{"id":2621,"date":"2025-12-08T01:51:12","date_gmt":"2025-12-08T00:51:12","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=2621"},"modified":"2026-04-24T18:13:55","modified_gmt":"2026-04-24T16:13:55","slug":"die-mantelteilung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-mantelteilung\/","title":{"rendered":"Die Mantelteilung"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Mantelteilung<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Um 334 war der achtzehnj\u00e4hrige Gardeoffizier in Amiens stationiert. Neben Chalons und Reims war Amiens seit den Tagen Caesars von strategischer Bedeutung. Es ist bekannt, dass dort eine Reitertruppe unter dem Namen \u201eequites catafractarii Ambianenses&#8220; aufgestellt wurde. In eben jene Zeit f\u00e4llt das Ereignis, das bis heute das Andenken an Martin wachh\u00e4lt:<\/p>\n\n\n\n<p>Eines Tages, mitten im Winter, der derart hart war, dass viele Menschen der strengen K\u00e4lte zum Opfer fielen, begegnete Martin am Stadttor von Amiens (civitas Ambianensium) einem armen, unbekleideten Mann. Martin selbst trug au\u00dfer seinen Waffen und seinem Milit\u00e4rmantel nichts bei sich. Als der Bedauernswerte nun die Vor\u00fcbergehenden bat, sie m\u00f6chten sich seiner erbarmen, diese jedoch an dem armen Mann vor\u00fcbergingen, verstand Martin, vom Geist Gottes erf\u00fcllt, dass der Bettler ihm zugewiesen sei, da die anderen Menschen kein Erbarmen zeigten. Aber was sollte er tun? Au\u00dfer seinem Milit\u00e4rmantel, den er trug, besa\u00df er nichts, hatte er doch schon, was er sonst besessen hatte, f\u00fcr eine \u00e4hnliche barmherzige Tat verwendet. Deshalb fasste er sein Schwert, mit dem er geg\u00fcrtet war, teilte den Mantel in der Mitte entzwei und gab die eine H\u00e4lfte dem Armen, mit der anderen H\u00e4lfte bekleidete er sich. Einige der Umstehenden machten sich \u00fcber ihn lustig, da ihn der abgerissene Mantel entstellte. Durchaus glaubhaft ist, was eine j\u00fcngere Quelle anf\u00fcgt, weil es milit\u00e4rischem Denken entspricht: Au\u00dfer dem Spott seiner Mitmenschen habe Martin auch noch eine Arreststrafe seitens seiner Vorgesetzten hinnehmen m\u00fcssen: drei Tage Haft wegen mutwilliger Besch\u00e4digung von Milit\u00e4reigentum.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Nacht, die auf die Mantelteilung folgte, erschien Martin im Traum Jesus Christus, bekleidet mit Martins halbem Milit\u00e4rmantel. Zu den ihn umgebenden Engeln sprach Christus: \u201eMartinus, der noch nicht getauft ist, hat mich mit diesem Mantel bekleidet!&#8220; In diesem Traum sah der junge Offizier eine erneute Aufforderung, den Milit\u00e4rdienst aufzugeben, um in den Dienst Gottes zu treten. Nach mehrj\u00e4hriger Vorbereitungszeit lie\u00df sich Martin in Amiens, damals schon Bischofssitz (346 nahm ein Bischof von Amiens am Konzil in K\u00f6ln teil), taufen. Seinen Milit\u00e4rdienst gab er aber noch nicht auf, weil sein Hauptmann, mit der er befreundet war, ihn gebeten hatte, erst nach zwei Jahren um die Entlassung aus dem Milit\u00e4rdienst zu bitten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u00e4lteste Quelle erw\u00e4hnt an keiner Stelle ein Pferd, auf dem der sp\u00e4tere Heilige bei der Mantelteilung gesessen h\u00e4tte. Die Reiterpose des Helden mit dem Schwert war aber in r\u00f6mischer Zeit eine bekannte Stereotype in der Kunst. Sp\u00e4tere Darstellungen haben diesen alten Bildtyp, der den heldenhaften Soldaten darstellte, \u00fcbernommen und zugleich verfremdet: Nicht mehr einen unterlegenen Gegner zwingt der Reiter nun in den Tod, er erh\u00e4lt durch das Teilen einem Notleidenden das irdische Leben und erwirbt sich durch diese christliche Haltung das ewige Leben.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">\u00a9 Dr.theol. Manfred Becker-Huberti, K\u00f6ln<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Mantelteilung Um 334 war der achtzehnj\u00e4hrige Gardeoffizier in Amiens stationiert. Neben Chalons und Reims war Amiens seit den Tagen Caesars von strategischer Bedeutung. Es ist bekannt, dass dort eine Reitertruppe unter dem Namen \u201eequites catafractarii Ambianenses&#8220; aufgestellt wurde. 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