{"id":243,"date":"2015-10-06T21:20:58","date_gmt":"2015-10-06T19:20:58","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=243"},"modified":"2025-12-27T22:46:32","modified_gmt":"2025-12-27T21:46:32","slug":"die-dankbaren-tiere","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-dankbaren-tiere\/","title":{"rendered":"Die dankbaren Tiere"},"content":{"rendered":"<p>Ludwig Bechstein<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Es reiste einst ein Pilger \u00fcber Land, der kam auf seinem Wege durch den Wald an eine Wolfsgrube und nahm wahr, dass etwas Lebendiges darin sei. Und wie er hinunterblickte, sah er darin einen Menschen, der war ein Goldschmied, und bei ihm war ein Affe, eine Schlange und eine gro\u00dfe Natter. Die waren alle unversehens in die Grube gefallen. Da dachte der Pilger bei sich: \u00dcbe Barmherzigkeit mit den Elenden und hilf den Menschen von seinen Feinden. Da warf er ein Seil in die Grube und hielt das eine Ende fest in der Hand, willens, den Goldschmied heraufzuziehen, schnell sprang aber der Affe herzu, kletterte herauf und sprang aus der Grube. Zum zweiten Mal warf der Pilger das Seil hinab, da ringelte sich die Natter daran empor. Und zum dritten Mal erfasste die Schlange das Seil und kam auch zutage. Diese drei Tiere dankten dem Pilger f\u00fcr seine G\u00fcte und sprachen zu ihm: &#8222;Was du uns Gutes getan, das wollen wir dir wieder zu vergelten suchen, und wann dich dein Weg in unsere N\u00e4he tr\u00e4gt, so magst du auf uns rechnen, dass wir nach Kr\u00e4ften dir zu Diensten sind; sei aber treulich gewarnt vor dem Menschen da drunten, denn nichts, was da lebt, ist so undankbar, wie er. Dieses haben wir erfahren und sagen es dir an, dass du wissest, dich zu verhalten.&#8220;<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Damit schieden die drei Tiere von dem Pilger, dieser aber gedachte an seine Pflicht, dass dem Menschen zieme, dem Menschen zu helfen, und er warf das Seil wiederum in die Grube und zog den Goldschmied heraus. Dieser bedankte sich mit vielen Worten f\u00fcr die Gnade und Barmherzigkeit, die der Pilger an ihm getan. Er bat, ihn ja in der K\u00f6nigsresidenz, wo er wohne, zu besuchen und verlie\u00df ihn.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Auf seinem Weiterweg kam der Pilger in die N\u00e4he der Residenz und an den Ort, wo der Affe, die Natter und die Schlange wohnten. Die freuten sich, und der Affe brachte ihm, der sehr ermattet war, Obst und s\u00fc\u00dfe Feigen, die Natter zeigte ihm eine k\u00fchle, angenehme Grotte, wo er ruhen und rasten konnte, und legte sich davor und bewachte seinen Schlaf, denn niemand wagte sich dorthin, wo die gro\u00dfe Natter lag. Die Schlange aber schl\u00fcpfte in die K\u00f6nigsburg und stahl dort einige goldene Kleinode, die gab sie dem Pilger zur Verehrung, sagte ihm aber nicht, woher sie dieselben hatte. Als dieser von den Tieren aufbrach, ging er in die K\u00f6nigsstadt und suchte den Goldschmied auf, dem zeigte er die Kleinode und bot sie ihm zum Kauf an. Der Goldschmied sah, dass sie des K\u00f6nigs Eigentum waren, schwieg still, ging zum K\u00f6nig und zeigte an, dass er den Dieb dieser Kleinode in seinem Haus gefangen habe. Daf\u00fcr empfing er eine stattliche Belohnung, und der K\u00f6nig sandte seine H\u00e4scher, die fingen den Pilger, schlugen ihn, f\u00fchrten ihn durch die Stra\u00dfen und hinaus zum Galgen, um ihn zu henken. Da gedachte der alte Mann auf dem Wege an die Warnung der Tiere und seufzte laut: &#8222;O h\u00e4tte ich euren Rat befolgt, ihr getreuen Tiere, so w\u00e4re diese Tr\u00fcbsal mir nicht beschieden worden!&#8220;<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Nun hatte die Schlange just ihre Wohnung an dem Weg, der zum Hochgericht f\u00fchrte, und h\u00f6rte die Klagerede des unschuldigen Mannes, an dessen Ungl\u00fcck sie mit schuld war und betr\u00fcbte sich und dachte darauf, wie sie ihm helfen k\u00f6nne. Da nun der K\u00f6nigssohn, ein junger Knabe, auch des Weges gef\u00fchrt wurde, damit er des Diebes Strafe zusehe, kroch sie hin und biss ihn in das Bein, dass es bald aufschwoll. Da blieb alles Volk erschrocken stehen und man sandte eiligst nach \u00c4rzten und nach Astrologen die helfen sollten. Die \u00c4rzte brachten Theriak herbei, eine Arznei, die gepriesen war gegen den Schlangenbiss, er half jedoch nichts. Die Astrologen aber lasen in den Sternen, dass der zum Tode gef\u00fchrte Pilger unschuldig war, und der K\u00f6nigsknabe rief selbst mit heller Stimme: &#8222;Bringt mir den Mann her, dass er seine Hand auf meine Wunde und mein Geschwulst lege, so werde ich heil sein!&#8220;<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Da wurde der Pilger vor den K\u00f6nig gef\u00fchrt, der fragte nach seinem Schicksal, und der Pilger erz\u00e4hlte dem K\u00f6nig alles treulich, von den guten dankbaren Tieren und dem sch\u00e4ndlichen Undank des Goldschmieds, den er vom Tod errettet. Und dann hob er H\u00e4nde und Augen zum Himmel und flehte: &#8222;O allm\u00e4chtiger Gott, so wahr es ist, dass ich unschuldig bin an dem Diebstahl, so wahr wird meine Hand diesen Menschen heilen!&#8220; &#8211; Und da wurde von Stund an der K\u00f6nigssohn gesund. Als das der K\u00f6nig sah, wurde sein Herz froh und freudvoll. Er ehrte den Pilger mit k\u00f6stlichen Gaben, lie\u00df ihm auch alle Kleinode, um derentwillen der Pilger Todesangst ausgestanden hatte, und lie\u00df den Goldschmied auf der Stelle henken, zur Strafe seines gro\u00dfen Undanks.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ludwig Bechstein<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[90,85],"tags":[],"class_list":["post-243","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-ludwig-bechstein","category-maerchen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/243","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=243"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/243\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":244,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/243\/revisions\/244"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=243"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=243"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=243"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}