{"id":1372,"date":"2021-07-20T02:04:52","date_gmt":"2021-07-20T00:04:52","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=1372"},"modified":"2026-01-11T01:57:12","modified_gmt":"2026-01-11T00:57:12","slug":"die-drei-sprachen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-drei-sprachen\/","title":{"rendered":"Die drei Sprachen"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Gebr. Grimm<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In der Schweiz lebte einmal ein alter Graf, und hatte nur einen einzigen Sohn, aber der war dumm und konnte nichts lernen. Da sprach der Vater: \u201eh\u00f6r mein Sohn, ich bringe nichts in deinen Kopf, ich mag es anfangen, wie ich will, du sollst mir fort, damit ber\u00fchmte Meister es mit dir versuchen.\u201c Nun ward der Junge in eine fremde Stadt geschickt, und blieb bei den Meistern ein ganzes Jahr. Nach Verlauf desselben kam er wieder heim, da fragte ihn der Vater: \u201enun, was hast du gelernt?\u201c Der Sohn antwortete: \u201eVater, ich habe gelernt, was die Hunde bellen.\u201c \u201eDas Gott erbarm! sprach der Vater, das ist alles, was du gelernt hast! nun sollst du in eine andere Stadt, zu andern Meistern.\u201c Der Junge ward hingebracht und blieb wieder ein ganzes Jahr; als er darnach zur\u00fcck kam, sprach der Vater: \u201enun, was hast du gelernt?\u201c Der Sohn antwortete: \u201eVater, ich habe gelernt, was die V\u00f6gli sprechen.\u201c Da ward der Vater zornig und rief: \u201eo du verlorener Mensch! hast die kostbare Zeit wieder zugebracht und nichts gelernt, und sch\u00e4mst dich nicht mir vor die Augen zu kommen? nun schick ich dich zum drittenmal zu andern Meistern, aber lernst du diesmal nichts, so will ich dein Vater nicht mehr seyn.\u201c Da ward der Sohn wieder in eine andere Stadt zu den Meistern gebracht und blieb das ganze Jahr da; als er nach Haus kam, fragte der Vater: \u201enun, was hast du gelernt?\u201c \u201eLieber Vater, antwortete er, ich habe dieses Jahr gelernt, was die Fr\u00f6sche quacken.\u201c Da ward der Vater ganz zornig, sprang auf, rief seine Leute und sagte: \u201edieser Mensch ist mein Sohn nicht mehr, ich sto\u00dfe ihn von mir und gebiet euch, ihn hinaus in den Wald zu f\u00fchren und zu t\u00f6ten.\u201c Sie nahmen ihn und f\u00fchrten ihn hinaus, aber als sie ihn t\u00f6ten sollten, konnten sie nicht vor Mitleiden und lie\u00dfen ihn gehen, und schnitten einem Reh Augen und Zunge aus, damit sie dem Alten die Wahrzeichen bringen konnten.<br>Der J\u00fcngling wanderte fort und kam nach einiger Zeit zu einer Burg, da bat er um Nachtherberge. \u201eJa, sagte der Burgherr, wenn du da unten in dem alten Turm \u00fcbernachten willst, so geh hin, aber er ist lebensgef\u00e4hrlich, denn er ist voll wilder Hunde, die bellen und heulen in einem fort und m\u00fcssen zu gewissen Stunden einen Menschen ausgeliefert haben, den sie gleich verzehren.\u201c Dar\u00fcber war aber die ganze Gegend umher in Trauer und Leid, und konnte doch niemand helfen. Der J\u00fcngling sprach: \u201elasst mich nur hinab zu den bellenden Hunden, und gebt mir etwas, das ich ihnen vorwerfen kann, mir sollen sie nichts tun.\u201c Weil er es nun selber nicht anders wollte, so gaben sie ihm etwas Essen f\u00fcr die wilden Tiere und f\u00fchrten ihn hinab zu dem Turm. Und als er hineintrat, wedelten die Hunde freundlich um ihn herum und kr\u00fcmmten ihm kein H\u00e4rchen, sondern a\u00dfen, was er ihnen hinsetzte. Am andern Morgen kam er zu jedermanns Erstaunen gesund und unversehrt wieder heraus, und sagte zum Burgherrn. \u201eDie Hunde haben mir in ihrer Sprache offenbart, warum sie da hausen und dem Lande schaden: sie sind verw\u00fcnscht, so lang einen gro\u00dfen Schatz im Turme zu h\u00fcten, bis dieser gehoben ist, dann kommen sie zur Ruhe. Ich habe auch aus ihren Reden vernommen, auf was Art und Weise dies geschehen muss.\u201c Bei diesen Worten war allgemeine Freude und der Burgherr sprach: \u201ewenn du mir den Schatz gl\u00fccklich hebst, so soll meine Tochter deine Braut seyn.\u201c Da unternahm es der J\u00fcngling und hob den gro\u00dfen Schatz, worauf die wilden Hunde verschwanden. Nun ward ihm die sch\u00f6ne Jungfrau angetraut und sie lebten vergn\u00fcgt zusammen.<br>\u00dcber eine Zeit setzte er sich mit ihr in einen Wagen und wollte nach Rom fahren; auf dem Weg kamen sie an einem Sumpf vorbei, in welchem Fr\u00f6sche sa\u00dfen und quackten. Der junge Graf verstand was sie sprachen und war ganz nachdenklich und traurig, sagte aber die Ursache seiner Frau nicht. Endlich gelangten sie in Rom an, da war gerade der Pabst gestorben und unter den Kardin\u00e4len gro\u00dfer Zweifel, wen sie zum Nachfolger bestimmen sollten. Sie wurden zuletzt einig, derjenige, an dem sich ein g\u00f6ttliches Wunderzeichen offenbaren w\u00fcrde, sollte zum Pabst erw\u00e4hlt werden. Und als sie das eben beschlossen, in demselben Augenblick trat der junge Graf in die Kirche und pl\u00f6tzlich flogen zwei schneewei\u00dfe Tauben auf jede seiner Schultern und blieben da sitzen. Wie das die Geistlichkeit sah, erkannte sie das Zeichen Gottes und frug ihn auf der Stelle, ob er ihr Pabst werden wolle? er war unschl\u00fcssig und wusste nicht, ob er dessen w\u00fcrdig sey, aber die Tauben redeten ihm zu, dass er es tun m\u00f6gte und er antwortete: ja! Da wurde er gesalbt und geweiht und so war eingetroffen, was ihm die Fr\u00f6sche unterwegs gesagt hatten, und wor\u00fcber er so best\u00fcrzt geworden, dass er der heilige Pabst werden sollte. Darauf musste er eine Messe singen und wusste kein Wort davon, aber die zwei Tauben sa\u00dfen ihm stets auf den Schultern und redeten ihm jedes Wort in das Ohr, das er zu sagen hatte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gebr. Grimm In der Schweiz lebte einmal ein alter Graf, und hatte nur einen einzigen Sohn, aber der war dumm und konnte nichts lernen. 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