{"id":228,"date":"2015-10-06T21:07:03","date_gmt":"2015-10-06T19:07:03","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=228"},"modified":"2025-12-27T21:52:16","modified_gmt":"2025-12-27T20:52:16","slug":"bruederchen-und-schwesterchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/bruederchen-und-schwesterchen\/","title":{"rendered":"Br\u00fcderchen und Schwesterchen"},"content":{"rendered":"<p>Gebr. Grimm<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Br\u00fcderchen nahm sein Schwesterchen an der Hand und sprach: &#8222;Seit die Mutter tot ist, haben wir keine gute Stunde mehr; die Stiefmutter schl\u00e4gt uns alle Tage, und wenn wir zu ihr kommen, st\u00f6\u00dft sie uns mit den F\u00fc\u00dfen fort. Die harten Brotkrusten, die \u00fcbrig bleiben, sind unsere Speise, und dem H\u00fcndlein unter dem Tische geht&#8217;s besser, dem wirft sie noch manchmal einen guten Bissen zu. Dass Gott erbarm, wenn das unsere Mutter w\u00fcsste! Komm, wir wollen miteinander in die weite Welt gehen.&#8220; Sie gingen den ganzen Tag \u00fcber Wiesen, Felder und Steine, und wenn es regnete, sprach das Schwesterchen: &#8222;Gott und unsere Herzen, die weinen zusammen!&#8220; Abends kamen sie in einen gro\u00dfen Wald und waren so m\u00fcde von Jammer, Hunger und dem langen Wege, dass sie sich in einen hohlen Baum setzten und einschliefen.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Am andern Morgen, als sie aufwachten, stand die Sonne schon hoch am Himmel und schien hei\u00df in den Baum hinein. Da sprach das Br\u00fcderchen: &#8222;Schwesterchen, mich d\u00fcrstet. Wenn ich ein Br\u00fcnnlein w\u00fcsste, ich ging&#8216; und tr\u00e4nk&#8216; einmal! Ich mein&#8216;, ich h\u00f6rt&#8216; eins rauschen.&#8220; Br\u00fcderchen stand auf, nahm Schwesterchen an der Hand, und sie wollten das Br\u00fcnnlein suchen. Die b\u00f6se Stiefmutter aber war eine Hexe und hatte wohl gesehen, wie die beiden Kinder fortgegangen waren, war ihnen nachgeschlichen, heimlich, wie die Hexen schleichen, und hatte alle Brunnen im Walde verw\u00fcnscht. Als sie nun ein Br\u00fcnnlein fanden, das so glitzerig \u00fcber die Steine sprang, wollte das Br\u00fcderchen daraus trinken; aber das Schwesterchen h\u00f6rte, wie es im Rauschen sprach: &#8222;Wer aus mir trinkt, wird ein Tiger; wer aus mir trinkt, wird ein Tiger.&#8220; Da rief das Schwesterchen: &#8222;Ich bitte dich, Br\u00fcderchen, trink nicht, sonst wirst du ein wildes Tier und zerrei\u00dfest mich.&#8220; Das Br\u00fcderchen trank nicht, ob es gleich so gro\u00dfen Durst hatte, und sprach: &#8222;Ich will warten bis zur n\u00e4chsten Quelle.&#8220; Als sie zum zweiten Br\u00fcnnlein kamen, h\u00f6rte das Schwesterchen, wie auch dieses sprach: &#8222;Wer aus mir trinkt, wird ein Wolf; wer aus mir trinkt, wird ein Wolf.&#8220; Da rief das Schwesterchen: &#8222;Br\u00fcderchen, ich bitte dich, trink nicht, sonst wirst du ein Wolf und frissest mich.&#8220; Das Br\u00fcderchen trank nicht und sprach: &#8222;Ich will warten, bis wir zur n\u00e4chsten Quelle kommen, aber dann muss ich trinken, du magst sagen, was du willst; mein Durst ist gar zu gro\u00df.&#8220; Und als sie zum dritten Br\u00fcnnlein kamen, h\u00f6rte das Schwesterchen, wie es im Rauschen sprach: &#8222;Wer aus mir trinkt, wird ein Reh; wer aus mir trinkt, wird ein Reh.&#8220; Das Schwesterchen sprach: &#8222;Ach, Br\u00fcderchen, ich bitte dich, trinke nicht, sonst wirst du ein Reh und l\u00e4ufst mir fort.&#8220; Aber das Br\u00fcderchen hatte sich gleich beim Br\u00fcnnlein niedergekniet, hinabgebeugt und von dem Wasser getrunken, und wie die ersten Tropfen auf seine Lippen gekommen waren, lag es da als ein Rehk\u00e4lbchen.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Nun weinte das Schwesterchen \u00fcber das arme verw\u00fcnschte Br\u00fcderchen und das Rehchen weinte auch und sa\u00df traurig neben ihm. Da sprach das M\u00e4dchen endlich:<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Sei still, liebes Rehchen, ich will dich ja nimmermehr verlassen.&#8220; Dann band es sein goldenes Strumpfband ab und tat es dem Rehehen um den Hals und rupfte Binsen und flocht ein weiches Seil daraus. Daran band es das Tierchen und f\u00fchrte es weiter, und ging immer tiefer in den Wald hinein. Und als sie lange, lange gegangen waren, kamen sie endlich an ein kleines Haus, und das M\u00e4dchen schaute hinein, und weil es leer war, dachte es: &#8222;Hier k\u00f6nnen wir bleiben und wohnen.&#8220; Da suchte es dem Rehchen Laub und Moos zu einem weichen Lager, und jeden Morgen ging es aus und sammelte sich Wurzeln, Beeren und N\u00fcsse, und f\u00fcr das Rehchen brachte es zartes Gras mit, das fra\u00df es ihm aus der Hand, war vergn\u00fcgt und spielte vor ihm herum. Abends, wenn Schwesterchen m\u00fcde war und sein Gebet gesagt hatte, legte es seinen Kopf auf den R\u00fccken des Rehk\u00e4lbchens, das war sein Kissen, darauf es sanft einschlief. Und h\u00e4tte das Br\u00fcderchen nur seine menschliche Gestalt gehabt, so ware es ein herrliches Leben gewesen.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Das dauerte eine Zeitlang, dass sie allein in der Wildnis waren. Es trug sich aber zu, dass der K\u00f6nig des Landes eine gro\u00dfe Jagd in dem Walde hielt. Da schallte das H\u00f6rnerblasen, Hundegebell und das lustige Geschrei der J\u00e4ger durch die B\u00e4ume, und das Rehlein h\u00f6ne es und w\u00e4re gar zu gern dabei gewesen. &#8222;Ach&#8220;, sprach es zum Schwesterchen, &#8222;lass mich hinaus in die Jagt, ich kann&#8217;s nicht l\u00e4nger mehr aushalten&#8220;, und bat so lange, bis es einwilligte. &#8222;Aber&#8220;, sprach es zu ihm, &#8222;komm mir ja abends wieder, vor den wilden J\u00e4gern schlie\u00df&#8216; ich mein T\u00fcrlein; und damit ich dich kenne, so klopf&#8216; und sprich: ,Mein Schwesterlein, lass mich hinein!&#8216; und wenn du nicht so sprichst, schlie\u00df&#8216; ich mein T\u00fcrlein nicht auf.&#8220; Nun sprang das Rehchen hinaus, und war ihm so wohl und war so lustig in freier Luft. Der K\u00f6nig und seine J\u00e4ger sahen das sch\u00f6ne Tier und setzten ihm nach; aber sie konnten es nicht einholen, und wenn sie meinten, sie h\u00e4tten es gewiss, da sprang es \u00fcber das Geb\u00fcsch weg und war verschwunden. Als es dunkel war, lief es zu dem H\u00e4uschen, klopfte und sprach: &#8222;Mein Schwesterlein, lass mich hinein!&#8220; Da ward ihm die kleine T\u00fcr aufgetan, es sprang hinein und ruhte sich die ganze Nacht auf seinem weichen Lager aus. Am andern Morgen ging die Jagd von neuem an, und als das Rehlein wieder das Hifthorn h\u00f6rte und das Halloh der J\u00e4ger, da hatte es keine Ruhe und sprach: &#8222;Schwesterchen, mach mir auf, ich muss hinaus!&#8220; Das Schwesterchen \u00f6ffnete ihm die T\u00fcr und sprach: &#8222;Aber zu Abend musst du wieder da sein und dein Spr\u00fcchlein sagen.&#8220; Als der K\u00f6nig und seine J\u00e4ger das Rehlein mit dem goldenen Halsband wieder sahen, jagten sie ihm alle nach, aber es war ihnen zu schnell und behend. Das w\u00e4hrte den ganzen Tag, endlich aber hatten es die J\u00e4ger abends umzingelt, und einer verwundete es ein wenig am Fu\u00df, so dass es hinken musste, und langsam fortlief. Da schlich ihm ein J\u00e4ger nach bis zu dem H\u00e4uschen und h\u00f6rte, wie es rief: &#8222;Mein Schwesterlein, lass mich hinein!&#8220; und sah, dass die T\u00fcr ihm aufgetan und alsbald wieder zugeschlossen wurde. Der J\u00e4ger behielt das alles wohl im Sinn, ging zum K\u00f6nig und erz\u00e4hlte ihm, was er gesehen und geh\u00f6rt hatte. Da sprach der K\u00f6nig: &#8222;Morgen soll noch einmal gejagt werden.&#8220; <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Das Schwesterchen aber erschrak gewaltig, als es sah, dass sein Rehk\u00e4lbchen verwundet war. Es wusch ihm das Blut ab, legte Kr\u00e4uter auf und sprach: &#8222;Geh auf dein Lager, lieb Rehchen, dass du wieder heil wirst.&#8220; Die Wunde war aber so gering, dass das Rehchen am Morgen nichts mehr davon sp\u00fcrte. Und als es die Jagdlust wieder drau\u00dfen h\u00f6rte, sprach es: &#8222;Ich kann&#8217;s nicht aushalten, ich muss dabei sein; so bald soll mich keiner kriegen.&#8220; Das Schwesterchen weinte und sprach: &#8222;Nun werden sie dich t\u00f6ten, und ich bin hier allein im Walde und bin verlassen von aller Welt &#8211; ich lass&#8216; dich nicht hinaus.&#8220; &#8211; &#8222;So sterb&#8216; ich dir hier vor Betr\u00fcbnis&#8220;, antwortete das Rehchen; &#8222;wenn ich das Hifthorn h\u00f6re, so mein&#8216; ich, ich m\u00fcsst&#8216; aus den Schuhen springen!&#8220; Da konnte das Schwesterchen nicht anders und schloss ihm mit schwerem Herzen die T\u00fcr auf, und das <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Rehchen sprang gesund und fr\u00f6hlich in den Wald. Als es der K\u00f6nig erblickte, sprach er zu seinen J\u00e4gern: &#8222;Nun jagt ihm nach den ganzen Tag bis in die Nacht, aber dass ihm keiner etwas zuleide tut!&#8220; Sobald die Sonne untergegangen war, sprach der K\u00f6nig zum J\u00e4ger: &#8222;Nun komm und zeige mir das Waldh\u00e4uschen.&#8220; Und als er vor dem T\u00fcrlein war, klopfte er an und rief: &#8222;Lieb Schwesterlein, lass mich hinein!&#8220; Da ging die T\u00fcr auf, und der K\u00f6nig trat hinein, und da stand ein M\u00e4dchen, das war so sch\u00f6n, wie er noch keins gesehen hatte. Das M\u00e4dchen erschrak, als es sah, dass nicht sein Rehlein, sondern ein Mann hereinkam, der eine goldene Krone auf dem Haupte hatte. Aber der K\u00f6nig sah es freundlich an, reichte ihm die Hand und sprach: &#8222;Willst du mit mir gehen auf mein Schloss und meine liebe Frau sein?&#8220; &#8211; &#8222;Ach ja&#8220;, antwortete das M\u00e4dchen, &#8222;aber das Rehchen muss auch mit, das verlass&#8216; ich nicht.&#8220; Sprach der K\u00f6nig: &#8222;Es soll bei dir bleiben, solange du lebst, und soll ihm an nichts fehlen.&#8220; Indem kam es hereingesprungen, da band es das Schwesterchen wieder an das Binsenseil, nahm es selbst in die Hand und ging mit dem Rehchen aus dem Waldh\u00e4uschen fort.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Der K\u00f6nig nahm das sch\u00f6ne M\u00e4dchen auf sein Pferd und f\u00fchrte es in sein Schloss, wo die Hochzeit mit gro\u00dfer Fracht gefeiert wurde, und es war nun die K\u00f6nigin, und sie lebten lange Zeit vergn\u00fcgt zusammen; das Rehlein wurde gehegt und gepflegt und sprang in dem Schlossgarten herum. Die b\u00f6se Stiefmutter aber, um derentwillen die Kinder in die Welt hineingegangen waren, die meinte nicht anders, als Schwesterchen w\u00e4re von den wilden Tieren im Walde zerrissen worden und Br\u00fcderchen als ein Rehkalb von den J\u00e4gern totgeschossen. Als sie nun h\u00f6rte, dass sie so gl\u00fccklich waren und es ihnen so wohl ging, da wurden Neid und Missgunst in ihrem Herzen rege und lie\u00dfen ihr keine Ruhe, und sie hatte keinen andern Gedanken, als wie sie die beiden doch noch ins Ungl\u00fcck bringen k\u00f6nnte. Ihre rechte Tochter, die h\u00e4sslich war wie die Nacht und nur ein Auge hatte, die machte ihr Vorw\u00fcrfe und sprach: &#8222;Eine K\u00f6nigin zu werden, das Gl\u00fcck h\u00e4tte m i r geb\u00fchrt!&#8220; &#8211; &#8222;Sei nur still&#8220;, sagte die Alte und sprach sie zufrieden. &#8222;Wenn&#8217;s Zeit ist, will ich schon bei der Hand sein.&#8220; Als nun die Zeit heranger\u00fcckt war und die K\u00f6nigin ein sch\u00f6nes Kn\u00e4blein bekommen hatte, und der K\u00f6nig gerade auf der Jagd war, nahm die alte Hexe die Gestalt der Kammerfrau an, trat in die Stube, wo die K\u00f6nigin lag, und sprach zu der Kranken:<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Kommt, das Bad ist fertig, das wird Euch wohl tun und frische Kr\u00e4fte geben -geschwind, ehe es kalt wird !&#8220; Ihre Tochter war auch bei der Hand, sie trugen die schwache K\u00f6nigin in die Badestube und legten sie in die Wanne; dann schlossen sie die T\u00fcr ab und liefen davon. In der Badestube aber hatten sie ein rechtes H\u00f6llenfeuer angemacht, dass die sch\u00f6ne junge K\u00f6nigin bald ersticken musste. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Als das vollbracht war, nahm die Alte ihre Tochter, setzte ihr eine Haube auf und legte sie ins Bett an der K\u00f6nigin Stelle. Sie gab ihr auch die Gestalt und das Ansehen der K\u00f6nigin, nur das verlorene Auge konnte sie ihr nicht wiedergeben. Damit es aber der K\u00f6nig nicht merkte, musste sie sich auf die Seite legen, wo sie kein Auge hatte. Am Abend, als er heimkam und h\u00f6rte, dass ihm ein S\u00f6hnlein geschenkt war, freute er sich herzlich und wollte ans Bett seiner lieben Frau gehen und sehen, was sie machte. Da rief die Alte geschwind: &#8222;Beileibe nicht! Lasst die Vorh\u00e4nge zu, die K\u00f6nigin darf noch nicht ins Licht sehen und muss Ruhe haben!&#8220; Der K\u00f6nig ging zur\u00fcck und wusste nicht, dass eine falsche K\u00f6nigin im Bette lag. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Als es aber Mitternacht war und alles schlief, da sah die Kinderfrau, die in der Kinderstube neben der Wiege sa\u00df und allein noch wachte, wie die T\u00fcr aufging und die rechte K\u00f6nigin hereintrat. Die nahm das Kind aus der Wiege, legte es in ihren Arm und gab ihm zu trinken. Dann sch\u00fcttelte sie ihm sein Kisschen, legte es wieder hinein und deckte es mit dem Deckbettchen zu. Sie verga\u00df aber auch das Rehchen nicht, ging in die Ecke, wo es lag, und streichelte ihm \u00fcber den R\u00fccken. Darauf ging sie ganz stillschweigend zur T\u00fcr hinaus, und die Kinderfrau fragte am andern Morgen die W\u00e4chter, ob jemand w\u00e4hrend der Nacht ins Schloss gekommen w\u00e4re; aber sie antworteten: &#8222;Nein, wir haben niemand gesehen.&#8220; So kam sie viele N\u00e4chte und sprach niemals ein Wort dabei; die Kinderfrau sah sie immer, aber sie getraute sich nicht, jemand etwas davon zu sagen. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Als nun so eine Zeit verflossen war, da hob die K\u00f6nigin in der Naa&#8217;t zu reden an und sprach:<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Was macht mein Kind? Was macht mein Reh?<br \/>\nNun komm&#8216; ich noch zweimal und dann nimmermehr.&#8220;<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Die Kinderfrau antwortete ihr nicht, aber als sie wieder verschwunden war, ging sie zum K\u00f6nig und erz\u00e4hlte ihm alles. Sprach der K\u00f6nig: &#8222;Ach Gott, was ist das! Ich will in der n\u00e4chsten Nacht bei dem Kinde wachen.&#8220; Abends ging er in die Kinderstube, aber um Mitternacht erschien die K\u00f6nigin wieder und sprach:<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Was macht mein Kind? Was macht mein Reh?<br \/>\nNun komm&#8216; ich noch einmal und dann nimmermehr.&#8220;<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Und pflegte dann des Kindes, wie sie gew\u00f6hnlich tat, ehe sie verschwand. Der K\u00f6nig getraute sich nicht, sie anzureden, aber er wachte auch in der folgenden Nacht. Sie sprach abermals:<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Was macht mein Kind? Was macht mein Reh?<br \/>\nNun komm&#8216; ich noch diesmal und dann nimmermehr.&#8220;<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Da konnte sich der K\u00f6nig nicht zur\u00fcckhalten, sprang zu ihr hin und sprach: &#8222;Du kannst niemand anders sein als meine liebe Frau.&#8220; Da antwortete sie: &#8222;Ta, ich bin deine liebe Frau&#8220;, und hatte in dem Augenblick durch Gottes Gnade das Leben wiedererhalten, war frisch, rot und gesund. Darauf erz\u00e4hlte sie dem K\u00f6nig den Frevel, den die b\u00f6se Hexe und ihre Tochter an ihr ver\u00fcbt hatten. Der K\u00f6nig lie\u00df beide vor Gericht f\u00fchren, und es ward ihnen das Urteil gesprochen. Die Tochter ward in den Wald gef\u00fchrt, wo sie die wilden Tiere zerrissen, die Hexe aber ward ins Feuer gelegt und musste jammervoll verbrennen. Und wie sie zu Asche verbrannt war, verwandelte sich das Rehk\u00e4lbchen und erhielt seine menschliche Gestalt wieder; Schwesterchen und Br\u00fcderchen aber lebten gl\u00fccklich zusammen bis an ihr Ende.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gebr. 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