{"id":220,"date":"2015-10-06T21:00:31","date_gmt":"2015-10-06T19:00:31","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=220"},"modified":"2025-12-27T21:54:54","modified_gmt":"2025-12-27T20:54:54","slug":"das-brennende-geld","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/das-brennende-geld\/","title":{"rendered":"Das brennende Geld"},"content":{"rendered":"\n<!--more-->\n\n\n\n<p><strong>Ernst Moritz Arndt<\/strong><br>Drei Bauern kamen eine Herbstnacht oder vielmehr fr\u00fch, als es mehr gegen den Morgen ging, von einer Hochzeit aus dem Kirchdorf Lancken geritten. Sie waren Nachbarn, die in einem Dorfe wohnten, und ritten des Weges miteinander nach Hause. Als sie nun aus einem Walde kamen, sahen sie an einem kleinen Busche auf dem Felde ein gro\u00dfes Feuer, das bald wie ein gl\u00fchender Herd voll Kohlen glimmte, bald wieder in hellen Flammen aufloderte. Sie hielten still und verwunderten sich, was das sein m\u00f6ge, und meinten endlich, es seien wohl Hirten und Sch\u00e4fer, die es gegen die Nachtk\u00e4lte angez\u00fcndet h\u00e4tten. Da fiel ihnen aber wieder ein, dass es am Schlusse Novembers war, und dass in dieser Jahreszeit keine Hirten und Sch\u00e4fer im Felde zu sein pflegen. Da sprach der j\u00fcngste von den dreien, ein frecher Gesell: \u00bbNachbarn, h\u00f6rt! Da brennt unser Gl\u00fcck! Und seid still und lasset uns hinreiten und jeden seine Taschen mit Kohlen f\u00fcllen; dann haben wir f\u00fcr all unser Leben genug und k\u00f6nnen den Grafen fragen, was er f\u00fcr sein Schloss haben will. \u00ab Der \u00e4lteste aber sprach: \u00bbBeh\u00fcte Gott, dass ich in dieser sp\u00e4ten Zeit aus dem Wege reiten sollte! Ich kenne den Reiter zu gut, der da ruft: Hoho! Hallo! Halt den Mittelweg! \u00ab Der zweite hatte auch keine Lust. Der j\u00fcngste aber ritt hin, und was sein Pferd auch schnob und sich wehrte und b\u00e4umte, er brachte es an das Feuer, sprang ab und f\u00fcllte sich die Taschen mit Kohlen. Die andern beiden hatte die Angst ergriffen, und sie waren im sausenden Galopp davongejagt, und er lie\u00df sie auch ausrei\u00dfen und holte sie dicht vor Vilmnitz wieder ein. Sie ritten nun noch ein St\u00fcndchen miteinander und kamen schweigend in ihrem Dorfe an, und keiner konnte ein Wort sprechen. Die Pferde waren aber schneewei\u00df von Schaum, so hatten sie sich abgelaufen und abge\u00e4ngstigt. Dem Bauer war auch ungef\u00e4hr so zumute gewesen, als habe der Feind ihn schon beim Schopf erfasst gehabt. Es brach der helle, lichte Morgen an, als sie zu Hause kamen. Sie wollten nun sehen, was jener gefangen habe, denn seine Taschen hingen ihm schwer genug hinab, so schwer, als seien sie voll der gewichtigsten Dukaten. Er langte hinein, aber au weh! er brachte nichts als tote M\u00e4use an den Tag. Die andern beiden Bauern lachten und sprachen: \u00bbDa hast du deine ganze Teufelsbescherung! Die war der Angst wahrhaftig nicht wert! \u00ab Vor den M\u00e4usen aber schauderten sie zusammen, versprachen ihrem Gesellen jedoch, keinem Menschen ein Sterbenswort von dem Abenteuer zu sagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Man h\u00e4tte denken sollen, dieser Bauer mit den toten M\u00e4usen habe nun f\u00fcr immer genug gehabt; aber er hat noch weiter gegr\u00fcbelt \u00fcber den Haufen brennender Kohlen und bei sich gesprochen: \u00bbH\u00e4ttest du nur ein paar K\u00f6rnlein Salz in der Tasche gehabt und geschwind auf die Kohlen streuen k\u00f6nnen, so h\u00e4tte der Schatz wohl oben bleiben m\u00fcssen und nicht weggleiten k\u00f6nnen.\u00ab Und er hat die n\u00e4chste Nacht wieder ausreiten m\u00fcssen mit gro\u00dfem Schauder und Grauen, aber er hat es doch nicht lassen k\u00f6nnen; denn die Begier nach Geld war m\u00e4chtiger als die Furcht. Und er hat es wieder brennen sehen genau an der gestrigen Stelle; bei Tage aber war da nichts zu sehen, sondern sie war grasgr\u00fcn. Und er ist hingeritten und hat das Salz hineingestreut und seine Taschen voll Kohlen gerafft, und so ist er im sausenden Galopp nach Hause gejagt und hat sich geh\u00fctet, dass er einen Laut von sich gegeben noch jemand begegnet ist; denn dann ist es nicht richtig. Aber er hat doch nichts als Kohlen in der Tasche gehabt und ein paar Schillinge, die von den Kohlen geschw\u00e4rzt waren. Da hat er sich k\u00f6niglich gefreut, als sei dies der Anfang des Gl\u00fcckes und das Handgeld, das die Geister ihm gegeben haben. Er mochte aber die paar losen Schillinge von ungef\u00e4hr in der Tasche gehabt haben, als er ausritt. Und die Schillinge haben dem armen Mann, der sonst ein flei\u00dfiger, ordentlicher Bauer war, keine Rast noch Ruhe mehr gelassen; jede Nacht, die Gott werden lie\u00df, hat er ausreiten m\u00fcssen und seine besten Pferde dabei tot geritten. Man hat es aber nicht gemerkt, dass er Sch\u00e4tze gefunden hat, sondern seine Wirtschaft hat von Jahr zu Jahr abgenommen, und endlich ist er auf einer Nachtfahrt gar einmal verschwunden. Und man hat von ihm und von seinem Pferde nie etwas wieder gesehen; seinen Hut aber haben die Leute in dem Schmachter See gefunden. Da muss der b\u00f6se Feind ihn als Irrlicht hineingelockt haben; denn er braucht solche K\u00fcnste gegen die, welche sich mit ihm einlassen und ihn suchen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[101,85],"tags":[],"class_list":["post-220","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-ernst-moritz-arndt","category-maerchen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/220","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=220"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/220\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2826,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/220\/revisions\/2826"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=220"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=220"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=220"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}