{"id":2623,"date":"2025-12-08T01:54:07","date_gmt":"2025-12-08T00:54:07","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=2623"},"modified":"2026-04-24T18:13:27","modified_gmt":"2026-04-24T16:13:27","slug":"die-wichtelmaenner-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-wichtelmaenner-2\/","title":{"rendered":"Die Wichtelm\u00e4nner"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\">Die Wichtelm\u00e4nner<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Gebr. Grimm<\/p>\n\n\n\n<p>Es war ein Schuster ohne seine Schuld so arm geworden, dass ihm endlich nichts mehr \u00fcbrigblieb als Leder zu einem einzigen Paar Schuhe. Nun schnitt er am Abend die Schuhe zu, die wollte er den n\u00e4chsten Morgen in Arbeit nehmen; und weil er ein gutes Gewissen hatte, so legte er sich ruhig zu Bett, befahl sich dem lieben Gott und schlief ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Morgens, nachdem er sein Gebet verrichtet hatte und sich zur Arbeit niedersetzen wollte, so standen die beiden Schuhe ganz fertig auf seinem Tisch. Er verwunderte sich und wusste nicht, was er dazu sagen sollte. Er nahm die Schuhe in die Hand, um sie n\u00e4her zu betrachten: Sie waren so sauber gearbeitet, dass kein Stich daran falsch war, gerade als wenn es ein Meisterst\u00fcck sein sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Bald darauf trat auch schon ein K\u00e4ufer ein, und weil ihm die Schuhe so gut gefielen, so bezahlte er mehr als gew\u00f6hnlich daf\u00fcr, und der Schuster konnte von dem Geld Leder zu zwei Paar Schuhen erhandeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Er schnitt sie abends zu und wollte den n\u00e4chsten Morgen mit frischem Mut an die Arbeit gehen, aber er brauchte es nicht, denn als er aufstand, waren sie schon fertig, und es blieben auch nicht die K\u00e4ufer aus, die ihm so viel Geld gaben, dass er Leder zu vier Paar Schuhen einkaufen konnte. Er fand fr\u00fchmorgens auch die vier Paar fertig; und so ging&#8217;s immerfort, was er abends zuschnitt, das war am Morgen verarbeitet, also dass er bald wieder sein ehrliches Auskommen hatte und endlich ein wohlhabender Mann ward.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun geschah es eines Abends, nicht lange vor Weihnachten, als der Mann wieder zugeschnitten hatte, dass er vorm Schlafengehen zu seiner Frau sprach: \u00bbWie w\u00e4r&#8217;s, wenn wir diese Nacht aufblieben, um zu sehen, wer uns solche hilfreiche Hand leistet?\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Die Frau war&#8217;s zufrieden und steckte ein Licht an; darauf verbargen sie sich in den Stubenecken, hinter den Kleidern, die da aufgeh\u00e4ngt waren, und gaben acht.<\/p>\n\n\n\n<p>Als es Mitternacht war, da kamen zwei kleine, niedliche nackte M\u00e4nnlein, setzten sich vor des Schusters Tisch, nahmen alle zugeschnittene Arbeit zu sich und fingen an, mit ihren Fingerlein so behend und schnell zu stechen, zu n\u00e4hen, zu klopfen, dass der Schuster vor Verwunderung die Augen nicht abwenden konnte. Sie lie\u00dfen nicht nach, bis alles zu Ende gebracht war und fertig auf dem Tische stand, dann sprangen sie schnell fort.<\/p>\n\n\n\n<p>Am andern Morgen sprach die Frau: \u00bbDie kleinen M\u00e4nner haben uns reich gemacht, wir m\u00fcssten uns doch dankbar daf\u00fcr bezeigen. Sie laufen so herum, haben nichts am Leib und m\u00fcssen frieren. Wei\u00dft du was? Ich will Hemdlein, Rock, Wams und H\u00f6slein f\u00fcr sie n\u00e4hen, auch jedem ein Paar Str\u00fcmpfe stricken; mach du jedem ein Paar Sch\u00fchlein dazu.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Der Mann sprach: \u00bbDas bin ich wohl zufrieden.\u00ab Und abends, wie sie alles fertig hatten, legten sie die Geschenke statt der zugeschnittenen Arbeit zusammen auf den Tisch und versteckten sich dann, um mit anzusehen, wie sich die M\u00e4nnlein dazu anstellen w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<p>Um Mitternacht kamen sie herangesprungen und wollten sich gleich an die Arbeit machen, als sie aber kein zugeschnittenes Leder, sondern die niedlichen Kleidungsst\u00fccke fanden, verwunderten sie sich erst, dann aber bezeugten sie eine gewaltige Freude.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit der gr\u00f6\u00dften Geschwindigkeit zogen sie sich an, strichen die sch\u00f6nen Kleider am Leib und sangen:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbSind wir nicht Knaben glatt und fein?<br>Was sollen wir l\u00e4nger Schuster sein!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Dann h\u00fcpften und tanzten sie und sprangen \u00fcber St\u00fchle und B\u00e4nke. Endlich tanzten sie zur T\u00fcr hinaus. Von nun an kamen sie nicht wieder, dem Schuster aber ging es wohl, solang er lebte, und es gl\u00fcckte ihm alles, was er unternahm.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Wichtelm\u00e4nner Gebr. Grimm Es war ein Schuster ohne seine Schuld so arm geworden, dass ihm endlich nichts mehr \u00fcbrigblieb als Leder zu einem einzigen Paar Schuhe. 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