{"id":190,"date":"2015-10-06T20:16:13","date_gmt":"2015-10-06T18:16:13","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=190"},"modified":"2025-12-27T22:00:40","modified_gmt":"2025-12-27T21:00:40","slug":"das-blaue-licht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/das-blaue-licht\/","title":{"rendered":"Das blaue Licht"},"content":{"rendered":"\n<p>Gebr\u00fcder Grimm<br><br>Es war einmal ein Soldat, der hatte dem K\u00f6nig lange Jahre treu gedient: als aber der Krieg zu Ende war und der Soldat, der vielen Wunden wegen, die er empfangen hatte, nicht weiter dienen konnte, sprach der K\u00f6nig zu ihm &#8218;du kannst heim gehen, ich brauche dich nicht mehr: Geld bekommst du weiter nicht, denn Lohn erh\u00e4lt nur der, welcher mir Dienste daf\u00fcr leistet.&#8216; Da wusste der Soldat nicht, womit er sein Leben fristen sollte: ging voll Sorgen fort und ging den ganzen Tag, bis er abends in einen Wald kam. Als die Finsternis einbrach, sah er ein Licht, dem n\u00e4herte er sich und kam zu einem Haus, darin wohnte eine Hexe.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Das blaue Licht: M\u00e4rchen der Gebr\u00fcder Grimm (H\u00f6rbuch zum Einschlafen)\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/u_y30fFgGVU?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>&#8218;Gib mir doch ein Nachtlager und ein wenig Essen und Trinken&#8216; sprach er zu ihr, &#8218;ich verschmachte sonst.&#8216; &#8218;Oho!&#8216; antwortete sie, &#8218;wer gibt einem verlaufenen Soldaten etwas? doch will ich barmherzig sein und dich aufnehmen, wenn du tust, was ich verlange.&#8216; &#8218;Was verlangst du?, fragte der Soldat. &#8218;Dass du mir morgen meinen Garten umgr\u00e4bst.&#8216; Der Soldat willigte ein und arbeitete den folgenden Tag aus allen Kr\u00e4ften, konnte aber vor Abend nicht fertig werden. &#8218;Ich sehe wohl&#8216; sprach die Hexe, &#8218;dass du heute nicht weiter kannst: ich will dich noch eine Nacht behalten, daf\u00fcr sollst du mir morgen ein Fuder Holz spalten und klein machen.&#8216; Der Soldat brauchte dazu den ganzen Tag, und abends machte ihm die Hexe den Vorschlag, noch eine Nacht zu bleiben. &#8218;Du sollst mir morgen nur eine geringe Arbeit tun, hinter meinem Hause ist ein alter wasserleerer Brunnen, in den ist mir mein Licht gefallen, es brennt blau und verlischt nicht, das sollst du mir wieder heraufholen.&#8216; Den andern Tag f\u00fchrte ihn die Alte zu dem Brunnen und lie\u00df ihn in einem Korb hinab. Er fand das blaue Licht und machte ein Zeichen, dass sie ihn wieder hinaufziehen sollte. Sie zog ihn auch in die H\u00f6he, als er aber dem Rand nahe war, reichte sie die Hand hinab und wollte ihm das blaue Licht abnehmen. &#8218;Nein&#8216; sagte er und merkte ihre b\u00f6sen Gedanken, &#8218;das Licht gebe ich dir nicht eher, als bis ich mit beiden F\u00fc\u00dfen auf dem Erdboden stehe.&#8216; Da geriet die Hexe in Wut, lie\u00df ihn wieder hinab in den Brunnen fallen und ging fort.<\/p>\n\n\n\n<p>Der arme Soldat fiel, ohne Schaden zu nehmen, auf den feuchten Boden, und das blaue Licht brannte fort, aber was konnte ihm das helfen? er sah wohl, dass er dem Tod nicht entgehen w\u00fcrde. Er sa\u00df eine Weile ganz traurig, da griff er zuf\u00e4llig in seine Tasche und fand seine Tabakspfeife, die noch halb gestopft war. &#8218;Das soll mein letztes Vergn\u00fcgen sein&#8216; dachte er, zog sie heraus, z\u00fcndete sie an dem blauen Licht an und fing an zu rauchen. Als der Dampf in der H\u00f6hle umhergezogen war, stand auf einmal ein kleines schwarzes M\u00e4nnchen vor ihm und fragte &#8218;Herr, was befiehlst du?, &#8218;Was habe ich dir zu befehlen?, erwiderte der Soldat ganz verwundert. &#8218;Ich muss alles tun&#8216; sagte das M\u00e4nnchen, &#8218;was du verlangst.&#8216; &#8218;Gut&#8216; sprach der Soldat, &#8217;so hilf mir zuerst aus dem Brunnen.&#8216; Das M\u00e4nnchen nahm ihn bei der Hand und f\u00fchrte ihn durch einen unterirdischen Gang, verga\u00df aber nicht, das blaue Licht mitzunehmen. Es zeigte ihm unterwegs die Sch\u00e4tze, welche die Hexe zusammengebracht und da versteckt hatte, und der Soldat nahm so viel Gold, als er tragen konnte. Als er oben war, sprach er zu dem M\u00e4nnchen &#8217;nun geh hin, bind die alte Hexe und f\u00fchre sie vor das Gericht.&#8216; Nicht lange, so kam sie auf einem wilder Kater mit furchtbarem Geschrei schnell wie der Wind vorbeigeritten, und es dauerte abermals nicht lang, so war das M\u00e4nnchen zur\u00fcck, &#8218;es ist alles ausgerichtet&#8216; sprach es, &#8218;und die Hexe h\u00e4ngt schon am Galgen &#8211; Herr, was befiehlst du weiter?, fragte der Kleine. &#8218;In dem Augenblick nichts&#8216; antwortete der Soldat, &#8218;du kannst nach Haus gehen: sei nur gleich bei der Hand, wenn ich dich rufe.&#8216; &#8218;Es ist nichts n\u00f6tig&#8216; sprach das M\u00e4nnchen, &#8218;als dass du deine Pfeife an dem blauen Licht anz\u00fcndest, dann stehe ich gleich vor dir.&#8216; Darauf verschwand es vor seinen Augen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Soldat kehrte in die Stadt zur\u00fcck, aus der er gekommen war. Er ging in den besten Gasthof und lie\u00df sich sch\u00f6ne Kleider machen, dann befahl er dem Wirt, ihm ein Zimmer so pr\u00e4chtig als m\u00f6glich einzurichten. Als es fertig war und der Soldat es bezogen hatte, rief er das schwarze M\u00e4nnchen und sprach &#8218;ich habe dem K\u00f6nig treu gedient, er aber hat mich fortgeschickt und mich hungern lassen, daf\u00fcr will ich jetzt Rache nehmen.&#8216; &#8218;Was soll ich tun?&#8216; fragte der Kleine. &#8218;Sp\u00e4t abends, wenn die K\u00f6nigstochter im Bete liegt, so bring sie schlafend hierher, sie soll M\u00e4gdedienste bei mir tun.&#8216; Das M\u00e4nnchen sprach &#8218;f\u00fcr mich ist das ein leichtes, f\u00fcr dich aber ein gef\u00e4hrliches Ding, wenn das herauskommt, wird es dir schlimm ergehen.&#8216; Als es zw\u00f6lf geschlagen hatte, sprang die T\u00fcre auf, und das M\u00e4nnchen trug die K\u00f6nigstochter herein. &#8218;Aha, bist du da?&#8216; rief der Soldat, &#8218;frisch an die Arbeit! geh, hol den Besen und kehr die Stube.&#8216; Als sie fertig war, hie\u00df er sie zu seinem Sessel kommen, streckte ihr die F\u00fc\u00dfe entgegen und sprach &#8218;zieh mir die Stiefel aus&#8216; warf sie ihr dann ins Gesicht, und sie musste sie aufheben, reinigen und gl\u00e4nzend machen. Sie tat aber alles, was er ihr befahl, ohne Widerstreben, stumm und mit halbgeschlossenen Augen. Bei dem ersten Hahnschrei trug sie das M\u00e4nnchen wieder in das k\u00f6nigliche Schloss und in ihr Bett zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Am andern Morgen, als die K\u00f6nigstochter aufgestanden war ging sie zu ihrem Vater und erz\u00e4hlte ihm, sie h\u00e4tte einen wunderlichen Traum gehabt, &#8218;ich ward durch die Stra\u00dfen mit Blitzesschnelle fortgetragen und in das Zimmer eines Soldaten gebracht, dem musste ich als Magd dienen und aufwarten und alle gemeine Arbeit tun, die Stube kehren und die Stiefel putzen. Es war nur ein Traum, und doch bin ich so m\u00fcde, als wenn ich wirklich alles getan h\u00e4tte.&#8216; &#8218;Der Traum k\u00f6nnte wahr gewesen sein&#8216; sprach der K\u00f6nig, &#8218;ich will dir einen Rat geben, stecke deine Tasche voll Erbsen und mache ein klein Loch in die Tasche, wirst du wieder abgeholt, so fallen sie heraus und lassen die Spur auf der Stra\u00dfe.&#8216; Als der K\u00f6nig so sprach, stand das M\u00e4nnchen unsichtbar dabei und h\u00f6rte alles mit an. Nachts, als es die schlafende K\u00f6nigstochter wieder durch die Stra\u00dfen trug, fielen zwar einzelne Erbsen aus der Tasche, aber sie konnten keine, Spur machen, denn das listige M\u00e4nnchen hatte vorher in allen Stra\u00dfen Erbsen verstreut. Die K\u00f6nigstochter aber musste wieder bis zum Hahnenschrei M\u00e4gdedienste tun.<\/p>\n\n\n\n<p>Der K\u00f6nig schickte am folgenden Morgen seine Leute aus, welche die Spur suchen sollten, aber es war vergeblich, denn in allen Stra\u00dfen sa\u00dfen die armen Kinder und lasen Erbsen auf und sagten &#8218;es hat heut nacht Erbsen geregnet.&#8216; &#8218;Wir m\u00fcssen etwas anderes aussinnen&#8216; sprach der K\u00f6nig, &#8218;behalt deine Schuh an, wenn du dich zu Bett legst, und ehe du von dort zur\u00fcckkehrst, verstecke einen davon; ich will ihn schon finden.&#8216; Das schwarze M\u00e4nnchen vernahm den Anschlag, und als der Soldat abends verlangte, er sollte die K\u00f6nigstochter wieder herbeitragen, riet es ihm ab und sagte, gegen diese List w\u00fcsste es kein Mittel, und wenn der Schuh bei ihm gefunden w\u00fcrde, so k\u00f6nnte es ihm schlimm ergehen. &#8218;Tue, was ich dir sage,&#8216; erwiderte der Soldat, und die K\u00f6nigstochter musste auch in der dritten Nacht wie eine Magd arbeiten; sie versteckte aber, ehe sie zur\u00fcckgetragen wurde, einen Schuh unter das Bett.<\/p>\n\n\n\n<p>Am andern Morgen lie\u00df der K\u00f6nig in der ganzen Stadt den Schuh seiner Tochter suchen: er ward bei dem Soldaten gefunden und der Soldat selbst, der sich auf Bitten des Kleinen zum Tor hinausgemacht hatte, ward bald eingeholt und ins Gef\u00e4ngnis geworfen. Er hatte sein Bestes bei der Flucht vergessen, das blaue Licht und das Gold, und hatte nur noch einen Dukaten in der Tasche. Als er nun mit Ketten belastet an dem Fenster seines Gef\u00e4ngnisses stand, sah er einen seiner Kameraden vorbeigehen. Er klopfte an die Scheibe, und als er herbeikam, sagte er &#8217;sei so gut und hol mir das kleine B\u00fcndelchen, das ich in dem Gasthaus habe liegen lassen, ich gebe dir daf\u00fcr einen Dukaten.&#8216; Der Kamerad lief hin, und brachte ihm das Verlangte. Sobald der Soldat wieder allein war, steckte er seine Pfeife an und lie\u00df das schwarze M\u00e4nnchen kommen. &#8218;Sei ohne Furcht,&#8216; sprach es zu seinem Herrn, &#8218;geh hin, wo sie dich hinf\u00fchren, und lass alles geschehen, nimm nur das blaue Licht mit.&#8216; Am andern Tag ward Gericht \u00fcber den Soldaten gehalten, und obgleich er nichts B\u00f6ses getan hatte, verurteilte ihn der Richter doch zum Tode. Als er nun hinausgef\u00fchrt wurde, bat er den K\u00f6nig um eine letzte Gnade. &#8218;Was f\u00fcr eine?&#8216; fragte der K\u00f6nig. &#8218;Dass ich auf dem Weg noch eine Pfeife rauchen darf.&#8216; &#8218;Du kannst drei rauchen&#8216; antwortete der K\u00f6nig, &#8218;aber glaube nicht, dass ich dir das Leben schenke.&#8216; Da zog der Soldat seine Pfeife heraus und z\u00fcndete sie an dem blauen Licht an, und wie ein paar Ringel vom Rauch aufgestiegen waren, so stand schon das M\u00e4nnchen da hatte einen kleinen Kn\u00fcppel in der Hand und sprach &#8218;was befiehlt mein Herr?, &#8218;Schlag mir da die falschen Richter und ihre H\u00e4scher zu Boden, und verschone auch den K\u00f6nig nicht, der mich so schlecht behandelt hat.&#8216; Da fuhr das M\u00e4nnchen wie der Blitz, zickzack`, hin und her, und wen es mit seinem Kn\u00fcppel nur anr\u00fchrte, der fiel schon zu Boden und getraute sich nicht mehr zu regen. Dem K\u00f6nig ward angst, er legte sich auf das Bitten, und um nur das Leben zu behalten, gab er dem Soldaten das Reich und seine Tochter zur Frau.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gebr\u00fcder Grimm Es war einmal ein Soldat, der hatte dem K\u00f6nig lange Jahre treu gedient: als aber der Krieg zu Ende war und der Soldat, der vielen Wunden wegen, die er empfangen hatte, nicht weiter dienen konnte, sprach der K\u00f6nig zu ihm &#8218;du kannst heim gehen, ich brauche dich nicht mehr: Geld bekommst du weiter [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[87,85],"tags":[],"class_list":["post-190","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gebr-grimm","category-maerchen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/190","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=190"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/190\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1269,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/190\/revisions\/1269"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=190"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=190"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=190"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}