{"id":168,"date":"2015-10-06T19:47:41","date_gmt":"2015-10-06T17:47:41","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=168"},"modified":"2026-01-24T01:11:22","modified_gmt":"2026-01-24T00:11:22","slug":"beowulf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/beowulf\/","title":{"rendered":"Beowulf"},"content":{"rendered":"\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Beowulf<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Englisches M\u00e4rchen<br>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<br>Im Gotenreiche, das der weise K\u00f6nig Hygelac beherrschte, lebte vorzeiten der junge Beowulf, der zu des Landes tapfersten und st\u00e4rksten Kriegern z\u00e4hlte. Schon als Knabe hatte er sich durch seine K\u00fchnheit hervorgetan, als er einst in voller R\u00fcstung weit ins Meer hinausgeschwommen war, um die Seeungeheuer zu bek\u00e4mpfen. Eine ganze Nacht hatte er dort in dem brandenden Meer zugebracht und viele der Unholde, die ihre Fangarme nach ihm ausstreckten, besiegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Eines Tages kam an des K\u00f6nigs Hof ein d\u00e4nischer Spielmann, der sang von der herrlichen Burg, die sein Herr, der K\u00f6nig Rudigar von D\u00e4nemark, sich erbaut hatte. Staunend h\u00f6rten die Helden von den s\u00e4ulengeschm\u00fcckten, schimmernden Hallen, und mit Ingrimm vernahmen sie von Grendel, einem schrecklichen Moorgeist, der dort sein Wesen trieb und den K\u00f6nig mit seinen Mannen in Furcht und Schrecken hielt.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem der S\u00e4nger sein Lied beendet hatte, trat Beowulf vor K\u00f6nig Hygelac und bat um Urlaub. Er wollte den Kampf wagen und den D\u00e4nenk\u00f6nig aus seiner schweren Bedr\u00e4ngnis befreien. Der K\u00f6nig und seine Ratgeber billigten die gef\u00e4hrliche Reise, obgleich ihnen der tapfere Beowulf lieb war.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit vierzehn Waffengef\u00e4hrten bestieg der junge Recke ein wohlausger\u00fcstetes Schiff, fuhr \u00fcbers Meer und erreichte gl\u00fccklich D\u00e4nemarks K\u00fcste und die Hirschburg, die mitten in der Heide lag. Wie staunten die Goten, als sie das m\u00e4chtige Bauwerk mit T\u00fcrmen und Zinnen erblickten, das in der Morgensonne funkelte und gl\u00e4nzte wie Walhall, der herrliche Wohnsitz der G\u00f6tter!<\/p>\n\n\n\n<p>Der alte K\u00f6nig Rudigar empfing die G\u00e4ste freundlich und lie\u00df sie ihre reisem\u00fcden Glieder ausruhen. Aber nur mit Sorge h\u00f6rte er von dem Entschluss Beowulfs, den grimmigen Moorgeist zu bek\u00e4mpfen. &#8222;Schon so viele meiner besten Mannen hat er umgebracht&#8220;, seufzte der K\u00f6nig, &#8222;dass wir uns zur Nachtzeit immer vor ihm bergen m\u00fcssen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Beowulf jedoch blieb entschlossen, Grendel zu besiegen oder sein Leben zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als die D\u00e4mmerung kam, wagte keiner der D\u00e4nenkrieger, in der Halle zu bleiben. Beowulf aber gebot seinen Kriegern zu ruhen. Er selber l\u00f6ste den Harnisch und legte das Schwert beiseite; denn er wusste, dass der Unhold Grendel mit Waffen nicht zu besiegen war. Auch wollte Beowulf den Kampf mit dem Gegner unter gleichen Bedingungen bestehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mitternacht war es, als ein riesenhafter Schatten lautlos \u00fcber die Schwelle glitt. Er griff nach dem ersten der schlafenden Gotenkrieger und verschlang ihn. Dann streckte er seine gewaltige Faust nach Beowulf aus. Dieser ergriff sie mit solcher Kraft, dass der Unhold wild aufbr\u00fcllte. Nun begann ein hartes Ringen, immer fester umklammerte Beowulf den feuchten, scheu\u00dflichen Leib. Die Halle erbebte unter dem Stampfen der K\u00e4mpfenden, und todesmutig st\u00fcrzten die Gotenkrieger herbei, ihrem Herrn zu helfen. Doch nicht Schwert noch Speer konnten der Zauberkraft des schrecklichen Grendel etwas anhaben. Umso fester aber war Beowulfs klammernder Griff. Zwar entkam ihm der Unhold mit grausigem Geheul, aber den Arm samt der Achsel musste er dem Helden zur\u00fccklassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die d\u00e4nischen Recken eilten herbei, mit Grauen und mit Jubelruf bestaunten sie Beowulfs Siegesbeute. Man folgte der Blutspur des Todwunden, die sich durch die Heide bis an den Rand des brodelnden und g\u00e4renden Moores hinzog. Schon auf dem Heimritt k\u00fcndete der S\u00e4nger in einem Preislied von Beowulfs Tat. Zu Ehren des Helden lie\u00df K\u00f6nig Rudigar ein gro\u00dfes Fest herrichten und beschenkte Beowulf und seine M\u00e4nner mit kostbaren Gaben.<\/p>\n\n\n\n<p>Bis in die Nacht w\u00e4hrte das Fest bei Met und fr\u00f6hlichem Saitenspiel, bei Jubel und Becherklang.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch es gab ein schreckliches Erwachen. Denn war Grendel auch tot, so lebte seine Mutter, das schreckliche Moorweib. Lechzend nach Rache, mit Feuerflammen in den Augen, stieg sie aus der Tiefe des Moores herauf, folgte der Todesspur ihres Sohnes und drang in die Hirschburg ein. Sie packte den ersten besten der Schlafenden, einen Vertrauten K\u00f6nig Rudigars, schlug ihre Krallen in seinen Leib und entkam mit ihrer Beute, ehe die Krieger zum Schwerte greifen konnten. Wie Hohn hallte aus der Ferne das schrille Gel\u00e4chter der Unholdin durch die Nacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Entsetzt \u00fcber solchen neuen Frevel, standen die Goten ratlos. Doch Beowulf sprach ihnen Mut zu. &#8222;Allvater hat den Weltenlauf so geordnet,&#8220; rief er, &#8222;dass gute Tat den Sieg beh\u00e4lt \u00fcber b\u00f6sen Spuk und \u00fcber alle b\u00f6sen Geister!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Dann ritten Rudigar und Beowulf mit ihren Mannen dem Grendelmoore zu, dessen brodelndes Brausen schon aus der Ferne zu h\u00f6ren war. Die Pferde b\u00e4umten sich, zitterten vor Furcht, je mehr sie sich dem unheimlichen Ort n\u00e4herten. Auch den Waffengef\u00e4hrten bebten die H\u00e4nde, als sie Beowulf wappneten. Der junge Recke wandte sich zum Abschied an K\u00f6nig Rudigar, dann fasste er seinen m\u00e4chtigen Speer und sprang in voller R\u00fcstung in die g\u00e4hnende Tiefe.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem Grunde des Moores musste er einen Kampf auf Leben und Tod mit dem furchtbaren Moorweib bestehen. Mochte Beowulf auch sein gutes Schwert Rausching auf ihr Haupt niedersausen lassen, der Zauber sch\u00fctzte sie vor jeder Verwundung. Sie packte den Helden mit den Eisenkrallen ihrer H\u00e4nde, trug ihn in ihre trockene Halle und rang ihn mit \u00fcbermenschlicher Kraft zu Boden. Nur der gute Harnisch sch\u00fctzte Beowulf vor dem Tode. Da gewahrte er an der Wand des Gew\u00f6lbes ein altes Schwert des Riesengeschlechtes, eine Waffe aus der Vorzeit. Es gelang ihm, dieses zauberstarke Schwert zu fassen, und mit ihm t\u00f6tete er die Moorfrau. Dann schlug er Grendels Leichnam, den er in der Halle fand, das Haupt ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Lange Stunden hatten die Waffengef\u00e4hrten auf Beowulfs R\u00fcckkehr warten m\u00fcssen. Wie jubelten sie, als der Strudel ihn pl\u00f6tzlich j\u00e4h in die H\u00f6he riss und aus dem quirlenden Schaum emporhob! Bei sich f\u00fchrte er als Siegeszeichen den Schwertgriff der Riesenwaffe und das blutige Haupt Grendels.<\/p>\n\n\n\n<p>Bald darauf schied Beowulf reich beschenkt von Rudigars Hofe. Der greise K\u00f6nig, dem der Abschied sehr schwer fiel, vergoss Tr\u00e4nen des Dankes, als er den Helden ziehen lie\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>In hohen Ehren diente Beowulf nun wieder seinem K\u00f6nig im Gotenlande. Als Hygelac und sein Sohn darauf im Kriege unter den scharfen Schwertern der Friesen den Tod fanden, schien niemand w\u00fcrdiger, die Krone zu tragen, als der tapfere Beowulf. In Milde und Gerechtigkeit f\u00fchrte er das Zepter, und kein Feind wagte es, sich gegen ihn und sein Reich zu erheben.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch eines Tages wurde der Friede pl\u00f6tzlich gest\u00f6rt. Feuersglut w\u00e4lzte sich von den Bergen herab in die friedlichen T\u00e4ler und verbrannte Burgen und Geh\u00f6fte, mit dem Morgen klomm der Brand wieder die H\u00f6hen hinan. Und Nacht f\u00fcr Nacht geschah das gleiche.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Drache war es, der sich dort oben im Gebirge eingenistet hatte. K\u00f6nig Beowulf, ob er auch alt geworden war, z\u00f6gerte nicht, den Kampf gegen das Ungeheuer aufzunehmen. Er lie\u00df sich einen Schild schmieden, der ihn vor dem Drachengift sch\u00fctzen sollte, und wagte mit elf ausgew\u00e4hlten M\u00e4nnern den furchtbaren Kampf. Ein Funkenregen spr\u00fchte \u00fcber die Helden hin und nahm ihnen den Atem. Beowulf versuchte, den Kampf gegen den Feuer speienden Drachen allein zu bestehen; aber an der Zauberkraft der schuppigen Hornhaut zersprang sein gutes Schwert, und er empfing von dem Ungeheuer eine schwere Wunde. Seine Gef\u00e4hrten hatten sich in den Wald gefl\u00fcchtet. Nur Wiglaf, sein treuer Waffenbruder, kam ihm zu Hilfe und traf den Drachen in die ungesch\u00fctzten Weichen. Und Beowulf, obwohl aus furchtbaren Wunden blutend, stie\u00df dem Untier den Speer in die Seite, dass sein gl\u00fchender Atem verwehte und es r\u00f6chelnd verendete.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber der Sieg \u00fcber das Ungeheuer kam die Goten teuer zu stehen; denn der Drache riss Beowulf, den herrlichen Helden, mit sich in den Tod: das Drachengift und die schweren Wunden hatten Beowulfs Lebenskraft zerst\u00f6rt. Bevor Beowulf starb, hatte er Wiglaf die Sch\u00e4tze vor sich ausbreiten lassen, die er dem Drachen entrissen hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit hohen Ehren bestatteten die Goten ihren toten Heldenk\u00f6nig, der ein Vorbild tapferen, ruhmreichen Lebens gewesen war. Ein m\u00e4chtiger Scheiterhaufen wurde aufgeschichtet, auf dem Beowulf in blinkender R\u00fcstung, so wie er stets zum Kampfe ausgezogen war, ruhte; er sollte nicht waffenlos einziehen in die strahlende Halle der G\u00f6tter. Die Edelinge umritten den riesigen Feuerbrand, und dann errichteten sie einen hohen Grabh\u00fcgel am Vorgebirge, der weithin \u00fcber die See sichtbar war. Der fluchbeladene Schatz wurde &#8211; wie es Beowulf befohlen hatte &#8211; dem Helden mit ins Grab gegeben.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[85,175,133],"tags":[],"class_list":["post-168","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-maerchen","category-maerchen-aus-england","category-maerchen-weltweit"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/168","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=168"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/168\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4277,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/168\/revisions\/4277"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=168"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=168"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=168"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}