{"id":1311,"date":"2021-04-13T23:38:04","date_gmt":"2021-04-13T21:38:04","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=1311"},"modified":"2026-01-24T23:03:15","modified_gmt":"2026-01-24T22:03:15","slug":"die-zwei-brueder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-zwei-brueder\/","title":{"rendered":"Die zwei Br\u00fcder"},"content":{"rendered":"\n<p><br>Gebr. Grimm<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Es waren einmal zwei Br\u00fcder, ein reicher und ein armer. Der reiche war ein Goldschmied und b\u00f6s von Herzen; der arme n\u00e4hrte sich davon, dass er Besen band, und war gut und redlich. Der arme hatte zwei Kinder, das waren Zwillingsbr\u00fcder und sich so \u00e4hnlich wie ein Tropfen Wasser dem andern. Die zwei Knaben gingen in des reichen Haus ab und zu und erhielten von dem Abfall manchmal etwas zu essen. Es trug sich zu, dass der arme Mann. als er in den Wald ging, Reisig zu holen, einen Vogel sah, der ganz golden war und so sch\u00f6n, wie ihm noch niemals einer vor Augen gekommen war. Da hob er ein Steinchen auf, warf nach ihm und traf ihn auch gl\u00fccklich; es fiel aber nur eine goldene Feder herab, und der Vogel flog fort. Der Mann nahm die Feder und brachte sie seinem Bruder, der sah sie an und sprach: &#8222;Es ist eitel Gold!&#8220; und gab ihm viel Geld daf\u00fcr. Am andern Tag stieg der Mann auf einen Birkenbaum und wollte ein paar \u00c4ste abhauen; da flog derselbe Vogel heraus, und als der Mann nachsuchte, fand er ein Nest, und ein Ei lag darin, das war von Gold. Er nahm das Ei mit heim und brachte es seinem Bruder, der sprach wiederum: &#8222;Es ist eitel Gold!&#8220; und gab ihm, was es wert war. Zuletzt sagte der Goldschmied: &#8222;Den Vogel selber m\u00f6cht&#8216; ich wohl haben.&#8220; Der Arme ging zum drittenmal in den Wald und sah den Goldvogel wieder auf dem Baume sitzen; da nahm er einen Stein, warf ihn herunter und brachte ihn seinem Bruder, der gab ihm einen gro\u00dfen Haufen Gold daf\u00fcr. &#8222;Nun kann ich mir forthelfen&#8220;, dachte er und ging zufrieden nach Hause.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Br\u00fcder Grimm: die zwei Br\u00fcder (langes M\u00e4rchen H\u00f6rbuch zum Einschlafen f\u00fcr Jung und Alt | deutsch)\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/GV2UeN9eacg?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>Der Goldschmied war klug und listig und wusste wohl, was das f\u00fcr ein Vogel war. Er rief seine Frau und sprach: &#8222;Brat&#8216; mir den Goldvogel und sorge, dass nichts davon wegkommt; ich habe Lust, ihn ganz allein zu essen.&#8220; Der Vogel war aber kein gew\u00f6hnlicher sondern so wunderbarer Art, dass wer Herz und Leber von ihm a\u00df, jeden Morgen ein Goldst\u00fcck unter seinem Kopfkissen fand. Die Frau machte den Vogel zurecht, steckte ihn an einen Spie\u00df und lie\u00df ihn braten. Nun geschah es, dass, w\u00e4hrend er am Feuer stand und die Frau anderer Arbeiten wegen notwendig aus der K\u00fcche gehen musste, die zwei Kinder des armen Besenbinders hereinliefen, sich vor den Spie\u00df stellten und ihn ein paar Mal herumdrehten. Und als da gerade zwei St\u00fccklein aus dem Vogel in die Pfanne herabfielen, sprach der eine: &#8222;Die paar Bisslein wollen wir essen, ich bin so hungrig; es wird&#8217;s ja niemand daran merken.&#8220; Da a\u00dfen sie beide die St\u00fcckchen auf; die Frau kam aber dazu, sah, dass sie etwas a\u00dfen, und sprach:&#8220; Was habt ihr gegessen?&#8220; &#8211; &#8222;Ein paar St\u00fcckchen, die aus dem Vogel herausgefallen sind&#8220;, antworteten sie. &#8222;Das ist Herz und Leber gewesen&#8220; sprach die Frau ganz erschrocken, und damit ihr Mann nichts vermisste und nicht b\u00f6se ward, schlachtete sie geschwind ein H\u00e4hnchen, nahm Herz und Leber heraus und legte es zu dem Goldvogel. Als er gar war, trug sie ihn dem Goldschmied auf, der ihn ganz allein verzehrte und nichts \u00fcbrig lie\u00df. Am andern Morgen aber, als er unter sein Kopfkissen griff und das Goldst\u00fcck hervorzuholen dachte, war so wenig wie sonst eins zu finden.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Die beiden Kinder aber wussten nicht, was ihnen f\u00fcr ein Gl\u00fcck zuteil geworden war. Am andern Morgen, wie sie aufstanden, fiel etwas auf die Erde und klingelte, und als sie es aufhoben, da waren&#8217;s zwei Goldst\u00fccke. Sie brachten sie ihrem Vater, der wunderte sich und sprach: &#8222;Wie sollte das zugegangen sein?&#8220; Als sie aber am andern Morgen wieder zwei fanden und so jeden Tag, da ging er zu seinem Bruder und erz\u00e4hlte ihm die seltsame Geschichte. Der Goldschmied merkte gleich, wie es gekommen war und dass die Kinder Herz und Leber von dem Goldvogel gegessen hatten, und um sich zu r\u00e4chen und weil er neidisch und hartherzig war, sprach er zu dem Vater: &#8222;Deine Kinder sind mit dem B\u00f6sen im Spiel, nimm das Gold nicht, und dulde sie nicht l\u00e4nger in deinem Hause, denn er hat Macht \u00fcber sie und kann dich selbst noch ins Verderben bringen.&#8220; Der Vater f\u00fcrchtete den B\u00f6sen, und so schwer es ihn ankam, f\u00fchrte er doch die Zwillinge hinaus in den Wald und verlie\u00df sie da mit traurigem Herzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun liefen die zwei Kinder im Wald umher und suchten den Weg nach Hause, konnten ihn aber nicht finden, sondern verirrten sich immer weiter. Endlich begegneten sie einem J\u00e4ger, der fragte: &#8222;Wem geh\u00f6rt ihr, Kinder?&#8220; &#8211; &#8222;Wir sind des armen Besenbinders Jungen&#8220;, antworteten sie und erz\u00e4hlten ihm, dass ihr Vater sie nicht l\u00e4nger im Hause h\u00e4tte behalten wollen, weil alle Morgen ein Goldst\u00fcck unter ihrem Kopfkissen l\u00e4ge. &#8222;Nun&#8220;, sagte der J\u00e4ger, &#8222;das ist gerade nichts Schlimmes, wenn ihr nur rechtschaffen dabei bleibt und euch nicht auf die faule Haut legt.&#8220; Der gute Mann nahm die Kinder, weil sie ihm gefielen und er selbst keine hatte, mit nach Hause und sprach: &#8222;Ich will euer Vater sein und euch gro\u00dfziehen.&#8220; Sie lernten da bei ihm die J\u00e4gerei, und das Goldst\u00fcck, das ein jeder beim Aufstehen fand, das hob er ihnen auf, wenn sie&#8217;s in Zukunft n\u00f6tig h\u00e4tten.<\/p>\n\n\n\n<p>Als sie herangewachsen waren, nahm sie ihr Pflegevater eines Tages mit in den Wald und sprach: &#8222;Heute sollt ihr euern Probeschuss tun, damit ich euch freisprechen und zu J\u00e4gern machen kann.&#8220; Sie gingen mit ihm auf den Anstand und warteten lange, aber es kam kein Wild. Der J\u00e4ger sah \u00fcber sich und erblickte eine Kette von Schneeg\u00e4nsen in der Gestalt eines Dreiecks fliegen, da sagte er zu dem einen: &#8222;Nun schie\u00df&#8216; von jeder Ecke eine herab.&#8220; Der tat&#8217;s und vollbrachte damit seinen Probeschuss. Bald darauf kam noch eine Kette angeflogen und hatte die Gestalt der Ziffer zwei; da hie\u00df der J\u00e4ger den andern gleichfalls von jeder Ecke eine herunterholen, und dem gelang sein Probeschuss auch. Nun sagte der Pflegevater: &#8222;Ich spreche euch frei, ihr seid ausgelernte J\u00e4ger. &#8220; Darauf gingen die zwei Br\u00fcder zusammen in den Wald, ratschlagten miteinander und verabredeten etwas. Und als sie sich abends zum Essen niedergesetzt hatten, sagten sie zu ihrem Pflegevater: &#8222;Wir r\u00fchren die Speise nicht an und nehmen keinen Bissen, bevor Ihr uns eine Bitte gew\u00e4hrt habt.&#8220; Sprach er: &#8222;Was ist denn eure Bitte?&#8220; Sie antworteten: &#8222;Wie haben nun ausgelernt, wir m\u00fcssen uns auch in der Welt versuchen, so erlaubt, dass wir fortziehen und wandern.&#8220; Da sprach der Alte mit Freuden: &#8222;Ihr redet wie brave J\u00e4ger. Was ihr begehrt, ist mein Wunsch gewesen; zieht aus, es wird euch wohl ergehen.&#8220; Darauf a\u00dfen und tranken sie fr\u00f6hlich zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als der bestimmte Tag kam, schenkte der Pflegevater jedem eine gute B\u00fcchse und einen Hund und lie\u00df jeden von seinen gesparten Goldst\u00fccken mitnehmen, soviel er wollte. Darauf begleitete er sie ein St\u00fcck Wegs, und beim Abschied gab er ihnen noch ein blankes Messer und sprach: &#8222;Wenn ihr euch einmal trennt, so sto\u00dft dieses Messer am Scheideweg in einen Baum. Daran kann einer, wenn er zur\u00fcckkommt, sehen, wie es seinem abwesenden Bruder ergangen ist, denn die Seite, nach der dieser ausgezogen ist, rostet, wenn er stirbt; solang er aber lebt, bleibt sie blank.&#8220; Die zwei Br\u00fcder gingen immer weiter fort und kamen in einen Wald, so gro\u00df, dass sie unm\u00f6glich in einem Tag hinauskommen konnten. Also blieben sie die Nacht darin und a\u00dfen, was sie in die J\u00e4gertasche gesteckt hatten; sie gingen aber auch noch den zweiten Tag und kamen nicht hinaus. Da sie nichts zu essen hatten, sprach der eine: &#8222;Wir m\u00fcssen uns etwas schie\u00dfen, sonst leiden wir Hunger&#8220;, lud seine B\u00fcchse und sah sich um. Und als ein alter Hase dahergelaufen kam, legte er an, aber der Hase rief:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Lieber J\u00e4ger, lass mich leben,<\/p>\n\n\n\n<p>Ich will dir auch zwei Junge geben.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Sprang auch gleich ins Geb\u00fcsch und brachte zwei Junge; die Tierlein spielten aber so munter und waren so artig, dass die J\u00e4ger es nicht \u00fcbers Herz bringen konnten, sie zu t\u00f6ten. Sie behielten sie also bei sich, und die kleinen Hasen folgten ihnen auf dem Fu\u00dfe nach. Bald darauf schlich ein Fuchs vorbei, den wollten sie niederschie\u00dfen, aber der Fuchs rief:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Lieber J\u00e4ger, lass mich leben,<\/p>\n\n\n\n<p>Ich will dir auch zwei Junge geben.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Er brachte auch zwei F\u00fcchslein, und die J\u00e4ger mochten sie auch nicht t\u00f6ten, gaben sie den Hasen zur Gesellschaft, und sie folgten ihnen nach. Nicht lange, so schritt ein Wolf aus dem Dickicht, die J\u00e4ger legten auf ihn an, aber der Wolf rief:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Lieber J\u00e4ger, lass mich leben,<\/p>\n\n\n\n<p>Ich will dir auch zwei Junge geben.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Die zwei jungen W\u00f6lfe taten die J\u00e4ger zu den andern Tieren, und sie folgten ihnen nach. Darauf kam ein B\u00e4r, der wollte gern noch l\u00e4nger herumtraben und rief:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Lieber J\u00e4ger, lass mich leben,<\/p>\n\n\n\n<p>Ich will dir auch zwei Junge geben.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Die zwei jungen B\u00e4ren wurden zu den andern gesellt, und nun waren es ihrer schon acht. Endlich, wer kam? Ein L\u00f6we kam und sch\u00fcttelte seine M\u00e4hne. Doch die J\u00e4ger lie\u00dfen sich nicht schrecken und zielten auf ihn; aber der L\u00f6we sprach gleichfalls:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Lieber J\u00e4ger, lass mich leben,<\/p>\n\n\n\n<p>Ich will dir auch zwei Junge geben.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Er holte auch seine Jungen herbei, und nun hatten die J\u00e4ger zwei L\u00f6wen, zwei B\u00e4ren, zwei W\u00f6lfe, zwei F\u00fcchse und zwei Hasen, die ihnen nachzogen und dienten. Indessen war ihr Hunger damit nicht gestillt worden, da sprachen sie zu den F\u00fcchsen: ..H\u00f6rt&#8216; ihr Schleicher, schafft uns etwas zu essen! Ihr seid ja listig und verschlagen.&#8220; Sie antworteten: &#8222;Nicht weit von hier liegt ein Dorf, wo wir schon manches Huhn geholt haben; den Weg dahin wollen wir euch zeigen.&#8220; Da gingen sie ins Dorf, kauften sich etwas zu essen, lie\u00dfen auch ihren Tieren Futter geben und zogen dann weiter. Die F\u00fcchse aber wussten guten Bescheid in der Gegend, wo die H\u00fchnerh\u00f6fe waren, und konnten die J\u00e4ger \u00fcberall zurechtweisen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun zogen sie eine Weile herum, konnten aber keinen Dienst finden, wo sie zusammengeblieben w\u00e4ren; da sprachen sie: &#8222;Es geht nicht anders, wir m\u00fcssen uns trennen.&#8220; Sie teilten die Tiere, so dass jeder einen L\u00f6wen, einen B\u00e4ren, einen Wolf, einen Fuchs und einen Hasen bekam; dann nahmen sie Abschied, versprachen sich br\u00fcderliche Treue bis in den Tod und stie\u00dfen das Messer, das ihnen ihr Pflegevater mitgegeben hatte, in einen Baum; worauf der eine nach Osten, der andere nach Westen zog.<\/p>\n\n\n\n<p>Der j\u00fcngere aber kam mit seinen Tieren in eine Stadt, die war ganz mit schwarzem Flor \u00fcberzogen. Er ging in ein Wirtshaus und fragte den Wirt, ob er nicht seine Tiere beherbergen k\u00f6nnte. Der Wirt gab ihnen einen Stall, wo in der Wand ein Loch war: da kroch der Hase hinaus und holte sich ein Kohlhaupt, und der Fuchs holte sich ein Huhn, und als er das gefressen hatte, auch den Hahn dazu; der Wolf aber, der B\u00e4r und der L\u00f6we, weil sie zu gro\u00df waren, konnten nicht hinaus. Da lie\u00df sie der Wirt hinbringen, wo eben eine Kuh auf dem Rasen lag, dass sie sich satt fra\u00dfen. Und als der J\u00e4ger f\u00fcr seine Tiere gesorgt hatte, fragte er erst den Wirt, warum die Stadt so mit Trauerflor ausgeh\u00e4ngt w\u00e4re. Sprach der Wirt: &#8222;Weil morgen unseres K\u00f6nigs einzige Tochter sterben wird.&#8220; Fragte der J\u00e4ger: &#8222;Ist sie sterbenskrank?&#8220; &#8211; &#8222;Nein&#8220;&#8218; antwortete der Wirt, &#8222;sie ist frisch und gesund, aber sie muss doch sterben.&#8220; &#8211; &#8222;Wie geht das zu?&#8220; fragte der J\u00e4ger. &#8211; &#8222;Drau\u00dfen vor der Stadt ist ein hoher Berg, darauf wohnt ein Drache, der muss jedes Jahr eine Jungfrau zum Opfer haben, sonst verw\u00fcstet er das ganze Land. Nun sind schon alle Jungfrauen hingegeben, und es ist keine mehr \u00fcbrig als die K\u00f6nigstochter, dennoch ist keine Gnade, sie muss ihm \u00fcberliefert werden, und das soll morgen geschehen.&#8220; Sprach der J\u00e4ger: &#8222;Warum wird der Drache nicht get\u00f6tet?&#8220; &#8211; &#8222;Ach&#8220;, antwortete der Wirt, &#8222;so viele Ritter haben&#8217;s versucht, aber allesamt ihr Leben eingeb\u00fc\u00dft; der K\u00f6nig hat dem, der den Drachen besiegt, seine Tochter zur Frau versprochen, und er soll auch nach seinem Tode das Reich erben.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Der J\u00e4ger sagte dazu weiter nichts, aber am andern Morgen nahm er seine Tiere und stieg mit ihnen auf den Drachenberg. Da stand oben eine kleine Kirche, und auf dem Altar standen drei gef\u00fcllte Becher, und dabei war die Schrift: &#8222;Wer die Becher austrinkt, wird der st\u00e4rkste Mann auf Erden und wird das Schwert f\u00fchren, das vor der T\u00fcrschwelle vergraben liegt.&#8220; Der J\u00e4ger trank da nicht, ging hinaus und suchte das Schwert in der Erde, vermochte es aber nicht von der Stelle zu bewegen. Da ging er hin und trank die Becher aus und war nun stark genug, das Schwert aufzunehmen, und seine Hand konnte es ganz leicht f\u00fchren. Als die Stunde kam, wo die Jungfrau dem Drachen ausgeliefert werden sollte, begleiteten sie der K\u00f6nig, der Marschall und die Hofleute hinaus. Sie sah von weitem den J\u00e4ger oben auf dem Drachenberg und meinte, der Drache st\u00e4nde da und erwarte sie, und da wollte sie nicht hinaufgehen; endlich aber, weil die ganze Stadt sonst verloren gewesen w\u00e4re, musste sie den schweren Gang tun. Der K\u00f6nig und die Hofleute kehrten voll gro\u00dfer Trauer heim, des K\u00f6nigs Marschall aber sollte stehen bleiben und aus der Ferne alles mit ansehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als die K\u00f6nigstochter oben auf den Berg kam, stand da nicht der Drache, sondern der junge J\u00e4ger, der sprach ihr Trost ein und sagte, er wollte sie retten, f\u00fchrte sie in die Kirche und verschloss sie darin. Gar nicht lange, so kam mit gro\u00dfem Gebraus der siebenk\u00f6pfige Drache dahergefahren. Als er den J\u00e4ger erblickte, verwunderte er sich und sprach: &#8222;Was hast du hier auf dem Berge zu schaffen?&#8220; Der J\u00e4ger antwortete: &#8222;Ich will mit dir k\u00e4mpfen.&#8220; Sprach der Drache: &#8222;So mancher Rittersmann hat hier sein Leben gelassen, mit dir will ich auch fertig werden&#8220;, und atmete Feuer aus sieben Rachen. Das Feuer sollte das trockene Gras anz\u00fcnden, und der J\u00e4ger sollte in der Glut und dem Dampf ersticken; aber die Tiere kamen herbeigelaufen und traten das Feuer aus. Da fuhr der Drache gegen den J\u00e4ger der aber schwang sein Schwert, dass es in der Luft sang. und schlug ihm drei K\u00f6pfe ab. Da wurde der Drache erst recht w\u00fctend, erhob sich in die Luft, spie die Feuerflammen \u00fcber den J\u00e4ger aus und wollte sich auf ihn st\u00fcrzen, aber der J\u00e4ger z\u00fcckte nochmals sein Schwert und hieb ihm wieder drei K\u00f6pfe ab. Das Untier ward matt und sank nieder und wollte doch wieder auf den J\u00e4ger los, aber er schlug ihm mit der letzten Kraft den Schweif ab, und weil er nicht mehr k\u00e4mpfen konnte, rief er seine Tiere herbei, die zerrissen es in St\u00fccke. Als der Kampf zu Ende war, schloss der J\u00e4ger die Kirche auf und fand die K\u00f6nigstochter auf der Erde liegen, weil ihr die Sinne vor Angst und Schreck w\u00e4hrend des Streites vergangen waren. Er trug sie hinaus, und als sie wieder zu sich kam und die Augen aufschlug, zeigte er ihr den zerrissenen Drachen und sagte ihr, dass sie nun erl\u00f6st w\u00e4re. Sie freute sich und sprach: &#8222;Nun wirst du mein liebster Gemahl werden, denn mein Vater hat mich dem versprochen, der den Drachen t\u00f6tet.&#8220; Darauf nahm sie ihr Halsband von Korallen ab und verteilte es unter die Tiere, um sie zu belohnen, und der L\u00f6we erhielt das goldene Schl\u00f6sschen davon. Ihr Taschentuch aber, worin ihr Name stand, schenkte sie dem J\u00e4ger, der ging hin und schnitt aus den sieben Drachenk\u00f6pfen die Zungen aus, wickelte sie in das Tuch und verwahrte sie wohl.<\/p>\n\n\n\n<p>Als das geschehen und der J\u00e4ger von dem Feuer und dem Kampfe so matt und m\u00fcde war, sprach er zur Jungfrau: &#8222;Wir sind beide so matt und m\u00fcde, wir wollen ein wenig schlafen.&#8220; Da sagte sie ja, und sie lie\u00dfen sich auf die Erde nieder, und der J\u00e4ger sprach zu dem L\u00f6wen: &#8222;Du sollst wachen, damit uns niemand im Schlaf \u00fcberf\u00e4llt&#8220;, und beide schliefen ein. Der L\u00f6we legte sich neben sie, um zu wachen, aber er war vom Kampf auch m\u00fcde, dass er den B\u00e4ren rief und sprach: &#8222;Lege dich neben mich, ich muss ein wenig schlafen, und wenn was kommt, so wecke mich auf.&#8220; Da legte sich der B\u00e4r neben ihn, aber er war auch m\u00fcde und rief den Wolf und sprach: &#8222;Lege dich neben mich, ich muss ein wenig schlafen, und wenn was kommt, so wecke mich auf.&#8220; Da legte sich der Wolf neben ihn, aber er war auch m\u00fcde und rief den Fuchs und sprach: &#8222;Lege dich neben mich, ich muss ein wenig schlafen, und wenn was kommt, so wecke mich auf.&#8220; Da legte sich der Fuchs neben ihn, aber er war auch m\u00fcde, rief den Hasen und sprach: &#8222;Lege dich neben mich, ich muss ein wenig schlafen, und wenn was kommt, so wecke mich auf.&#8220; Da setzte sich der Hase neben ihn, aber der arme Hase war auch m\u00fcde und hatte niemand, den er zur Wache herbeirufen konnte, und schlief ein. Da schlief nun die K\u00f6nigstochter, der J\u00e4ger, der L\u00f6we, der B\u00e4r, der Wolf, der Fuchs und der Hase, und schliefen alle einen festen Schlaf.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Marschall aber, der von weitem hatte zuschauen sollen, als er den Drachen nicht mit der Jungfrau fortfliegen sah und alles auf dem Berge ruhig war, nahm sich ein Herz und stieg hinauf. Da lag der Drache zerst\u00fcckt und zerrissen auf der Erde und nicht weit davon die K\u00f6nigstochter und ein J\u00e4ger mit seinen Tieren, die waren alle in tiefem Schlaf versunken. Und weil er b\u00f6s und gottlos war, so nahm er sein Schwert und hieb dem J\u00e4ger das Haupt ab; dann fasste er die Jungfrau auf den Arm und trug sie den Berg hinab. Da erwachte sie und erschrak, aber der Marschall sprach; &#8222;Du bist in meinen H\u00e4nden, du sollst sagen, dass ich es gewesen bin, der den Drachen get\u00f6tet hat.&#8220; &#8211; &#8222;Das kann ich nicht&#8220;; antwortete sie, &#8222;denn ein J\u00e4ger mit seinen Tieren hat&#8217;s getan.&#8220; Da zog er sein Schwert, drohte sie zu t\u00f6ten, wenn sie ihm nicht gehorchte, und zwang sie damit, dass sie es versprach. Darauf brachte er sie vor den K\u00f6nig, der sich vor Freude nicht zu lassen wusste, als er sein liebes Kind wieder lebend erblickte, das er von dem Untier zerrissen glaubte. Der Marschall sprach zu ihm; &#8222;Ich habe den Drachen get\u00f6tet und die Jungfrau und das ganze Reich befreit, darum fordere ich sie zur Gemahlin, so wie es zugesagt ist.&#8220; Der K\u00f6nig fragte die Jungfrau; &#8222;Ist das wahr, was er spricht?&#8220; &#8211; &#8222;Ach ja&#8220;, antwortete sie, &#8222;es muss wohl wahr sein; aber ich halte mir aus, dass erst \u00fcber Jahr und Tag die Hochzeit gefeiert wird&#8220;, denn sie dachte, in der Zeit etwas von ihrem lieben J\u00e4ger zu h\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem Drachenberg aber lagen noch die Tiere neben dem toten Herrn und schliefen; da kam eine gro\u00dfe Hummel und setzte sich dem Hasen auf die Nase, aber der Hase wischte sie mit der Pfote ab und schlief weiter. Die Hummel kam zum zweitenmal, aber der Hase wischte sie wieder ab und schlief fort. Da kam sie zum drittenmal und stach ihn in die Nase, dass er aufwachte. Sobald der Hase wach war, weckte er den Fuchs, und der Fuchs den Wolf, und der Wolf den B\u00e4ren, und der B\u00e4r den L\u00f6wen. Und als der L\u00f6we aufwachte und sah, dass die Jungfrau fort war und sein Herr tot, fing er an, f\u00fcrchterlich zu br\u00fcllen und rief; &#8222;Wer hat das vollbracht? B\u00e4r, warum hast du mich nicht geweckt?&#8220; Der B\u00e4r fragte den Wolf: warum hast du mich nicht geweckt?&#8220; und der Wolf den Fuchs: &#8222;Warum hast du mich nicht geweckt?&#8220; und der Fuchs den Hasen &#8222;Warum hast du mich nicht geweckt?&#8220; Der arme Hase wusste allein nichts zu antworten, und die Schuld blieb auf ihm h\u00e4ngen. Da wollten sie \u00fcber ihn herfallen, aber er bat und sprach; &#8222;Bringt mich nicht um, ich will unseren Herrn wieder lebendig machen. Ich wei\u00df einen Berg, da w\u00e4chst eine Wurzel, wer die im Mund hat, der wird von aller Krankheit und allen Wunden geheilt. Aber der Berg liegt zweihundert Stunden von hier.&#8220; Sprach der L\u00f6we; &#8222;In vierundzwanzig Stunden musst du hin und her gelaufen sein und die Wurzel mitbringen.&#8220; Da sprang der Hase fort, und in vierundzwanzig Stunden war er wieder zur\u00fcck und brachte die Wurzel mit. Der L\u00f6we setzte dem J\u00e4ger den Kopf wieder an, und der Hase steckte ihm die Wurzel in den Mund; alsbald f\u00fcgte sich alles wieder zusammen, und das Herz schlug, und das Leben kehrte zur\u00fcck. Da erwachte der J\u00e4ger und erschrak, als er die Jungfrau nicht mehr sah, und dachte: &#8222;Sie ist wohl fortgegangen, w\u00e4hrend ich schlief, um mich loszuwerden.&#8220; Der L\u00f6we hatte in der gro\u00dfen Eile seinem Herrn den Kopf verkehrt aufgesetzt, der aber merkte es nicht bei seinen traurigen Gedanken an die K\u00f6nigstochter; erst zu Mittag, als er etwas essen wollte, sah er, dass ihm der Kopf nach dem R\u00fccken zu stand&#8216; konnte es nicht begreifen und fragte die Tiere, was ihm im Schlaf widerfahren w\u00e4re. Da erz\u00e4hlte ihm der L\u00f6we, dass sie auch alle aus M\u00fcdigkeit eingeschlafen w\u00e4ren, und beim Erwachen h\u00e4tten sie ihn tot gefunden mit abgeschlagenem Haupte, der Hase h\u00e4tte die Lebenswurzel geholt, er aber habe in der Eile den Kopf verkehrt gehalten; doch wollte er seinen Fehler wieder gutmachen. Dann riss er dem J\u00e4ger den Kopf wieder ab, drehte ihn herum, und der Hase heilte ihn mit der Wurzel fest.<\/p>\n\n\n\n<p>Der J\u00e4ger aber war traurig, zog in der Welt umher und lie\u00df seine Tiere vor den Leuten tanzen. Es trug sich zu, dass er gerade nach Verlauf eines Jahres wieder in dieselbe Stadt kam, wo er die K\u00f6nigstochter vom Drachen erl\u00f6st hatte, und die Stadt war diesmal ganz mit rotem Scharlach ausgeh\u00e4ngt. Da sprach er zum Wirt:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Was will das sagen? Vorm Jahr war die Stadt mit schwarzem Flor \u00fcberzogen, was soll heute der rote Scharlach?&#8220; Der Wirt antwortete: &#8222;Vorm Jahr sollte unseres K\u00f6nigs Tochter dem Drachen ausgeliefert werden, aber der Marschall hat mit ihm gek\u00e4mpft und ihn get\u00f6tet, und da soll morgen ihre Verm\u00e4hlung gefeiert werden; darum war die Stadt damals mit schwarzem Flor zur Trauer und ist heute mit rotem Scharlach zur Freude ausgeh\u00e4ngt.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Am andern Tag, da die Hochzeit sein sollte, sprach der J\u00e4ger um die Mittagszeit zum Wirt: &#8222;Glaubt Er wohl, Herr Wirt, dass ich heute Brot von des K\u00f6nigs Tisch bei Ihm essen will?&#8220; &#8211; &#8222;Ja&#8220;, sprach der Wirt, &#8222;da wollt&#8216; ich doch noch hundert Goldst\u00fccke dransetzen, dass das nicht wahr ist.&#8220; Der J\u00e4ger nahm die Wette an und setzte einen Beutel mit ebensoviel Goldst\u00fccken dagegen. Dann rief er den Hasen und sprach: &#8222;Geh&#8216; hin, lieber Springer, und hoI&#8216; mir von dem Brote, das der K\u00f6nig isst.&#8220; Nun war das H\u00e4slein das Geringste und konnte es keinem andern wieder auftragen, sondern musste sich selbst auf die Beine machen. &#8222;Ei&#8220;, dachte es, &#8222;wenn ich so allein durch die Stra\u00dfen springe, werden die Metzgerhunde hinter mir drein sein.&#8220; Wie es dachte, so geschah es auch, und die Hunde kamen hinter ihm drein und wollten ihm sein gutes Fellchen flicken. Es sprang aber, hast du nicht gesehen! und fl\u00fcchtete sich in ein Schilderhaus, ohne dass es der Soldat gewahr wurde. Da kamen die Hunde und wollten es heraushaben, aber der Soldat verstand keinen Spa\u00df und schlug mit dem Kolben drein, dass sie schreiend und heulend fortliefen. Als der Hase merkte, dass die Luft rein war, sprang er zum Schloss hinein und gerade zur K\u00f6nigstochter, setzte sich unter ihren Stuhl und kratzte sie am Fu\u00df. Da sagte sie: &#8222;Willst du fort!&#8220; und meinte, es w\u00e4re ihr Hund. Der Hase kratzte zum zweitenmal am Fu\u00df, da sagte sie wieder: &#8222;Willst du fort!&#8220; und meinte, es w\u00e4re ihr Hund. Aber der Hase lie\u00df sich nicht irremachen und kratzte zum drittenmal; da guckte sie hinab und erkannte den Hasen an seinem Halsband. Nun nahm sie ihn auf ihren Scho\u00df, trug ihn in ihre Kammer und sprach: &#8222;Lieber Hase, was willst du?&#8220; Antwortete er: &#8222;Mein Herr, der den Drachen get\u00f6tet hat, ist hier und schickt mich, ich soll um ein Brot bitten, wie es der K\u00f6nig isst.&#8220; Da war sie voll Freude und lie\u00df den B\u00e4cker kommen und befahl ihm, ein Brot zu bringen, wie es der K\u00f6nig a\u00df. Sprach das H\u00e4slein: &#8222;Aber der B\u00e4cker muss mir&#8217;s auch hintragen, damit mir die Metzgerhunde nichts tun.&#8220; Der B\u00e4cker trug es ihm bis an die T\u00fcr der Wirtsstube, da stellte sich der Hase auf die Hinterbeine, nahm alsbald das Brot in die Vorderpfoten und brachte es seinem Herrn. Da sprach der J\u00e4ger: &#8222;Sieht Er, Herr Wirt, die hundert Goldst\u00fccke sind mein.&#8220; Der Wirt wunderte sich, aber der J\u00e4ger sagte weiter: &#8222;Ja, Herr Wirt, das Brot h\u00e4tt&#8216; ich, nun will ich aber auch von des K\u00f6nigs Braten essen. Der Wirt sagte: &#8222;Das m\u00f6cht&#8216; ich sehen&#8220;, aber wetten wollte er nicht mehr. Rief der J\u00e4ger den Fuchs und sprach: &#8222;Mein F\u00fcchslein, geh&#8216; hin und hoI&#8216; mir Braten, wie ihn der K\u00f6nig isst.&#8220; Der Rotfuchs wusste die Schliche besser, ging an den Ecken und durch die Winkel, ohne dass ihn ein Hund sah, setzte sich unter der K\u00f6nigstochter Stuhl und kratzte an ihrem Fu\u00df. Da sah sie hinab und erkannte den Fuchs am Halsband, nahm ihn mit in ihre Kammer und sprach: &#8222;Lieber Fuchs, was willst du?&#8220; Antwortete er: &#8222;Mein Herr, der den Drachen get\u00f6tet hat, ist hier und schickt mich, ich soll bitten um einen Braten, wie ihn der K\u00f6nig isst.&#8220; Da lie\u00df sie den Koch kommen, der musste einen Braten, wie ihn der K\u00f6nig a\u00df, anrichten, und dem Fuchs bis an die T\u00fcr tragen; da nahm ihm der Fuchs die Sch\u00fcssel ab, wedelte mit seinem Schwanz erst die Fliegen weg, die sich auf den Braten gesetzt hatten, und brachte ihn dann seinem Herrn. &#8222;Sieht Er, Herr Wirt&#8220;, sprach der J\u00e4ger, &#8222;Brot und Fleisch ist da, nun will ich auch Zugem\u00fcs essen, wie es der K\u00f6nig isst.&#8220; Da rief er den Wolf und sprach: &#8222;Lieber Wolf, geh&#8216; hin und hol&#8216; mir Zugem\u00fcs, wie es der K\u00f6nig isst.&#8220; Da ging der Wolf geradezu ins Schloss, weil er sich vor niemand f\u00fcrchtete, und als er in der K\u00f6nigstochter Zimmer kam, zupfte er sie hinten am Kleide, dass sie sich umschauen musste. Sie erkannte ihn am Halsband, nahm ihn mit in ihre Kammer und sprach:&#8220; Lieber Wolf, was willst du?&#8220; Antwortete er:&#8220; Mein Herr, der den Drachen get\u00f6tet hat, ist hier, ich soll bitten um ein Zugem\u00fcs, wie es der K\u00f6nig isst.&#8220; Da lie\u00df sie den Koch kommen, der musste ein Zugem\u00fcs bereiten. wie es der K\u00f6nig a\u00df, und musste es dem Wolfe bis vor die T\u00fcr tragen; da nahm ihm der Wolf die Sch\u00fcssel ab und brachte sie seinem Herrn. &#8222;Sieht Er, Herr Wirt&#8220;, sprach der J\u00e4ger, &#8222;nun hab&#8216; ich Brot, Fleisch und Zugem\u00fcs, aber ich will auch Zuckerwerk essen, wie es der K\u00f6nig isst.&#8220; Rief er den B\u00e4ren und sprach: &#8222;Lieber B\u00e4r, du leckst doch gern etwas S\u00fc\u00dfes, geh&#8216; hin und hol&#8216; mir Zuckerwerk, wie es der K\u00f6nig isst.&#8220; Da trabte der B\u00e4r nach dem Schlosse, und jedermann ging ihm aus dem Wege; als er aber zu der Wache kam, hielt sie die Flinten vor und wollte ihn nicht ins k\u00f6nigliche Schloss lassen. Aber er hob sich in die H\u00f6he und gab mit seinen Tatzen links und rechts ein paar Ohrfeigen, dass die ganze Wache zusammenfiel; darauf ging er geradewegs zu der K\u00f6nigstochter, stellte sich hinter sie und brummte ein wenig. Da schaute sie r\u00fcckw\u00e4rts und erkannte den B\u00e4ren. Sie hie\u00df ihn mitgehen in ihre Kammer und sprach: &#8222;Lieber B\u00e4r, was willst du?&#8220; Antwortete er: &#8222;Mein Herr, der den Drachen get\u00f6tet hat, ist hier, ich soll bitten um Zuckerwerk, wie es der K\u00f6nig isst.&#8220; Da lie\u00df sie den Zuckerb\u00e4cker kommen, der musste Zuckerwerk backen, wie es der K\u00f6nig a\u00df, und dem B\u00e4ren vor die T\u00fcr tragen. Da leckte der B\u00e4r erst die Zuckererbsen auf, die heruntergerollt waren, dann stellte er sich aufrecht, nahm die Sch\u00fcssel und brachte sie seinem Herrn. &#8222;Sieht Er, Herr Wirt&#8220;, sprach der J\u00e4ger, &#8222;nun habe ich Brot, Fleisch, Zugem\u00fcs und Zuckerwerk&#8216; aber ich will auch Wein trinken, wie ihn der K\u00f6nig trinkt.&#8220; Er rief seinen L\u00f6wen herbei und sprach: &#8222;Lieber L\u00f6we, du trinkst dir doch gern einen Rausch, geh&#8216; und hol&#8216; mir Wein, wie ihn der K\u00f6nig trinkt.&#8220; Da schritt der L\u00f6we \u00fcber die Stra\u00dfe, und die Leute liefen vor ihm, und als er an die Wache kam, wollte sie den Weg sperren, aber er br\u00fcllte nur einmal, so sprang alles fort. Nun ging der L\u00f6we vor das k\u00f6nigliche Zimmer und klopfte mit seinem Schweif an die T\u00fcr. Da kam die K\u00f6nigstochter heraus und w\u00e4re fast \u00fcber den L\u00f6wen erschrocken; aber sie erkannte ihn an dem goldenen Schloss von ihrem Halsbande, hie\u00df ihn mit in ihre Kammer gehen und sprach: &#8222;Lieber L\u00f6we, was willst du?&#8220; Antwortete er: &#8222;Mein Herr, der den Drachen get\u00f6tet hat, ist hier, ich soll bitten um Wein, wie ihn der K\u00f6nig trinkt.&#8220; Da lie\u00df sie den Mundschenk kommen, der sollte dem L\u00f6wen Wein geben, wie ihn der K\u00f6nig trank. Sprach der L\u00f6we: &#8222;Ich will mitgehen und sehen, dass ich den rechten kriege.&#8220; Da ging er mit dem Mundschenk hinab, und als sie unten an die F\u00e4sser kamen, wollte ihm dieser von dem gew\u00f6hnlichen Wein zapfen, wie ihn des K\u00f6nigs Diener tranken; aber der L\u00f6we sprach: &#8222;Halt, ich will den Wein erst versuchen&#8220;, zapfte sich eine halbe Ma\u00df und schluckte sie auf einmal hinab. &#8222;Nein&#8220;, sagte er, &#8222;das ist nicht der rechte.&#8220; Der Mundschenk sah ihn schief an, ging aber und wollte ihm aus einem andern Fasse geben, das f\u00fcr des K\u00f6nigs Marschall war. Sprach der L\u00f6we:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Halt, erst will ich den Wein versuchen&#8220;, zapfte sich eine halbe Ma\u00df und trank sie. &#8222;Der ist besser&#8220;, sagte er, &#8222;aber noch nicht der rechte.&#8220; Da wurde der Mundschenck b\u00f6s und sprach: &#8222;Was so ein dummes Vieh vom Wein verstehen will!&#8220; Aber der L\u00f6we gab ihm einen Schlag hinter die Ohren, dass er unsanft zur Erde fiel, und als er sich wieder aufgemacht hatte, f\u00fchrte er den L\u00f6wen ganz stillschweigend in einen besonderen Keller, wo des K\u00f6nigs Wein lag, von dem sonst kein Mensch zu trinken bekam. Der L\u00f6we zapfte sich erst eine halbe Ma\u00df und versuchte den Wein, dann sprach er: &#8222;Das kann vom rechten sein&#8220;, und hie\u00df den Mundschenk sechs Flaschen f\u00fcllen. Nun stiegen sie hinauf; wie der L\u00f6we aber aus dem Keller ins Freie kam, schwankte er hin und her und war ein wenig trunken, und der Mundschenk musste ihm den Wein bis vor die T\u00fcr tragen. Da nahm der L\u00f6we den Henkelkorb ins Maul und brachte ihn seinem Herrn. Sprach der J\u00e4ger: &#8222;Sieht Er, Herr Wirt, da hab&#8216; ich Brot, Fleisch, Zugem\u00fcs, Zuckerwerk und Wein, wie es der K\u00f6nig hat, nun will ich mit meinen Tieren Mahlzeit halten&#8220;, und setzte sich hin, a\u00df und trank und gab dem Hasen, dem Fuchs, dem Wolf, dem B\u00e4ren und dem L\u00f6wen auch davon zu essen und zu trinken und war guter Dinge, denn er sah, dass ihn die K\u00f6nigstochter noch lieb hatte. Und, als er Mahlzeit gehalten hatte, sprach er: &#8222;Herr Wirt, nun habe ich gegessen und getrunken, wie der K\u00f6nig isst und trinkt, jetzt will ich an des K\u00f6nigs Hof gehen und die K\u00f6nigstochter heiraten.&#8220; Fragte der Wirt: &#8222;Wie soll das zugehen, da sie schon einen Br\u00e4utigam hat und heute Verm\u00e4hlung gefeiert wird?&#8220; Da zog der J\u00e4ger das Taschentuch heraus, das ihm die K\u00f6nigstochter auf dem Drachenberg gegeben hatte und worin die sieben Zungen des Untiers eingewickelt waren, und sprach: &#8222;Dazu soll mir helfen, was ich da in der Hand halte.&#8220; Da sah der Wirt das Tuch an und sprach: &#8222;Wenn ich alles glaube, so glaube ich das nicht und will wohl Haus und Hof dransetzen.&#8220; Der J\u00e4ger aber nahm einen Beutel mit tausend Goldst\u00fccken&#8216; stellt ihn auf den Tisch und sagte: &#8222;Das setze ich dagegen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Nun sprach der K\u00f6nig an der k\u00f6niglichen Tafel zu seiner Tochter:&#8220; Was haben die wilden Tiere alle gewollt, die zu dir gekommen und in meinem Schlosse ein- und ausgegangen sind?&#8220; Da antwortete sie: &#8222;Ich darf&#8217;s nicht sagen, aber schickt hin und lasst den Herrn dieser Tiere holen, so werdet Ihr wohl tun.&#8220; Der K\u00f6nig schickte einen Diener ins Wirtshaus und lie\u00df den fremden Mann einladen, und der Diener kam gerade, wie der J\u00e4ger mit dem Wirt gewettet hatte. Da sprach der J\u00e4ger: &#8222;Sieht Er, Herr Wirt, da schickt der K\u00f6nig einen Diener und l\u00e4sst mich einladen, aber ich gehe so noch nicht:&#8220; Und zu dem Diener sagte er: &#8222;Ich lasse den Herrn K\u00f6nig bitten, dass er mir k\u00f6nigliche Kleider schickt, einen Wagen mit sechs Pferden und Diener, die mir aufwarten.&#8220; Als der K\u00f6nig die Antwort h\u00f6rte, sprach er zu seiner Tochter: &#8222;Was soll ich tun?&#8220; Sagte sie: &#8222;Lass ihn holen, wie er&#8217;s verlangt, so werdet Ihr wohl tun.&#8220; Da schickte der K\u00f6nig k\u00f6nigliche Kleider, einen Wagen mit sechs Pferden und Diener, die ihm aufwarten sollten. Als der J\u00e4ger sie kommen sah, sprach er: &#8222;Sieht er, Herr Wirt, nun werde ich abgeholt, wie ich es verlangt habe&#8220;, und zog die k\u00f6niglichen Kleider an, nahm das Tuch mit den Drachenzungen und fuhr zum K\u00f6nig. Als ihn der K\u00f6nig kommen sah, sprach er zu seiner Tochter: &#8222;Wie soll ich ihn empfangen?&#8220; Antwortete sie: &#8222;Geht ihm entgegen, so werdet Ihr wohl tun.&#8220; Da ging ihm der K\u00f6nig entgegen und f\u00fchrte ihn hinauf, und seine Tiere folgten ihm nach. Der K\u00f6nig wies ihm einen Platz an neben sich und seiner Tochter, der Marschall sa\u00df auf der andern Seite, als Br\u00e4utigam, aber der kannte ihn nicht mehr. Nun wurden gerade die sieben H\u00e4upter des Drachen zur Schau aufgetragen, und der K\u00f6nig sprach: &#8222;Die sieben H\u00e4upter hat der Marschall dem Drachen abgeschlagen, darum geb&#8216; ich ihm heute meine Tochter zur Gemahlin.&#8220; Da stand der J\u00e4ger auf, \u00f6ffnete die sieben Rachen und sprach: &#8222;Wo sind die sieben Zungen des Drachen?&#8220; Da erschrak der Marschall, ward bleich und wusste nicht was er antworten sollte; endlich sagte er in der Angst: &#8222;Drachen haben keine Zungen.&#8220; Sprach der J\u00e4ger: &#8222;Die L\u00fcgner sollten keine haben, aber die Drachenzungen sind das Wahrzeichen des Siegers.&#8220; Und nun wickelte er das Tuch auf, da lagen sie alle sieben darin, und dann steckte er jede Zunge in den Rachen, in den sie geh\u00f6rte, und sie passten genau. Darauf nahm er das Tuch, in das der Name der K\u00f6nigstochter gestickt war, zeigte es der Jungfrau und fragte sie, wem sie es gegeben h\u00e4tte. Da antwortete sie: &#8222;Dem, der den Drachen get\u00f6tet hat.&#8220; Und dann rief er sein Getier, nahm jedem das Halsband und dem L\u00f6wen das goldene Schloss ab, zeigte es der Jungfrau und fragte, wem es geh\u00f6rte. Antwortete sie: &#8222;Das Halsband und das goldene Schloss waren mein, ich habe es unter die Tiere verteilt, die den Drachen besiegen halfen.&#8220; Da sprach der J\u00e4ger: &#8222;Als ich m\u00fcde von dem Kampfe geruht und geschlafen habe, da ist der Marschall gekommen und hat mir den Kopf abgehauen. Dann hat er die K\u00f6nigstochter fortgetragen und vorgegeben, er sei es gewesen, der den Drachen get\u00f6tet habe; und dass er gelogen hat, beweise ich mit den Zungen, dem Tuch und dem Halsband.&#8220; Und dann erz\u00e4hlte er, wie ihn seine Tiere durch eine wunderbare Wurzel geheilt h\u00e4tten und dass er ein Jahr lang mit ihnen herumgezogen und endlich wieder hier hergekommen w\u00e4re, wo er den Betrug des Marschalls durch die Erz\u00e4hlung des Wirtes erfahren h\u00e4tte. Da fragte der K\u00f6nig seine Tochter: &#8222;Ist es wahr, dass dieser den Drachen get\u00f6tet hat?&#8220; Darauf antwortete sie: &#8222;Ja, es ist wahr; jetzt darf ich die Schandtat des Marschalls offenbaren, weil sie ohne mein Zutun an den Tag gekommen ist, denn er hat mir das Versprechen zu schweigen abgezwungen. Darum aber habe ich mir ausgehalten, dass erst in Jahr und Tag die Hochzeit gefeiert werden sollte.&#8220; Da lie\u00df der K\u00f6nig zw\u00f6lf Ratsherren rufen, die \u00fcber den Marschall Urteil sprechen sollten, und die urteilten, dass er von vier Ochsen zerrissen werden m\u00fcsste. Also wurde der Marschall gerichtet, der K\u00f6nig aber \u00fcbergab seine Tochter dem J\u00e4ger und ernannte ihn zu seinem Statthalter im ganzen Reich. Die Hochzeit wurde mit gro\u00dfen Freuden gefeiert, und der junge K\u00f6nig lie\u00df seinen Vater und Pflegevater holen und \u00fcberh\u00e4ufte sie mit Sch\u00e4tzen. Den Wirt verga\u00df er auch nicht. Er lie\u00df ihn kommen und sprach zu ihm: &#8222;Sieht Er, Herr Wirt, die K\u00f6nigstochter habe ich geheiratet, und Sein Haus und Hof sind mein.&#8220; Sprach der Wirt: &#8222;Ja, das w\u00e4re nach dem Rechten.&#8220; Der junge K\u00f6nig aber sagte: &#8222;Es soll nach Gnaden gehen: Haus und Hof soll Er behalten, und die tausend Goldst\u00fccke schenke ich Ihm noch dazu.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Nun waren der junge K\u00f6nig und die junge K\u00f6nigin guter Dinge und lebten vergn\u00fcgt zusammen. Er zog oft hinaus auf die Jagd, weil das seine Freude war, und die treuen Tiere mussten ihn begleiten. Es lag aber in der Nahe ein Wald, von dem hie\u00df es, er w\u00e4re nicht geheuer, und w\u00e4re einer erst darin, so k\u00e4me er nicht leicht wieder heraus. Der junge K\u00f6nig hatte aber gro\u00dfe Lust, darin zu jagen, und lie\u00df dem alten K\u00f6nig keine Ruhe, bis er es ihm erlaubte. Nun ritt er mit gro\u00dfer Begleitung aus, und als er zu dem Walde kam, sah er eine schneewei\u00dfe Hirschkuh darin und sprach zu seinen Leuten: &#8222;Haltet hier, bis ich zur\u00fcckkomme, ich will das sch\u00f6ne Wild jagen&#8220;, und ritt ihm nach in den Wald hinein, und nur seine Tiere folgten ihm. Die Leute hielten und warteten bis zum Abend, aber er kam nicht wieder. Da ritten sie heim und erz\u00e4hlten der jungen K\u00f6nigin: &#8222;Der junge K\u00f6nig hat im Zauberwald einer wei\u00dfen Hirschkuh nachgejagt und ist nicht wiedergekommen.&#8220; Da war sie in gro\u00dfer Besorgnis um ihn. Er war aber dem sch\u00f6nen Wild immer nachgeritten und konnte es niemals einholen; wenn er meinte, es w\u00e4re schussrecht, so sah er es gleich wieder in weiter Ferne dahinspringen, und endlich verschwand es ganz. Nun merkte er, dass er tief in den Wald hineingeraten war nahm sein Horn und blies, aber er bekam keine Antwort. denn seine Leute konnten&#8217;s nicht h\u00f6ren. Und da auch die Nacht einbrach, sah er, dass er diesen Tag nicht heimkommen k\u00f6nnte, stieg ab, machte sich bei einem Baum ein Feuer und wollte dabei \u00fcbernachten. Als er bei dem Feuer sa\u00df, und, seine Tiere sich auch neben ihn gelegt hatten, deuchte ihn, als h\u00f6rte er eine menschliche Stimme; er schaute umher, konnte aber nichts bemerken. Bald darauf h\u00f6rte er wieder ein \u00c4chzen wie von oben her, da blickte er in die H\u00f6he und sah ein altes Weib auf dem Baume sitzen, das jammerte in einem fort: &#8222;Hu hu hu, was mich friert!&#8220; Sprach er: &#8222;Steig&#8216; herab und w\u00e4rme dich. wenn dich friert.&#8220; Sie aber sagte: &#8222;Nein, deine Tiere bei\u00dfen mich.&#8220; Antwortete er: &#8222;Sie tun dir nichts, altes M\u00fctterlein, komm&#8216; nur herunter.&#8220; Sie war aber eine Hexe und sprach: &#8222;Ich will dir eine Rute von dem Baume herabwerfen, wenn du sie damit auf den R\u00fccken schl\u00e4gst, tun sie mir nichts.&#8220; Da warf sie ihm ein R\u00fctlein hinab, und er schlug sie damit, alsbald lagen sie still und waren in Stein verwandelt. Und als die Hexe vor den Tieren sicher war, sprang sie hinunter, r\u00fchrte auch ihn mit einer Rute an und verwandelte ihn in Stein. Darauf lachte sie und schleppte ihn und die Tiere in einen Graben, wo schon mehr solcher Steine lagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als aber der junge K\u00f6nig gar nicht wiederkam, wurde die Angst und Sorge der K\u00f6nigin immer gr\u00f6\u00dfer. Nun trug sich zu, dass gerade in dieser Zeit der andere Bruder, der bei der Trennung gen Osten gewandert war, in das K\u00f6nigreich kam. Er hatte einen Dienst gesucht und keinen gefunden, war dann herumgezogen hin und her und hatte seine Tiere tanzen lassen. Da fiel ihm ein, er wollte einmal nach dem Messer sehen, das sie bei ihrer Trennung in einen Baumstamm gesto\u00dfen hatten, um zu erfahren, wie es seinem Bruder ginge. Wie er dahin kam, war seines Bruders Seite halb verrostet und halb war sie noch blank. Da erschrak er und dachte: &#8222;Meinem Bruder muss ein gro\u00dfes Ungl\u00fcck zugesto\u00dfen sein, doch kann ich ihn vielleicht noch retten, denn die H\u00e4lfte des Messers ist noch blank.&#8220; Er zog mit seinen Tieren gen Westen, und als er in das Stadttor kam, trat ihm die Wache entgegen und fragte, ob sie ihn bei seiner Gemahlin melden sollte; die junge K\u00f6nigin w\u00e4re schon seit ein paar Tagen in gro\u00dfer Angst \u00fcber sein Ausbleiben und f\u00fcrchtete, er w\u00e4re im Zauberwald umgekommen. Die Wache n\u00e4mlich glaubte nicht anders, als er w\u00e4re der junge K\u00f6nig selbst, so \u00e4hnlich sah er ihm, und hatte auch die wilden Tiere hinter sich laufen. Da merkte er, dass von seinem Bruder die Rede war, und dachte: &#8222;Es ist das beste, ich gebe mich f\u00fcr ihn aus, so kann ich ihn wohl leichter erretten.&#8220; Also lie\u00df er sich von der Wache ins Schloss begleiten und wurde mit gro\u00dfen Freuden empfangen. Die junge K\u00f6nigin meinte nicht anders, als es w\u00e4re ihr Gemahl, und fragte ihn, warum er so lange ausgeblieben w\u00e4re. Er antwortete: &#8222;Ich hatte mich in einem Walde verirrt und konnte mich nicht eher wieder herausfinden.,&#8216; Abends ward er in das k\u00f6nigliche Bett gebracht, aber er legte ein zweischneidiges Schwert zwischen sich und die junge K\u00f6nigin. Sie wusste nicht, was das hei\u00dfen sollte, getraute aber nicht, zu fragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Da blieb er nun ein paar Tage und erforschte derweil alles, wie es mit dem Zauberwald beschaffen war; endlich sprach er: &#8222;Ich muss noch einmal dort jagen.&#8220; Der K\u00f6nig und die junge K\u00f6nigin wollten es ihm ausreden, aber er bestand darauf und zog mit gro\u00dfer Begleitung hinaus. Als er in den Wald gekommen war, erging es ihm wie seinem Bruder. Er sah eine wei\u00dfe Hirschkuh und sprach zu seinen Leuten: &#8222;Bleibt hier und wartet, bis ich wiederkomme, ich will das sch\u00f6ne Wild jagen&#8220;, ritt in den Wald hinein, und seine Tiere liefen ihm nach. Aber er konnte die Hirschkuh nicht einholen und geriet so tief in den Wald, dass er darin \u00fcbernachten musste. Und als er ein Feuer gemacht hatte, h\u00f6rte er \u00fcber sich \u00e4chzen: &#8222;Hu hu hu, wie mich friert!&#8220; Da schaute er hinauf, und es sa\u00df dieselbe Hexe oben im Baum. Sprach er: &#8222;Wenn dich friert, so komm&#8216; herab, altes M\u00fctterchen, und w\u00e4rme dich.&#8220; Antwortete sie: &#8222;Nein, deine Tiere bei\u00dfen mich.&#8220; Er aber sprach: &#8222;Sie tun dir nichts.&#8220; Da rief sie: &#8222;Ich will dir eine Rute hinabwerfen, wenn du sie damit schl\u00e4gst, so tun sie mir nichts.&#8220; Wie der J\u00e4ger das h\u00f6rte, traute er der Alten nicht und sprach: &#8222;Meine Tiere schlag&#8216; ich nicht, komm&#8216; du herunter, oder ich hoI&#8216; dich.&#8220; Da rief sie: &#8222;Was willst du wohl? Du tust mir doch nichts!&#8220; Er aber antwortete: &#8222;Kommst du nicht, so schie\u00dfe ich dich herunter.&#8220; Sprach sie: &#8222;Schie\u00df nur zu, vor deinen Kugeln f\u00fcrchte ich mich nicht.&#8220; Da legte er an und schoss nach ihr, aber die Hexe war fest gegen alle Bleikugeln, lachte, dass es gellte, und rief: &#8222;Du sollst mich doch nicht treffen.&#8220; Der J\u00e4ger wusste Bescheid, riss sich drei silberne Kn\u00f6pfe vom Rock und lud sie in die B\u00fcchse, denn dagegen war ihre Kunst umsonst, und als er losdr\u00fcckte, st\u00fcrzte sie gleich mit Geschrei herab. Da stellte er den Fu\u00df auf sie und sprach: &#8222;Alte Hexe, wenn du nicht gleich gestehst, wo mein Bruder ist, so pack&#8216; ich dich auf mit beiden H\u00e4nden und werfe dich ins Feuer!&#8220; Sie war in gro\u00dfer Angst, bat um Gnade und sagte: &#8222;Er liegt mit seinen Tieren versteinert in einem Graben.&#8220; Da zwang er sie, mit hinzugehen, drohte ihr und sprach: &#8222;Alte Meerkatze, jetzt machst du meinen Bruder und alle Gesch\u00f6pfe, die hier liegen, lebendig, oder du kommst ins Feuer!&#8220; Sie nahm eine Rute und r\u00fchrte die Steine an, da wurde sein Bruder mit den Tieren wieder lebendig, und viele andere, Kaufleute, Handwerker, Hirten, standen auf, dankten f\u00fcr ihre Befreiung und zogen heim. Die Zwillingsbr\u00fcder aber, als sie sich wiedersahen, k\u00fcssten sich und freuten sich von Herzen Dann ergriffen sie die Hexe, banden sie und legten sie ins Feuer, und als sie verbrannt war, tat sich der Wald von selbst auf und war licht und hell, und man konnte das k\u00f6nigliche Schloss auf drei Stunden Wegs sehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun gingen die zwei Br\u00fcder zusammen nach Hause und erz\u00e4hlten einander unterwegs ihre Schicksale. Und als der j\u00fcngere sagte, er w\u00e4re an des K\u00f6nigs Statt Herr im ganzen Lande, sprach der andere: &#8222;Das hab&#8216; ich wohl gemerkt, denn als ich in die Stadt kam und f\u00fcr dich angesehen wurde, geschah mir alle k\u00f6nigliche Ehre: die junge K\u00f6nigin hielt mich f\u00fcr ihren Gemahl, ich musste an ihrer Seite sitzen und in deinem Bett schlafen.&#8220; Wie das der andere h\u00f6rte, ward er so eifers\u00fcchtig und zornig, dass er sein Schwert zog und seinem Bruder den Kopf abschlug. Als dieser aber tot dalag und er sein rotes Blut flie\u00dfen sah, reute es ihn gewaltig: &#8222;Mein Bruder hat mich erl\u00f6st&#8220;, rief er aus, &#8222;und ich habe ihn daf\u00fcr get\u00f6tet!&#8220; und jammerte laut. Da kam sein Hase und erbot sich, von der Lebenswurzel zu holen, sprang fort und brachte sie noch zu rechter Zeit. Und der Tote ward wieder ins Leben gebracht und merkte gar nichts von der Wunde.<\/p>\n\n\n\n<p>Darauf zogen sie weiter, und der j\u00fcngere sprach: &#8222;Du siehst aus wie ich, hast k\u00f6nigliche Kleider an wie ich, und die Tiere folgen dir nach wie mir, da wollen wir zu den entgegengesetzten Toren eingehen und von zwei Seiten zugleich beim alten K\u00f6nig anlangen.&#8220; Also trennten sie sich, und bei dem alten K\u00f6nig kam zu gleicher Zeit die Wache von dem einen und dem andern Tore und meldete, der junge K\u00f6nig mit den Tieren w\u00e4re von der Jagd angelangt. Sprach der K\u00f6nig: &#8222;Es ist nicht m\u00f6glich, die Tore liegen eine Stunde weit auseinander.&#8220; Indem aber kamen von zwei Seiten die beiden Br\u00fcder in den Schlosshof herein<\/p>\n\n\n\n<p>und stiegen beide herauf. Da sprach der K\u00f6nig zu seiner Tochter: &#8222;Sag&#8216; an, welcher ist dein Gemahl? Es sieht einer aus wie der andere, ich kann&#8217;s nicht wissen.&#8220; Sie war da in gro\u00dfer Angst und konnte es nicht sagen, endlich fiel ihr das Halsband ein, das sie den Tieren gegeben hatte, suchte und fand an dem einen L\u00f6wen ihr goldenes Schl\u00f6sschen. Da rief sie vergn\u00fcgt:&#8220; Der, dem dieser L\u00f6we nachfolgt, der ist mein rechter Gemahl!&#8220; Da lachte der junge K\u00f6nig und sagte: &#8222;Ja, das ist der rechte&#8220;, und sie setzten sich zusammen zu Tisch, a\u00dfen und tranken und waren fr\u00f6hlich. Abends, als der junge K\u00f6nig zu Bett ging, sprach seine Frau: &#8222;Warum hast du die vorigen N\u00e4chte immer ein zweischneidiges Schwert in unser Bett gelegt, ich habe geglaubt, du wolltest mich totschlagen.&#8220; Da erkannte er, wie treu sein Bruder gewesen war.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gebr. Grimm Es waren einmal zwei Br\u00fcder, ein reicher und ein armer. Der reiche war ein Goldschmied und b\u00f6s von Herzen; der arme n\u00e4hrte sich davon, dass er Besen band, und war gut und redlich. Der arme hatte zwei Kinder, das waren Zwillingsbr\u00fcder und sich so \u00e4hnlich wie ein Tropfen Wasser dem andern. 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