{"id":259,"date":"2015-10-06T21:39:21","date_gmt":"2015-10-06T19:39:21","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=259"},"modified":"2026-01-24T02:08:45","modified_gmt":"2026-01-24T01:08:45","slug":"don-quichotte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/don-quichotte\/","title":{"rendered":"Don Quichotte"},"content":{"rendered":"\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Miguel de Cervantes <\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><b><span style=\"font-family: Verdana;\">Meine Lieben!<\/span><\/b><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Neulich fragte eine Illustrierte ihre Leser: \u00bbIn welchem Zeitalter h\u00e4tten Sie am liebsten gelebt?\u00ab Und die Antworten waren bunt wie ein Blumenstrau\u00df Ein Kolonialwarenh\u00e4ndler aus Sehweinfurt teilte der Redaktion mit, dass er am liebsten, etwa um 500 vor Christi Geburt, ein alter Grieche gewesen w\u00e4re, und Zwar, wenn sich&#8217;s h\u00e4tte einrichten lassen, Sieger bei den Olympischen Wettk\u00e4mpfen. Statt mit Lorbeer, gekr\u00f6nt Zu sein, m\u00fcsse er nun in seinem Gesch\u00e4ft Lorbeer in T\u00fcten verkaufen, f\u00fcr fremde Suppen, und das gefalle ihm viel weniger.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Eine gewisse Frau Brinkmann aus L\u00fcbeck schrieb, schon als Konfirmandin habe sie sieh sehnlichst gew\u00fcnscht, im 18. Jahrhundert gelebt Zu haben, und Zwar als Hofdame in Frankreich, mit wei\u00dfgepuderter Frisur und in weiten seidenen Reifr\u00f6cken. Dann h\u00e4tte sie den sch\u00f6nen Marschall Moritz von Sachsen geheiratet und nicht Herrn Brinkmann. Und Paris und Versailles seien viel h\u00fcbscher als L\u00fcbeck und Travem\u00fcnde. Sie k\u00f6nne das beurteilen, denn sie habe im vorigen Jahr eine achtt\u00e4gige Gesellschaftsreise nach Paris mitgemacht.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">So hatte ein jeder Leser seinen eignen Kopf. Einer h\u00e4tte gern als schwedischer Reitergeneral im Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Kriege gelebt, ein andrer als chinesischer Mandarin, ein dritter als Mundschenk der K\u00f6nigin Kleopatra von \u00c4gypten. Nur Herr Pfannenstiel aus Barmen-Elberfeld schrieb:<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bblch, der Endesunterfertigte, m\u00f6chte Herr Pfannenstiel aus Barmen-Elberfeld, Krumme Stra\u00dfe 7, Vertreter f\u00fcr Rasierklingen, sein und bleiben. Hochachtungsvoll Ihr sehr ergebener Willibald Pf.\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Willibald Pf. war mit seinem Los zufrieden. Er war eine Ausnahme. So selten wie eine seltene Briefmarke.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Don Quichotte nun, dessen Abenteuer ich euch gleich erz\u00e4hlen werde, war ein armer spanischer Edelmann, der f\u00fcr sein Leben gern ein Ritter gewesen w\u00e4re. Ein Ritter in voller und blitzender R\u00fcstung, mit Lanze, Schild und Schwert und auf einem feurigen Hengst. Obwohl es Zu seiner Zeit, vor etwa dreihundertf\u00fcnfzig Jahren, solche Ritter schon lange nicht mehr gab ! Nun h\u00e4tte das keinerlei Aufsehen erregt wenn Don Quichotte seine Rittertr\u00e4ume h\u00fcbsch f\u00fcr sich behalten und zu Hause im Lehnstuhl getr\u00e4umt h\u00e4tte. Doch so bequem machte er es sich und den anderen nicht! Er dachte nicht: Ach, w\u00e4re ich doch ein tapferer Ritter! Ach, k\u00f6nnte ich doch den Schwachen und Bedr\u00e4ngten helfen ! Ach, h\u00e4tte ich doch verwegene Feinde, um sie Zu besiegen ! Nein, er hielt gar nichts von W\u00e4re und K\u00f6nnte und H\u00e4tte ! Sondern er erhob sich aus seinem Lehnstuhl, schlug mit der Faust auf den Tisch und rief blitzenden Auges: \u00bbIch bin ein Ritter! Ich habe Feinde! Und ich werde den Schwachen helfen !\u00ab Dann holte er die eiserne R\u00fcstung seines Urgro\u00dfvaters vom oden, putzte und kratzte den Staub, die Spinnweben und den Rost weg, reparierte den Helm und das Visier, kletterte in die R\u00fcstung hinein, band den Heim fest, zog sein Pferd aus dem Stall, das so d\u00fcrr war wie er selber, stieg \u00e4chzend hinauf, setzte sich Zurecht und ritt davon. Die Abenteuer, die er erlebte, hat Miguel de Cervantes aufgeschrieben, und er hat in dem Buch behauptet, schuld an Don Quichottes seltsamen Taten w\u00e4ren die zahllosen Ritterromane gewesen, die damals Mode waren und die er allesamt gelesen h\u00e4tte. Das kann schon sein. K\u00fcrzlich wurde auf einem M\u00fcnchner Standesamt ein junges Paar getraut, das dreihundertsieben Wildwestfilme &lt;gesehen hatte. Sie kamen Zu Pferde, mit Colts und Lassos, in Cowboytracht, und der Standesbeamte fiel in Ohnmacht. Immerhin wussten die jungen Eheleute noch, dass sie&nbsp; eigentlich Bachmayer hie\u00dfen und dass der Herr Gemahl wochentags nicht \u00fcber die Pr\u00e4rie reiten, sondern in Schwabing die Gasz\u00e4hler pr\u00fcfen musste. Bei Don Quichotte lag das anders. Er war beim Lesen \u00fcbergeschnappt! (Na euch kann das ja nicht passieren)<\/span><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><b><span style=\"font-family: Verdana;\">Eine Schl\u00e4gerei und der Ritterschlag<\/span><\/b><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Die Haush\u00e4lterin und deren Nichte suchten ihren Herrn und Gebieter wie eine Stecknadel. Und als sie ihn nicht finden konnten, holte die Nichte seine Freunde, den Pfarrer und den Barbier, herbei, und nun suchten sie zu viert. Doch sie fanden nur, dass auch das Pferd verschwunden war. Da begannen sie sich Sorgen zu machen und zu warten. Doch sie warteten vergeblich.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Inzwischen ritt Don Quichotte auf seiner d\u00fcrren Rosinante \u00fcber staubige Stra\u00dfen und an Feldern und Olivenhainen vorbei, der Stadt Sevilla und seinen zuk\u00fcnftigen Abenteuern entgegen. Keine Wolke stand am tiefblauen Himmel. Die Sonne brannte. Und das Gras roch versengt. Ross und Reiter hatten schrecklichen Durst. Aber nirgends floss ein Bach, und nirgends stand ein Wirtshaus. Nicht einmal den Helm konnte Don Quichotte abnehmen. Denn er hatte ihn mit B\u00e4ndern unterm Kinn fest zugeknotet, und nun konnte er die Knoten nicht wieder aufkn\u00fcpfen! Der Schwei\u00df brannte ihm in den Augen und lief ihm unterm Harnisch den R\u00fccken hinunter, doch er biss die Z\u00e4hne zusammen und dachte: Ein rechter Ritter darf nicht murren.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Pl\u00f6tzlich zuckte er vor Schreck zusammen und rief laut: \u00bbIch bin ja noch gar kein Ritter! \u00ab Da erschrak auch das Pferd und galoppierte zehn Minuten lang, als sei es von einer Hummel gestochen worden. Dann blieb es, mit heraush\u00e4ngender Zunge, stehen. \u00bbIch bin ja noch gar kein Ritter\u00ab, wiederholte Don Quichotte betr\u00fcbt. \u00bbMir fehlt ja noch der Ritterschlag!\u00ab Doch seine Betr\u00fcbnis wurde nicht alt. Er warf den Kopf zur\u00fcck, dass der reparierte Helm schepperte, und sagte stolz zu sich selber: \u00bbDer erste Mann, der mir begegnet, soll mich zum Ritter schlagen!\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Der erste Mann, der ihm begegnete, war ein dicker Wirt, der mit ein paar Eseltreibern und zwei Kellnerinnen vor seiner Kneipe sa\u00df. Das war eine d\u00fcrftige Spelunke. Doch Don Quichotte hielt sie f\u00fcr ein altes Kastell, den Wirt f\u00fcr den Burgherrn und die Kellnerinnen f\u00fcr Schlossfr\u00e4ulein. Als man ihm vom Gaul geholfen hatte, kniete er vor dem Wirt nieder und bat diesen, ihn feierlich zum Ritter zu schlagen, da er vorher weder die Armen verteidigen noch die B\u00f6sen zerschmettern d\u00fcrfe. Der Wirt, der nicht wusste, ob er lachen oder sich f\u00fcrchten sollte, sagte ja und amen. Man m\u00fcsse aber, f\u00fcgte er hinzu, bis zum n\u00e4chsten Sonnenaufgang warten, das sei beim Ritterschlag \u00fcblich. Und der Kandidat m\u00fcsse die Nacht \u00fcber seine k\u00fcnftigen Waffen bewachen. M\u00f6glichst in einer Kapelle. Nun habe er zwar keine Kapelle, aber der Burghof eigne sich genauso gut. \u00bbBurghof\u00ab, sagte er, weil der seltsame Gast das Wirtshaus ja f\u00fcr eine Burg hielt.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Don Quichotte war einverstanden, erhob sich von seinem Kniefall und setzte sich zu Tisch. Es gab Stockfisch, hartes Brot und sauren Wein, und die Kellnerinnen wollten ihm den Helm abnehmen. Doch auch sie brachten die Knoten nicht auf. Und so mussten sie den k\u00fcnftigen Ritter, der den Mund nur einen Spalt \u00f6ffnen konnte, bissenweise f\u00fcttern, und den Wein trank er durch einen Strohhalm.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Nachts ging er dann im Hof wachsam auf und ab. Den Harnisch und den Helm hatte er behutsam auf den Viehtrog neben dem Brunnen gelegt. Die Lanze hielt er aber im Arm, und das war gut so. Denn ein paar Stunden sp\u00e4ter kamen zwei Eseltreiber zum Brunnen, um ihre Maultiere zu tr\u00e4nken. Da sie den Trog mit Wasser f\u00fcllen wollten, warfen sie den Harnisch und den Helm achtlos auf die Erde. Das h\u00e4tten sie nicht tun sollen! Schon war Don Quichotte zur Stelle und schlug ihnen mit der Lanze \u00fcber den Kopf. Sie fielen um und schrien wie am Spie\u00df. Der Wirt sprang aus dem Bett, rannte in den Hof hinunter, sah die Bescherung und rief: \u00bbEs ist soweit, edler Herr! Kniet nieder! Die Sonne geht auf! \u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Da stieg Don Quichotte in seine R\u00fcstung, kniete nieder und lie\u00df sich von dem dicken Wirt, der dabei allerlei murmelte und ihm mit dem Schwert auf die Schulter klopfte, zum Ritter schlagen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Ihm war sehr feierlich zumute.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Anschlie\u00dfend bedankte er sich tausendmal, nahm seine Waffen, stieg auf die Rosinante und ritt, vom Gel\u00e4chter der Kellnerinnen und von den Fl\u00fcchen der Eseltreiber begleitet, aus dem Tor. Endlich war er ein richtiger Ritter!<\/span><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>D<span style=\"font-family: Verdana;\">as Abenteuer am Kreuzweg<\/span><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Wieder brannte die Sonne auf die spanische Hochebene. Rosinante trabte unerm\u00fcdlich dahin. Denn sie befand sich seit Stunden auf dem Heimweg. Sie wollte in ihren Stall zur\u00fcck. Aber Don Quichotte merkte das nicht. Er suchte in Gedanken nach einer edlen Dame, die er verehren und in deren Namen er k\u00e4mpfen wollte. Schlie\u00dflich fiel ihm Aldonza Lorenzo ein. Das war ein h\u00fcbsches, strammes Bauernm\u00e4dchen aus dem Nachbardorf, und er war einmal in sie verliebt gewesen. Nur ihr Name war ihm nicht pr\u00e4chtig und f\u00fcrstlich genug. Und er gr\u00fcbelte, wie sie hei\u00dfen solle. Am besten gefiel ihm, nach l\u00e4ngerem Hin und Her: Dulzinea von Toboso! Das klang herrlich! Und so gab er dem Gaul die Sporen, galoppierte \u00fcber die Landstra\u00dfe und rief wieder und wieder: \u00bbDulzinea von Toboso ist die sch\u00f6nste und vornehmste Dame Spaniens!\u00ab Unter diesem Rufe kam er an einen Kreuzweg, wo gerade sechs Reiter mit ihren Dienern und Maultiertreibern hielten. Es waren wohlhabende Kaufleute aus Toledo, und sie wollten nach Mutzia, um dort Seide einzukaufen. \u00bbDulzinea von Toboso ist die sch\u00f6nste und vornehmste Dame Spaniens!\u00ab rief Don Quichotte. \u00bbGebt Ihr das zu?\u00ab Da sagte der eine Kaufmann: \u00bbWir kennen sie ja gar nicht, Eure Dulzinea!\u00ab Ein andrer sagte: \u00bbZeigt uns ihr Bild! Vorher geben wir \u00fcberhaupt nichts zu!\u00ab Und der dritte meinte sp\u00f6ttisch: \u00bbVielleicht schielt sie und hat Zahnl\u00fccken!\u00ab Und alle lachten.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Das war f\u00fcr Don Quichotte zuviel. \u00bbDas sollt ihr b\u00fc\u00dfen! \u00ab donnerte er, legte seine Lanze ein und sprengte auf die Herren los. Es h\u00e4tte recht \u00fcbel ausgehen k\u00f6nnen. Doch auf halbem Wege stolperte sein Gaul und fiel, samt dem Ritter, mitten auf die Stra\u00dfe. Don Quichotte wollte aufstehen und zu Fu\u00df f\u00fcr seine Dame k\u00e4mpfen. Aber die R\u00fcstung, der Schild, die Lanze und der Helm waren zu schwer. Und schon waren die Maultiertreiber \u00fcber ihm, zerbrachen die Lanze, jeder nahm ein St\u00fcck davon, und dann pr\u00fcgelten sie auf ihn ein, dass ihm H\u00f6ren und Sehen verging.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Als der arme Ritter wieder zu sich kam, waren die andern \u00fcber alle Berge. Die Knochen taten ihm weh, und er st\u00f6hnte und \u00e4chzte zum Steinerweichen. Zum Gl\u00fcck ritt ein Bauer auf seinem Esel vor\u00fcber, half dem Pferd auf die Beine, erkannte Don Quichotte, setzte ihn behutsam auf den Esel und lieferte Ross und Reiter vor dessen Hause ab.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Es war schon dunkel, und die Haush\u00e4lterin und die Nichte, der Pfarrer und der Barbier waren froh, den Ausrei\u00dfer wieder daheim zu haben. Er war braun und blau am ganzen K\u00f6rper. Sie steckten ihn ins Bett und machten ihm kalte Umschl\u00e4ge. Er berichtete, dass er mit zehn gewaltigen Riesen gefochten h\u00e4tte. Doch sie glaubten ihm nicht recht und gaben ihm Kamillentee zu trinken.<\/span><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong><span style=\"font-family: Verdana;\">Der Kampf mit den Windm\u00fchlen<\/span><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Vierzehn Tage musste der Ritter das Bett h\u00fcten, und die Haush\u00e4lterin dachte schon, er habe von seinen Abenteuern genug. Doch eines sch\u00f6nen Morgens war er wieder verschwunden! Aber diesmal nicht nur er und das Pferd, sondern auch sein Nachbar Sancho Pansa, ein verheirateter Bauer, mit einem Esel 1 Sancho Pansas Frau kam, samt den Kindern, zu Don Quichottes Haush\u00e4lterin und der Nichte gelaufen, und sie weinten und schimpften durcheinander, dass das Haus widerhallte.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Was, um alles in der Welt, war Sancho Pansa eigentlich eingefallen, den verr\u00fcckten Ritter zu begleiten? War denn auch in seinem Bauernsch\u00e4del etwas nicht ganz in Ordnung? Nun, verr\u00fcckt war der kleine, dicke Bauer nicht, aber er war, offen gestanden, ziemlich dumm. Und als ihm Don Quichotte erz\u00e4hlt hatte, er wolle Provinzen, Inseln und K\u00f6nigreiche erobern und ihn, den Knappen und Stallmeister, zum Grafen oder Herzog machen, wenn nicht gar zu einem K\u00f6nig, da hatte der kleine Dicke nicht widerstehen k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Wie sie so dahinritten, sagte Sancho Pansa nachdenklich: \u00bbEin K\u00f6nig w\u00e4re ich ja recht gerne. Doch dann w\u00fcrde meine Frau eine K\u00f6nigin, und ich glaube, das liegt ihr nicht. F\u00fcr so einen Posten ist sie nicht fein genug. Macht mich zu einem Grafen, dann wird sie eine Gr\u00e4fin. Das kriegt sie vielleicht hin.\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbSei nicht so bescheiden!\u00ab antwortete der Ritter. \u00bbMan muss Gro\u00dfes wollen! Ich mache dich mindestens zum Gouverneur, und damit basta!\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbNa sch\u00f6n\u00ab, meinte Sancho Pansa, \u00bbmacht mich zum Gouverneur und meine Frau zur Gouverneuse! Das Gouvernieren werden wir schon lernen! \u00ab Damit schnallte er den Weinschlauch vom Sattel seines Esels los und trank einen kr\u00e4ftigen Schluck.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Gegen Abend n\u00e4herten sie sich einem H\u00fcgel, auf dem drei\u00dfig bis vierzig Windm\u00fchlen standen. Da stellte sich Don Quichotte in die Steigb\u00fcgel und rief: \u00bbSiehst du die Riesen auf dem H\u00fcgel?\u00ab Sancho Pansa kaute gerade etwas Brot und Schinken und sagte: \u00bbRiesen? Auf dem H\u00fcgel? Ich sehe nur Windm\u00fchlen!\u00ab &#8211; \u00bbRiesen!\u00ab rief der Ritter. \u00bbUnd jeder hat vier Arme!\u00ab \u00bbNein\u00ab, sagte der Stallmeister kauend, \u00bbEs sind Windm\u00fchlen, und jede hat vier Fl\u00fcgel!\u00ab Doch da legte sein Herr und Gebieter auch schon die neue Lanze ein, rief zum H\u00fcgel: \u00bbIm Namen der Dame Dulzinea von Toboso, ergebt euch!\u00ab und gab Rosinante die Sporen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Als Don Quichotte die erste Windm\u00fchle erreicht und die Lanze voller Wucht in einen Windm\u00fchlenfl\u00fcgel gebohrt hatte, kam pl\u00f6tzlich ein Wind auf. Die Fl\u00fcgel begannen sich zu drehen. Die Lanze zersplitterte. Und Ross und Reiter flogen in hohem Bogen durch die Luft und ins Feld. Dort blieben beide liegen, als h\u00e4tten sie s\u00e4mtliche Knochen gebrochen! Sancho Pansa trabte erschrocken n\u00e4her und rief schon von weitem: \u00bbHabt Ihr gro\u00dfe Schmerzen?\u00ab Da setzte sich Don Quichotte m\u00fchsam auf und sagte stolz: \u00bbRitter haben keine Schmerzen. Und wenn sie doch einmal welche haben, klagen sie nicht.\u00ab &#8211; \u00bbWie gut, dass ich kein Ritter bin!\u00ab rief der kleine Dicke und half den beiden auf die Beine.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Als sie schlie\u00dflich weiterritten, hing der Ritter schief und krumm im Sattel, und der Gaul humpelte und kam kaum vom Fleck. Weil es au\u00dferdem dunkel wurde, beschlossen sie zu kampieren und lie\u00dfen sich in einem Steineichenwald nieder. Sancho Pansa a\u00df und trank wieder, legte sich um und schnarchte, dass die Wipfel zitterten. Don Quichotte a\u00df nichts, trank nichts und schlief nicht. Nachdem er einen kr\u00e4ftigen Zweig von einem der B\u00e4ume abgerissen und ihn als Lanze zurechtgeschnitzt hatte, sa\u00df er noch lange wach, gr\u00e4mte sich \u00fcber seine Niederlage und tr\u00e4umte von neuen, aber erfolgreicheren Taten.<\/span><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong><span style=\"font-family: Verdana;\">Ein halbes Ohr und ein halber Heim<\/span><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Ein paar Tage sp\u00e4ter n\u00e4herten sie sich dem Meer. Schon von weitem erblickten sie den Hafen Lapice in der blauen Bucht, und Don Quichotte meinte hoffnungsfroh, hier an der K\u00fcste f\u00e4nde seine selbstgeschnitzte Eichenlanze gewiss lohnende Ziele. \u00bbNur eines musst du streng beachten\u00ab, sagte er hoheitsvoll zu Sancho Pansa: \u00bbDu darfst, da du kein Ritter bist, nicht mit Rittern k\u00e4mpfen, sondern nur mit Stallmeistern und Knappen! \u00ab &#8211; \u00bbMachen Sie sich deswegen keine Sorgen!\u00ab antwortete der kleine Dicke. \u00bbIch werde mich weder mit Rittern noch mit Stallmeistern pr\u00fcgeln. Denn ich bin ein friedlicher Mensch. Ich werde h\u00f6chstens w\u00fctend, wenn man mich nicht in Ruhe l\u00e4sst.\u00ab &#8211; \u00bbDu darfst mir, weil ich ein Ritter bin, nicht einmal zu Hilfe kommen!\u00ab fuhr sein Herr und Gebieter fort. \u00bbAuch dann nicht, wenn ich in Bedr\u00e4ngnis gerate! \u00ab &#8211; \u00bbGanz wie Sie w\u00fcnschen\u00ab, sagte Sancho Pansa. \u00bbIch bin ein friedlicher Mensch.\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Gegen Mittag begegneten sie einer gr\u00f6\u00dferen Karawane. Vorneweg ritten zwei Pater vom Benediktinerorden auf Maultieren. Nebenher liefen ein paar Treiber. Und dahinter folgte, von Reitern begleitet, eine Kutsche, worin eine sch\u00f6ne Dame mit ihrer Zofe sa\u00df. Die Dame reiste nach Sevilla, um dort ihren Gemahl zu treffen, der vom spanischen K\u00f6nig nach Westindien geschickt werden sollte.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbSiehst du die zwei Zauberer?\u00ab fragte Don Quichotte aufgeregt. \u00bbNein\u00ab, sagte Sancho Pansa, \u00bbich sehe zwei Benediktiner.\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbZauberer sind es! \u00ab rief der Ritter. \u00bbUnd sie entf\u00fchren in der Kutsche eine Prinzessin! \u00ab &#8211; \u00bbAch wo! \u00ab sagte sein Begleiter. \u00bbDas bilden Sie sich nur ein! \u00ab Doch ehe er ausgesprochen hatte, sprengte Don Quichotte schon auf die verdutzte Gruppe los. Der erste Pater fiel vor Schreck vom Esel. Der andre ritt ins Feld. Die Damen in der Kutsche schrien um Hilfe. \u00bbIch komme ja schon 1 \u00ab rief Don Quichotte. \u00bbIch befreie Sie 1 \u00ab Er zog sein Schwert und hielt den Schild vor die Brust. Einer der Reiter hob den Degen und benutzte ein Kutschkissen als Schild. Und schon klirrten die Waffen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Sancho Pansa versuchte inzwischen, dem Pater, der am Boden lag, die Kleider auszuziehen, um sie als Beute zu behalten. Die Eseltreiber fielen \u00fcber ihn her. Die Damen weinten laut. Don Quichotte und sein Gegner Der Schild splitterte. Aus schlugen aufeinander ein, dass die Luft zitterte\/ dem Kissen flogen die Federn. Die Schwerter verbogen sich. Und mit einem Male fielen ein halber Helm und Don Quichottes halbes Ohr auf die Stra\u00dfe. Das machte den Ritter nur noch w\u00fctender, und er gab nicht eher Ruhe, bis der Gegner blutend und ersch\u00f6pft vom Pferde fiel.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Don Quichotte setzte ihm den Degen auf die Brust und lie\u00df ihn und die Dame und die Zofe und die Reiter und die Pater und die Treiber feierlich schw\u00f6ren, sich auf der Stelle nach Toboso zu begeben und dem Fr\u00e4ulein Dulzinea zu berichten, wie heldenhaft ihr Ritter gek\u00e4mpft habe. Die anderen schworen in ihrer Herzensangst alles, was er h\u00f6ren wollte, und machten sich schleunigst aus dem Staube. Sie fuhren und ritten aber ganz und gar nicht nach Toboso, sondern nach Sevilla, ihrem Reiseziele.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">W\u00e4hrend Sancho Pansa Don Quichottes halbes Ohr mit Salbe bestrich und dann bandagierte, sagte er gutm\u00fctig: \u00bbRitterschaft ist ein anstrengender Beruf, gn\u00e4diger Herr. K\u00e4mpfen Sie doch, bitte, etwas weniger als bisher! Ich brauche kein K\u00f6nigreich. Strengen Sie sich nicht so an! Eine Grafschaft mittlerer Gr\u00f6\u00dfe gen\u00fcgt mir.\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong><span style=\"font-family: Verdana;\">Das verhexte Wirtshaus<\/span><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Doch auch weiterhin litten sie an Abenteuern keinen Mangel. Wer sich einbildet, ein Ritter zu sein, obwohl es keine Ritter mehr gibt, der erlebt sein blaues Wunder an jeder Stra\u00dfenecke. Einmal befreite Don Quichotte ein Dutzend gefesselter Galeerenstr\u00e4flinge, weil er sie f\u00fcr bedauernswerte und zu Unrechtverhaftete B\u00fcrgersleute hielt. Ein andermal, mitten in der Nacht, \u00fcberfiel er, weil er ein dunkles Verbrechen vermutete, eine Schar frommer M\u00f6nche, die einen Sarg zum n\u00e4chsten Friedhof trugen. Und wieder ein andres Mal verwechselte er eine Hammelherde mit feindlichen Truppen und spie\u00dfte mit seiner Lanze sieben Schafe auf.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Wer Schl\u00e4ge austeilt, kriegt auch Schl\u00e4ge. Er und Sancho Pansa hatten \u00fcberall gelbe, blaue und gr\u00fcne Flecke. Sie hinkten und hatten Beulen. Und beiden zusammen fehlten neun Backenz\u00e4hne. Auch Rosinante und der Esel waren strapaziert und ruhebed\u00fcrftig. Und so beschloss man, ein paar Tage in einem Wirtshaus zu bleiben, das am Wege lag.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Auch diese Schenke hielt er f\u00fcr eine Burg! Und weil von der Decke seiner Kammer riesige Weinschl\u00e4uche aus gegerbten Ochsenh\u00e4uten herabhingen, tr\u00e4umte er schon in der ersten Nacht, die Burg sei verzaubert und verhext und Riesen und Zauberer k\u00e4men in die Kammer, um ihn umzubringen. Da packte er den Degen, der neben dem Bett lag, sprang mit einem Satz aus den Federn und hieb und stach auf die prallen Ochsenh\u00e4ute ein, dass der Rotwein aus allen L\u00f6chern und N\u00e4hten spritzte.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Sancho Pansa, der Wirt und ein paar G\u00e4ste wurden von dem Get\u00f6se geweckt, z\u00fcndeten Kerzen an, gingen dem L\u00e4rm nach, rissen die Kammert\u00fcr auf und erstarrten vor Schreck. Der Fu\u00dfboden war rot. Der Ritter war rot. Sein Bett war rot. \u00bbHilfe!\u00ab schrie Sancho Pansa. \u00bbMein Herr wird ermordet! \u00ab Denn er und die G\u00e4ste glaubten, der rote Wein sei Blut. Nur der Wirt wusste es besser und begann zu zetern. \u00bbMein sch\u00f6ner, guter, teurer Rotwein! \u00ab rief er w\u00fctend und wollte dem Ritter in den Arm fallen. Doch der focht wie der Teufel und stie\u00df immer neue L\u00f6cher in die Weinschl\u00e4uche. Erst als sie bis auf den letzten Tropfen leergelaufen waren, konnte man Don Quichotte m\u00fchsam zu Bett bringen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">W\u00e4hrend die G\u00e4ste in ihre Zimmer zur\u00fcckgingen, sagte der eine: \u00bbIch habe es deutlich gesehen &#8211; der Ritter k\u00e4mpfte mit geschlossenen Augen! Vielleicht ist er ein Schlafwandler?\u00ab &#8211; \u00bbNicht dass ich w\u00fcsste\u00ab, gab Sancho Pansa zur Antwort. \u00bbEr war nur m\u00fcde.\u00ab \u00bbMenschen, die m\u00fcde sind, fechten nicht\u00ab, meinte ein andrer. Da sagte Sancho Panso stolz: \u00bbWir schon!\u00ab Der Wirt aber jammerte in seiner Stube, bis der Morgen graute.<\/span><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong><span style=\"font-family: Verdana;\">Der Ritter zwischen Himmel und Erde<\/span><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Don Quichotte war davon nicht abzubringen, dass die Weinschl\u00e4uche Riesen und Zauberer gewesen seien und dass er viel eher Lob als Vorw\u00fcrfe verdiene. Schlie\u00dflich gab Sancho Pansa dem Wirt f\u00fcr den vergossenen Rotwein heimlich ein paar Goldst\u00fccke, und somit waren alle zufrieden. Der Wirt hatte sein Geld. Der Ritter hatte seine Riesen und Zauberer. Und die G\u00e4ste hatten ihren Spa\u00df.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">So waren alle damit einverstanden, als Don Quichotte am n\u00e4chsten Abend verk\u00fcndete, die Burg m\u00fcsse des Nachts bewacht werden und er selber wolle die erste Nachtwache \u00fcbernehmen. Er werde gut aufpassen, dass sich nicht neue Riesen und Zauberer ins Schloss schlichen, um die gestrigen zu r\u00e4chen. Als es dunkel wurde, nahm er die Lanze, stieg aufs Pferd und postierte sich im Hof. Pferd und Reiter r\u00fchrten sich nicht und sahen aus wie ein Denkmal.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Als die anderen schliefen, kletterten Maritorne, das Dienstm\u00e4dchen, und die Tochter des Wirts kichernd auf den Heuboden, dessen Luke zum Hof hinausging. Dann riefen sie Don Quichotte herbei und erz\u00e4hlten ihm, fl\u00fcsternd und mit verstellter Stimme, eine abenteuerliche Geschichte. \u00bbIch bin das, Burgfr\u00e4ulein\u00ab, wisperte die Wirtstochter, \u00bbund, ach, Herr Ritter, ich liebe Euch!\u00ab &#8211; \u00bbDer Burggraf, ihr strenger Vater, hat sie deshalb hier oben eingesperrt\u00ab, fl\u00fcsterte Maritorne. &#8211; \u00bbHelft mir in den Burghof 1 \u00ab bat die Wirtstochter. \u00bbHebt mich auf Euer Ross und reitet mit mir davon!\u00ab &#8211; \u00bbSie wird Euch bis ans Ende der Welt folgen\u00ab, versicherte das Dienstm\u00e4dchen. \u00bbUnd wenn auf Eurem Pferd noch ein dritter Platz frei ist, komm&#8216; ich auch mit! \u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Don Quichotte wurde angst und bange. Er sagte: \u00bbEure Liebe ehrt mich, edles Fr\u00e4ulein, aber meine Dame ist Dulzinea von Toboso, und ihr bin ich treu!\u00ab Da begann die Wirtstochter zu weinen. Und Maritorne bat: \u00bbSo gebt ihr wenigstens die Hand zum Abschied!\u00ab &#8211; \u00bbDie Hand, die ich so liebe!\u00ab seufzte die Wirtstochter kl\u00e4glich. Da stieg der Ritter tats\u00e4chlich auf Rosinantes Sattel und steckte seine Hand in die Bodenluke. Darauf hatten die zwei M\u00e4dchen nur gewartet! Sie warfen eine feste h\u00e4nfene Schlinge \u00fcber die Hand, banden das Ende des Stricks an einen Dachbalken und rannten lachend in ihre Betten.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Nun stand Don Quichotte also auf seinem Pferd, hatte die Hand in der Schlinge und konnte nicht vor und nicht zur\u00fcck! Zum Gl\u00fcck war der Gaul m\u00fcde und verschlafen und r\u00fchrte sich nicht von der Stelle. Aber die Stunden vergingen langsam. In der Ferne schlugen die Turmuhren. Die Nacht lie\u00df sich viel Zeit. Und dem Ritter taten die Knochen weh. Er stand und stand und stand und brachte die Hand nicht aus der Schlinge. Die Sonne ging auf. Die V\u00f6gel sangen. Don Quichotte stand und konnte sich nicht r\u00fchren.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Gegen Morgen sprengten vier Reiter in den Hof. Sie und ihre vier Pferde hatten Hunger und Durst, und die M\u00e4nner riefen laut nach dem Wirt. Pl\u00f6tzlich bemerkten sie den Ritter, der in voller R\u00fcstung, mit erhobner Hand und mit dem Gesicht zur Wand auf der Rosinante stand, und sie wunderten sich sehr. Auch eins ihrer vier Pferde wunderte sich und trabte n\u00e4her. Da drehte sich Rosinante neugierig um, tat einen Schritt zur Seite &#8211; und schon hing Don Quichotte zwischen Himmel und Erde, in der Luft!<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Er hing in der Luft und schrie wie am Spie\u00dfe, weil der Strick nicht nachgab und der Arm und die Hand aus den Gelenken gesprungen waren. Maritorne, das Dienstm\u00e4dchen, lief rasch auf den Heuboden und schnitt den Strick vom Balken. Im gleichen Augenblick fiel der Ritter krachend mitten in den Hof. Man hob ihn auf, trug ihn ins Bett und renkte ihm die Knochen wieder ein. Dann wollten alle wissen, wie er denn in die Schlinge und in die Luft geraten sei. Aber er sagte nur, dass ihn gef\u00e4hrliche Zauberer an den Strick gehext h\u00e4tten. Und mehr war aus ihm nicht herauszubringen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong><span style=\"font-family: Verdana;\">Die Heimreise im K\u00e4fig<\/span><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Mittlerweile wurden er und der kleine Dicke eifrig gesucht. Erstens vom Pfarrer und vom Barbier, ihren Freunden aus dem Heimatdorf, und zweitens von der Polizei. Und weil au\u00dfer Don Quichotte in ganz Spanien kein anderer Mann als Ritter umhergeritten war, fand man die beiden bald. Mit dem ausgerenkten Arm ging es wieder besser, und sie sa\u00dfen vorm Gasthaus und lie\u00dfen sich von der Sonne bescheinen. \u00dcber das Wiedersehen mit dem Pfarrer und dem Barbier freuten sie sich bis zu einem gewissen Grade, obwohl sie lieber unentdeckt geblieben w\u00e4ren. Aber \u00fcber die Ankunft der Polizisten freuten sie sich gar nicht. Wer freut sich schon, wenn ihn die Polizei sucht und findet!<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Man wollte ihn und Sancho Pansa verhaften! Denn sie h\u00e4tten Galeerenstr\u00e4flinge befreit, sieben Hammel get\u00f6tet, Eseltreiber verpr\u00fcgelt, reisende Damen bel\u00e4stigt, Kaufleute \u00fcberfallen, eine Windm\u00fchle besch\u00e4digt, einen Trauerzug samt Sarg demoliert &#8211; kurz, die Polizei wusste recht gut Bescheid, und der verlas eine lange Liste von schlimmen Anklagen. Da kam er aber bei Don Quichotte an die falsche Adresse! \u00bbWas f\u00e4llt Euch ein?\u00ab rief der Ritter. \u00bbIch habe Riesen besiegt, Prinzessinnen befreit, Armen geholfen, Zauberer vernichtet und feindliche Armeen in die Flucht geschlagen! Der K\u00f6nig sollte mir eine Provinz schenken, statt Euch zu schicken! Oh, Undank ist der Welt Lohn!\u00ab Da betrachtete ihn der Hauptmann lange, und dann sagte er: \u00bbIhr seid ja verr\u00fcckt!\u00ab Als er das gesagt hatte, nahm ihn der Pfarrer beiseite und redete leise auf ihn ein. \u00bbIhr habt ganz recht, Herr Hauptmann\u00ab, meinte er bek\u00fcmmert, \u00bbmein Freund ist ein bisschen verr\u00fcckt.\u00ab &#8211; \u00bbEin bisschen?\u00ab fragte der Hauptmann \u00e4rgerlich. \u00bbEin bisschen sehr!\u00ab Der Pfarrer sagte: \u00bbOb nun ein bisschen verr\u00fcckt oder ein bisschen sehr &#8211; das ist kein Grund, ihn ins Gef\u00e4ngnis zu stecken!\u00ab &#8211; \u00bbWieso denn nicht?\u00ab meinte der Hauptmann. \u00bbWenn jemand eine Hammelherde \u00fcberf\u00e4llt und sieben Schafe t\u00f6tet, so ist es unwichtig, ob das ein R\u00e4uber oder ein Verr\u00fcckter tut. Sieben tote Schafe sind sieben tote Schafe. Und Euer Freund hat mehr als sieben tote Schafe auf dem Gewissen. Er ist gemeingef\u00e4hrlich, und man muss ihn einsperren. Basta!\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bb\u00dcberlassen Sie ihn mir!\u00ab bat der Pfarrer. \u00bbIch bringe ihn nach Hause, und wir werden ihn nicht aus den Augen lassen. Er war ja nicht immer verr\u00fcckt! Und vielleicht wird er daheim bei guter Pflege und strenger Aufsicht wieder normal!\u00ab &#8211; \u00bbUnd wenn er Euch unterwegs davonl\u00e4uft?\u00ab fragte der Hauptmann. \u00bbEr wird mir nicht davonlaufen\u00ab, antwortete der Pfarrer. \u00bbIch verpf\u00e4nde Euch mein Wort!\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">So kam es, dass sich am n\u00e4chsten Tag ein seltsamer Zug heimw\u00e4rts bewegte: Auf einem Ochsenkarren stand ein h\u00f6lzerner K\u00e4fig. In dem K\u00e4fig sa\u00df, auf Strohb\u00fcndeln und mit gebundenen H\u00e4nden, Don Quichotte. Und daneben ritten der Pfarrer, der Barbier und Sancho Pansa und gaben acht, dass der Ritter in seinem K\u00e4fig sitzen blieb. Um es kurz zu machen: Er blieb sitzen und fand die seltsame Heimreise sogar interessant! (Bei Verr\u00fcckten soll sich einer auskennen!)<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Als sie zu Hause angekommen waren, brachten sie Don Quichotte in sein Studierzimmer und sperrten ihn dort ein. Die Haush\u00e4lterin und deren Nichte machten es ihm bequem, bedauerten ihn und brachten ihn gleich zu Bett. Dann ging Sancho Pansa zu seiner Frau und seinen Kindern und gab ihnen einen Kuss. \u00bbWas hast du mir mitgebracht?\u00ab fragte nach dem Kuss Frau Pansa. &#8211; \u00bbEinen gro\u00dfen Hunger\u00ab, sagte ihr Mann und setzte sich zu Tisch. &#8211; \u00bbSonst nichts ?\u00ab fragte die Frau und war sehr entt\u00e4uscht. &#8211; \u00bbDas n\u00e4chste Mal wird&#8217;s besser\u00ab, meinte er. \u00bbDas n\u00e4chste Mal kriegst du eine Insel, oder du wirst Gouverneuse.\u00ab &#8211; \u00bbWas soll ich denn mit einer Insel?\u00ab fragte Frau Pansa. \u00bbDaf\u00fcr ist unser Haus doch viel zu klein! Und was ist eine Gouverneuse?\u00ab- \u00bbDie Frau eines Gouverneurs!\u00ab &#8211; \u00bbUnd was ist ein Gouverneur?\u00ab \u00bbDer Mann einer Gouverneuse!\u00ab Da sagte Frau Pansa: \u00bbAha! So ist das! \u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong><span style=\"font-family: Verdana;\">Wasserburg und Wellenbad<\/span><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Einige Zeit ging alles gut. Don Quichotte blieb zu Hause, lie\u00df sich m\u00e4sten, schlief viel und kam langsam wieder zu Kr\u00e4ften. Sancho Pansa besuchte ihn t\u00e4glich. Sie steckten die K\u00f6pfe zusammen, tuschelten miteinander, zwinkerten sich zu &#8211; und eines sch\u00f6nen Tages waren sie wieder verschwunden!<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Diesmal wollten sie nach Saragossa. Weil sie geh\u00f6rt hatten, dass dort, am Tage des heiligen Georg, ein gro\u00dfes Turnier stattfinden werde. Daran wollte Don Quichotte selbstverst\u00e4ndlich teilnehmen und als Sieger gekr\u00f6nt werden. Deshalb hatte er sich auch geschworen, unterwegs keinerlei Abenteuer zu suchen. Denn er wollte p\u00fcnktlich in Saragossa eintreffen. Doch die Abenteuer liefen ihm nach. Er suchte sie nicht. Aber sie fanden ihn. Und er brachte es nicht fertig, ihnen auszuweichen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">So begegneten sie zum Beispiel drei L\u00f6wen, die der General von Oran dem spanischen K\u00f6nig als Geschenk schickte. Die L\u00f6wen lagen in K\u00e4figen, und der Ritter h\u00e4tte vor\u00fcberreiten k\u00f6nnen. Doch das lie\u00df sein Mut nicht zu. Er zwang die Soldaten, den K\u00e4fig des gr\u00f6\u00dften L\u00f6wen zu \u00f6ffnen. Weil er sie mit seiner Lanze bedrohte, gehorchten sie, liefen zitternd ins Feld und erwarteten Schreckliches. \u00bbKomm heraus, K\u00f6nig der W\u00fcste!\u00ab rief Don Quichotte und kitzelte den gro\u00dfen L\u00f6wen mit der Lanze. \u00bbLass sehen, wer st\u00e4rker ist!\u00ab Aber der L\u00f6we wandte nur den m\u00e4chtigen Kopf, blinzelte ein wenig, g\u00e4hnte und schlief weiter. Er war zu m\u00fcde, um sich zu \u00e4rgern. Und weil der Ritter wenig Zeit hatte, zog er mit Sancho Pansa unverrichtetersache weiter.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Tags darauf stieg er angeseilt in die H\u00f6hle des Montesinos hinunter, wo vor ihm noch kein Mensch gewesen war, und als er nach Stunden wieder herauskam, erz\u00e4hlte er erstaunliche Dinge, die ihm unter der Erde zugesto\u00dfen seien. Sancho Pansa tat das Kl\u00fcgste, was er tun konnte: er glaubte jedes Wort. &#8211; Und am Abend, als sie ein wanderndes Marionettentheater besuchten, griff Don Quichotte mit gezogenem Schwert in die Schlacht ein, die auf der B\u00fchne stattfand! Er schlug alles kurz und klein: die Puppen, die Dekorationen und den Samtvorhang! Die Zuschauer liefen vor Schreck davon, und der Theaterdirektor brachte eine lange, lange Rechnung, die Sancho Pansa z\u00e4hneknirschend bezahlte. Sonst, sagte der Direktor, werde er die Polizei holen. Und auf Polizisten waren der d\u00fcrre Ritter und der kleine dicke Stallmeister ganz und gar nicht neugierig.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Im Verlauf ihrer Reise nach Saragossa erreichten sie schlie\u00dflich den Fluss Ebro und fanden am Ufer ein einsames Fischerboot. \u00bbSiehst du die Barke?\u00ab fragte der Ritter. &#8211; \u00bbNein\u00ab, antwortete Sancho Pansa, \u00bbich sehe ein Fischerboot, nichts weiter.\u00ab &#8211; \u00bbDie Barke schickt uns ein Zauberer, damit wir sie besteigen und einen gefangenen K\u00f6nig oder eine Prinzessin befreien!\u00ab Dem kleinen Dicken half kein Str\u00e4uben. Sie banden Pferd und Esel an eine Weide, kletterten in das Boot und trieben auf den Fluss hinaus. Und der Esel am Ufer br\u00fcllte kl\u00e4glich.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Da sie keine Ruder bei sich hatten, machte die Str\u00f6mung mit dem Boot, was sie wollte. Und weil in der N\u00e4he eine Wasserm\u00fchle mit ihren Schaufelr\u00e4dern arbeitete, geriet das Boot unaufhaltsam in den Sog des M\u00fchlwassers. Don Quichotte rief: \u00bbSiehst du die Wasserburg?\u00ab, sprang auf, dass das Boot fast gekentert w\u00e4re, und zog sein Schwert. &#8211; \u00bbEs ist eine M\u00fchle\u00ab, sagte S ancho Pansa, \u00bbund wir werden unter die R\u00e4der kommen! \u00ab Inzwischen waren die M\u00fcller mit langen Stangen und Rudern vor die M\u00fchle gelaufen, um das Boot, wenn es den Schaufelr\u00e4dern zu nahe k\u00e4me, zur\u00fcckzusto\u00dfen. Die M\u00fcller hatten vom Mehl wei\u00dfe Gesichter und sahen wie Gespenster aus. Don Quichotte fuchtelte mit dem Schwert und rief: \u00bbGebt eure Gefangenen frei! Den K\u00f6nig oder die Prinzessin oder wer es sonst ist!\u00ab Und schon schlug er wie ein Besessener auf die Ruder und Stangen los, mit denen die M\u00fcller das Boot vor dem rei\u00dfenden Strudel bewahren wollten. Dabei kenterte das Boot. Der Ritter und der kleine Dicke fielen ins Wasser. Und sie w\u00e4ren wie die M\u00e4use ertrunken, wenn nicht ein paar Fischer gekommen w\u00e4ren, die das gestohlene Boot suchten. Sie zogen die zwei Schiffbr\u00fcchigen aus dem Wasser und mussten zusehen, wie Don Quichottes Barke unter die Schaufelr\u00e4der der M\u00fchle geriet und zu Kleinholz verarbeitet wurde. Wieder musste Sancho Pansa die Reisekasse z\u00fccken. Die Fischer lie\u00dfen sich das Boot teuer bezahlen. Erst dann brachten sie das seltsame Paar ans Ufer zur\u00fcck, wo Pferd und Esel geduldig an der Weide warteten.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbIch sch\u00e4me mich\u00ab, sagte der Ritter, \u00bbdenn wir haben den K\u00f6nig oder die Prinzessin oder wer es sonst war, nicht befreien k\u00f6nnen.\u00ab \u00bbIch sch\u00e4me mich auch\u00ab, sagte Sancho, \u00bbdenn wir haben Ihr sch\u00f6nes Geld zum Fenster hinausgeworfen.\u00ab Dann legten sie ihre Kleider, den Harnisch und sich selber zum Trocknen in die Nachmittagssonne. Sancho Pansa schlief ein und tr\u00e4umte, er habe seinen Herrn verlassen und reite eiligst nach Hause. Man tr\u00e4umt mitunter, was man tun m\u00f6chte, aber in Wirklichkeit nie t\u00e4te.<\/span><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong><span style=\"font-family: Verdana;\">Der Flug auf dem h\u00f6lzernen Pferd<\/span><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Und noch immer nicht waren sie in Saragossa! Und schon wieder kam ihnen etwas in die Quere! Mitten in einem Walde trafen sie eine f\u00fcrstliche Jagdgesellschaft, und der Herzog, dem der Wald und viele D\u00f6rfer und ein pr\u00e4chtiges Schloss geh\u00f6rten, lud die zwei ein, f\u00fcr einige Zeit seine G\u00e4ste zu sein. Und als auch noch die Herzogin darum bat, w\u00e4re es unh\u00f6flich gewesen, nein zu sagen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">So blieben sie also im Schloss, a\u00dfen an der herzoglichen Tafel und mussten alle ihre Abenteuer erz\u00e4hlen. Dem Herzogpaar und deren Verwandten und Bekannten gefiel das gro\u00dfartig, und oft lachten sie so sehr, dass sie nicht weiteressen konnten. Nur der Pfarrer \u00e4rgerte sich gr\u00e4sslich, und am dritten Abend sagte er, rot vor Zorn: \u00bbIch habe genug davon, Herr Herzog, dass zwei Verr\u00fcckte lauter Unsinn erz\u00e4hlen und Ihr dar\u00fcber lacht! Wenn die beiden Kerle wieder fort sind, k\u00f6nnt Ihr mir einen Boten schicken! Bis dahin bleib&#8216; ich in meinem Pfarrhaus 1 Gute Nacht! \u00ab Damit stand er auf und ging.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Seitdem war es nur noch lustiger im Schlosse. Die Herzogin, der Herzog und die anderen Adeligen taten, als ob auch sie, genau wie Don Quichotte, an Riesen, Zauberer, Gespenster und fahrende Ritter glaubten, und konnten nicht genug dar\u00fcber h\u00f6ren. Fr\u00fcher hatten sie oft Langeweile gehabt. jetzt verflog ihnen die Zeit im Flug, und sie hatten nur eine Sorge: Don Quichotte k\u00f6nne sie verlassen. Eines Tages war es soweit. Er verneigte sich vor dem Herzogspaar und sagte: \u00bbNun hab&#8216; ich euch alle meine Abenteuer berichtet, und auch \u00fcber Riesen und Zauberer hab&#8216; ich euch alles erz\u00e4hlt, was ich wei\u00df. Drum lasst mich und meinen Stallmeister ziehen, damit wir in Saragossa und anderswo neue Abenteuer bestehen.\u00ab &#8211; \u00bbIhr bleibt!\u00ab rief da der Herzog. \u00bbAbenteuer gibt es. nicht nur in der Ferne! \u00ab &#8211; \u00bbWenn es Abenteuer auch in der N\u00e4he gibt\u00ab, sagte der Ritter, \u00bbdann bleiben wir noch ein wenig, Herr Herzog.\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Da rief der Herzog seine Freunde zusammen, und sie dachten sich eine unglaubliche Geschichte aus, mit der sie den Ritter \u00fcberraschen und sich unter halten wollten. Das war die Geschichte von den b\u00e4rtigen Frauen, dem Zauberer Malambruno und dem Pferde Zapfenholz! Und schon am n\u00e4chsten Abend setzte man das Abenteuer in Szene.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">W\u00e4hrend des Essens erschienen pl\u00f6tzlich mehrere Frauen mit B\u00e4rten und Haaren im Gesicht! Sie weinten, warfen sich zu Boden und baten um Hilfe. Der Riese und Zauberer Malambruno habe ihnen B\u00e4rte ins Gesicht gehext, sie aus ihrer Heimat, dem K\u00f6nigreich Candaya, vertrieben und geschworen, sie von den abscheulichen Haaren nur zu befreien, wenn sie den tapferen Ritter Don Quichotte f\u00e4nden und dieser mit ihm, dem Zauberer, k\u00e4mpfen wolle. Da sprang Don Quichotte auch schon auf und rief: \u00bbIch will! Wo ist dieser Malambruno? Und wo ist mein Schwert?\u00ab Da antwortete die vornehmste der b\u00e4rtigen Damen: \u00bbIhr seid wahrlich Eurem Ruhme gleich! Noch heute wird Malambruno sein h\u00f6lzernes Pferd durch die L\u00fcfte schicken, damit es Euch und Euren Stallmeister zum Zweikampf in sein Reich bringt! \u00ab &#8211; \u00bbDas ist nichts f\u00fcr meines Vaters Sohn\u00ab, sagte Sancho Pansa \u00e4ngstlich.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Da kam schon ein herzoglicher Diener in den Saal gerannt und meldete eben sei ein h\u00f6lzernes Pferd, aus den Wolken herab, im Garten gelandet, Alles lief in den Garten, und dort stand tats\u00e4chlich das Pferd mit dem seltsamen Namen \u00bbZapfenholz\u00ab, war tats\u00e4chlich aus Holz und hatte tats\u00e4chlich zwischen den Ohren einen Zapfen, mit dem man es in der Luft lenken konnte. Nun verband man dem Ritter und Sancho die Augen, damit ihnen bei dem Ritt durch die Luft nicht schwindlig w\u00fcrde, setzte beide aufs Pferd und rief ihnen Abschiedsworte zu. Erst laut, dann immer leiser und leiser, damit die beiden Reiter glauben konnten, sie seien schon unterwegs und schwebten in die L\u00fcfte. Dann schlichen sich Diener auf Zehenspitzen n\u00e4her, machten mit Blaseb\u00e4lgen Wind und schwenkten Fackeln vor dem Pferdekopf, bis Don Quichotte und der kleine Dicke meinten, sie durchquerten St\u00fcrme und Wolken und hei\u00dfe Zonen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Der Herzog und seine G\u00e4ste umstanden stumm das Pferd, lauschten der Unterhaltung der beiden Reiter, die sich hoch in der Luft w\u00e4hnten, und hielten sich den Mund zu, um nicht herauszulachen. Schlie\u00dflich setzte ein Diener mit der Fackel eine Lunte in Brand. Da liefen alle zur Seite und hinter B\u00fcsche und B\u00e4ume, und schon blitzte und krachte es wie in einer Gewitterwolke! Don Quichotte und Sancho Pansa flogen nun wirklich durch die Luft, wenn auch nur f\u00fcr eine Sekunde! Dann fielen sie wie schwere Kohlens\u00e4cke in den Rasen und verloren die Besinnung.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Als sie wieder zu sich kamen, war das Holzpferd verschwunden. Der Herzog lag am Boden und tat, als sei er ohnm\u00e4chtig geworden. Die b\u00e4rtigen Damen hatten keine B\u00e4rte mehr und fielen sich in die Arme. Und neben Don Quichotte steckte eine Lanze im Gras, und an der Lanze war ein Pergament festgebunden, auf dem folgendes zu lesen war: \u00bbIch, der Riese und Zauberer Malambruno, gebe den von mir verhexten Damen ihre Sch\u00f6nheit zur\u00fcck. Mir hat es gen\u00fcgt, dass der tapfere Ritter mit mir k\u00e4mpfen wollte. Deshalb war der Zweikampf selber nicht mehr n\u00f6tig. Malambruno, Riese und Zauberer.\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Nun erwachte auch der Herzog aus seiner gespielten Ohnmacht. Und er und alle anderen begl\u00fcckw\u00fcnschten die bartlosen Damen und priesen Don Quichotte als den tapfersten Spanier, der einen Harnisch tr\u00fcge. Und das war nicht einmal gelogen, denn au\u00dfer Don Quichotte trug ja kein Mann in ganz Spanien noch eine Ritterr\u00fcstung &#8230;<\/span><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong><span style=\"font-family: Verdana;\">Der Einzug in Barcelona<\/span><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">So trieben der Herzog und seine Leute ihren Schabernack mit dem Ritter von der traurigen Gestalt und seinem Stallmeister. Doch mit der Zeit fanden sie auch diese Possen zu langweilig. Und als Don Quichotte wieder einmal zum Aufbruch trieb, sagte der Herzog nicht nein, sondern gab den beiden Reisegeld und lie\u00df sie ziehen. Sie ritten eilig auf Saragossa zu und w\u00e4ren wohl auch noch zu dem gro\u00dfen Turnier zurechtgekommen, wenn sie nicht, in der Nacht, einer Bande von vierzig R\u00e4ubern in die H\u00e4nde gefallen w\u00e4ren.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Der R\u00e4uberhauptmann hie\u00df Roque Guinart, stammte aus einem vornehmen Haus in Barcelona, hielt seine R\u00e4uber in Zucht, w\u00e4re gerne wieder heimgekehrt und ein braver Mann geworden, aber er hatte zuviel Unheil angerichtet! Der Vizek\u00f6nig von Barcelona h\u00e4tte ihn auf der Stelle h\u00e4ngen lassen! So musste er bleiben, was er geworden war: ein R\u00e4uberhauptmann. Er war ein trauriger Mensch, der es liebte, wenn die anderen lachten. Deshalb schickte er dem Don Antonio, einem alten Freund, einen Boten, der rechtzeitig Don Quichottes Ankunft in Barcelona meldete.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Don Antonio empfing also, beritten und mit vielen lustigen Kumpanen, den Ritter und dessen Diener bereits am Stadttor. Es war am Johannistag. der im Hafen und am Ufer mit einer gro\u00dfen Parade gefeiert wurde. Und so glaubte Don Quichotte, dass die Man\u00f6ver der Segelschiffe und Galeeren, der Vorbeimarsch der Regimenter, die wehenden Fahnen und die Salutsch\u00fcsse zu Wasser und zu Lande seinetwegen zu sehen und zu h\u00f6ren w\u00e4ren. Er glaubte es um so mehr, als ihn die Zuschauer, nicht zuletzt die Gassenjungen, beim Namen riefen. \u00bbHoch, Don Quichotte! Vivat, Don Quichotte! Hurra, Don Quichotte! \u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Er gr\u00fc\u00dfte stolz und ger\u00fchrt, denn er wusste nicht, dass auf seinem R\u00fccken ein Zettel klebte! Don Antonio hatte ihn eigenh\u00e4ndig und heimlich angebracht, und darauf stand: \u00bbIch bin der tapfre Ritter Don Quichotte ! Huldigt mir! \u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">So dachte Don Quichotte bei sich: Das ist der sch\u00f6nste Tag meines Lebens! Irren ist menschlich. Er wusste nicht, dass es der traurigste Tag seines Lebens werden w\u00fcrde. Als die Parade vor\u00fcber war, begegnete ihm am Strand ein anderer Ritter! Der hatte einen silbernen Mond im Schild, trug das Visier gesenkt, verstellte ihm den Weg und rief: \u00bbMeine Dame ist doppelt so sch\u00f6n wie die Eure! \u00ab &#8211; \u00bbIhr l\u00fcgt! \u00ab antwortete Don Quichotte. &#8211; \u00bbDreimal so sch\u00f6n wie Eure Dulzinea von Toboso!\u00ab rief der Ritter vom Silbernen Mond. &#8211; \u00bbDas sollen die Waffen entscheiden! \u00ab sagte Don Quichotte. &#8211; \u00bbSo sei es!\u00ab rief der andere. \u00bbUnd der Sieger soll die Zukunft des Besiegten bestimmen!\u00ab Don Antonio wurde zum Schiedsrichter bestellt. Er steckte das Kampffeld ab, pr\u00fcfte die R\u00fcstungen, die Lanzen und die Pferde, bat die zwei Ritter, ihre Pl\u00e4tze einzunehmen, und gab das Zeichen zum ersten Waffengang.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Der Kampf war kurz. Ohne die Lanze einzulegen, sprengte der Ritter vom Silbernen Mond auf die Feldmitte los. Sein Pferd war viel kr\u00e4ftiger und schneller als die d\u00fcrre Rosinante, stie\u00df seinen Kopf in ihre Rippen &#8211; und schon lag Don Quichotte im Sand! Der Gegner setzte ihm die Lanzenspitze auf die Brust und sagte: \u00bbIch bin der Sieger und befehle Euch, unverz\u00fcglich nach Hause zu reiten und f\u00fcr ein Jahr Harnisch und Lanze abzulegen!\u00ab \u00bbIch bin der Besiegte\u00ab, sagte Don Quichotte ernst und feierlich. \u00bbIhr habt mein Wort, und ich werde es halten. \u00ab Dann lie\u00df er sich aufs Pferd helfen und ritt, ohne sich umzuwenden, aus Barcelona hinaus. Sancho Pansa trabte mit seinem Esel hinterdrein.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Als sie nicht mehr zu sehen waren, fragte Don Antonio den Ritter vom Silbernen Mond, wer er sei. \u00bbMein Name ist Simson Carrasco\u00ab, sagte der andere. \u00bbIch stamme aus Don Quichottes Heimat und bin ein Freund seiner Freunde. Wir waren seinetwegen in Sorge, und sie beauftragten mich, ihn heimzubringen. Deswegen verkleidete ich mich als Ritter. Und deswegen musste ich ihn besiegen.\u00ab &#8211; \u00bbWird er sein Wort halten?\u00ab fragte Don Antonio zweifelnd. &#8211; \u00bbDon Quichotte h\u00e4lt sein Wort! \u00ab gab Simson Carrasco zur Antwort und ritt in seinen Gasthof, um die R\u00fcstung abzulegen und sein b\u00fcrgerliches Wams anzuziehen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Don Quichotte hielt sein Wort. Als sie in einem Walde rasteten, h\u00e4ngte er den Harnisch, die Beinschienen, den Helm, das Schwert und die Lanze an einen alten, m\u00e4chtigen Baum. Und dann ritten sie traurig nach Hause. Dort war die Freude gro\u00df. Die Haush\u00e4lterin, der Barbier, der Pfarrer, die Nichte und Frau Pansa empfingen die zwei mit offenen Armen, obwohl sie ohne K\u00f6nigreiche und Reicht\u00fcmer heimkehrten. \u00bbWir haben euch wieder\u00ab, sagten sie fr\u00f6hlich, \u00bbund das ist die Hauptsache!\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">So schien alles gut. Don Quichotte wurde vern\u00fcnftig und l\u00e4chelte \u00fcber seine Abenteuer. Und die Freunde l\u00e4chelten erst recht. Doch eines Tages legte er sich zu Bett, verabschiedete sich von allen, besonders herzlich von Sancho Pansa, schloss die Augen und wachte nicht wieder au\u00a3 Don Quichotte starb mit seinem Traum.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[86,108],"tags":[],"class_list":["post-259","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-geschichten","category-miguel-de-cervantes"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/259","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=259"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/259\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2848,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/259\/revisions\/2848"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=259"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=259"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=259"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}