{"id":142,"date":"2015-10-06T11:09:53","date_gmt":"2015-10-06T09:09:53","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=142"},"modified":"2025-12-15T20:15:19","modified_gmt":"2025-12-15T19:15:19","slug":"aschenputtel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/aschenputtel\/","title":{"rendered":"Aschenputtel"},"content":{"rendered":"<p>Gebr. Grimm<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Einem reichen Manne wurde seine Frau krank, und als sie f\u00fchlte, dass ihr Ende herankam, rief sie ihr einziges T\u00f6chterlein zu sich ans Bett und sprach: &#8222;Liebes Kind, bleibe fromm und gut, so wird dir der liebe Gott immer beistehen, und ich will vom Himmel auf dich herabblicken und will um dich sein.&#8220; Darauf tat sie die Augen zu und verschied. Das M\u00e4dchen ging jeden Tag hinaus zu dem Grabe der Mutter und weinte und blieb fromm und gut. Als der Winter kam, deckte der Schnee ein wei\u00dfes T\u00fcchlein auf das Grab, und als die Sonne im Fr\u00fchjahr es wieder herabgezogen hatte, nahm sich der Mann eine andere Frau.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Die Frau hatte zwei T\u00f6chter mit ins Haus gebracht, die sch\u00f6n und voll von Angesicht waren, aber garstig und schwarz von Herzen. Da ging eine schlimme Zeit f\u00fcr das arme Stiefkind an. &#8222;Soll die dumme Gans bei uns in der Stube Sitzen?&#8220; sprachen sie; &#8222;wer Brot essen will, muss es verdienen; hinaus mit der K\u00fcchenmagd!&#8220; Sie nahmen ihm seine sch\u00f6nen Kleider weg, zogen ihm einen grauen, alten Kittel an und gaben ihm h\u00f6lzerne Schuhe. &#8222;Seht einmal die stolze Prinzessin, wie sie geputzt ist!.&#8220; riefen sie, lachten und f\u00fchrten es in die K\u00fcche. Da musste es von Morgen bis Abend schwere Arbeit tun, fr\u00fch vor Tag aufstehen, Wasser tragen, Feuer anmachen, kochen und waschen. Obendrein taten ihm die Schwestern alles ersinnliche Herzeleid an, verspotteten es und sch\u00fctteten ihm die Erbsen und Linsen in die Asche, so dass es sitzen und sie wieder auslesen musste. Abends, wenn es sich m\u00fcde gearbeitet hatte, kam es in kein Bett, sondern musste sich neben den Herd in die Asche legen. Und weil es darum immer staubig und schmutzig aussah, nannten sie es A s c h e n p u t t e l<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Es trug sich zu, dass der Vater einmal auf die Messe ziehen wollte, da fragte er die beiden Stieft\u00f6chter, was er ihnen mitbringen sollte. &#8222;Sch\u00f6ne Kleider&#8220;, sagte die eine; &#8222;Perlen und Edelsteine&#8220;, die zweite. &#8222;Aber du, Aschenputtel&#8220;, sprach er, &#8222;was willst du haben?&#8220; &#8211; &#8222;Vater, das erste Reis, das Euch auf Eurem Heimweg an den Hut st\u00f6\u00dft, das brecht f\u00fcr mich ab.&#8220; Er kaufte nun f\u00fcr die beiden Stiefschwestern sch\u00f6ne Kleider, Perlen und Edelsteine, und auf dem R\u00fcckweg, als er durch einen gr\u00fcnen Busch ritt, streifte ihn ein Haselreis und stie\u00df ihm den Hut ab. Da brach er das Reis ab und nahm es mit. Als er nach Hause kam, gab er den Stieft\u00f6chtern, was sie sich gew\u00fcnscht hatten, und dem Aschenputtel gab er das Reis von dem Haselbusch. Aschenputtel dankte ihm, ging zu seiner Mutter Grab und pflanzte das Reis darauf und weinte so sehr, dass die Tr\u00e4nen darauf niederfielen und es begossen. Es wuchs aber und ward ein sch\u00f6ner Baum. Aschenputtel ging alle Tage dreimal darunter, weinte und betete, und allemal kam ein wei\u00dfes V\u00f6glein auf den Baum, und wenn es einen Wunsch aussprach, so warf ihm das V\u00f6glein herab, was es sich gew\u00fcnscht hatte.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Es begab sich aber, dass der K\u00f6nig ein Fest anstellte, das drei Tage dauern sollte, und wozu alle sch\u00f6nen Jungfrauen im Lande eingeladen wurden, damit sich sein Sohn eine Braut aussuchen m\u00f6chte. Die zwei Stiefschwestern, als sie h\u00f6rten, dass sie auch dabei erscheinen sollten, waren guter Dinge, riefen Aschenputtel und sprachen: &#8222;K\u00e4mm&#8216; uns die Haare, b\u00fcrste uns die Schuhe und mache uns die Schnallen fest, wir gehen zur Hochzeit auf des K\u00f6nigs Schloss!&#8220; Aschenputtel gehorchte, weinte aber, weil es auch gern zum Tanz mitgegangen w\u00e4re, und bat die Stiefmutter, sie m\u00f6chte es ihm erlauben. &#8222;Du, Aschenputtel&#8220;, sprach sie, &#8222;bist voll Staub und Schmutz und willst zur Hochzeit? Du hast keine Kleider und Schuhe und willst tanzen?&#8220; Als es aber mit Bitten anhielt, sprach sie endlich:<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Da habe ich dir eine Sch\u00fcssel Linsen in die Asche gesch\u00fcttet, wenn du die Linsen in zwei Stunden wieder ausgelesen hast, so sollst du mitgehen.&#8220; Das M\u00e4dchen ging durch die Hintert\u00fcr nach dem Garten und rief: &#8222;Ihr zahmen T\u00e4ubchen&#8216; ihr Turtelt\u00e4ubchen&#8216; all ihr V\u00f6glein unter dem Himmel, kommt und helft mir lesen! <\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Die guten ins T\u00f6pfchen,<br \/>\nDie schlechten ins Kr\u00f6pfchen!&#8220; <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Da kamen zum K\u00fcchenfenster zwei wei\u00dfe T\u00e4ubchen herein, und danach die Turtelt\u00e4ubchen und endlich schwirrten und schw\u00e4rmten alle V\u00f6glein unter dem Himmel herein und lie\u00dfen sich um die Asche nieder. Und die T\u00e4ubchen nickten mit den K\u00f6pfchen und fingen an pik, pik, pik, pik, und da fingen die \u00fcbrigen auch an pik, pik, pik, pik und lasen alle guten K\u00f6mlein in die Sch\u00fcssel. Kaum war eine Stunde herum, so waren sie schon fertig und flogen alle wieder hinaus. Da brachte das M\u00e4dchen die Sch\u00fcssel der Stiefmutter, freute sich und glaubte, es d\u00fcrfte nun mit auf die Hochzeit gehen. Aber sie sprach: &#8222;Nein, Aschenputtel, du hast keine Kleider und kannst nicht tanzen; du wirst nur ausgelacht!&#8220; Als es nun weinte, sprach sie: &#8222;Wenn du mir zwei Sch\u00fcsseln voll Linsen in einer Stunde aus der Asche reinlesen kannst, so sollst du mitgehen&#8220;, und dachte: &#8222;Das kann es ja nimmermehr.&#8220; Als sie die zwei Sch\u00fcsseln Linsen in die Asche gesch\u00fcttet hatte, ging das M\u00e4dchen durch die Hintert\u00fcr nach dem Garten und rief: &#8222;Ihr zahmen T\u00e4ubchen, ihr Turtelt\u00e4ubchen, all ihr V\u00f6glein unter dem Himmel, kommt und helft mir lesen! <\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Die guten ins T\u00f6pfchen&#8216;<br \/>\nDie schlechten ins Kr\u00f6pfchen!&#8220; <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Da kamen zum K\u00fcchenfenster zwei wei\u00dfe T\u00e4ubchen herein und danach die Turtelt\u00e4ubchen, und endlich schwirrten und schw\u00e4rmten alle V\u00f6gel unter dem Himmel herein und lie\u00dfen sich um die Asche nieder. Und die T\u00e4ubchen nickten mit ihren K\u00f6pfchen und fingen an pik, pik, pik, pik, und da fingen die \u00fcbrigen auch an pik, pik, pik, pik und lasen alle guten K\u00f6rner in die Sch\u00fcsseln. Und ehe eine halbe Stunde herum war, waren sie schon fertig und flogen alle wieder hinaus. Da trug das M\u00e4dchen die Sch\u00fcsseln zu der Stiefmutter, freute sich und glaubte, nun d\u00fcrfte es mit auf die Hochzeit gehen. Aber diese sprach: &#8222;Es hilft dir alles nichts; du kommst nicht mit, denn du hast keine Kleider und kannst nicht tanzen; wir m\u00fcssten uns deiner sch\u00e4men.&#8220; Darauf kehrte sie ihm den R\u00fccken zu und eilte mit ihren zwei stolzen T\u00f6chtern fort.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Als nun niemand mehr daheim war, ging Aschenputtel zu seiner Mutter Grab unter dem Haselbaum und rief: <\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;B\u00e4umchen, r\u00fcttel&#8216; dich und sch\u00fcttel&#8216; dich,<br \/>\nWirf Gold und Silber \u00fcber mich!&#8220; <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Da warf ihm der Vogel ein golden und silbern Kleid herunter und mit Silber und Seide ausgestickte Pantoffeln. In aller Eile zog es das Kleid an und ging zur Hochzeit. Seine Schwestern aber und die Stiefmutter kannten es nicht und meinten, es m\u00fcsse eine fremde K\u00f6nigstochter sein, so sch\u00f6n sah es in dem goldenen Kleide aus. An Aschenputtel dachten sie gar nicht und dachten, es s\u00e4\u00dfe daheim im Schmutz und suchte die Linsen aus der Asche. Der K\u00f6nigssohn kam ihm entgegen, nahm es bei der Hand und tanzte mit ihm. Er wollte auch sonst mit niemand tanzen, also dass er ihm die Hand nicht loslie\u00df, und wenn ein anderer kam, es aufzufordern, sprach er: &#8222;Das ist meine T\u00e4nzerin.&#8220; Es tanzte, bis es Abend war, da wollte es nach Hause gehen. Der K\u00f6nigssohn aber sprach: &#8222;Ich gehe mit und begleite dich&#8220;, denn er wollte sehen, wem das sch\u00f6ne M\u00e4dchen angeh\u00f6rte. Es entwischte ihm aber und sprang in das Taubenhaus. Nun wartete der K\u00f6nigssohn, bis der Vater kam, und sagte ihm, das fremde M\u00e4dchen w\u00e4re in das Taubenhaus gesprungen. Der Alte dachte:&#8220; Sollte es Aschenputtel sein?&#8220; Und sie mussten ihm Axt und Hacken bringen, damit er das Taubenhaus entzweischlagen konnte; aber es war niemand darin. Und als sie ins Haus kamen, lag Aschenputtel in seinen schmutzigen Kleidern in der Asche, und ein tr\u00fcbes \u00d6ll\u00e4mpchen brannte im Schornstein; denn Aschenputtel war geschwind aus dem Taubenhaus hinten herabgesprungen und war zu dem Haselb\u00e4umchen gelaufen; da hatte es die sch\u00f6nen Kleider abgezogen und aufs Grab gelegt&#8216; und der Vogel hatte sie wieder weggenommen, und dann hatte es sich in seinem grauen Kittelchen in die K\u00fcche zur Asche gesetzt. Am andern Tag, als das Fest von neuem anhob und die Eltern und Stiefschwestern wieder fort waren, ging Aschenputtel zu dem Haselbaum und sprach:<\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;B\u00e4umchen, r\u00fcttel&#8216; dich und sch\u00fcttel&#8216; dich,<br \/>\nWirf Gold und Silber \u00fcber mich!&#8220; <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Da warf der ,Vogel ein noch viel stolzeres Kleid herab als am vorigen Tag. Und als es mit diesem Kleide auf der Hochzeit erschien, erstaunte jedermann \u00fcber seine Sch\u00f6nheit. Der K\u00f6nigssohn aber hatte gewartet, bis es kam, nahm es gleich bei der Hand und tanzte nur allein mit ihm. Wenn die andern kamen und es aufforderten, sprach er: &#8222;Das ist meine T\u00e4nzerin.&#8220; Als es nun Abend war, wollte es fort, und der K\u00f6nigssohn ging ihm nach und wollte sehen, in welches Maus es ginge; aber es sprang ihm fort und in den Garten hinter dem Hause. Darin stand ein sch\u00f6ner gro\u00dfer Baum, an dem die herrlichsten Birnen hingen; es kletterte so behend wie ein Eichh\u00f6rnchen zwischen die \u00c4ste, und der K\u00f6nigssohn wusste nicht, wo es hingekommen war. Er wartete aber, bis der Vater kam, und sprach zu ihm: &#8222;Das fremde M\u00e4dchen ist mir entwischt, und ich glaube, es ist auf den Bimbaum gesprungen.&#8220; Der Vater dachte: &#8222;Sollte es Aschenputtel sein?&#8220; lie\u00df sich die Axt holen und hieb den Baum um, aber es war niemand darauf. Und als sie in die K\u00fcche kamen, lag Aschenputtel da in der Asche, wie sonst auch, denn es war auf der andern Seite vom Baum herabgesprungen, hatte dem Vogel auf dem Haselb\u00e4umehen die sch\u00f6nen Kleider zur\u00fcckgebracht und sein graues Kittelchen wieder angezogen. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Am dritten Tag, als die Eltern und Schwestern fort waren, ging Aschenputtel wieder zu seiner Mutter Grab und sprach zu dem B\u00e4umchen:<\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;B\u00e4umchen, r\u00fcttel&#8216; dich und sch\u00fcttel&#8216; dich,<br \/>\nWirf Gold und Silber \u00fcber mich!&#8220; <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Nun warf ihm der Vogel ein Kleid herab, das war so pr\u00e4chtig und gl\u00e4nzend, wie es noch keins gehabt hatte, und die Pantoffeln waren ganz golden. Als es in dem Kleide zu der Hochzeit kam, wussten sie alle nicht, was sie vor Verwunderung sagen sollten. Der K\u00f6nigssohn tanzte ganz allein mit ihm, und wenn es einer aufforderte, sprach er: &#8222;Das ist meine T\u00e4nzerin.&#8220;<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Als es nun Abend war, wollte Aschenputtel fort, und der K\u00f6nigssohn wollte es begleiten, aber es entsprang ihm so geschwind, dass er nicht folgen konnte. Der K\u00f6nigssohn hatte aber eine List gebraucht und die ganze Treppe mit Pech bestrichen lassen; da war, als es hinabsprang, der linke Pantoffel des M\u00e4dchens h\u00e4ngen geblieben. Der K\u00f6nigssohn hob ihn auf, und er war klein und zierlich und ganz golden. Am n\u00e4chsten Morgen ging er damit zu dem Manne und sagte zu ihm: &#8222;Keine andere soll meine Gemahlin werden als die, an deren Fu\u00df dieser goldene Schuh passt.&#8220; Da freuten sich die beiden Schwestern, den sie hatten sch\u00f6ne F\u00fc\u00dfe. Die \u00e4lteste ging mit dem Schuh in die Kammer und wollte ihn anprobieren, und die Mutter stand dabei. Aber sie konnte mit der gro\u00dfen Zehe nicht hineinkommen, und der Schuh war ihr zu klein; da reichte ihr die Mutter ein Messer und sprach: &#8222;Hau die Zehe ab! Wenn du K\u00f6nigin bist, so brauchst du nicht mehr zu Fu\u00df zu gehen.&#8220; Das M\u00e4dchen hieb die Zehe ab, zw\u00e4ngte den Fu\u00df in den Schuh, verbi\u00df den Schmerz und ging hinaus zum K\u00f6nigssohn. Da nahm er sie als seine Braut aufs Pferd und ritt mit ihr fort. Sie mussten aber an dem Grabe vorbei, da sa\u00dfen die zwei T\u00e4ubchen auf dem Haselb\u00e4umchen und riefen:<\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Rucke di guck, rucke di guck, Blut ist im Schuck (Schuh):<br \/>\nDer Schuck ist zu klein, Die rechte Braut sitzt noch daheim.&#8220;<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Da blickte er auf ihren Fu\u00df und sah, wie das Blut herausquoll. Er wendete sein Pferd um, brachte die falsche Braut wieder nach Hause und sagte, das w\u00e4re nicht die rechte, die andere Schwester solle den Schuh anziehen. Da ging diese in die Kammer und kam mit den Zehen gl\u00fccklich in den Schuh, aber die Ferse war zu gro\u00df. Da reichte ihr die Mutter ein Messer und sprach: &#8222;Mau ein St\u00fcck von der Ferse ab! Wenn du K\u00f6nigin bist, brauchst du nicht mehr zu Fu\u00df gehen.&#8220; Das M\u00e4dchen hieb ein St\u00fcck von der Ferse ab, zw\u00e4ngte den Fu\u00df in den ,Schuh, verbi\u00df den Schmerz und ging hinaus zum K\u00f6nigssohn. Da nahm er sie als seine Braut aufs Pferd und ritt mit ihr fort. Als sie an dem Haselb\u00e4umchen vorbeikamen, sa\u00dfen die beiden T\u00e4ubchen darauf und riefen:<\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Rucke di guck, rucke di guck, Blut ist im Schock (Schuh):<br \/>\nDer Schuck ist zu klein, Die rechte Braut sitzt noch daheim.&#8220;<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Er blickte nieder auf ihren Fu\u00df und sah, wie das Blut aus dem Schuh quoll und an den wei\u00dfen Str\u00fcmpfen ganz rot heraufgestiegen war. Da wendete er sein Pferd und brachte die falsche Braut wieder nach Hause. &#8222;Das ist auch nicht die rechte&#8220;, sprach er, &#8222;habt Ihr keine andere Tochter?&#8220; &#8222;Nein&#8220;, sagte der Mann&#8216; &#8222;nur von meiner verstorbenen Frau ist noch ein Meines, garstiges Aschenputtel da; das kann unm\u00f6glich die Braut sein.&#8220; Der K\u00f6nigssohn sprach, er sollte es heraufschicken; die Mutter aber antwortete: &#8222;Ach nein, das ist viel zu schmutzig, das darf sich nicht sehen lassen.&#8220; Er wollte es aber durchaus haben, und Aschenputtel musste gerufen werden. Da wusch es sich erst H\u00e4nde und Angesicht rein, ging dann hin und neigte sich vor dem K\u00f6nigssohn, der ihm den goldenen Schuh reichte. Dann setzte es sich auf einen Schemel, zog den Fu\u00df aus dem schweren Holzschuh und steckte ihn in den Pantoffel, der war wie angegossen. Und als es sich in die H\u00f6he richtete, und der K\u00f6nigssohn ihm ins Gesicht sah, so erkannte er das sch\u00f6ne M\u00e4dchen, das mit ihm getanzt hatte, und rief: &#8222;Das ist die rechte Braut!&#8220; Die Stiefmutter und die beiden Schwestern erschraken und wurden bleich, aber der Prinz f\u00fchrte Aschenputtel fort und hob es in den Wagen. Und als sie durchs Tor fuhren, da riefen die Tauben:<\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Rucke di guck, rocke di guck, Kein Blut im Schock:<br \/>\nDer Schock ist nicht zu klein, Die rechte Braut, die f\u00fchrt er heim.&#8220; <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gebr. Grimm<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[87,85],"tags":[],"class_list":["post-142","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gebr-grimm","category-maerchen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/142","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=142"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/142\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":783,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/142\/revisions\/783"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=142"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=142"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=142"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}