{"id":170,"date":"2015-10-06T19:49:55","date_gmt":"2015-10-06T17:49:55","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=170"},"modified":"2026-01-24T01:13:57","modified_gmt":"2026-01-24T00:13:57","slug":"das-beste-essen-von-der-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/das-beste-essen-von-der-welt\/","title":{"rendered":"Das beste Essen von der Welt"},"content":{"rendered":"\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Das beste Essen von der Welt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><span style=\"font-family: Verdana;\"><span style=\"font-size: small;\">Johann Wilhelm Wolf<\/span><\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Es wurde einmal vor Alters in einem Dorfe erz\u00e4hlt, der Pfarrer habe am Sonntage in der Predigt gesagt, wei\u00dfe R\u00fcben und Hammelfleisch w\u00e4re das beste Essen auf der Welt. Das h\u00f6rten denn auch drei M\u00e4nner aus dem Ort, die hie\u00dfen Christoph, Max und Caspar, und die nahmen sich vor, sie wollten einmal sehn, ob das auch mit dem Essen die Wahrheit w\u00e4re. Weil sie aber keinen Acker und auch keine Schafe hatten, so sollte in der n\u00e4chsten Nacht der Christoph, der ein starker Mann war, ins Feld gehen und einen Sack voll wei\u00dfe R\u00fcben langen, und der Max und der Caspar wollten unter der Zeit an den Pferch gehen und einen Hammel stehlen. Auf dem Kirchhof an der Kirchent\u00fcr wollten sie darnach wieder zusammenkommen. Wie verabredet, so ist&#8217;s auch geschehen. Der Christoph ging, wie es Nacht geworden war, mit seinem Sack auf einen Wei\u00dfe-R\u00fcben-Acker, und die zwei Andern machten sich auf den Weg nach dem Pferch. Da mussten sie aber an einem Sumpf vorbei, und wie sie daran kamen, so quakte just ein Frosch. \u201eH\u00f6rst Du&#8217;s? \u201e sagte der Max zum Caspar und war ihm angst, \u201eder Sch\u00e4fer ist wach und ruft: Max! Max! Ich kann jetzt nicht mitgehen, der Sch\u00e4fer kennt mich. Geh du lieber allein hin! Dich kennt er, scheint&#8217;s, nicht und hat dich auch nicht gesehen. \u201e Damit kehrte der Max um, ging ein wenig zur\u00fcck und wollte da warten, bis dann der Caspar mit dem Hammel k\u00e4me. Der Caspar dagegen ging allein fort und kam bis nahe an den Pferch. Da hustete aber gerade ein altes Schaf und das hat gelautet, als wenn eins gerufen h\u00e4tte: Casper! Wer da fortlief, das war der Caspar, und er sprang so flink, dass er bald zu dem Max kam. \u201eMax! \u201e sagte er zu dem und war au\u00dfer Odem und schnaufte, \u201edenk dir einmal an, der Sch\u00e4fer hat auch mich gekannt, denn er hat mir ganz laut Casper zugerufen. Wir k\u00f6nnen den Hammel nicht langen, der Sch\u00e4fer kennt uns alle beide. Wir m\u00fcssen uns jetzt an den Christoph machen, dass der hingeht. \u201e Das war der Max zufrieden und so gingen sie fort an die Kirchent\u00fcr. Der Christoph war schon da mit seinem Sack und sie erz\u00e4hlten ihm die ganze Geschichte, wie sie den Hammel nicht br\u00e4chten, weil der Sch\u00e4fer sie kenne und ihnen mit ihren Namen zugerufen habe. Dann redeten sie dem Christoph zu, er w\u00e4re noch nicht lang in dem Orte, der Sch\u00e4fer kenne ihn noch nicht, und er solle auch nach dem Hammel gehen. Der Christoph war im Anfange b\u00f6se, dass sie ihre Sache nicht ausgef\u00fchrt hatten; er habe getan, was er zu tun gehabt h\u00e4tte, und er lange den Hammel nicht. Sie aber redeten ihm noch mehr zu, und sagten, sie wollten derweil, bis er den Hammel br\u00e4chte, die wei\u00dfen R\u00fcben sch\u00e4len. Nun, der Christoph ist ein guter Mann gewesen und ging fort. Jetzt setzten sich die Zwei an die Kirchent\u00fcr und machten sich an das Sch\u00e4len. Unter der Zeit wird es morgens vier Uhr, wo zu Tag gel\u00e4utet werden muss. Da kommt der Schulmeister und will l\u00e4uten. Wie er aber an der Kirchent\u00fcr die Zwei sieht, so wird&#8217;s ihm angst, denn er glaubt, es w\u00e4ren Geister von den Toten und l\u00e4uft ans Pfarrhaus und klopft, was er klopfen kann. Endlich erwacht die K\u00f6chin und macht ihm die T\u00fcr auf. Er weckt nun den Pfarrer und sagt in einer Hast: \u201eHerr Pfarrer, Sie m\u00fcssen mit mir! Vor der Kirchent\u00fcr sind zwei Geister, die lassen mich nicht in den Turm, dass ich zu vier Uhr l\u00e4uten kann. Sie m\u00fcssen mit und m\u00fcssen die Geister vertreiben. \u201e Der Pfarrer aber, der das Podagra hatte und nicht fort konnte, gab zur Antwort: \u201eWie kannst du mir nur zumuten, dass ich mit dir gehen soll! Ich bin ein armer gebrechlicher Mann und kann nicht fort. Du musst sehn, wie du&#8217;s allein fertig bringst, ich kann dir nicht helfen. \u201e Doch der Schulmeister, der nach der alten Observanz zu Morgen l\u00e4uten wollte, setzte dem lahmen Mann hart zu und sagte: \u201eNein, Sie m\u00fcssen mit, Herr Pfarrer! Sie m\u00fcssen mit! Wenn Sie nicht gehen k\u00f6nnen, so h\u00e4ngen Sie sich auf meinen R\u00fccken, dann will ich Sie auf den Kirchhof hocken. \u201e Da nun der Schulmeister nicht von der Stelle ging und dem Pfarrer immer mehr zusetzte, so stieg der endlich auf, tat sich an, und hing sich dem Schulmeister auf den R\u00fccken. So ging&#8217;s dann bis auf den Kirchhof. Die Zwei, die an der Kirchent\u00fcr sa\u00dfen und noch wei\u00dfe R\u00fcben sch\u00e4lten und die Schalen h\u00fcben und dr\u00fcben hinaus warfen, sahen in der Dunkelheit, dass da einer mit einer Last auf dem R\u00fccken kam und glaubten nicht anders, als das w\u00e4re der Christoph mit dem Hammel. Da rief gleich der eine: \u201eHast ihn? \u201e und der andere: \u201eNun, so bring ihn her, dann wollen wir ihm gleich den Hals abschneiden! \u201e Als das der Schulmeister h\u00f6rte, so wurde es dem so angst, dass er den Pfarrer von seinem R\u00fccken herunterwarf und lief, was er nur laufen konnte. Der Pfarrer aber, dem es gerade so angst war, verga\u00df sein Podagra, machte sich geschwind auf die Beine, lief hinter dem Schulmeister drein und w\u00e4re schiern\u00e4chst vor ihm gekommen. Nicht lang darnach kam der Christoph wirklich mit dem Hammel und sie haben sich auf den Mittag die wei\u00dfe R\u00fcben und Hammelfleisch zurecht gemacht und nach der Mahlzeit gesagt, ja, das w\u00e4re das beste Essen auf der Welt.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[92,85],"tags":[],"class_list":["post-170","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-johann-wilhelm-wolf","category-maerchen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/170","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=170"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/170\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4279,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/170\/revisions\/4279"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=170"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=170"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=170"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}