{"id":188,"date":"2015-10-06T20:15:02","date_gmt":"2015-10-06T18:15:02","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=188"},"modified":"2026-01-24T01:33:52","modified_gmt":"2026-01-24T00:33:52","slug":"das-blaue-band","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/das-blaue-band\/","title":{"rendered":"Das blaue Band"},"content":{"rendered":"\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Das blaue Band<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es war einmal ein Mann, der war sehr arm und krank dazu. Als er nun f\u00fchlte, dass er sterben sollte, rief er seine Frau an sein Bett und sprach zu ihr: \u00bbLiebe Frau, ich f\u00fchle, dass es mit mir zu Ende geht; nun w\u00fcrde ich ruhig und ohne Sorgen sterben, wenn ich nur w\u00fcsste, dass es dir und unserem Karl nach meinem Tode gut ginge. Ich kann euch nichts hinterlassen, was euch vor Not sch\u00fctzen k\u00f6nnte; aber wenn ich gestorben bin, so geh&#8216; du mit unserm Sohn zu meinem Bruder, der jenseits des gro\u00dfen Waldes in einem Dorfe wohnt. Das ist ein wohlhabender Mann, und er ist immer br\u00fcderlich gegen mich gesinnt gewesen; der wird f\u00fcr euch sorgen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00ab Darauf starb der Mann; und als er begraben war, begab die Frau sich mit ihrem Sohn auf den Weg zu dem Bruder, wie ihr verstorbener Mann ihr befohlen hatte. Aber die Mutter hasste den Sohn und war ihm Feind auf alle Weise; Karl aber war ein guter Junge und schon ziemlich erwachsen. Als sie nun eine gute Strecke gegangen waren, lag da ein blaues Band am Wege. Karl b\u00fcckte sich und wollte es aufnehmen, aber die Mutter sprach: \u00bblass doch das alte Band liegen; was willst du damit?\u00ab Karl aber dachte: \u00bbWer wei\u00df, wozu es gut ist! Es w\u00e4re doch wirklich schade, wenn das schmucke Band hier liegen bliebe\u00ab, nahm es also mit und band es heimlich, damit seine Mutter es nicht gewahr w\u00fcrde, unter seiner Jacke um den Arm. Da ward er nun so stark, dass niemand, so lange er das Band trug, ihm etwas anhaben konnte und alle ihn f\u00fcrchten mussten.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun gingen sie weiter und kamen in den gro\u00dfen Wald, und nachdem sie lange darin herumgewandert waren, gelangten sie an eine H\u00f6hle. Da stand ein gedeckter Tisch da, besetzt mit herrlichen Speisen in silbernen Sch\u00fcsseln. Karl sprach: \u00bbDa kommen wir just zur rechten Zeit, mich hungert schon lange; ich will mich erst einmal hier satt essen, das Essen scheint gut zu sein.\u00ab Nun setzten sie sich nieder und a\u00dfen und tranken nach Herzenslust. Als sie eben gegessen hatten, kam der gro\u00dfe Riese, dem die H\u00f6hle geh\u00f6rte, nach Hause; er war aber ganz freundlich und sprach: \u00bbDas ist recht, dass ihr schon zugelangt und nicht auf mich gewartet habt; wenn&#8217;s euch hier gef\u00e4llt, so k\u00f6nnt ihr gerne f\u00fcr immer bei mir in der H\u00f6hle bleiben\u00ab, und zu der Frau sagte er, dass sie seine Frau werden k\u00f6nnte. Sie sagten beide ja dazu, und nun lebten sie ganz vergn\u00fcgt eine Zeitlang bei dem Riesen in der H\u00f6hle.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Riese gewann Karl von Tag zu Tag lieber; aber seine Mutter hasste ihn noch immer, und als sie merkte, wie stark er geworden war, ward sie noch grimmiger und sprach eines Tages zu dem Riesen: \u00bbSiehst du wohl, wie stark Karl ist? Er kann doch f\u00fcr uns gef\u00e4hrlich werden, je \u00e4lter er wird und je mehr er an Kr\u00e4ften zunimmt. Dann kann es leicht soweit kommen, dass er uns totschl\u00e4gt, damit er die H\u00f6hle allein hat, oder er uns auch hinausjagt. Es w\u00e4re besser und klug von dir, wenn du dich beizeiten vors\u00e4hest und bei Gelegenheit ihn auf die Seite schafftest.\u00ab Aber der Riese antwortete: \u00bbSprich mir doch nicht so etwas vor! Karl ist ein guter Junge und wird uns nichts zuleide tun; ich werde ihm kein Haar kr\u00fcmmen, es w\u00fcrde mir \u00fcbel ansteh&#8217;n.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Als die Frau nun sah, dass der Riese nicht dazu zu bewegen war, legte sie sich den \u00e4ndern Tag aufs Bett und stellte sich krank. Dann rief sie ihren Sohn und sprach: \u00bbLieber Karl, ich bin so krank, dass ich gewiss sterben werde. Aber ein Mittel gibt es noch, das mich retten kann. Mir hat getr\u00e4umt, dass, wenn ich von der Milch der L\u00f6win, die hier nicht weit von uns ihre H\u00f6hle hat, einen Trunk erhalten k\u00f6nnte, ich gewiss genesen w\u00fcrde. Wenn du mich lieb hast, so k\u00f6nntest du mir helfen; du k\u00f6nntest hingehen und mir etwas Milch holen.\u00ab \u00bbJawohl, liebe Mutter\u00ab, antwortete Karl, \u00bbdas will ich gerne tun, wenn ich nur wei\u00df, dass es dir helfen wird.\u00ab Nahm also einen Napf und ging in die H\u00f6hle der L\u00f6win. Die lag da mit ihren Jungen und s\u00e4ugte sie. Karl aber legte die Jungen beiseite und fing an zu melken; das litt die L\u00f6win ganz ruhig. Da aber kam der alte L\u00f6we mit Gebr\u00fcll in die H\u00f6hle und fiel Karl von hinten an. Aber schnell wandte Karl sich um, nahm den Hals des L\u00f6wen unter den Arm und dr\u00fcckte ihn so fest an sich, dass er j\u00e4mmerlich zu winseln anfing und ganz zahm ward. Da lie\u00df Karl den L\u00f6wen los. Der L\u00f6we legte sich in die Ecke und Karl molk weiter, bis die Schale voll war. Als er nun die H\u00f6hle verlie\u00df, sprang die L\u00f6win hinter ihm her mit ihren Jungen, und bald folgte auch der alte L\u00f6we ihnen. So kam er zu seiner Mutter und brachte ihr die Milch; sie erschrak sich aber so vor den L\u00f6wen, dass sie rief: \u00bbKarl, bringe doch die wilden Tieren hinaus, sonst sterbe ich noch vor Angst.\u00ab Da gingen die Tiere von selbst still hinaus, aber legten sich vor die T\u00fcr, und wenn Karl hinauskam, so sprangen sie auf ihn zu und freuten sich.<\/p>\n\n\n\n<p>Da nun dieser Anschlag der b\u00f6sen Mutter so misslungen war, sprach sie wieder zu dem Riesen: \u00bbW\u00e4rest du gleich meinem Rate gefolgt, so h\u00e4tten wir nun nichts mehr zu f\u00fcrchten; jetzt aber steht&#8217;s noch schlimmer als vorher, und da er nun die Tiere hat, werden wir so leicht ihm nichts anhaben k\u00f6nnen.\u00ab Der Riese antwortete: \u00bbIch wei\u00df auch nicht, warum wir ihm etwas tun sollten. Karl ist ja gut, und die Tiere sind zahm!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Aber die Mutter sagte: \u00bbEs k\u00f6nnte ihm doch leicht in den Sinn kommen, uns zur H\u00f6hle hinauszujagen oder gar totzuschlagen, um selber darin Herr zu sein; ich kann nicht gl\u00fccklich sein, so lange ich das f\u00fcrchten muss.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einiger Zeit legte die Frau sich aufs Bett und sagte wieder, sie sei krank. Sie rief ihren Sohn zu sich und sprach: \u00bbIch habe wieder einen Traum gehabt, dass, wenn ich ein paar von den \u00c4pfeln essen k\u00f6nnte, die in dem Garten der drei Riesen wachsen, ich wieder gesund werden w\u00fcrde; sonst f\u00fchle ich, muss ich sterben.\u00ab Karl sagte: \u00bbLiebe Mutter, weil dir so gro\u00dfe Not darum ist, so will ich wohl zu den Riesen gehen und dir ein paar \u00c4pfel holen.\u00ab Er nahm nun einen Sack und machte sich sogleich auf den Weg, und die L\u00f6wen sprangen alle hinter ihm drein; die b\u00f6se Mutter aber dachte, dass er diesmal ganz gewiss nicht wiederkommen w\u00fcrde. Karl ging geradewegs in den Garten und pfl\u00fcckte seinen Sack voll \u00c4pfel; und als er das getan hatte, a\u00df er selbst auch einige; aber danach verfiel er sogleich in einen tiefen Schlaf und sank unter dem Baum nieder. Das kam allein von den \u00c4pfeln, die diese Kraft hatten. W\u00e4ren nun nicht die treuen L\u00f6wen bei ihm gewesen, so w\u00e4re es wohl um ihn geschehen. Denn sogleich st\u00fcrmte ein gro\u00dfer Riese durch den Garten daher und rief: \u00bbWer hat hier unsere \u00c4pfel gestohlen?\u00ab Karl schlief noch und antwortete nicht. Als ihn aber der Riese sah, lief er zornig auf ihn zu und wollte ihm den Rest geben, aber da sprangen die L\u00f6wen auf, fielen den Riesen an, und in kurzer Zeit hatten sie ihn zerrissen. Nun kam gleich der zweite Riese und rief auch: \u00bbWer hat hier unsere \u00c4pfel gestohlen?\u00ab und da er auf Karl los wollte, sprangen die L\u00f6wen auch auf ihn ein und zerrissen ihn. Danach kam der dritte Riese und rief: \u00bbWer stiehlt hier unsre \u00c4pfel?\u00ab Karl schlief noch immer, aber die L\u00f6wen packten auch diesen Riesen und machten auch ihn tot. Nun schlug Karl die Augen auf und ging im Garten umher. Da kam er bald in die N\u00e4he des Schlosses, wo die Riesen gewohnt hatten, und nun h\u00f6rte er, wie aus einer tiefen Kellerkammer eine kl\u00e4gliche Stimme hervorkam. Karl stieg hinab; da fand er eine wundersch\u00f6ne Prinzessin, die hatten die Riesen ihrem Vater geraubt und hier eingesperrt und mit dicken eisernen Ketten angeschlossen. Karl aber fasste kaum die Ketten an, so sprangen sie entzwei, und er f\u00fchrte die sch\u00f6ne Prinzessin hinauf in die pr\u00e4chtigsten Zimmer des Schlosses. Da sollte sie sich erquicken und so lange warten, bis er wiederk\u00e4me. Sie aber bat ihn, sie zu begleiten an ihres Vaters Hof. Aber Karl sagte: \u00bbWir k\u00f6nnen es hier erst noch aushaken; jetzt muss ich hin und meiner Mutter die \u00c4pfel bringen; denn die ist sterbenskrank.\u00ab Karl lie\u00df also die Prinzessin auf dem Schlosse, nahm seinen Sack mit den \u00c4pfeln und ging nach der H\u00f6hle zur\u00fcck zu seiner Mutter. Als die ihn kommen sah, wollte sie sich fast totwundern, dass ihm nichts geschehen sei und er die \u00c4pfel br\u00e4chte; sie fragte gleich, wie er doch alles habe durchmachen k\u00f6nnen. \u00bbJa, liebe Mutter\u00ab, sagte er, \u00bbseit ich das blaue Band trage, das ich nicht mitnehmen sollte, seit der Zeit bin ich so stark, dass niemand mir was anhaben kann; diesmal haben meine L\u00f6wen alle die Riesen totgemacht. Nun aber sollt ihr mit mir kommen und diese alte H\u00f6hle verlassen. Wir wollen jetzt auf dem Schlosse in Herrlichkeit und Freuden leben; ich habe da auch eine wundersch\u00f6ne Prinzessin gefunden, die soll noch bei uns bleiben.\u00ab Die Mutter und der Riese zogen nun mit Karl auf das schloss; aber als sie alle die Herrlichkeiten gewahr wurden und sahen, wie sch\u00f6n die Prinzessin war, da g\u00f6nnten sie Karl sein Gl\u00fcck noch weniger als fr\u00fcher. Die Mutter lauerte nur immer auf eine Gelegenheit, Karl beizukommen. Denn nun wusste sie, woher er seine Kraft hatte. Als daher eines Tages Karl in seinem Zimmer auf dem Bette lag, sich zu ruhen, und sein Band hing auf einem Nagel an der Wand \u00fcber ihm, so schlich sie sich leise herein und stach ihm, ehe er erwachte, beide Augen aus; dann nahm sie ihm das Band, und da Karl nun blind und hilflos war, stie\u00df sie ihn zum Schlosse hinaus und sagte, von nun an wolle sie allein darin Herr sein. Der arme Karl w\u00e4re bald verschmachtet, wenn nicht die treuen L\u00f6wen die Prinzessin zu ihm gef\u00fchrt h\u00e4tten. Die zog nun mit ihm fort und f\u00fchrte ihn; denn sie wollte ihres Vaters Reich aufsuchen und hoffte da Heilung f\u00fcr ihren Retter zu finden. Aber der Weg war sehr weit und lange irrten sie umher. Endlich aber kamen sie in die N\u00e4he der Stadt, wo der Vater der Prinzessin wohnte. Da sah die Prinzessin einen blinden Hasen vor ihnen \u00fcber den Weg laufen, und wie er an einen Bach kam, der vor\u00fcberfloss, tauchte er dreimal unter und lief sehend wieder fort. Da f\u00fchrte sie Karl an das Wasser, und wie er sich dreimal untertauchte, konnte auch er sehen wie vorher. Nun gingen sie voller Freuden in die Stadt, und als der alte K\u00f6nig erfuhr, dass Karl seine Tochter befreit h\u00e4tte, wollte er keinen anderen Schwiegersohn haben als ihn, und die Prinzessin nahm auch keinen lieber zum Mann als gerade Karl. Als aber seine Mutter das erfuhr, dass Karl sein Gesicht wieder bekommen und die Prinzessin geheiratet h\u00e4tte, ward sie vor \u00c4rger pl\u00f6tzlich krank und diesmal war&#8217;s ernst und sie musste daran. Bald darauf starb auch der Riese. Als man nun unter ihrem Kopfkissen nachsah, fand man da das blaue Band wieder, und Karl trug es von nun an sein Leben lang und legte es niemals ab. Er folgte sp\u00e4ter seinem Schwiegervater in der Regierung und war als K\u00f6nig weit und breit von allen Feinden sehr gef\u00fcrchtet, als ein rechter Schutz seines Landes.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[85,133],"tags":[],"class_list":["post-188","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-maerchen","category-maerchen-weltweit"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/188","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=188"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/188\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4287,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/188\/revisions\/4287"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=188"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=188"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=188"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}