{"id":180,"date":"2015-10-06T20:08:14","date_gmt":"2015-10-06T18:08:14","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=180"},"modified":"2026-01-24T01:24:57","modified_gmt":"2026-01-24T00:24:57","slug":"das-beutelchen-mit-den-zwei-dreiern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/das-beutelchen-mit-den-zwei-dreiern\/","title":{"rendered":"Das Beutelchen mit den zwei Dreiern"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\" align=\"center\">M\u00e4rchen aus Rum\u00e4nien<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\nEs war einmal ein alter Mann und eine alte Frau. Die Alte hatte eine Henne und der Alte einen Hahn. Die Henne der Alten legte zweimal t\u00e4glich, und so konnte sie eine Menge Eier essen; dem Alten aber gab sie kein einziges. Da verlor eines Tages der Alte die Geduld und sagte: &#8222;H\u00f6r, Alte, du lebst wie im Schlaraffenland, gib mir doch auch einmal ein paar Eier, dass ich wenigstens einen Geschmack davon bekomme!&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Warum nicht gar!&#8220; sagte die Alte, die sehr geizig war. &#8222;Wenn du Lust auf Eier hast, schlag doch deinen Hahn, damit er dir Eier legt, und dann iss sie. Ich habe meine Henne gepr\u00fcgelt, und sieh nur, wie sie jetzt legt!&#8220;<\/p>\n<p>Der Alte h\u00f6rte auf der Alten Rede, nahm \u00e4rgerlich seinen Hahn vor, gab<\/p>\n<p>ihm eine geh\u00f6rige Tracht Pr\u00fcgel und sagte:<\/p>\n<p>\u201eSo, jetzt leg mir Eier, oder geh mir aus dem Haus, denn ich will dich nicht mehr umsonst f\u00fcttern.&#8220;<\/p>\n<p>Der Hahn, sobald er aus den H\u00e4nden des Alten entkommen war, lief vom Hause weg und spazierte auf der Landstra\u00dfe einher. Als er so seines Weges ging, fand er ein Beutelchen mit zwei Dreiern. Er nahm es in den Schnabel und machte sich nach dem Haus des Alten auf. Unterwegs stie\u00df er auf einen Wagen mit einem Herrn und einigen Damen. Der Herr erblickte den Hahn, sah in seinem Schnabel das Beutelehen und sagte dem Kutscher: &#8222;Steig ab und sieh, was dieser Hahn da im Schnabel hat. &#8220;<\/p>\n<p>Der Kutscher stieg schnell vom Bock herunter, nahm das Beutelehen aus dem Schnabel des Hahns und gab es dem Herrn. Der Herr nahm es, steckte es in die Tasche und fuhr weiter. Der Hahn, hier\u00fcber erbost, lief hinter dem Wagen her und kr\u00e4hte unaufh\u00f6rlich:<\/p>\n<p align=\"center\">Kikeriki, Herr, Kikerik\u00fcck,<br \/>\nGebt mir&#8217;s Beutelehen zur\u00fcck!<\/p>\n<p>Der aufgebrachte Herr sagte dem Kutscher, als sie an einen Brunnen gelangten: &#8222;Nimm diesen unversch\u00e4mten Hahn und wirf ihn in den Brunnen.&#8220; Der Kutscher stieg wieder vom Bock herab, ergriff den Hahn und warf ihn in den Brunnen. Als der Hahn die gro\u00dfe Lebensgefahr sah, in der er steckte, was sollte er machen?<\/p>\n<p>Er begann das Wasser einzuschlucken und schluckte und schluckte, bis er alles Wasser aus dem Brunnen eingeschluckt hatte. Dann flog er aus ihm heraus und lief dem Wagen wieder nach mit lautem Kr\u00e4hen:<\/p>\n<p align=\"center\">Kikeriki, Herr, Kikerik\u00fcck,<br \/>\nGebt mir&#8217;s Beutelehen zur\u00fcck!<\/p>\n<p>Der Herr war zun\u00e4chst sprachlos vor Verwunderung, aber dann rief er: &#8222;Hoho! Dieser Hahn ist doch rein des Teufels! Aber warte nur, du Hahnenkamm, dir werd&#8216; ich an den Kragen kommen!&#8220;<\/p>\n<p>Und als er zu Hause angelangt war, befahl er der K\u00f6chin, den Hahn zu nehmen und ihn in den Herd zu werfen, in die gl\u00fchenden Kohlen, und einen gro\u00dfen Stein vor die Herd\u00f6ffnung zu schieben.<\/p>\n<p>Die Alte tat, wie ihr der Herr gesagt hatte. Doch als der Hahn dieses neue gro\u00dfe Unheil sah, das ihm drohte, begann er das Wasser auszuspeien und goss so das ganze Wasser aus dem Brunnen auf die gl\u00fchenden Kohlen, bis er das Feuer ausgel\u00f6scht und den Herd ausgek\u00fchlt hatte. Ja, noch mehr, eine ganze Wassersnot hatte er auf dem Fu\u00dfboden angerichtet, so dass die K\u00f6chin vor \u00c4rger rein verging. Dann gab er der Herd T\u00fcr einen Schubs, kam heil auch von dort heraus, eilte an das Fenster des Herrn, begann mit dem Schnabel an die Scheibe zu h\u00e4mmern und kr\u00e4hte:<\/p>\n<p align=\"center\">Kikeriki, Herr, Kikerik\u00fcck,<br \/>\nGebt mir&#8217;s Beutelehen zur\u00fcck!<\/p>\n<p>&#8222;Wei\u00df Gott, was f\u00fcr eine Plage ich mir mit diesem Untier von einem Hahn aufgehalst habe&#8220;, sagte der Herr. &#8222;Kutscher, befreie mich von ihm und wirf ihn mitten in die Ochsen- und Kuhherde; vielleicht kommt er einem Stier gerade recht, der ihn auf die H\u00f6rner nimmt, dann sind wir ihn los.&#8220; Der Kutscher ergriff abermals den Hahn und warf ihn in die Viehherde. Da h\u00e4ttet ihr unseren Hahn sehen sollen! Wie der die Stiere, die Ochsen, die K\u00fche und K\u00e4lber einschluckte, bis er die ganze Herde verschluckt hatte, dass sein Bauch so gro\u00df geworden war wie ein Berg. Dann ging er wieder ans Fenster, breitete seine Fl\u00fcgel vor die Sonne, so dass er das Zimmer des Herrn verdunkelte, und begann von neuern:<\/p>\n<p align=\"center\">Kikeriki, Herr, Kikerik\u00fcck,<br \/>\nGebt mir&#8217;s Beutelehen zur\u00fcck!<\/p>\n<p>Da platzte der Herr schier vor \u00c4rger und wusste nicht, was er anfangen sollte, um den Hahn los zu werden. So stand er also da und dachte nach, bis ihm etwas einfiel:<\/p>\n<p>&#8222;Ich werde ihn in die Geldkammer sperren. Vielleicht wird er Dukaten schlucken, bis ihm einer im Halse stecken bleibt und er daran erstickt. Dann w\u00e4re ich ihn los!&#8220; Gesagt, getan. Er nahm den Hahn und warf ihn in die Geldkammer. Der Hahn schluckte darauf alles Geld ein und lie\u00df alle Kasten leer zur\u00fcck. Dann ging er auch von da heraus, begab sich ans Fenster des Herrn und begann wiederum:<\/p>\n<p align=\"center\">Kikeriki, Herr, Kikerikiick,<br \/>\nGebt mir&#8217;s Beutelehen zur\u00fcck!<\/p>\n<p>Als der Herr sah, da\u00df ihm nichts anderes \u00fcbrig blieb, warf er ihm das Beutelehen hin. Der Hahn las es auf, ging in den H\u00fchnerhof und lie\u00df den Herrn in Ruhe. Da lief alles Federvieh dem Hahn nach, dass es aussah wie ein Hochzeitszug, wahrhaftig. Der Herr aber sah, gr\u00fcn vor Arger, dem Federvieh nach und sagte seufzend:<\/p>\n<p>&#8222;Mag alles bis auf den letzten Pips davonrennen, ich bin nur froh, dass ich die Plage los bin; denn das ging nicht ganz mit rechten Dingen zu!&#8220;<\/p>\n<p>Der Hahn aber schritt aufgebl\u00e4ht und stolz einher, er voran, das Gefl\u00fcgel alles ihm nach, und er ging immer munter weiter, bis er am Hause des Alten anlangte, und vom Torweg her fing er an zu kr\u00e4hen: Kikeriki!<\/p>\n<p>Wie der Alte die Stimme seines Hahnes h\u00f6rte, lief er ihm mit Freuden entgegen. Als er aber \u00fcber das Tor schaut, was erblickt er? Sein Hahn war etwas Erschreckliches geworden! Ein Elefant neben diesem Hahn h\u00e4tte wie ein Floh ausgesehen. Und dann kamen hinter ihm her ungez\u00e4hlte Herden von H\u00fchnern, eines immer sch\u00f6ner und schillernder als das andere. Als der Alte den Hahn so gro\u00df und dick sah, \u00f6ffnete er ihm die Tore. Darauf sagte der Hahn: &#8222;Herr, breite ein Leintuch hier mitten in den Hof.&#8220;<\/p>\n<p>Der Alte, schnell wie ein Kreisel, holte ein Tuch und breitete es aus. Der Hahn nahm auf ihm Platz, breitete die Fl\u00fcgel aus, und sogleich f\u00fcllte sich der Hof des Alten mit Gefl\u00fcgel und mit Herden von Vieh, auf das Tuch aber sch\u00fcttete er einen Haufen von Dukaten, die in der Sonne so gl\u00e4nzten, dass \u00a0sie einen blendeten. Als der Alte diese gro\u00dfen Sch\u00e4tze sah, wusste er gar nicht, was er vor Freude machen sollte, und k\u00fcsste und herzte seinen Hahn.<\/p>\n<p>Doch da tauchte auch die Alte von irgendwoher auf, und als sie so etwas Unerh\u00f6rtes sah, funkelten ihr die Augen, und sie platzte fast vor Arger.<\/p>\n<p>&#8222;Alterchen&#8220;, sagte sie, &#8222;gib mir auch ein paar Dukaten.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Lasse dir die Lust danach vergehen, Alte. Als ich dich um Eier bat, wei\u00dft du noch, was du mir da geantwortet hast? Jetzt pr\u00fcgle du auch deine Henne durch, damit sie dir Dukaten bringt, denn ich habe den Hahn gepr\u00fcgelt, und sieh, was er mir gebracht hat!&#8220;<\/p>\n<p>Da ging die Alte in den H\u00fchnerstall, sch\u00fcttelte die Henne, nahm sie beim Schwanz und versetzte ihr eine Tracht Pr\u00fcgel, dass man vor Mitleid h\u00e4tte weinen k\u00f6nnen. Als die arme Henne aus den H\u00e4nden der Alten entkommen war, entfloh sie auf die Landstra\u00dfe. Und als sie so des Weges ging, fand sie ein Perlchen und schluckte es ein, dann kehrte sie schleunigst nach Hause Zur Alten zur\u00fcck und fing schon vorm Tor ihr Gackgack an. Die Alte lief ihr freudig entgegen. Die Henne sprang \u00fcbers Tor, lief schnell an der Alten vorbei und setzte sich ins Nest. Nach einer Stunde etwa sprang sie gackernd vom Nest herunter. Eilig ging die Alte, um nachzusehen, was ihr die Henne gelegt. Als sie aber ins Nest schaute, was sah sie? Ein Glasperlchen! Die Henne hatte ein Glasperlehen gelegt! Als die Alte nun merkte, dass die Henne sie zum Narren gehabt hatte, fing sie an, sie zu pr\u00fcgeln und pr\u00fcgelte sie, bis sie sie totgepr\u00fcgelt hatte. Und so blieb die dumme Alte arm wie eine Kirchenmaus. Von jetzt an kann sie gebratene Nichts&#8217;chen und goldene Warteinweilchen statt der Eier essen, denn sie hat die arme Henne verh\u00f6hnt &#8211; und gepr\u00fcgelt und sie umgebracht, ohne dass das Tier auch im geringsten schuldig war.<\/p>\n<p>Der Alte aber war sehr reich; er baute sich gro\u00dfe H\u00e4user und legte sich sch\u00f6ne G\u00e4rten an und lebte sehr beh\u00e4big. Die Alte hat er zur H\u00fchnermagd gemacht, den Hahn aber nahm er \u00fcberall mit sich, mit einem goldenen Halsband und mit gelben Stiefeln und Sporen an den F\u00fc\u00dfen, dass man h\u00e4tte meinen k\u00f6nnen, er sei einer von den drei K\u00f6nigen aus dem Weihnachtsspiel und nicht ein Hahn gerade gut genug zur Borschtsuppe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M\u00e4rchen aus Rum\u00e4nien<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[85,176,133],"tags":[],"class_list":["post-180","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-maerchen","category-maerchen-aus-rumaenien","category-maerchen-weltweit"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/180","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=180"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/180\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":181,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/180\/revisions\/181"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=180"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=180"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=180"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}