{"id":273,"date":"2015-10-06T21:49:38","date_gmt":"2015-10-06T19:49:38","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=273"},"modified":"2025-12-15T13:34:09","modified_gmt":"2025-12-15T12:34:09","slug":"die-drei-gruenen-zweige","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-drei-gruenen-zweige\/","title":{"rendered":"Die drei gr\u00fcnen Zweige"},"content":{"rendered":"<p>Gebr. Grimm<br \/>\n<!--more--><br \/>\nEs war einmal ein Einsiedler, der lebte in einem Walde an dem Fu\u00dfe eines Berges und brachte seine Zeit in Gebet und guten Werken zu, und jeden Abend trug er noch zur Ehre Gottes ein paar Eimer Wasser den Berg hinauf. Manches Tier wurde damit getr\u00e4nkt und manche Pflanze damit erquickt, denn auf den Anh\u00f6hen weht best\u00e4ndig ein harter Wind, der die Luft und die Erde austrocknet, und die wilden V\u00f6gel, die vor den Menschen scheuen, kreisen dann hoch und suchen mit ihren scharfen Augen nach einem Trunk. Und weil der Einsiedler so fromm war, so ging ein Engel Gottes, seinen Augen sichtbar, mit ihm hinauf, z\u00e4hlte seine Schritte und brachte ihm, wenn die Arbeit vollendet war, sein Essen, so wie jener Prophet auf Gottes Gehei\u00df von den Raben gespeiset ward. Als der Einsiedler in seiner Fr\u00f6mmigkeit schon zu einem hohen Alter gekommen war, da trug es sich zu, dass er einmal von weitem sah, wie man einen armen S\u00fcnder zum Galgen f\u00fchrte. Er sprach so vor sich hin \u201ejetzt widerf\u00e4hrt diesem sein Recht.\u201c Abends, als er das Wasser den Berg hinauftrug, erschien der Engel nicht, der ihn sonst begleitete, und brachte ihm auch nicht seine Speise. Da erschrak er, pr\u00fcfte sein Herz und bedachte, womit er wohl k\u00f6nnte ges\u00fcndigt haben, weil Gott also z\u00fcrne, aber er wusste es nicht. Da a\u00df und trank er nicht, warf sich nieder auf die Erde und betete Tag und Nacht. Und als er einmal in dem Walde so recht bitterlich weinte, h\u00f6rte er ein V\u00f6glein, das sang so sch\u00f6n und herrlich; da ward er noch betr\u00fcbter und sprach \u201ewie singst du so fr\u00f6hlich! dir z\u00fcrnt der Herr nicht: ach, wenn du mir sagen k\u00f6nntest, womit ich ihn beleidigt habe, damit ich Bu\u00dfe t\u00e4te und mein Herz auch wieder fr\u00f6hlich w\u00fcrde!\u201c Da fing das V\u00f6glein an zu sprechen und sagte \u201edu hast Unrecht getan, weil du einen armen S\u00fcnder verdammt hast, der zum Galgen gef\u00fchrt wurde, darum z\u00fcrnt dir der Herr; er allein h\u00e4lt Gericht. Doch wenn du Bu\u00dfe tun und deine S\u00fcnde bereuen willst, so wird er dir verzeihen.\u201c Da stand der Engel neben ihm und hatte einen trockenen Ast in der Hand und sprach \u201ediesen trockenen Ast sollst du so lange tragen, bis drei gr\u00fcne Zweige aus ihm hervorsprie\u00dfen, aber nachts, wenn du schlafen willst, sollst du ihn unter dein Haupt legen. Dein Brot sollst du dir an den T\u00fcren erbitten und in demselben Hause nicht l\u00e4nger als eine Nacht verweilen. Das ist die Bu\u00dfe, die dir der Herr auflegt.\u201c<\/p>\n<p>Da nahm der Einsiedler das St\u00fcck Holz und ging in die Welt zur\u00fcck, die er so lange nicht gesehen hatte. Er a\u00df und trank nichts, als was man ihm an den T\u00fcren reichte; manche Bitte aber ward nicht geh\u00f6rt, und manche T\u00fcre blieb ihm verschlossen, also dass er oft ganze Tage lang keinen Krumen Brot bekam. Einmal war er vom Morgen bis Abend von T\u00fcre zu T\u00fcre gegangen, niemand hatte ihm etwas gegeben, niemand wollte ihn die Nacht beherbergen, da ging er hinaus in einen Wald und fand endlich eine angebaute H\u00f6hle, und eine alte Frau sa\u00df darin. Da sprach er \u201egute Frau, behaltet mich diese Nacht in Euerm Hause.\u201c Aber sie antwortete \u201enein, ich darf nicht, wenn ich auch wollte. Ich habe drei S\u00f6hne, die sind b\u00f6s und wild, wenn sie von ihrem Raubzug heim kommen und finden Euch, so w\u00fcrden sie uns beide umbringen.\u201c Da sprach der Einsiedler \u201elasst mich nur bleiben, sie werden Euch und mir nichts tun,\u201c und die Frau war mitleidig und lie\u00df sich bewegen. Da legte sich der Mann unter die Treppe und das St\u00fcck Holz unter seinen Kopf. Wie die Alte das sah, fragte sie nach der Ursache, da erz\u00e4hlte er ihr, dass er es zur Bu\u00dfe mit sich herumtrage und nachts zu einem Kissen brauche. Er habe den Herrn beleidigt, denn als er einen armen S\u00fcnder auf dem Gang nach dem Gericht gesehen, habe er gesagt, diesem widerfahre sein Recht. Da fing die Frau an zu weinen und rief \u201each, wenn der Herr ein einziges Wort also bestraft, wie wird es meinen S\u00f6hnen ergehen, wenn sie vor ihm im Gericht erscheinen.\u201c<\/p>\n<p>Um Mitternacht kamen die R\u00e4uber heim, l\u00e4rmten und tobten. Sie z\u00fcndeten ein Feuer an, und als das die H\u00f6hle erleuchtete und sie einen Mann unter der Treppe liegen sahen, gerieten sie in Zorn und schrien ihre Mutter an \u201ewer ist der Mann? haben wir&#8217;s nicht verboten, irgendjemand aufzunehmen?\u201c Da sprach die Mutter \u201elasst ihn, es ist ein armer S\u00fcnder, der seine Schuld b\u00fc\u00dft.\u201c Die R\u00e4uber fragten \u201ewas hat er getan? Alter,\u201c riefen sie, erz\u00e4hl uns deine S\u00fcnden.\u201c Der Alte erhob sich und sagte ihnen, wie er mit einem einzigen Wort schon so ges\u00fcndigt habe, dass Gott ihm z\u00fcrne, und er f\u00fcr diese Schuld jetzt b\u00fc\u00dfe. Den R\u00e4ubern ward von seiner Erz\u00e4hlung das Herz so gewaltig ger\u00fchrt, dass sie \u00fcber ihr bisheriges Leben erschraken, in sich gingen und mit herzlicher Reue ihre Bu\u00dfe begannen. Der Einsiedler, nachdem er die drei S\u00fcnder bekehrt hatte, legte sich wieder zum Schlafe unter die Treppe. Am Morgen aber fand man ihn tot,\u201c und aus dem trocknen Holz, auf welchem sein Haupt lag\u201c waren drei gr\u00fcne Zweige hoch emporgewachsen. Also hatte ihn der Herr wieder in Gnaden zu sich aufgenommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gebr. 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