{"id":150,"date":"2015-10-06T11:16:34","date_gmt":"2015-10-06T09:16:34","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=150"},"modified":"2026-01-26T13:07:20","modified_gmt":"2026-01-26T12:07:20","slug":"die-legende-vom-barbarazweig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-legende-vom-barbarazweig\/","title":{"rendered":"Die Legende vom Barbarazweig"},"content":{"rendered":"\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Die Legende vom Barbarazweig<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>M\u00e4rchen aus dem Ruhrgebiet<br><br>Einst lebte ein Bergmann an der Ruhr mit Namen Gottlieb B\u00e4umer. Gottlieb war ein flei\u00dfiger Mann, der eifrig seine Stollen trieb und Tag f\u00fcr Tag viele S\u00e4cke mit Kohle ans Tageslicht brachte. Er war mit seinem Leben zufrieden und sooft er in die Kirche ging, betete er zu seinem Herrgott, den er liebte und von dem er wusste, dass er ihm sein Wohlergehen verdankte. Dies alles sah der Teufel mit schr\u00e4gem Blick. Gar zu gerne h\u00e4tte er Gottlieb B\u00e4umers Seele gehabt, doch es wollte ihm nicht gl\u00fccken. Voll Missmut und \u00c4rger trabte der Teufel durchs Ruhrland.<\/p>\n\n\n\n<p>Da eines Tages geschah es, dass Gottlieb B\u00e4umer im Berge auf taubes Gestein stie\u00df. So flei\u00dfig er auch arbeitete, er fand kein einziges St\u00fcckchen Kohle mehr. Als der Teufel dies sah, wetzte er heimlich seine Krallen. Gottliebs Missgeschick wollte er dazu nutzen, an seine Seele heranzukommen. Und so kleidete er seine h\u00f6llischen Glieder eines Tages in ein einfaches Bergmannsgewand und n\u00e4herte sich Gottlieb B\u00e4umer als ein biederer Arbeitskamerad. Dieser empfing den Fremdling ohne Argwohn und klagte ihm seine schweren Sorgen, litt er doch schon mit Frau und Kind heftige Not. Soviel er auch betete, er fand keine Kohlen mehr &#8211; und keine Kohlen, das bedeutete f\u00fcr ihn: kein Brot. Gottlieb B\u00e4umer wusste nicht mehr aus noch ein. Da fl\u00fcsterte ihm der listige Teufel zu: &#8222;Wenn Du mir Deine Seele gibst, dann soll all Deine Not ein Ende haben. Du brauchst sie mir nur f\u00fcr sieben Jahre zu verschreiben. Niemand wird etwas davon erfahren. Bald wirst Du dann der reichste Mann an der Ruhr sein, und &#8211; Du brauchst Dich niemals mehr zu schinden und zu plagen!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Zuerst war Gottlieb B\u00e4umer sehr erschrocken, als er das seltsame Angebot des Satans h\u00f6rte, doch der Teufel wusste so listenreich mit goldenen Worten von zuk\u00fcnftigem Reichtum zu erz\u00e4hlen, dass Gottliebs Widerstand bald schw\u00e4cher wurde. Da zog auch schon der Teufel eine Feder aus seinem Hute &#8211; sie war schon gespitzt. Und dann ritzte er dem Bergmann ein wenig den Arm, und mit den ersten Tropfen Blut wurde unterschrieben.<\/p>\n\n\n\n<p>So wurde also der Vertrag geschlossen!<\/p>\n\n\n\n<p>Der Teufel z\u00f6gerte nicht, sein Versprechen einzul\u00f6sen: Schon am n\u00e4chsten Tage griff er zur Hacke und r\u00e4umte unverdrossen die Steine aus dem Stollen fort. Das war ein W\u00fchlen und Sch\u00fcrfen! In Windeseile flogen die Gesteinsbrocken zur Seite. Der Teufel brauchte nicht einmal ein Licht dazu. Seine glimmenden Augen erhellten das Dunkel im Berge. Und bald schon kam wieder die Kohle zum Vorschein. Tag und Nacht brach nun der Teufel das schwarze Gold aus dem Gestein, und Gottlieb B\u00e4umer brachte fr\u00f6hlich die von neuem gef\u00fcllten S\u00e4cke zu Tage. Ja, es gab soviel Kohle, dass Gottlieb allein nicht mehr mit der Arbeit fertig wurde; er musste sich einen Knappen zu Hilfe nehmen. So wie die Kohle aus dem Berge str\u00f6mte, so reich floss auch das Geld dem Gottlieb zu. In seinen Truhen und Schr\u00e4nken h\u00e4uften sich Taler und Dukaten &#8211; aber es war Teufelsgeld! Gottlieb war es gar nicht wohl in seiner Haut, und so begann er, seinen Kummer mit Bier und Wein zu ertr\u00e4nken und lebte in Saus und Braus.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch in seinem \u00dcberfluss verga\u00df er auch die Armen nicht. Niemand verlie\u00df sein Haus, der sich nicht vorher sattgegessen h\u00e4tte. Jedem Bettler gab er Taler mit vollen H\u00e4nden, und wer Not litt und Geld brauchte, der musste sich nur an Gottlieb B\u00e4umer wenden.<\/p>\n\n\n\n<p>So gingen also die Jahre ins Land. Kaum noch dachte Gottlieb an den Teufel. Ja, manchmal verga\u00df er sogar, wem er seinen ganzen Reichtum verdankte! Bis eines Tages der Satan vor ihm stand. Den unterschriebenen Vertrag hielt er in der Hand und lachte h\u00e4misch: &#8222;Nun sind die sieben Jahre um. Nichts wird Dir mehr n\u00fctzen. Das Blatt hat sich gewendet. Du musst mit mir zur H\u00f6lle kommen!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Doch Gottlieb B\u00e4umer war nicht dumm. &#8222;Noch ist die Frist nicht abgelaufen, die ich mit meinem Blut unterschrieben habe&#8220;, entgegnete er. &#8222;Heute ist Barbaratag. Noch drei Wochen fehlen an der Zeit. Komm am Heiligen Abend wieder. Dann erst will ich mitkommen, wenn ich will&#8220; Da lie\u00df der Satan meckernd sein Lachen ert\u00f6nen: &#8222;Wenn Du auch zehnmal nicht willst, so bist Du mir doch auf ewig verfallen, da hilft Dir auch Gott nicht mehr.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Aber Gottlieb verlor nicht den Mut: &#8222;Bis dahin wird sich alles finden. Mit Gottes Hilfe gibt es immer noch Rettung. &#8220; Diese Worte erbosten den Teufel sehr, und so Riss er von einem Kirschbaum einige Zweige ab und warf sie dem Gottlieb hin mit den Worten: &#8222;Nimm diese d\u00fcrren Zweige hier. Wenn Gott Dir wirklich helfen will, dann l\u00e4sst er sie, wenn ich wiederkomme, mitten im Winter bl\u00fchen. Wenn dies geschieht, dann will ich ohne Deine Seele fortziehen. &#8220; Darauf zerfloss der Teufel in Schwefelgestank &#8211; und Gottlieb blieb allein zur\u00fcck. Verzweifelt und traurig, mit schweren und m\u00fcden Gliedern, schlich er nun nach Hause. Die Zweige trug er in der Hand, ohne Hoffnung, dass sich das Wunder jemals erf\u00fcllen w\u00fcrde. Pl\u00f6tzlich wurde es hell um ihn. Vor ihm stand ein wundersch\u00f6nes M\u00e4dchen, gekleidet in ein wei\u00dfes Leinenkleid. Es war die heilige Barbara, die Schutzpatronin der Ruhrbergleute. Vom Licht umflossen stand sie da das ganze Ruhrtal erstrahlte in goldenem Schimmer.<\/p>\n\n\n\n<p>Huldvoll sprach nun die Heilige zu Gottlieb: &#8222;Du hast Dich mit dem B\u00f6sen eingelassen. Gro\u00df und schwer ist Deine Schuld. Mond und Sterne k\u00f6nnten deswegen verblassen. Aber sei dennoch frohen Mutes. Ich habe gesehen, dass Du Deine Schlechtigkeit sehr bereut hast. Und weil Du au\u00dferdem viel Gutes getan hast, will ich Dir mit einem Rat helfen: Gehe heim und stelle die Zweige in einen mit Wasser gef\u00fcllten Krug. Bald werden sich Bl\u00fcten und Bl\u00e4tter im \u00dcberfluss zeigen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem sie dies gesagt hatte, verschwand die heilige Barbara aus Gottliebs Blicken. Dieser tat, was die Erscheinung ihm geraten hatte, und tats\u00e4chlich, nach einigen Tagen sprossen aus den Zweigen herrliche Bl\u00fcten und Bl\u00e4tter, obwohl es noch strenger Winter war.<\/p>\n\n\n\n<p>Als nun der Heilige Abend gekommen war, fand sich der Satan p\u00fcnktlich am vereinbarten Treffpunkt ein. Bald kam auch Gottlieb, der die bl\u00fchenden Zweige mitgenommen hatte, sie aber noch unter seinem Mantel versteckt hielt. &#8222;Eile Dich&#8220;, begr\u00fc\u00dfte ihn h\u00f6hnisch der Teufel. &#8222;Deine Zeit ist abgelaufen. Nun geht es gemeinsam mit mir zur H\u00f6lle!&#8220; &#8222;Gemach, gemach&#8220;, entgegnete Gottlieb, und in seinen Augen blitzte es fr\u00f6hlich. &#8222;Ich m\u00f6chte noch gerne auf der Erde bleiben, es gef\u00e4llt mir hier viel zu gut.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Da zog der Satan aus seinem Gewande das blutunterzeichnete Pergament. &#8222;Beeile Dich, bald t\u00f6nen die ersten Weihnachtsglocken. Dann ist Deine Zeit endg\u00fcltig abgelaufen!&#8220; Da lie\u00df Gottlieb mit frohlockendem Lachen den Teufel die bl\u00fchenden Zweige sehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser stampfte voll Wut mit dem Pferdefu\u00df auf, dass feurige Funken aufstoben. Er besah sich die bl\u00fchenden Zweige von allen Seiten. Geifer floss aus seinem h\u00f6llischen Mund. Zornentbrannt wollte er nach Gottlieb greifen und seine Niederlage nicht eingestehen. Gottlieb verlor schon fast den Mut. Schon sp\u00fcrte er die krallige Faust in seinem Nacken, und in seinen Adern gefror das Blut.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch was war das? Horch! Ganz leise erklang die feine Stimme eines Gl\u00f6ckchens, und nach und nach stimmten alle Glocken in das T\u00f6nen und Singen ein. Bald erschallte das Ruhrtal vom m\u00e4chtigen Weihnachtsgel\u00e4ut. Da versiegte die Kraft des Teufels, und er verschwand in stinkendem Rauch. Zur\u00fcck blieb nur das Vertragspergament; es hing unversehrt an einem Strauche.<\/p>\n\n\n\n<p>Und so lebte Gottfried noch viele Jahre, in denen er noch manchen Becher Wein leeren konnte. Der Teufel lie\u00df ihn in Frieden. Doch allj\u00e4hrlich am Barbaratage stellte Gottlieb Kirschbaumzweige in einen Krug, die immer am Weihnachtstage Bl\u00fcten und Bl\u00e4tter trieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch heute \u00fcben Bergleute im Ruhrgebiet diesen sch\u00f6nen Brauch zu Ehren ihrer Patronin, der heiligen Barbara.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einst lebte ein Bergmann an der Ruhr mit Namen Gottlieb B\u00e4umer. Gottlieb war ein flei\u00dfiger Mann, der eifrig seine Stollen trieb und Tag f\u00fcr Tag viele S\u00e4cke mit Kohle ans Tageslicht brachte. Er war mit seinem Leben zufrieden und sooft er in die Kirche ging, betete er zu seinem Herrgott, den er liebte und von dem er wusste, dass er ihm sein Wohlergehen verdankte. Dies alles sah der Teufel mit schr\u00e4gem Blick. Gar zu gerne h\u00e4tte er Gottlieb B\u00e4umers Seele gehabt, doch es wollte ihm nicht gl\u00fccken. Voll Missmut und \u00c4rger trabte der Teufel durchs Ruhrland.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":4914,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[95,203],"tags":[],"class_list":["post-150","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-legende","category-ruhrgebiet"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/150","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=150"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/150\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4210,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/150\/revisions\/4210"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4914"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=150"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=150"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=150"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}