{"id":271,"date":"2015-10-06T21:47:44","date_gmt":"2015-10-06T19:47:44","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=271"},"modified":"2026-01-24T02:14:40","modified_gmt":"2026-01-24T01:14:40","slug":"die-geschichte-von-den-drei-groschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-geschichte-von-den-drei-groschen\/","title":{"rendered":"Die Geschichte von den drei Groschen"},"content":{"rendered":"<p><!--more--><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">In Gotha lebte einmal ein armer Stra\u00dfenkehrer der tat seine Arbeit und k\u00fcmmerte sich Sonst um nichts. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Nun geschah es, dass eines Tages der F\u00fcrst des Weges kam und ihm bei der Arbeit zusah. Der fragte ihn: &#8222;Sage mir, lieber Mann, welchen Lohn bekommst du f\u00fcr diese schwere Arbeit?&#8220; <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Ach&#8220;, sagte der Stra\u00dfenkehrer, &#8222;ich bekomme t\u00e4glich drei Groschen.&#8220; <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Da wunderte sich der F\u00fcrst und fragte, wie man denn mit einem so kargen Lohn leben k\u00f6nne. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Wenn es nur darum ginge&#8220;, sagte der Stra\u00dfenkehrer, &#8222;so w\u00e4re das noch nicht so schlimm. Doch von den drei Groschen gebe ich einen zur\u00fcck, einen leihe ich, und erst vom dritten lebe ich.&#8220; <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Das verstand der F\u00fcrst nicht. Es wollte ihm nicht in den Sinn, wie man von drei Groschen noch einen zur\u00fcckgeben und einen verleihen k\u00f6nne. Und wieder fragte er den Stra\u00dfenkehrer, wie er das denn mache. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Euer Gnaden&#8220;, sagte der arme Mensch, &#8222;es ist so: Ich pflege meinen Vater, denn er ist alt. Dem gebe ich zur\u00fcck, was er an mir Gutes getan hat. Weiter habe ich einen kleinen Sohn. Dem leihe ich, dass er mir im Alter zur\u00fcckgebe, und von dem dritten Groschen lebe ich selbst.&#8220; <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Du bist ein braver Mann&#8220;, sagte der F\u00fcrst. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Sieh, ich habe zu Hause zehn Ratgeber, und alle sind mit ihrem hohen Lohn nicht zufrieden. Jetzt will ich ihnen erz\u00e4hlen, was ich von dir geh\u00f6rt habe. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Sollten Sie zu dir kommen und von dir des R\u00e4tsels L\u00f6sung wissen wollen, so schweige, bis du mich wiedersiehst ! Erst dann darfst du reden.&#8220; <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Als der F\u00fcrst zu seinem Schloss kam, lie\u00df er seine R\u00e4te zu sich kommen und sagte zu ihnen: &#8222;Es lebt in meinem Land ein Mensch, der erh\u00e4lt nur drei Groschen Tageslohn. Von diesen drei Groschen tilgt er eine Schuld, leiht einem anderen und lebt selbst davon. Und er beklagt sich nicht, Da ihr so klug seid, sagt mir, wie das m\u00f6glich ist. Wenn ihr es aber bis \u00fcbermorgen nicht wisst, jage ich euch davon.&#8220; <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Die R\u00e4te gingen hinweg und \u00fcberlegten und \u00fcberlegten, doch fanden sie des R\u00e4tsels L\u00f6sung nicht, So vergingen der erste und der zweite Tag. Am dritten Tag begegneten sie dem armen Stra\u00dfenkehrer, der die Stra\u00dfen r\u00e4umte, und weil sie keinen Ausweg mehr sahen aus ihrer Not, fragten sie ihn um Rat. Er schwieg, denn er hatte ja dem F\u00fcrsten sein Wort gegeben. Sie aber lie\u00dfen nicht nach mit Dr\u00e4ngen und Bitten und gaben ihm endlich etliche Groschen. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Auf den Groschen aber war des F\u00fcrsten Bild abgedruckt. Kaum hatte der Stra\u00dfenkehrer auf dem Groschen den F\u00fcrsten wiedergesehen, als er ihnen des R\u00e4tsels L\u00f6sung nannte. Da dankten ihm die R\u00e4te sehr, gingen zum Schloss und erz\u00e4hlten dem F\u00fcrsten, wie es m\u00f6glich sei, mit drei Groschen zu leben. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Der F\u00fcrst erz\u00fcrnte, weil er meinte, dass der Stra\u00dfenkehrer sein Wort nicht gehalten habe, und er lie\u00df ihn kommen. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Weshalb hast du nicht geschwiegen?&#8220; herrschte er ihn an. &#8222;Du solltest schweigen, bis du mich wiedersehen w\u00fcrdest.&#8220; <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Der Stra\u00dfenkehrer l\u00e4chelte und verneigte sich ein wenig. &#8222;Herr&#8220;, sagte er, &#8222;ich habe dich ja wiedergesehen. Die Groschen trugen dein Bild unter die Menschen. Und da die R\u00e4te mir einen Groschen reichten, warst du auf meiner Hand. Doch h\u00f6re mich noch weiter an. Du z\u00fcrnst ihnen, weil sie hohen Lohn verlangen. Z\u00fcrne dir doch lieber selbst; denn ist nicht der Lohn, den du f\u00fcr dich selbst verlangst, am h\u00f6chsten? Siehe, f\u00fcr die drei Groschen s\u00e4ubere ich die Stra\u00dfen. F\u00fcr dein vieles Geld beschmutzt du die Stra\u00dfen, die Pl\u00e4tze, die Menschen. Ich tue den Menschen f\u00fcr meine drei Groschen Gutes &#8211; du tust ihnen f\u00fcr deinen Reichtum nur Schlechtes. Hast du also recht, deine R\u00e4te so zu schelten?&#8220; <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Der F\u00fcrst schwieg still, auch die R\u00e4te schwiegen still, der Stra\u00dfenkehrer aber ging wieder an seine Arbeit, und bis an sein Lebensende hatte er t\u00e4glich nur drei Groschen zum Leben. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Wenn der F\u00fcrst fortan dem Stra\u00dfenkehrer begegnete, schaute er fort. Denn er wollte nicht mehr mit ihm sprechen.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[86],"tags":[],"class_list":["post-271","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-geschichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/271","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=271"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/271\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":272,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/271\/revisions\/272"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=271"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=271"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=271"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}