{"id":192,"date":"2015-10-06T20:17:22","date_gmt":"2015-10-06T18:17:22","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=192"},"modified":"2026-01-24T01:35:15","modified_gmt":"2026-01-24T00:35:15","slug":"die-blauen-schuhe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-blauen-schuhe\/","title":{"rendered":"Die blauen Schuhe"},"content":{"rendered":"<p><!--more--><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Es lebte einmal ein junger Hirt, der hatte sich eine Frau genommen. Und nachdem sie einige Zeit zusammen gelebt hatten, wurde die Frau schwanger. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Die Frau gab einem M\u00e4dchen das Leben, und als man es zur Taufe trug, wurde es Irene genannt. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">In der Nacht nach der Taufe h\u00f6rte die Mutter Schritte in der Stube, und da der Mond schien, konnte sie sehen, dass sich eine Frau mit einem blauen Schleier dem Bett des Kindes n\u00e4herte, und sie sah sie dort etwas hinstellen und wusste nun, dass es die Mira des Kindes sei, die da durch die Stube ging. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Und als sie am n\u00e4chsten Morgen zur Wiege des Kindes ging, sah sie, dass dort ein Paar kleiner Sch\u00fchlein stand, blau, von tintenblauer Farbe. So war es. Als Irene dann anfing zu laufen, zog ihr die Mutter diese blauen Schuhe an, und sie passten, als w\u00e4ren sie eigens f\u00fcr das M\u00e4dchen gemacht. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Es vergingen die Jahre &#8211; drei Jahre, vier Jahre, sechs Jahre &#8211; und Irene wurde immer gr\u00f6\u00dfer. Aber das Seltsame war, dass auch die Schuhe, die blauen Schuhe, mit ihr mitwuchsen und ihr immer passten. Sie trugen sich nicht ab und zerrissen nicht; das Leder war immer wie neu. Freilich: das M\u00e4dchen zog die Schuhe nur am Sonntag an, unter der Woche brauchte es keine Schuhe. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Es vergingen die Jahre &#8211; zehn Jahre, zw\u00f6lf Jahre, vierzehn Jahre und Irene war nun schon erwachsen. Zu einem h\u00fcbschen jungen Weib war sie geworden. Es fehlte ihr nicht an Liebhabern, aber sie wies alle ab, bis sie eines Tages einen jungen Hirten kennerlernte, einen jungen Burschen, der Ilie hie\u00df. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Und den hat sie dann geheiratet. ja, so war es. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Die beiden jungen Leute h\u00e4tten die gl\u00fccklichsten der Welt sein k\u00f6nnen, aber sie litten darunter, dass sie viele Tage im Jahr getrennt leben mussten, weil Ilie mit seinen Herden oft unterwegs war. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Und als Irene wieder einmal allein daheim weilte, kam einer ihrer fr\u00fcheren Bewerber. Er ging in ihr Haus hinein und sagte: \u00bbIrene, fr\u00fcher hast du nichts von mir wissen wollen. Wie steht es jetzt damit?\u00ab &#8211; \u00bbIch\u00ab, sagte Irene, \u00bbich habe fr\u00fcher nichts von dir gewollt und ich will auch heute nichts von dir.\u00ab So sagt sie. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Aber der Bursche gibt nicht nach. Er sagt: \u00bbAch, Irene, wenn du doch nicht so dumm w\u00e4rst! Wir k\u00f6nnten uns gern lieb haben.\u00ab \u00bbAber du wei\u00dft jetzt, dass ich verheiratet bin\u00ab, sagte Irene. \u00bbNun, was macht das schon\u00ab, sagt der Bursche, &#8222;dein Mann braucht es ja nicht zu wissen, und dein Schade sollte es nicht sein. Schau, wie viel Geld ich dir geben w\u00fcrde!\u00ab Und damit h\u00e4lt er ihr einen Beutel voll Geld hin. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbScher dich zum Teufel mit deinem Geld!\u00ab sagte Irene, \u00bbich werde es dem Ilie sagen, wie du mir nachstellst und was du mir angetragen hast.\u00ab <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Da wird der Bursche sehr zornig: \u00bbWas? Du willst mir mit Ilie drohen? Da musst du erst einmal sehen, dass du ihm alles erz\u00e4hlen kannst. Ich werde es dir schon besorgen!\u00ab <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">ja, so war es. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Der Bursche aber geht hin, er lauert zusammen mit einem andern dem Ilie auf, sticht ihn mit einem Messer nieder, w\u00e4hrend der andere ihn festh\u00e4lt. So verblutet Ilie bei seiner Herde. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Und dort verscharren die beiden den Ilie, dann nehmen sie seine Herde und treiben sie weg. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Irene aber wartet und wartet. Alle andern Hirten kommen heim, aber Ilie und seine Herde ist nicht dabei. Und da geht sie herum, und sie fragt hier und sie fragt dort: \u00bbHabt ihr meinen Mann nicht gesehen?\u00ab &#8211; \u00bbNein, wir haben ihn nicht gesehen.\u00ab &#8211; \u00bbHabt ihr den Ilie nicht gesehen?\u00ab &#8211; \u00bbNein, wir haben ihn nicht gesehen.\u00ab <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Nur ein alter Hirt sagt: Am Gebirge habe ich ihn zuletzt gesehen. Er muss dort oben geblieben sein.\u00ab <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">ja, so war es. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">In der Nacht aber hatte Irene einen Traum. Ihr tr\u00e4umte, eine Frau, blau gewandet, k\u00e4me in ihre Stube, stelle sich vor ihr Lager und spr\u00e4che: \u00bbIrene, ziehe morgen deine blauen Schuhe an und geh dort hin, wohin dich deine blauen Schuhe tragen.\u00ab <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Am n\u00e4chsten Tag zieht Irene ihre blauen Schuhe an, und kaum hat sie diese an den F\u00fc\u00dfen, da sp\u00fcrt sie den Drang zu laufen. Und sie geht und sie geht. Sie geht immer weiter ins Gebirge hinauf, und am Abend ist sie dort, wo die Herde des Ilie gewesen war. Und sie findet dort ein kleines Grab, und als sie zum Grabe hingeht, kommt aus den B\u00fcschen heraus eine blau gekleidete Frau. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbIrene\u00ab, sagt sie, \u00bbdein Mann Ilie schickt mich zu dir.\u00ab &#8211; \u00bbUnd wo ist er?\u00ab fragt Irene. \u00bbEr wohnt jetzt in einem andern Land unter der Erde.\u00ab &#8211; \u00bbUnd kannst du mich nicht dorthin zu ihm f\u00fchren?\u00ab \u00bbFreilich kann ich das, wenn du es willst.\u00ab &#8211; \u00bbJa, dort, wo mein Mann ist, m\u00f6chte auch ich sein.\u00ab &#8211; \u00bbDu hast Gl\u00fcck, dass du deine blauen Schuhe anhast\u00ab, sagt die Mira, \u00bbh\u00e4ttest du sie nicht angezogen, k\u00f6nnte ich dich nicht f\u00fchren.\u00ab <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Und dann hat sie Irene mit sich genommen, in eine H\u00f6hle sind sie gegangen, deren \u00d6ffnung sich hinter ihnen geschlossen hat. Und so ist sie wieder zu ihrem Mann gekommen. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Mehr wei\u00df ich nicht.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[85,133],"tags":[],"class_list":["post-192","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-maerchen","category-maerchen-weltweit"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/192","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=192"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/192\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":193,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/192\/revisions\/193"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=192"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=192"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=192"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}