{"id":1349,"date":"2021-05-12T00:47:48","date_gmt":"2021-05-11T22:47:48","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=1349"},"modified":"2026-01-11T01:58:34","modified_gmt":"2026-01-11T00:58:34","slug":"die-weisse-und-die-schwarze-braut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-weisse-und-die-schwarze-braut\/","title":{"rendered":"Die wei\u00dfe und die schwarze Braut"},"content":{"rendered":"\n<p>Eine Frau ging mit ihrer Tochter und Stieftochter \u00fcber Feld, Futter zu schneiden. Da kam der liebe Gott als ein armer Mann zu ihnen gegangen und fragte &#8218;wo f\u00fchrt der Weg ins Dorf?&#8216; &#8218;Wenn Ihr ihn wissen wollt,&#8216; sprach die Mutter, &#8217;so sucht ihn selber,&#8216; und die Tochter setzte hinzu &#8218;habt Ihr Sorge, dass Ihr ihn nicht findet, so nehmt Euch einen Wegweiser mit.&#8216; Die Stieftochter aber sprach &#8218;armer Mann, ich will dich f\u00fchren, komm mit mir.&#8216; Da z\u00fcrnte der liebe Gott \u00fcber die Mutter und Tochter, wendete ihnen den R\u00fccken zu und verw\u00fcnschte sie, dass sie sollten schwarz werden wie die Nacht und h\u00e4sslich wie die S\u00fcnde. Der armen Stieftochter aber war Gott gn\u00e4dig und ging mit ihr, und als sie nahe am Dorf waren, sprach er einen Segen \u00fcber sie und sagte &#8218;w\u00e4hle dir drei Sachen aus, die will ich dir gew\u00e4hren.&#8216; Da sprach das M\u00e4dchen &#8218;ich m\u00f6chte gern so sch\u00f6n und rein werden wie die Sonne;&#8216; alsbald war sie wei\u00df und sch\u00f6n wie der Tag. &#8218;Dann m\u00f6chte ich einen Geldbeutel haben, der nie leer w\u00fcrde;&#8216; den gab ihr der liebe Gott auch, sprach aber &#8218;vergiss das Beste nicht.&#8216; Sagte sie &#8218;ich w\u00fcnsche mir zum dritten das ewige Himmelreich nach meinem Tode.&#8216; Das ward ihr auch gew\u00e4hrt, und also schied der liebe Gott von ihr.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Die sch\u00f6nsten M\u00e4rchen der Br\u00fcder Grimm | langes H\u00f6rbuch zum Einschlafen (&quot;Farbenedition&quot;)\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/aVstDdt4mzM?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>Als die Stiefmutter mit ihrer Tochter nach Hause kam und sah, dass sie beide kohlschwarz und h\u00e4sslich waren, die Stieftochter aber wei\u00df und sch\u00f6n, so stieg die Bosheit in ihrem Herzen noch h\u00f6her, und sie hatte nichts anders im Sinn, als wie sie ihr ein Leid antun k\u00f6nnte. Die Stieftochter aber hatte einen Bruder namens Reginer, den liebte sie sehr und erz\u00e4hlte ihm alles, was geschehen war. Nun sprach Reginer einmal zu ihr &#8218;liebe Schwester, ich will dich abmalen, damit ich dich best\u00e4ndig vor Augen sehe, denn meine Liebe zu dir ist so gro\u00df, dass ich dich immer anblicken m\u00f6chte.&#8216; Da antwortete sie &#8218;aber ich bitte dich, lass niemand das Bild sehen.&#8216; Er malte nun seine Schwester ab und hing das Bild in seiner Stube auf; er wohnte aber in des K\u00f6nigs Schloss, weil er bei ihm Kutscher war. Alle Tage ging er davor stehen und dankte Gott f\u00fcr das Gl\u00fcck seiner lieben Schwester. Nun war aber gerade dem K\u00f6nig, bei dem er diente, seine Gemahlin verstorben, die so sch\u00f6n gewesen war, dass man keine finden konnte, die ihr gliche, und der K\u00f6nig war dar\u00fcber in tiefer Trauer. Die Hofdiener bemerkten aber, dass der Kutscher t\u00e4glich vor dem sch\u00f6nen Bilde stand, missg\u00f6nntens ihm und meldeten es dem K\u00f6nig. Da lie\u00df dieser das Bild vor sich bringen, und als er sah, dass es in allem seiner verstorbenen Frau glich, nur noch sch\u00f6ner war, so verliebte er sich sterblich hinein. Er lie\u00df den Kutscher vor sich kommen und fragte, wen das Bild vorstellte. Der Kutscher sagte, es w\u00e4re seine Schwester, so entschloss sich der K\u00f6nig, keine andere als diese zur Gemahlin zu nehmen, gab ihm Wagen und Pferde und pr\u00e4chtige Goldkleider und schickte ihn fort, seine erw\u00e4hlte Braut abzuholen. Wie Reginer mit der Botschaft ankam, freute sich seine Schwester, allein die Schwarze war eifers\u00fcchtig \u00fcber das Gl\u00fcck, \u00e4rgerte sich \u00fcber alle Ma\u00dfen und sprach h zu ihrer Mutter &#8218;was helfen nun all Eure K\u00fcnste, da Ihr mir ein solches Gl\u00fcck doch nicht verschaffen k\u00f6nnt.&#8216; &#8218;Sei still,&#8216; sagte die Alte, &#8218;ich will dirs schon zuwenden.&#8216; Und durch ihre Hexenk\u00fcnste tr\u00fcbte sie dem Kutscher die Augen, dass er halb blind war, und der Wei\u00dfen verstopfte sie die Ohren, dass sie halb taub war. Darauf stiegen sie in den Wagen, erst die Braut in den herrlichen k\u00f6niglichen Kleidern, dann die Stiefmutter mit ihrer Tochter, und Reginer sa\u00df auf dem Bock, um zu fahren. Wie sie eine Weile unterwegs waren, rief der Kutscher<\/p>\n\n\n\n<p>&#8218;deck dich zu, mein Schwesterlein,<br>dass Regen dich nicht n\u00e4sst,<br>dass Wind dich nicht best\u00e4ubt,<br>dass du fein sch\u00f6n zum K\u00f6nig kommst.&#8216;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Braut fragte &#8218;was sagt mein lieber Bruder?&#8216; &#8218;Ach,&#8216; sprach die Alte, &#8218;er hat gesagt, du solltest dein g\u00fclden Kleid ausziehen und es deiner Schwester geben.&#8216; Da zog sie&#8217;s aus und tat&#8217;s der Schwarzen an, die gab ihr daf\u00fcr einen schlechten grauen Kittel. So fuhren sie weiter: \u00fcber ein Weilchen rief der Bruder abermals<\/p>\n\n\n\n<p>&#8218;deck dich zu, mein Schwesterlein&#8216;<br>dass Regen dich nicht n\u00e4sst,<br>dass Wind dich nicht best\u00e4ubt,<br>und du fein sch\u00f6n zum K\u00f6nig kommst.&#8216;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Braut fragte &#8218;was sagt mein lieber Bruder?&#8216; &#8218;Ach,&#8216; sprach die Alte, &#8218;er hat gesagt, du solltest deine g\u00fcldene Haube abtun und deiner Schwester geben.&#8216; Da tat sie die Haube ab und tat sie der Schwarzen auf und sa\u00df im blo\u00dfen Haar. So fuhren sie weiter: wiederum \u00fcber eine Weile rief der Bruder<\/p>\n\n\n\n<p>&#8218;deck dich zu, mein Schwesterlein,<br>dass Regen dich nicht n\u00e4sst<br>dass Wind dich nicht best\u00e4ubt,<br>und du fein sch\u00f6n zum K\u00f6nig kommst.&#8216;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Braut fragte &#8218;was sagt mein lieber Bruder?&#8216; &#8218;Ach,&#8216; sprach die Alte, &#8218;er hat gesagt, du m\u00f6chtest einmal aus dem Wagen sehen.&#8216; Sie fuhren aber gerade auf einer Br\u00fccke \u00fcber ein tiefes Wasser. Wie nun die Braut aufstand und aus dem Wagen sich herausb\u00fcckte, da stie\u00dfen sie die beiden hinaus, dass sie mitten ins Wasser st\u00fcrzte. Als sie versunken war, in demselben Augenblick stieg eine schneewei\u00dfe Ente aus dem Wasserspiegel hervor und schwamm den Fluss hinab. Der Bruder hatte gar nichts davon gemerkt und fuhr den Wagen weiter, bis sie an den Hof kamen. Da brachte er dem K\u00f6nig die Schwarze als seine Schwester und meinte, sie w\u00e4r&#8217;s wirklich, weil es ihm tr\u00fcbe vor den Augen war und doch die Goldkleider schimmern sah. Der K\u00f6nig, wie er die grundlose H\u00e4sslichkeit an seiner vermeinten Braut erblickte, ward sehr b\u00f6s und befahl, den Kutscher in eine Grube zu werfen, die voll Ottern und Schlangengez\u00fccht war. Die alte Hexe aber wusste den K\u00f6nig doch so zu bestricken und durch ihre K\u00fcnste ihm die Augen zu verblenden, dass er sie und ihre Tochter behielt, ja dass sie ihm ganz leidlich vorkam und er sich wirklich mit ihr verheiratete.<\/p>\n\n\n\n<p>Einmal abends, w\u00e4hrend die schwarze Braut dem K\u00f6nig auf dem Scho\u00dfe sa\u00df, kam eine wei\u00dfe Ente zum Gossenstein in die K\u00fcche geschwommen und sagte zum K\u00fcchenjungen<\/p>\n\n\n\n<p>&#8218;J\u00fcngelchen, mach Feuer an&#8216;<br>dass ich meine Federn w\u00e4rmen kann.&#8216;<\/p>\n\n\n\n<p>Das tat der K\u00fcchenjunge und machte ihr ein Feuer auf dem Herd: da kam die Ente und setzte sich daneben, sch\u00fcttelte sich und strich sich die Federn mit dem Schnabel zurecht. W\u00e4hrend sie so sa\u00df und sich wohltat, fragte sie<\/p>\n\n\n\n<p>&#8218;was macht mein Bruder Reginer?&#8216;<br>Der K\u00fcchenjunge antwortete<\/p>\n\n\n\n<p>&#8218;liegt in der Grube gefangen<br>bei Ottern und bei Schlangen.&#8216;<\/p>\n\n\n\n<p>Fragte sie weiter<\/p>\n\n\n\n<p>&#8218;was macht die schwarze Hexe im Haus?&#8216;<br>Der K\u00fcchenjunge antwortete<\/p>\n\n\n\n<p>&#8218;die sitzt warm<br>ins K\u00f6nigs Arm.&#8216;<\/p>\n\n\n\n<p>Sagte die Ente<br>&#8218;dass Gott erbarm!&#8216;<\/p>\n\n\n\n<p>und schwamm den Gossenstein hinaus.<\/p>\n\n\n\n<p>Den folgenden Abend kam sie wieder und tat dieselben Fragen und den dritten Abend noch einmal. Da konnte es der K\u00fcchenjunge nicht l\u00e4nger \u00fcbers Herz bringen, ging zu dem K\u00f6nig und entdeckte ihm alles. Der K\u00f6nig aber wollte es salbst sehen, ging den andern Abend hin, und wie die Ente den Kopf durch den Gossenstein hereinstreckte, nahm er sein Schwert und hieb ihr den Hals durch, da ward sie auf einmal zum sch\u00f6nsten M\u00e4dchen, und glich genau dem Bild, das der Bruder von ihr gemacht hatte. Der K\u00f6nig war voll Freuden; und weil sie ganz nass dastand, lie\u00df er k\u00f6stliche Kleider bringen und lie\u00df sie damit bekleiden. Dann erz\u00e4hlte sie ihm, wie sie durch List und Falschheit w\u00e4re betrogen und zuletzt in den Fluss hinabgeworfen worden; und ihre erste Bitte war, dass ihr Bruder aus der Schlangenh\u00f6hle herausgeholt w\u00fcrde. Und als der K\u00f6nig diese Bitte erf\u00fcllt hatte, ging er in die Kammer, wo die alte Hexe sa\u00df, und fragte &#8218;was verdient die, welche das und das tut?&#8216; und erz\u00e4hlte, was geschehen war. Da war sie so verblendet, dass sie nichts merkte und sprach &#8218;die verdient, dass man sie nackt auszieht und in ein Fa\u00df mit N\u00e4geln legt, und dass man vor das Fa\u00df ein Pferd spannt und das Pferd in alle Welt schickt.&#8216; Das geschah alles an ihr und ihrer schwarzen Tochter. Der K\u00f6nig aber heiratete die wei\u00dfe und sch\u00f6ne Braut und belohnte den treuen Bruder, indem er ihn zu einem reichen und angesehenen Mann machte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Frau ging mit ihrer Tochter und Stieftochter \u00fcber Feld, Futter zu schneiden. 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