{"id":154,"date":"2015-10-06T11:20:03","date_gmt":"2015-10-06T09:20:03","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=154"},"modified":"2025-12-27T22:07:37","modified_gmt":"2025-12-27T21:07:37","slug":"der-baerenhaeuter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/der-baerenhaeuter\/","title":{"rendered":"Der B\u00e4renh\u00e4uter"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\" align=\"center\">Gebr. Grimm<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\nEs war einmal ein junger Kerl, der lie\u00df sich als Soldat anwerben, hielt sich tapfer und war immer der vorderste, wenn es blaue Bohnen regnete. So lange der Krieg dauerte, ging alles gut, aber als Friede geschlossen war, erhielt er seinen Abschied, und der Hauptmann sagte, er k\u00f6nnte gehen, wohin er wollte. Seine Eltern waren tot, und er hatte keine Heimat mehr, da ging er zu seinen Br\u00fcdern und bat, sie m\u00f6chten ihm so lange Unterhalt geben, bis der Krieg wieder anfinge. Die Br\u00fcder aber waren hartherzig und sagten &gt;was sollen wir mit dir? wir k\u00f6nnen dich nicht brauchen, sieh zu, wie du dich durchschl\u00e4gst.&lt; Der Soldat hatte nichts \u00fcbrig als sein Gewehr, das nahm er auf die Schulter und wollte in die Welt gehen. Er kam auf eine gro\u00dfe Heide, auf der nichts zu sehen war als ein Ring von B\u00e4umen, darunter setzte er sich ganz traurig nieder und sann \u00fcber sein Schicksal nach. &gt;Ich habe kein Geld,&lt; dachte er, &gt;ich habe nichts gelernt als das Kriegshandwerk, und jetzt, weil Friede geschlossen ist, brauchen sie mich nicht mehr; ich sehe voraus, ich muss verhungern.&lt; Auf einmal h\u00f6rte er ein Brausen, und wie er sich umblickte, stand ein unbekannter Mann vor ihm, der einen gr\u00fcnen Rock trug, recht stattlich aussah, aber einen garstigen Pferdefu\u00df hatte. &gt;Ich wei\u00df schon, was dir fehlt,&lt; sagte der Mann, &gt;Geld und Gut sollst du haben, soviel du mit aller Gewalt durchbringen kannst, aber ich muss zuvor wissen, ob du dich nicht f\u00fcrchtest, damit ich mein Geld nicht umsonst ausgebe.&lt; &gt;Ein Soldat und Furcht, wie passt das zusammen?&lt; antwortete er, &gt;du kannst mich auf die Probe stellen.&lt; &gt;Wohlan&lt; antwortete der Mann, &gt;schau hinter dich.&lt; Der Soldat kehrte sich um und sah einen gro\u00dfen B\u00e4r, der brummend auf ihn zutrabte. &gt;Oho,&lt; rief der Soldat. &gt;dich will ich an der Nase kitzeln, dass dir die Lust zum Brummen vergehen soll,&lt; legte an und schoss dem B\u00e4r auf die Schnauze, dass er zusammenfiel und sich nicht mehr regte. &gt;Ich sehe wohl,&lt; sagte der Fremde, &gt;dass dir\u2019s an Mut nicht fehlt, aber es ist noch eine Bedingung dabei, die musst du erf\u00fcllen.&lt; &gt;Wenn mir\u2018 s an meiner Seligkeit nicht schadet,&lt; antwortete der Soldat, der wohl merkte, wen er vor sich hatte, &gt;sonst la\u00df ich mich auf nichts ein.&lt; &gt;Das wirst du selber sehen&lt; antwortete der Gr\u00fcnrock, &gt;du darfst in den n\u00e4chsten sieben Jahren dich nicht waschen, dir Bart und Haare nicht k\u00e4mmen, die N\u00e4gel nicht schneiden und kein Vaterunser beten. Dann will ich dir einen Rock und Mantel geben, den musst du in dieser Zeit tragen. Stirbst du in diesen sieben Jahren, so bist du mein, bleibst du aber leben, so bist du frei und bist reich dazu f\u00fcr dein Lebtag.&lt; Der Soldat dachte an die gro\u00dfe Not, in der er sich befand, und da er so oft in den Tod gegangen war, wollte er es auch jetzt wagen und willigte ein. Der Teufel zog den gr\u00fcnen Rock aus, reichte ihn dem Soldaten hin und sagte &gt;wenn du den Rock an deinem Leibe hast und in die Tasche greifst, so wirst du die Hand immer voll Geld haben.&lt; Dann zog er dem B\u00e4ren die Haut ab und sagte &gt;das soll dein Mantel sein und auch dein Bett, denn darauf musst du schlafen und darfst in kein anderes Bett kommen. Und dieser Tracht wegen sollst du B\u00e4renh\u00e4uter hei\u00dfen.&lt; Hierauf verschwand der Teufel.<\/p>\n<p>Der Soldat zog den Rock an, griff gleich in die Tasche und fand, dass die Sache ihre Richtigkeit hatte. Dann hing er die B\u00e4renhaut um, ging in die Welt, war guter Dinge und unterlie\u00df nichts, was ihm wohl und dem Gelde wehe tat. Im ersten Jahr ging es noch leidlich, aber in dem zweiten sah er schon aus wie ein Ungeheuer. Das Haar bedeckte ihm fast das ganze Gesicht, sein Bart glich einem St\u00fcck grobem Filztuch, seine Finger hatten Krallen, und sein Gesicht war so mit Schmutz bedeckt, dass wenn man Kresse hineinges\u00e4t h\u00e4tte, sie aufgegangen w\u00e4re. Wer ihn sah, lief fort, weil er aber allerorten den Armen Geld gab, damit sie f\u00fcr ihn beteten, dass er in den sieben Jahren nicht st\u00fcrbe, und weil er alles gut bezahlte, so erhielt er doch immer noch Herberge. Im vierten Jahr kam er in ein Wirtshaus, da wollte ihn der Wirt nicht aufnehmen und wollte ihm nicht einmal einen Platz im Stall anweisen, weil er f\u00fcrchtete, seine Pferde w\u00fcrden scheu werden. Doch als der B\u00e4renh\u00e4uter in die Tasche griff und eine Handvoll Dukaten herausholte, so lie\u00df der Wirt sich erweichen und gab ihm eine Stube im Hintergeb\u00e4ude; doch musste er versprechen, sich nicht sehen zu lassen, damit sein Haus nicht in b\u00f6sen Ruf k\u00e4me.<\/p>\n<p>Als der B\u00e4renh\u00e4uter abends allein sa\u00df und von Herzen w\u00fcnschte, dass die sieben Jahre herum w\u00e4ren, so h\u00f6rte er in einem Nebenzimmer ein lautes Jammern. Er hatte ein mitleidiges Herz, \u00f6ffnete die T\u00fcre und erblickte einen alten Mann, der heftig weinte und die H\u00e4nde \u00fcber dem Kopf zusammenschlug. Der B\u00e4renh\u00e4uter trat n\u00e4her, aber der Mann sprang auf und wollte entfliehen. Endlich, als er eine menschliche Stimme vernahm, lie\u00df er sich bewegen, und durch freundliches Zureden brachte es der B\u00e4renh\u00e4uter dahin, dass er ihm die Ursache seines Kummers offenbarte. Sein Verm\u00f6gen war nach und nach geschwunden, er und seine T\u00f6chter mussten darben, und er war so arm, dass er den Wirt nicht einmal bezahlen konnte und ins Gef\u00e4ngnis sollte gesetzt werden. &gt;Wenn Ihr weiter keine Sorgen habt,&lt; sagte der B\u00e4renh\u00e4uter, &gt;Geld habe ich genug.&lt; Er lie\u00df den Wirt herbeikommen, bezahlte ihn und steckte dem Ungl\u00fccklichen noch einen Beutel voll Gold in die Tasche.<\/p>\n<p>Als der alte Mann sich aus seinen Sorgen erl\u00f6st sah, wusste er nicht, womit er sich dankbar beweisen sollte. &gt;Komm mit mir,&lt; sprach er zu ihm, &gt;meine T\u00f6chter sind Wunder von Sch\u00f6nheit, w\u00e4hle dir eine davon zur Frau. Wenn sie h\u00f6rt, was du f\u00fcr mich getan hast, so wird sie sich nicht weigern. Du siehst freilich ein wenig seltsam aus, aber sie wird dich schon wieder in Ordnung bringen.&lt; Dem B\u00e4renh\u00e4uter gefiel das wohl, und er ging mit. Als ihn die \u00e4lteste erblickte, entsetzte sie sich so gewaltig vor seinem Antlitz, dass sie aufschrie und fortlief. Die zweite blieb zwar stehen und betrachtete ihn von Kopf bis zu F\u00fc\u00dfen, dann aber sprach sie &gt;wie kann ich einen Mann nehmen, der keine menschliche Gestalt mehr hat? Da gefiel mir der rasierte B\u00e4r noch besser, der einmal hier zu sehen war und sich f\u00fcr einen Menschen ausgab, der hatte doch einen Husarenpelz an und wei\u00dfe Handschuhe. Wenn er nur h\u00e4sslich w\u00e4re, so k\u00f6nnte ich mich an ihn gew\u00f6hnen.&lt; Die j\u00fcngste aber sprach &gt;lieber Vater, das muss ein guter Mann sein, der Euch aus der Not geholfen hat, habt Ihr ihm daf\u00fcr eine Braut versprochen, so muss Euer Wort gehalten werden.&lt; Es war schade, dass das Gesicht des B\u00e4renh\u00e4uters von Schmutz und Haaren bedeckt war, sonst h\u00e4tte man sehen k\u00f6nnen, wie ihm das Herz im Leibe lachte, als er diese Worte h\u00f6rte. Er nahm einen Ring von seinem Finger, brach ihn entzwei und gab ihr die eine H\u00e4lfte, die andere behielt er f\u00fcr sich. In ihre H\u00e4lfte aber schrieb er seinen Namen, und in seine H\u00e4lfte schrieb er ihren Namen und bat sie, ihr St\u00fcck gut aufzuheben. Hierauf nahm er Abschied und sprach &gt;ich muss noch drei Jahre wandern: komm ich aber nicht wieder, so bist du frei, weil ich dann tot bin. Bitte aber Gott, dass er mir das Leben erh\u00e4lt.&lt;<\/p>\n<p>Die arme Braut kleidete sich ganz schwarz, und wenn sie an ihren Br\u00e4utigam dachte, so kamen ihr die Tr\u00e4nen in die Augen. Von ihren Schwestern ward ihr nichts als Hohn und Spott zuteil. &gt;Nimm dich in acht&lt; sprach die \u00e4lteste, &gt;wenn du ihm die Hand reichst, so schl\u00e4gt er dir mit der Tatze darauf.&lt; &gt;H\u00fcte dich,&lt; sagte die zweite, &gt;die B\u00e4ren lieben die S\u00fc\u00dfigkeit, und wenn du ihm gef\u00e4llst, so frisst er dich auf.&lt; &gt;Du musst nur immer seinen Willen tun,&lt; hub die \u00e4lteste wieder an, &gt;sonst f\u00e4ngt er an zu brummen.&lt; Und die zweite fuhr fort &gt;aber die Hochzeit wird lustig sein, B\u00e4ren, die tanzen gut.&lt; Die Braut schwieg still und lie\u00df sich nicht irre machen. Der B\u00e4renh\u00e4uter aber zog in der Welt herum, von einem Ort zum andern, tat Gutes, wo er konnte, und gab den Armen reichlich, damit sie f\u00fcr ihn beteten. Endlich, als der letzte Tag von den sieben Jahren anbrach, ging er wieder hinaus auf die Heide und setzte sich unter den Ring von B\u00e4umen. Nicht lange, so sauste der Wind, und der Teufel stand vor ihm und blickte ihn verdrie\u00dflich an; dann warf er ihm den alten Rock hin und verlangte seinen gr\u00fcnen zur\u00fcck. &gt;So weit sind wir noch nicht&lt; antwortete der B\u00e4renh\u00e4uter, &gt;erst sollst du mich reinigen.&lt; Der Teufel mochte wollen oder nicht, er musste Wasser holen&lt; den B\u00e4renh\u00e4uter abwaschen, ihm die Haare k\u00e4mmen und die N\u00e4gel schneiden. Hierauf sah er wie ein tapferer Kriegsmann aus und war viel sch\u00f6ner als je vorher.<\/p>\n<p>Als der Teufel gl\u00fccklich abgezogen war, so war es dem B\u00e4renh\u00e4uter ganz leicht ums Herz. Er ging in die Stadt, tat einen pr\u00e4chtigen Samtrock an, setzte sich in einen Wagen mit vier Schimmeln bespannt und fuhr zu dem Haus seiner Braut. Niemand erkannte ihn, der Vater hielt ihn f\u00fcr einen vornehmen Feldobrist und f\u00fchrte ihn in das Zimmer, wo seine T\u00f6chter sa\u00dfen. Er musste sich zwischen den beiden \u00e4ltesten niederlassen: sie schenkten ihm Wein ein, legten ihm die besten Bissen vor und meinten, sie h\u00e4tten keinen sch\u00f6neren Mann auf der Welt gesehen. Die Braut aber sa\u00df in schwarzem Kleide ihm gegen\u00fcber, schlug die Augen nicht auf und sprach kein Wort. Als er endlich den Vater fragte, ob er ihm eine seiner T\u00f6chter zur Frau geben wollte, so sprangen die beiden \u00e4ltesten auf, liefen in ihre Kammer und wollten pr\u00e4chtige Kleider anziehen, denn eine jede bildete sich ein, sie w\u00e4re die Auserw\u00e4hlte. Der Fremde, sobald er mit seiner Braut allein war, holte den halben Ring hervor und warf ihn in einen Becher mit Wein, den er ihr \u00fcber den Tisch reichte. Sie nahm ihn an, aber als sie getrunken hatte und den halben Ring auf dem Grund liegen fand, so schlug ihr das Herz. Sie holte die andere H\u00e4lfte, die sie an einem Band um den Hals trug, hielt sie daran, und es zeigte sich, dass beide Teile vollkommen zueinander passten. Da sprach er &gt;ich bin dein verlobter Br\u00e4utigam, den du als B\u00e4renh\u00e4uter gesehen hast, aber durch Gottes Gnade habe ich meine menschliche Gestalt wiedererhalten, und bin wieder rein geworden. Er ging auf sie zu, umarmte sie und gab ihr einen Kuss. Indem kamen die beiden Schwestern in vollem Putz herein, und als sie sahen, dass der sch\u00f6ne Mann der j\u00fcngsten zuteil geworden war, und h\u00f6rten, dass das der B\u00e4renh\u00e4uter war, liefen sie voll Zorn und Wut hinaus. Die eine ers\u00e4ufte sich im Brunnen, die andere erh\u00e4ngte sich an einem Baum. Am Abend klopfte jemand an der T\u00fcre, und als der Br\u00e4utigam \u00f6ffnete, so war\u2019s der Teufel im gr\u00fcnen Rock, der sprach &gt;siehst du, nun habe ich zwei Seelen f\u00fcr deine eine.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gebr. Grimm<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[87,85],"tags":[],"class_list":["post-154","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gebr-grimm","category-maerchen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/154","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=154"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/154\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":155,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/154\/revisions\/155"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=154"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=154"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=154"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}