschied dahin gegangen war, denn diese Geringsch\u00e4tzung ihrer Person konnte sie nicht verschmerzen. Zoraida rang die H\u00e4nde und weinte, sah in den Spiegel, wischte die Tr\u00e4nen ab und begann wieder zu weinen. Die sch\u00f6ne Zorahaida lehnte an der Brustwehr des Balkons, und ihre Tr\u00e4nen fielen hinunter auf den Abhang, wo die Ritter oft gesessen hatten, ehe sie ihre angebetenen Maurenprinzessinnen so treulos verlie\u00dfen. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Die kluge Kadiga tat alles, um den gro\u00dfen Schmerz zu stillen, der die M\u00e4dchenherzen peinigte. So sagte sie oft: \u00bbTr\u00f6stet euch, meine Kinder. Das hat nichts zu bedeuten; man muss sich nur daran gew\u00f6hnen und sich mit derlei Dingen abfinden. Das ist eben der Lauf der Welt. Wenn ihr einmal so alt seid wie ich, dann werdet ihr die M\u00e4nner schon kennen und wissen, wie man sie zu beurteilen hat. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Diese drei Ritter haben sicherlich in C\u00f3rdoba oder Sevilla ihre Br\u00e4ute oder Geliebten, unter deren Balkon sie bald Serenaden und St\u00e4ndchen singen werden, ohne jemals wieder an die maurischen Sch\u00f6nheiten auf der Alhambra zu denken. Deshalb tr\u00f6stet euch, meine lieben Kinder, und verbannt sie aus euren Herzen, denn M\u00e4nner sind keine Tr\u00e4ne wert. \u00ab Die tr\u00f6stenden Worte der klugen Kadiga verdoppelten aber den tiefen Kummer der drei Prinzessinnen, die zwei Tage lang nicht aus ihren Zimmern zu bringen waren und nur still vor sich hin weinten. Am dritten Morgen nun kam die alte Frau au\u00dfer sich vor Aufregung dahergelaufen, st\u00fcrzte fassungslos in den gro\u00dfen Salon und rief voll Zorn: \u00bbWer h\u00e4tte einem sterblichen Menschen eine solche Frechheit zutrauen k\u00f6nnen! Aber mir geschieht ganz recht, denn nie h\u00e4tte ich zugeben d\u00fcrfen, dass euer ehrw\u00fcrdiger Vater hintergangen wird. Erw\u00e4hnt mir also mit keinem Worte mehr die spanischen Ritter, diese schlechten Menschen, die mich solcher Art beleidigt haben. \u00ab \u00bbNun, beste Kadiga, was ist denn geschehen?\u00ab riefen die drei M\u00e4dchen aufgeregt durcheinander. \u00bbWas geschehen ist, fragt ihr? Verrat ist geschehen; oder was fast noch schlimmer ist, zum Verrat sollte ich verleitet, werden! Mir, der treuesten aller Untertanen, der vertrauensw\u00fcrdigsten aller Duenas mutet man zu, dass ich meinen Herrn und K\u00f6nig hintergehen k\u00f6nnte. ja, meine Kinder, staunt nur! Die spanischen Ritter haben es gewagt, mir vorzuschlagen, ich solle euch \u00fcberreden, mit ihnen nach` C\u00f3rdoba zu fliehen, um sie dort zu heiraten! \u00ab Bei diesen Worten bedeckte die treffliche alte Frau sich da Gesicht mit den H\u00e4nden und lie\u00df ihrem Kummer und Zorn freien Lauf. Die drei sch\u00f6nen Prinzessinnen ihrerseits wurden blass und rot und rot und blass, und zitterten, schauten sich verstohlen und vielsagend in die Augen, sprachen aber kein einziges Wort. Die alte Frau konnte sich nicht beruhigen. Heftig bewegte sie sich hin und her, sch\u00fcttelte die F\u00e4uste und rief von Zeit zu Zeit zornig aus: \u00bbDass mir eine solche Beleidigung angetan wurde! Mir, der treuesten aller Dienerinnen!\u00ab <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Endlich trat die \u00e4lteste Infantin, die den meisten Mut hatte und immer die erste war, zu ihr hin, legte ihr die H\u00e4nde auf die Schultern und sagte liebevoll: \u00bbNun beste Mutter, angenommen wir w\u00e4ren bereit, mit den drei christlichen Rittern zu fliehen. W\u00e4re so etwas \u00fcberhaupt m\u00f6glich?\u00ab <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Die gute Alte h\u00f6rte bei diesen Worten zu jammern auf und erwiderte schnell: \u00bbM\u00f6glich? W\u00e4re das schon! Die Ritter haben schon den Hussein Baba bestochen und mit ihm den ganzen Plan besprochen. Wer kann aber euren Vater hintergehen, diesen besten aller K\u00f6nige! Euren Vater, der so viel Vertrauen in mich setzt! \u00ab <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Wieder begann die brave Frau zu weinen, und h\u00e4nderingend lief sie im Saale auf und ab. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbAber dieser beste aller V\u00e4ter hat nie Vertrauen zu uns gehabt\u00ab, rief die \u00e4lteste Prinzessin selbstbewusst, \u00bbimmer hielt er uns wie Gefangene hinter Schloss und Riegel! Nie konnten wir frei hingehen, wohin es uns behagte, nie tun, was wir wollten. \u00ab <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbFreilich, das ist nur zu wahr\u00ab, lie\u00df sich die Alte h\u00f6ren und blieb vor den jungen Damen stehen; \u00bber hat euch wirklich recht hart behandelt. Eingeschlossen ward ihr immer und musstet die sch\u00f6nsten Jahre eurer Jugend in einem alten Turm verbringen, gleich den duftenden Rosen, die man in einem Blumentopf welken l\u00e4sst. Aber bedenkt doch, was es bedeutet, aus eurer sch\u00f6nen Heimat zu fliehen! \u00ab <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbUnd ist nicht das Land, das uns aufnehmen will, die Heimat unserer guten Mutter? Werden wir dort nicht in Freiheit leben? Und wird nicht jede von uns statt des strengen Vaters einen jungen und liebenden Ehemann haben?\u00ab <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbFreilich, das ist alles wohl wahr, und, ich muss gestehen, er war mit euch wirklich ein harter Tyrann; aber\u00ab, und wieder brach der Jammer aus ihr, \u00bbwollt ihr mich dann zur\u00fccklassen, allein und verlassen? Seid sicher, dass sein Zorn und seine Rache mich hier zerschmettert.\u00ab <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbDoch gewiss nicht, meine gute Kadiga! Kannst du nicht mit uns fliehen?\u00ab <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;Das w\u00e4re wohl m\u00f6glich; und um bei der Wahrheit zu bleiben, muss ich euch sagen, dass ich dar\u00fcber bereits mit Hussein Baba gesprochen habe. Er versprach, auch mir zu helfen, wenn ich euch auf eurer Flucht begleiten wollte. Aber Kinder, nein, schlagt euch das besser alles aus dem Kopf! Ihr k\u00f6nnt doch nicht euren V\u00e4terglauben verleugnen! \u00ab <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbDer christliche Glaube war das urspr\u00fcngliche Religionsbekenntnis unserer Mutter, ehe sie auf die Alhambra kam\u00ab, sagte wieder die \u00e4lteste Infantin, \u00bbund ich bin bereit, ihn anzunehmen, und meine Schwestern auch, davon bin ich \u00fcberzeugt! \u00ab <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbRecht hast du!\u00ab rief die alte Frau voll Freude aus; \u00bbja, es war der Glaube deiner Mutter. Bitterlich beweinte sie oft ihren Abfall, und auf dem Totenbett musste ich ihr versprechen, f\u00fcr euer Seelenheil zu sorgen. Heute nun bin ich gl\u00fccklich und froh, denn ich wei\u00df, dass ihr auf dem richtigen Wege seid, auf dem Weg, der zur Taufe und ins Gl\u00fcck f\u00fchrt. Ich freue mich, dass ihr Christinnen werden wollt, weil auch ich es war und im Herzen immer geblieben bin. jetzt ist die Gelegenheit da, dass ich in den Scho\u00df der wahren Kirche zur\u00fcckkehren kann. Ich sprach dar\u00fcber schon mit Hussein Baba; er ist Spanier von Geburt und \u00fcbrigens ein freundlicher Mensch. Wir stammen aus der gleichen Gegend, und auch er will in seine alte Heimat zur\u00fcck und sich mit der heiligen Kirche auss\u00f6hnen. Die drei edlen Ritter drunten in Granada sagten hochherzig ihre Hilfe zu und werden uns anst\u00e4ndig ausstatten, wenn wir dann im Heimatdorf eine Ehe eingehen sollten.\u00ab <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Kurz und gut, es ergab sich, dass diese au\u00dfergew\u00f6hnlich kluge und vorsichtige Frau mit den Rittern und mit dem Renegaten bereits den ganzen Fluchtplan entworfen hatte, der nun verwirklicht werden sollte. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Die \u00e4lteste Prinzessin war sofort einverstanden, und ihr energisches Verhalten bestimmte und beeinflusste wie immer den Willen ihrer beiden Schwestern. Um der Wahrheit die Ehre zu geben, muss allerdings gesagt werden, dass die j\u00fcngste Prinzessin etwas zauderte und nicht gleich wusste, was sie machen sollte. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Ihr sanftes und sch\u00fcchternes Wesen wollte keinen so br\u00fcsken Bruch, und allsogleich begann in ihrem kleinen Herzen ein schwerer Kampf, in dem sich das Gef\u00fchl kindlicher Pflicht und jugendlicher Leidenschaft gegen\u00fcberstanden. Wie es schon immer ging, siegte in diesem ungleichen Zwiespalt die Liebe zum fremden Ritter, der Drang nach Gattenliebe. Still und leise weinend schloss sie sich also ihren Schwestern an und r\u00fcstete sich zur Flucht. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Durch den H\u00fcgel, auf dem die Alhambra steht, f\u00fchrte in fr\u00fcheren Zeiten eine gro\u00dfe Zahl von unterirdischen G\u00e4ngen. Diese bildeten ein wahres Netz von Irrwegen, auf denen der Eingeweihte von der Alhambra ungesehen in die Stadt und selbst bis zu den entfernten Ausfallspforten und Schlupft\u00fcren an den Ufern des Darro und des Genil gelangen konnte. Im eigenen Interesse und aus Staatsr\u00e4son lie\u00dfen die Maurenk\u00f6nige im Laufe der Jahrhunderte die Casabica durchbohren, und durch diese G\u00e4nge liefen sie, wenn Emp\u00f6rer ihnen nach dem kostbaren Leben trachteten; aber oft zogen sie auch diese geheimen Wege den \u00f6ffentlichen Stra\u00dfen vor, denn heikle Unternehmungen waren nie f\u00fcr jedermanns Auge und Ohr. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Viele dieser Tunnels sind jetzt eingest\u00fcrzt, andere sind teilweise versch\u00fcttet, und wieder andere vermauerte man, um so jeden Unfug zu unterbinden und dem zahlreichen Gesindel einen schwer zu kontrollierenden Unterschlupf zu nehmen; und an der Zeit war es, dass diese Erinnerungszeichen an maurische Despoten in moderner Zeit verschwunden sind. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Dem Fluchtplan nach sollte Hussein Baba die Prinzessinnen durch einen der genannten G\u00e4nge bis zur geheimen Schlupfpforte jenseits der Stadtmauer f\u00fchren, wo die Ritter mit schnellen Pferden zu warten versprachen, um alle \u00fcber die Grenze in Sicherheit zu bringen. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Die vorherbestimmte Nacht kam: Der Turm der Infantinnen war wie gew\u00f6hnlich verschlossen worden, und die Alhambra lag in tiefem Schlummer. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Gegen Mitternacht bezog die kluge Kadiga ihren Horchposten auf dem Balkon und lauschte gespannt in den Garten hinab. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Bald kam Hussein Baba daher und gab das verabredete Zeichen. Die Duena befestigte sogleich das obere Ende einer Strickleiter am Balkon und lie\u00df sie dann vorsichtig in den Garten hinab. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Mit gro\u00dfer Behendigkeit schwang sich die alte Frau \u00fcber die Br\u00fcstung und stieg resolut hinunter. Ihr folgten klopfenden Herzens die beiden \u00e4lteren Prinzessinnen. Als aber die Reihe an Zorahaida kam, da zauderte diese; mehrmals setzte sie ihren kleinen Fu\u00df auf die Leiter, aber ebenso oft zog sie ihn wieder zur\u00fcck. Ihr K\u00f6rper zitterte, das kleine Herz pochte heftig, und z\u00f6gernd blieb die j\u00fcngste K\u00f6nigstochter auf dem Balkon stehen. Sie warf einen kummervollen Blick ins Zimmer zur\u00fcck, dessen Wandschmuck, Decken und Polster im hellen Mondlicht glei\u00dften. Wie ein Vogel in seinem K\u00e4fig hatte sie im Turm gelebt, sorglos, ruhig und ohne Aufregungen, geborgen und besch\u00fctzt waren die Tage dahingegangen. Wer konnte ihr sagen, was geschah, wenn sie frei in die weite Weit hinausflatterte! Aber schon erinnerte sie sich ihres Ritters aus dem Land der Christen, und rasch sa\u00df sie auf der Br\u00fcstung und setzte den Fu\u00df auf die Leiter. Hinunter wollte sie zu ihm! Doch da kam ihr der alte Vater in den Sinn, und sie zuckte wieder zur\u00fcck. Schrecklich war der Kampf, der im Herzen dieses zarten Wesens tobte. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Voll Ehrfurcht liebte sie ihren Vater; beim Gedanken an den jungen Christen wurde ihr hei\u00df und kalt zugleich, und voll Liebe und Zuneigung erinnerte sie sich seiner. Aber sie war noch so jung, sch\u00fcchtern und wusste nichts von der Welt, von Liebe und Familiengl\u00fcck. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Vergebens flehten ihre Schwestern, schalt die Duena und fluchte gottserb\u00e4rmlich der Renegat. Das kleine Maurenfr\u00e4ulein stand oben am Balkon und schaute zu ihren Schwestern hinunter; sie konnte sich nicht entschlie\u00dfen. Der Gedanke an die Flucht und die Freiheit lockte sie, doch die Furcht vor ungewissen Gefahren riet ihr zum Bleiben. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Aus der Ferne erschollen nun gar noch Schritte! jeden Augenblick konnte man entdeckt werden! Rauh rief der Renegat zum Balkon hinauf: \u00bbDie Wachen machen die Runde; wenn wir z\u00f6gern, sind wir verloren. Steigt augenblicklich herunter, oder wir gehen allein und lassen Euch zur\u00fcck, denn keine Zeit ist mehr zu verlieren.\u00ab <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Zorahaida k\u00e4mpfte mit sich selbst, und niemand erfuhr jemals, was in diesen wenigen Sekunden im Innern des M\u00e4dchens vorgegangen war. Mit verzweifeltem Entschluss machte sie die Strickleiter los und warf sie in den Garten hinunter. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbEs ist entschieden!\u00ab rief sie, \u00bbich kann nicht mit. Allah geleite und segne euch und schenke euch, meine geliebten Schwestern, Gl\u00fcck und Liebe.\u00ab <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Schaudernd schrien die beiden Prinzessinnen auf und wollten noch z\u00f6gern. Sie konnten doch ihre kleine Schwester nicht allein zur\u00fccklassen! Die Wache kam aber n\u00e4her und immer n\u00e4her, so dass also ein weiteres Warten Selbstmord gewesen w\u00e4re. W\u00fctend stie\u00df der Renegat die drei Frauen in ein dunkles Felsenloch und f\u00fchrte sie kreuz und quer sicher durch unterirdische G\u00e4nge, und sie gelangten gl\u00fccklich an ein eisernes Tor vor der Stadt. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Hussein sperrte auf, und verabredungsgem\u00e4\u00df nahmen sie die drei spanischen Ritter, die die Uniform der vom Renegaten befehligten Turmwache trugen, in Empfang. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Zorn und Trauer \u00fcberkam Zorahaidas Anbeter, als er sah, dass das sch\u00f6ne M\u00e4dchen nicht gekommen war. Kurz berichtete Kadiga ihm, was sich ereignet hatte, und dass man keine Zeit verlieren d\u00fcrfe. Die beiden Prinzessinnen wurden hinter ihre Verehrer gesetzt, und die kluge Duena stieg zum Renegaten aufs Pferd; dann sprengten alle im wildesten Tempo auf den Pass von Lope zu, \u00fcber den sie durchs Gebirge nach C\u00f3rdoba kommen wollten. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Doch bald darauf h\u00f6rte man von der Alhambra her die Alarmzeichen; Hornsignale und Trompetenst\u00f6\u00dfe t\u00f6nten von den Zinnen des Wachtturms durch die Stille der Nacht. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbUnsere Flucht ist entdeckt worden\u00ab, sagte der Renegat. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbWir haben flinke Rosse, der Mond hat sich verzogen, und die Nacht ist nun stockdunkel. Wir werden es schaffen! \u00ab erwiderten die Ritter. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Sie gaben ihren Pferden die Sporen und jagten durch die Vega. Schon kamen sie an den Fu\u00df der Sierra Elvira, die wie ein Vorgebirge sich weit in die Ebene hineinerstreckt. Der Renegat hielt an und horchte: \u00bbBis jetzt ist noch niemand auf unserer Spur; die Flucht in die Berge wird gelingen!\u00ab <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Aber w\u00e4hrend er noch sprach, leuchtete auf der Wehrplatte des Bergfrieds der Alhambra eine helle Flamme auf. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbH\u00f6lle und Teufel! \u00ab br\u00fcllte der Renegat, \u00bbdas Leuchtfeuer ruft die ganzen Wachmannschaften in den Bergen auf ihre Alarmposten. Fort und weiter! Gebt den Pferden die Sporen. Es ist keine Zeit zu verlieren!\u00ab <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Es war ein halsbrecherischer Galopp. Dumpf t\u00f6nten die Hufe der Pferde auf dem felsigen Weg, der um die Sierra Elvira herumf\u00fchrt. Von Augenblick zu Augenblick wurde die Lage dramatischer, und nun sahen die Reiter gar, dass von allen Berggipfeln und H\u00e4ngen Lichtsignale aufflammten, als Antwort auf die Feuerzeichen von der Alhambra. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbVorw\u00e4rts! Vorw\u00e4rts!\u00ab rief Hussein, fluchend dazwischen, \u00bbzur Br\u00fccke, zur Br\u00fccke, ehe das Alarmzeichen dort gesehen wird! \u00ab <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Scharf ritten sie um eine Felsennase herum und erblickten die bekannte Puente de Pinos, die \u00fcber einen rei\u00dfenden Wildbach f\u00fchrende Holzbr\u00fccke, um deren Besitz sooft Christen und Mauren stritten. Zum Schrecken unserer Fl\u00fcchtlinge lag der Br\u00fcckenkopf schon im hellsten Kreidelicht und strotzte von bewaffneten M\u00e4nnern. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Der Renegat riss sein Pferd zur\u00fcck, erhob sich in den Steigb\u00fcgeln und sah wie suchend um sich. Alles dauerte nur wenige Augenblicke, dann winkte Hussein den Rittern und sprengte weiter, doch vom Weg ab, den Fluss entlang. Nach Minuten st\u00fcrzte er sich Hals \u00fcber Kopf und hoch zu Ross in das sch\u00e4umende Wasser. Die Ritter ermahnten die Prinzessinnen, sich gut festzuhalten und folgten beherzt ihrem F\u00fchrer. Hoch schlugen die Wogen, die Str\u00f6mung trieb sie weit flussabw\u00e4rts, und die Gischt durchn\u00e4sste sie bis auf die Haut, doch gl\u00fccklich erreichten sie alle das andere Ufer. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Auf schwer zug\u00e4ngigen und einsamen Pfaden, durch wilde Schluchten und \u00fcber hohe P\u00e4sse f\u00fchrte der Renegat seine Sch\u00fctzlinge aus dem Maurenreich, und nach schweren Strapazen erreichten sie endlich C\u00f3rdoba, die sch\u00f6nste Stadt am Guadalquivir. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Dort gab es helle Freude, und die Heimkehr der tapferen Ritter wurde festlich begangen und gro\u00df gefeiert, denn sie geh\u00f6rten zu den ersten Familien des kastilischen Reiches. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Die Prinzessinnen wurden sofort getauft, und, in den Scho\u00df der christlichen Kirche aufgenommen, heirateten sie darauf in wenigen Tagen im pr\u00e4chtigen Dom ihrer neuen Heimatstadt ihre Ritter und Retter. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">In Liedern und Sagen erz\u00e4hlt man heute noch, dass sie gl\u00fccklich und froh bis ans Ende ihrer Tage lebten. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">In unserer Eile, um die Flucht der Infantinnen quer durch den Strom und \u00fcber Berg und Tal durchs Gebirge hinauf zu einem gl\u00fccklichen Ende zu f\u00fchren, haben wir die kluge Kadiga ganz vergessen, was nachgeholt werden soll, denn auch ihr Schicksal ist erw\u00e4hnenswert. Sie hatte sich beim wilden Ritt \u00fcber die Vega wie eine Katze an Hussein Baba geklammert, schrie bei jedem Sprung zwar laut auf, entlockte dem b\u00e4rtigen Renegaten manchen Fluch, sa\u00df aber fest auf der Kruppe hinterm Sattel. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Doch als ihr Reiter ins rei\u00dfende Wasser setzte, da kannte ihre Angst keine Grenzen mehr. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbUmklammere mich nicht so fest\u00ab, schrie der Renegat; \u00bbfasse mit beiden H\u00e4nden meinen G\u00fcrtel und f\u00fcrchte nichts. \u00ab <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Sie tat wie ihr gehei\u00dfen und hielt sich am breiten Leibriemen Husseins fest. Als aber dieser nach dem H\u00f6llenritt endlich mit den Rittern auf der Passh\u00f6he anhielt, um Atem zu sch\u00f6pfen, da war die Duena nicht mehr zu sehen. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbWas ist aus Kadiga geworden?\u00ab riefen voll Schrecken die Prinzessinnen. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbAllah allein wei\u00df es! \u00ab erwiderte der fromme Renegat. \u00bbEs war ein reines Ungl\u00fcck! Als wir mitten im Fluss waren, l\u00f6ste sich mein G\u00fcrtel und Kadiga wurde mit ihm stromabw\u00e4rts gerissen. Allahs Wille geschehe! Aber es war ein sch\u00f6ner, golddurchwirkter G\u00fcrtel von gro\u00dfem Wert. \u00ab <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Die Reiter hatten nat\u00fcrlich keine Zeit zu langen Klagen und mussten weiter, und die Prinzessinnen beweinten bitterlich den Verlust ihrer treuen Ratgeberin. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">jene ausgezeichnete Frau aber verlor nur die H\u00e4lfte von den neun Leben, die sie, einer Wildkatze gleicht, besa\u00df. Ein -1,1 Fischer zog sie n\u00e4mlich weiter unten ans Ufer und d\u00fcrfte \u00fcber den seltsamen Fisch im Netz wohl gestaunt haben. Was dann aus der klugen Kadiga wurde, dar\u00fcber schweigt die Geschichte. Doch so viel ist sicher, dass die ihre Klugheit abermals unter Beweis gestellt hat und sich niemals mehr in den Machtbereich Mohammeds des Linksh\u00e4nders wagte. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Auch wissen wir nicht, was der scharfsinnige K\u00f6nig tat, als ihm die Flucht seiner T\u00f6chter gemeldet wurde. Es war, wie gesagt, das erste Mal, dass er fremden Rat gesucht hatte. Und wie schn\u00f6de war er hintergangen worden! Nie h\u00f6rte man wieder, dass er sich eine \u00e4hnliche Bl\u00f6\u00dfe gegeben h\u00e4tte. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Seine j\u00fcngste Tochter, die ihm treu geblieben war, lie\u00df er aufs strengste bewachen, und man glaubt, sie habe es bitter bereut, damals nicht mit ihren beiden Schwestern geflohen zu sein. Dann und wann sah man sie auf den Zinnen des Turmes; m\u00fcde lehnte sie an der Br\u00fcstung und schaute traurig zu den Bergen hin\u00fcber, hinter denen C\u00f3rdoba lag. Klagend sang sie zur Laute herzzerbrechende Lieder und beweinte den Verlust ihrer Schwestern und des geliebten Mannes. jung beschloss sie ihr einsames Leben und wurde, so erz\u00e4hlt man sich, in einem Gew\u00f6lbe unterm Turm begraben. Viele Sagen erz\u00e4hlen uns von ihr und ihrem fr\u00fchen Tod.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[85,133],"tags":[],"class_list":["post-281","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-maerchen","category-maerchen-weltweit"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/281","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=281"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/281\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":282,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/281\/revisions\/282"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=281"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=281"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=281"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}