{"id":204,"date":"2015-10-06T20:38:57","date_gmt":"2015-10-06T18:38:57","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=204"},"modified":"2025-12-27T21:58:39","modified_gmt":"2025-12-27T20:58:39","slug":"der-boese-fuerst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/der-boese-fuerst\/","title":{"rendered":"Der b\u00f6se F\u00fcrst"},"content":{"rendered":"\n<p>Hans Christian Andersen<br><br>Es war einmal ein b\u00f6ser und \u00fcberm\u00fctiger F\u00fcrst, der nur darauf sann, alle L\u00e4nder der Erde zu erobern und durch seinen Namen Furcht einzufl\u00f6\u00dfen. Er fuhr umher mit Feuer und Schwert; seine Soldaten zertraten das Korn auf den Feldern, sie z\u00fcndeten des Bauern Haus an, so dass die Flamme die Bl\u00e4tter von den B\u00e4umen leckte und die Frucht gebraten von den versengten B\u00e4umen herabhing. Manche arme Mutter verbarg sich mit ihrem nackten S\u00e4ugling hinter den rauchenden Mauern und die Soldaten suchten sie und wenn sie dieselbe und das Kind fanden, so begann ihre teuflische Freude; b\u00f6se Geister konnten nicht \u00e4rger verfahren. Der F\u00fcrst aber meinte, es gehe wie es solle. Tag f\u00fcr Tag wuchs seine Macht, sein Name wurde von Allen gef\u00fcrchtet, und das Gl\u00fcck folgte ihm bei allen seinen Taten. Von den eroberten St\u00e4dten f\u00fchrte er gro\u00dfe Sch\u00e4tze heim; in seiner K\u00f6nigsstadt wurde ein Reichtum angeh\u00e4uft, der an keinem andern Orte seines Gleichen fand. Nun lie\u00df er pr\u00e4chtige Schl\u00f6sser, Kirchen und Hallen bauen, und Jeder, der diese Herrlichkeit erblickte, sagte: \u00bbWelch gro\u00dfer F\u00fcrst! \u00ab Sie gedachten aber nicht der Not, die er \u00fcber andere L\u00e4nder gebracht hatte, sie h\u00f6rten nicht die Seufzer und den Jammer, der sich von den einge\u00e4scherten St\u00e4dten erhob.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Der b\u00f6se F\u00fcrst | Der unartige Knabe: M\u00e4rchen von H. C. Andersen (H\u00f6rbuch zum Einschlafen)\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/bAz-NJVhVMg?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>Der F\u00fcrst betrachtete sein Gold, sah seine pr\u00e4chtigen Geb\u00e4ude und dachte dann, gleich der Menge: \u00bbWelch gro\u00dfer F\u00fcrst, aber ich muss mehr haben, viel mehr! Keine Macht darf mir gleich, viel weniger gr\u00f6\u00dfer genannt werden, als die meine! Er begann Krieg mit allen seinen Nachbarn, und besiegte sie alle. Die \u00fcberwundenen K\u00f6nige lie\u00df er mit goldenen Ketten an seinen Wagen fesseln, wenn er durch die Stra\u00dfen fuhr, und sa\u00df er zu Tische, so mussten sie ihm und seinen Hofleuten zu F\u00fc\u00dfen liegen und die Brocken aufsammeln, die man ihnen zuwarf.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun lie\u00df der F\u00fcrst die Bilds\u00e4ule auf den Pl\u00e4tzen und in den k\u00f6niglichen Schlossern errichten. Ja, er wollte, sie solle in den Kirchen vor dem Altar des Herrn stehen; aber die Prediger sagten: \u00bbF\u00fcrst, Du bist gro\u00df, aber Gott ist gr\u00f6\u00dfer, wir wagen es nicht! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbWohl! \u00ab, sagte der b\u00f6se F\u00fcrst, \u00bbdann \u00fcberwinde ich auch Gott! \u00ab Und in seines Herzens \u00dcbermut und Torheit lie\u00df er ein k\u00f6stliches Schiff bauen, womit man die Luft durchschiffen konnte; es war so bunt, wie der Schweif des Pfaues, und schien mit tausend Augen besetzt zu sein, aber jedes Auge war ein B\u00fcchsenlauf. Der F\u00fcrst sa\u00df mitten im Schiffe, er brauchte nur an eine Feder zu dr\u00fccken, dann flogen tausend Kugeln hinaus und die B\u00fcchsen waren gleich wieder wie fr\u00fcher geladen. Hunderte von starken Adlern wurden vor das Schiff gespannt, und so flog er nun gegen die Sonne an. Die Erde lag tief unten; zuerst erschien sie mit ihren Bergen und W\u00e4ldern nur wie ein aufgepfl\u00fcgter Acker, wo das Gr\u00fcne aus den umgew\u00e4lzten Rasenst\u00fccken hervorblickt, sp\u00e4ter glich sie einer flachen Landkarte, und bald war sie ganz in Nebel und Wolken verh\u00fcllt. H\u00f6her und h\u00f6her flogen die Adler aufw\u00e4rts. Da entsendete Gott einen einzigen seiner unz\u00e4hligen Engel, und der b\u00f6se F\u00fcrst lie\u00df Tausende von Kugeln gegen ihn fliegen, aber die Kugeln fielen gleich Hagel von den gl\u00e4nzenden Fl\u00fcgeln des Engels zur\u00fcck; ein Blutstropfen, nur ein einziger, tr\u00f6pfelte von der wei\u00dfen Fl\u00fcgelfeder, und dieser Tropfen fiel auf das Schiff, in welchem der K\u00f6nig sa\u00df, er brannte sich im Schiffe ein, er lastete gleich tausend Centern Blei und riss das Schiff in st\u00fcrzender Fahrt gegen die Erde nieder. Der Adler starke Schwingen zerbrachen, der Wind umsauste des F\u00fcrsten Haupt, und die Wolken ringsum \u2013 sie waren von den abgebrannten St\u00e4dten gebildet \u2013 bildeten sich zu drohenden Gestalten, wie zu meilengro\u00dfen Krebsen, die ihre starken Klauen nach ihm ausstreckten, zu rollenden Felsst\u00fccken und feuerspeienden Drachen; halb tot lag der K\u00f6nig im Schiffe, welches zuletzt in des Waldes dicken Baumzweigen h\u00e4ngen blieb.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbIch will Gott besiegen!\u00ab sagte er, \u00bbich habe es geschworen, mein Wille soll geschehen!\u00ab und er lie\u00df sieben Jahre lang k\u00fcnstliche Schiffe zum Durchsegeln der Luft bauen, er lie\u00df Blitzstrahlen vom h\u00e4rtesten Stahl schmieden, denn er wollte des Himmels Befestigung sprengen. Von allen seinen Landen sammelte er gro\u00dfe Kriegsheere, die einen Raum von mehreren Meilen bedeckten, als sie Mann bei Mann aufgestellt waren. Sie bestiegen die k\u00fcnstlichen Schiffe, der K\u00f6nig selbst n\u00e4herte sich dem seinen; da entsendete Gott einen M\u00fcckenschwarm, einen einzigen, kleinen M\u00fcckenschwarm. Der umschwirrte den K\u00f6nig und stach dessen Antlitz und H\u00e4nde; er zog im Zorn sein Schwert, schlug aber nur in die leere Luft, die M\u00fccken konnte er nicht treffen. Da gebot er, dass k\u00f6stliche Teppiche gebracht werden sollten, mit diesen musste man ihn umwickeln, da konnte keine M\u00fccke mit ihrem Stachel durchdringen, und man tat, wie er befohlen hatte. Aber eine einzige M\u00fccke setzte sich auf die innere Seite des Teppichs, sie kroch in des K\u00f6nigs Ohr und stach ihn dort; es brannte wie Feuer, das Gift schlug in sein Gehirn, wie toll schleuderte er die Teppiche ab, zerriss seine Kleider und tanzte nackt vor den rohen, wilden Soldaten umher, die nun des tollen F\u00fcrsten spotteten, der Gott best\u00fcrmen wollte und von einer einziger kleinen M\u00fccke \u00fcberwunden worden war.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hans Christian Andersen Es war einmal ein b\u00f6ser und \u00fcberm\u00fctiger F\u00fcrst, der nur darauf sann, alle L\u00e4nder der Erde zu erobern und durch seinen Namen Furcht einzufl\u00f6\u00dfen. 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