{"id":2597,"date":"2025-12-07T22:52:20","date_gmt":"2025-12-07T21:52:20","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=2597"},"modified":"2026-04-24T18:17:32","modified_gmt":"2026-04-24T16:17:32","slug":"der-christbaumstaender","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/der-christbaumstaender\/","title":{"rendered":"Der Christbaumst\u00e4nder"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Der Christbaumst\u00e4nder<\/strong><a href=\"https:\/\/internet-maerchen.de\/weihnachten\/christbaumstaender.htm#\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Beim Aufr\u00e4umen des Dachbodens, ein paar Wochen vor Weihnachten, entdeckte ein Familienvater in einer Ecke einen ganz verstaubten, uralten Christbaumst\u00e4nder. Es war ein ganz besonderer St\u00e4nder, mit einem Drehmechanismus und einer eingebauten Spielwalze. Beim vorsichtigen Drehen konnte man das Lied \u201eOh du fr\u00f6hliche&#8220; erkennen. Das musste der Christbaumst\u00e4nder sein, von dem Gro\u00dfmutter immer erz\u00e4hlte, wenn die Weihnachtszeit herankam. Das Ding sah zwar f\u00fcrchterlich aus, doch da kam ihm ein wunderbarer Gedanke. Wie w\u00fcrde Gro\u00dfmutter sich freuen, wenn sie am Heiligabend vor dem Baum s\u00e4\u00dfe und dieser sich auf einmal wie in uralter Zeit zu drehen beg\u00e4nne und dazu \u201eOh du fr\u00f6hliche&#8220; spielte. Nicht nur Gro\u00dfmutter, die ganze Familie w\u00fcrde staunen.<br>Es gelang ihm. mit dem antiken St\u00fcck ungesehen in den Bastelraum zu verschwinden. Gut gereinigt, eine neue Feder, dann m\u00fcsste der Mechanismus wieder funktionieren, \u00fcberlegte er. Abends zog er sich dann geheimnisvoll in seinen Hobbyraum zur\u00fcck, verriegelte die T\u00fcr und werkelte. Auf neugierige Fragen antwortete er immer nur: \u201eWeihnachts\u00fcberraschung&#8220;. Kurz vor Weihnachten hatte er es geschafft. Wie neu sah der St\u00e4nder aus. nachdem er auch noch einen neuen Anstrich erhalten hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt aber gleich los und einen pr\u00e4chtigen Weihnachtsbaum besorgen, dachte er. Mindestens zwei Meter sollte der messen. Mit einem wirklich sch\u00f6n gewachsenen Exemplar verschwand Vater dann in seinem Hobbyraum, wo er auch gleich einen Probelauf startete. Es funktionierte alles bestens. W\u00fcrde Gro\u00dfmutter Augen machen!<br>Endlich war Heiligabend. &#8222;Den Baum schm\u00fccke ich alleine&#8220; t\u00f6nte Vater. So aufgeregt war er lange nicht mehr. Echte Kerzen hatte er besorgt, alles sollte stimmen. \u201eDie werden Augen machen&#8220;, sagte er bei jeder Kugel, die er in den Baum hing. Vater hatte wirklich an alles gedacht. Der Stern von Bethlehem sa\u00df oben auf der Spitze, bunte Kugeln. Naschwerk und Wunderkerzen waren untergebracht. Engelshaar und Lametta dekorativ aufgeh\u00e4ngt, die Feier konnte beginnen.<br>Vater schleppte f\u00fcr Gro\u00dfmutter den gro\u00dfen Ohrensessel herbei. Feierlich wurde sie geholt und zu ihrem Ehrenplatz geleitet. Die St\u00fchle hatte er in einem Halbkreis um den Tannenbaum gruppiert. Die Eltern setzten sich rechts und links von Gro\u00dfmutter, die Kinder nahmen au\u00dfen Platz. Jetzt kam Vaters gro\u00dfer Auftritt. Bed\u00e4chtig z\u00fcndete er Kerze um Kerze an. dann noch die Wunderkerzen. \u201eUnd jetzt kommt die gro\u00dfe \u00dcberraschung!&#8220; verk\u00fcndete er. l\u00f6ste die Sperre am St\u00e4nder und nahm ganz schnell seinen Platz ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Langsam drehte sich der Weihnachtsbaum, hell spielte die Musikwalze \u201eOh du fr\u00f6hliche&#8220;. War das eine Freude! Die Kinder klatschten vergn\u00fcgt in die H\u00e4nde. Oma hatte Tr\u00e4nen der R\u00fchrung in den Augen. Immer wieder sagt sie: \u201eWenn Gro\u00dfvater das noch erleben k\u00f6nnte, dass ich das noch erleben darf.&#8220; Mutter war stumm vor Staunen.<br>Eine ganze Weile schaute die Familie begl\u00fcckt und stumm auf den sich im Festgewand drehenden Weihnachtsbaum, als ein schnarrendes Ger\u00e4usch sie j\u00e4h aus ihrer Versunkenheit riss. Ein Zittern durchlief den Baum, die bunten Kugeln klirrten wie Gl\u00f6ckchen. Der Baum fing an, wie verr\u00fcckt sich zu drehen. Die Musikwalze h\u00e4mmerte los. Es h\u00f6rte sich an als wollte \u201eOh du fr\u00f6hliche&#8220; sich selbst \u00fcberholen. Mutter rief mit \u00fcberschnappender Stimme: &#8222;So tu doch was&#8220;! Vater sa\u00df wie versteinert, was den Baum nicht davon abhielt, seine Geschwindigkeit zu steigern. Er dreht sich so rasant, dass die Flammen hinter ihren Kerzen herwehten. Oma bekreuzigte sich und betete. Dann murmelte sie:&#8220; Wenn Gro\u00dfvater das noch erlebt h\u00e4tte&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Als erstes l\u00f6ste sich der Stern von Bethlehem, sauste wie ein Komet durchs Zimmer, klatschte gegen den T\u00fcrrahmen und fiel dann auf Felix, den Dackel, der dort ein Nickerchen hielt. Der arme Hund flitzte wie von der Tarantel gestochen aus dem Zimmer in die K\u00fcche, wo man von ihm nur noch die Nase und ein Auge um die Ecke schielen sah. Lametta und Engelshaar hatten sich erhoben und schwebten wie ein Kettenkarussell am Weihnachtsbaum. Vater gab das Kommando: &#8220; Alles in Deckung!&#8220; Ein Rauschgoldengel trudelte losgel\u00f6st durchs Zimmer, nicht wissend, was er mit seiner pl\u00f6tzlichen Freiheit anfangen sollte. Weihnachtskugeln, gef\u00fcllter Schokoladenschmuck und andere Anh\u00e4ngsel sausten wie Geschosse durch das Zimmer und platzten beim Aufschlagen auseinander.<br>Die Kinder hatten hinter Omas Sessel Schutz gefunden. Vater und Mutter lagen flach auf dem Bauch, den Kopf mit den Armen sch\u00fctzend. Mutter jammerte in den Teppich hinein:'&#8220; Alles umsonst, die viele Arbeit, alles umsonst&#8220;. Vater war das alles sehr peinlich. Oma sa\u00df immer noch auf ihrem Logenplatz, wie erstarrt, von oben bis unten mit Engelshaar und Lametta geschm\u00fcckt. Ihr kam Gro\u00dfvater in den Sinn, als dieser 14\/18 in den Ardennen in feindlichem Artilleriefeuer gelegen hatte. Genauso musste es gewesen sein. Als gef\u00fcllter Schokoladenbaumschmuck an ihrem Kopf explodierte, registrierte sie trocken: &#8222;Kirschwasser&#8220; und murmelte ..Wenn Gro\u00dfvater das noch erlebt h\u00e4tte&#8220;. Zu allem jaulte die Musikwalze im Schlussakkord ..Oh du fr\u00f6hliche&#8220;, bis mit einem \u00e4chzenden Ton der St\u00e4nder seinen Geist aufgab. Durch den pl\u00f6tzlichen Stopp neigte sich der Christbaum in Zeitlupe, fiel aufs kalte B\u00fcffet, die letzten Nadeln von sich gebend. Totenstille!<\/p>\n\n\n\n<p>Gro\u00dfmutter, geschm\u00fcckt wie nach einer New Yorker Konfettiparade, erhob sich schweigend. Kopfsch\u00fcttelnd sagte sie:&#8220; Wie gut. dass Gro\u00dfvater das nicht mehr erlebt hat&#8220;. Mutter v\u00f6llig aufgel\u00f6st zu Vater:&#8220; Wenn ich mir diese Bescherung ansehe, dann ist deine gro\u00dfe Weihnachts\u00fcberraschung wirklich gelungen&#8220;. Andreas meinte: &#8222;Du Babbe. des war echt staak. mache mer des jetzt immer an Woinachde&#8220;?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Christbaumst\u00e4nder Beim Aufr\u00e4umen des Dachbodens, ein paar Wochen vor Weihnachten, entdeckte ein Familienvater in einer Ecke einen ganz verstaubten, uralten Christbaumst\u00e4nder. Es war ein ganz besonderer St\u00e4nder, mit einem Drehmechanismus und einer eingebauten Spielwalze. Beim vorsichtigen Drehen konnte man das Lied \u201eOh du fr\u00f6hliche&#8220; erkennen. 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