{"id":1299,"date":"2021-04-04T22:13:36","date_gmt":"2021-04-04T20:13:36","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=1299"},"modified":"2025-12-27T22:24:11","modified_gmt":"2025-12-27T21:24:11","slug":"der-raeuberbraeutigam","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/der-raeuberbraeutigam\/","title":{"rendered":"Der R\u00e4uberbr\u00e4utigam"},"content":{"rendered":"\n<p>Gebr. Grimm<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Es war einmal ein M\u00fcller, der hatte eine sch\u00f6ne Tochter, und als sie herangewachsen war, so w\u00fcnschte er sie w\u00e4re versorgt und gut verheiratet: er dachte &#8222;kommt ein ordentlicher Freier und h\u00e4lt um sie an, so will ich sie ihm geben.&#8220; Nicht lange so kam ein Freier, der schien sehr reich zu sein, und da der M\u00fcller nichts an ihm auszusetzen wusste, so versprach er ihm seine Tochter. Das M\u00e4dchen aber hatte ihn nicht so recht lieb, wie eine Braut ihren Br\u00e4utigam lieb haben soll, und hatte kein Vertrauen zu ihm: so oft sie ihn ansah oder an ihn dachte, f\u00fchlte sie ein Grauen in ihrem Herzen. Einmal sprach er zu ihr &#8222;du bist meine Braut und besuchst mich nicht einmal.&#8220; Das M\u00e4dchen antwortete &#8222;ich wei\u00df nicht wo euer Haus ist.&#8220; Da sprach der Br\u00e4utigam &#8222;mein Haus ist drau\u00dfen im dunkeln Wald.&#8220; Es suchte Ausreden und meinte es k\u00f6nnte den Weg dahin nicht finden. Der Br\u00e4utigam sagte &#8222;k\u00fcnftigen Sonntag muss du hinaus zu mir kommen, ich habe die G\u00e4ste schon eingeladen, und damit du den Weg durch den Wald findest, so will ich dir Asche streuen.&#8220; Als der Sonntag kam und das M\u00e4dchen sich auf den Weg machen sollte, ward ihm so Angst, es wusste selbst nicht recht warum, und damit es den Weg bezeichnen k\u00f6nnte, steckte es sich beide Taschen voll Erbsen und Linsen. An dem Eingang des Waldes war Asche gestreut, der ging es nach, warf aber bei jedem Schritt rechts und links ein paar Erbsen auf die Erde. Es ging fast den ganzen Tag bis es mitten in den Wald kam, wo er am dunkelsten war, da stand ein einsames Haus, das gefiel ihm nicht, denn es sah so finster und unheimlich aus. Es trat hinein, aber es war niemand darin und herrschte die gr\u00f6\u00dfte Stille. Pl\u00f6tzlich rief eine Stimme<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-rich is-provider-handler-einbetten wp-block-embed-handler-einbetten wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Drei gruselige Schauerm\u00e4rchen der Gebr\u00fcder Grimm f\u00fcr Erwachsene (H\u00f6rbuch zum Einschlafen)\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/f_nF6njlkdw?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>&#8222;kehr um, kehr um, du junge Braut,<br>&nbsp;du bist in einem M\u00f6rderhaus.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Das M\u00e4dchen blickte auf und sah dass die Stimme von einem Vogel kam, der da in einem Bauer an der Wand hing. Nochmals rief er<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;kehr um, kehr um, du junge Braut,<br>&nbsp;du bist in einem M\u00f6rderhaus.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Da ging die sch\u00f6ne Braut weiter aus einer Stube in die andere und ging durch das ganze Haus, aber es war alles leer und keine Menschenseele zu finden. Endlich kam sie auch in den Keller, da sa\u00df eine steinalte Frau, die wackelte mit dem Kopfe. &#8222;K\u00f6nnt ihr mir nicht sagen, \u201e sprach das M\u00e4dchen, &#8222;ob mein Br\u00e4utigam hier wohnt?&#8220; &#8222;Ach, du armes Kind,&#8220; antwortete die Alte, &#8222;wo bist du hingeraten! du bist in einer M\u00f6rdergrube. Du meinst du w\u00e4rst eine Braut, die bald Hochzeit macht, aber du wirst die Hochzeit mit dem Tode halten. Siehst du, da hab ich einen gro\u00dfen Kessel mit Wasser aufsetzen m\u00fcssen, wenn sie dich in ihrer Gewalt haben, so zerhacken sie dich ohne Barmherzigkeit, kochen dich und essen dich, denn es sind Menschenfresser. Wenn ich nicht Mitleiden mit dir habe und dich rette, so bist du verloren.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Darauf f\u00fchrte es die Alte hinter ein gro\u00dfes Fass, wo man es nicht sehen konnte. &#8222;Sei wie ein M\u00e4uschen still\u201c, sagte sie, &#8222;rege dich nicht und bewege dich nicht, sonst ist\u2018s um dich geschehen. Nachts wenn die R\u00e4uber schlafen, wollen wir entfliehen, ich habe schon lange auf eine Gelegenheit gewartet.&#8220; Kaum war das geschehen, so kam die gottlose Rotte nach Haus. Sie brachten eine andere Jungfrau mitgeschleppt, waren trunken und h\u00f6rten nicht auf ihr Schreien und Jammern. Sie gaben ihr Wein zu trinken, drei Gl\u00e4ser voll, ein Glas wei\u00dfen, ein Glas roten, und ein Glas gelben, davon zersprang ihr das Herz. Darauf rissen sie ihr die feinen Kleider ab, legten sie auf einen Tisch, zerhackten ihren sch\u00f6nen Leib in St\u00fccke und streuten Salz dar\u00fcber. Die arme Braut hinter dem Fass zitterte und bebte, denn sie sah wohl was f\u00fcr ein Schicksal ihr die R\u00e4uber zugedacht hatten. Einer von ihnen bemerkte an dem kleinen Finger der Gemordeten einen goldenen Ring, und als er sich nicht gleich abziehen lie\u00df, so nahm er ein Beil und hackte den Finger ab: aber der Finger sprang in die H\u00f6he \u00fcber das Fass hinweg und fiel der Braut gerade in den Scho\u00df. Der R\u00e4uber nahm ein Licht und wollte ihn suchen, konnte ihn aber nicht finden. Da sprach ein anderer &#8222;hast du auch schon hinter dem gro\u00dfen Fasse gesucht?&#8220; Aber die Alte rief, &#8222;kommt und esst, und l\u00e4sst das Suchen bis Morgen: der Finger l\u00e4uft euch nicht fort.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Da sprachen die R\u00e4uber &#8222;die Alte hat Recht,&#8220; lie\u00dfen vom Suchen ab, setzten sich zum Essen, und die Alte tr\u00f6pfelte ihnen einen Schlaftrunk in den Wein, dass sie sich bald in den Keller hinlegten, schliefen und schnarchten. Als die Braut das h\u00f6rte, kam sie hinter dem Fass hervor, und musste \u00fcber die Schlafenden wegschreiten, die da reihenweise auf der Erde lagen, und hatte gro\u00dfe Angst sie m\u00f6chte einen aufwecken. Aber Gott half ihr dass sie gl\u00fccklich durchkam, die Alte stieg mit ihr hinauf, \u00f6ffnete die T\u00fcre, und sie eilten so schnell sie konnten aus der M\u00f6rdergrube fort. Die gestreute Asche hatte der Wind weggeweht, aber die Erbsen und Linsen hatten gekeimt und waren aufgegangen, und zeigten im Mondschein den Weg. Sie gingen die ganze Nacht bis sie morgens in der M\u00fchle ankamen. Da erz\u00e4hlte das M\u00e4dchen seinem Vater alles wie es sich zugetragen hatte. Als der Tag kam wo die Hochzeit sollte gehalten werden, erschien der Br\u00e4utigam, der M\u00fcller aber hatte alle seine Verwandte und Bekannte einladen lassen. Wie sie bei Tische sa\u00dfen, ward einem jeden aufgegeben etwas zu erz\u00e4hlen. Die Braut sa\u00df still und redete nichts. Da sprach der Br\u00e4utigam zur Braut &#8222;nun, mein Herz, wei\u00dft du nichts? erz\u00e4hl uns auch etwas.&#8220; Sie antwortete &#8222;so will ich einen Traum erz\u00e4hlen. Ich ging allein durch einen Wald und kam endlich zu einem Haus, da war keine Menschenseele darin, aber an der Wand war ein Vogel in einem Bauer, der rief<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;kehr um, kehr um, du junge Braut,<br>&nbsp;du bist in einem M\u00f6rderhaus.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Und rief es noch einmal. Mein Schatz, das tr\u00e4umte mir nur. Da ging ich durch alle Stuben, und alle waren leer, und es war so unheimlich darin; ich stieg endlich hinab in den Keller, da sa\u00df eine steinalte Frau darin, die wackelte mit dem Kopfe. Ich fragte sie &#8222;wohnt mein Br\u00e4utigam in diesem Haus?&#8220; Sie antwortete &#8222;ach, du armes Kind, du bist in eine M\u00f6rdergrube geraten, dein Br\u00e4utigam wohnt hier, aber er will dich zerhacken und t\u00f6ten, und will dich dann kochen und essen.&#8220; Mein Schatz, das tr\u00e4umte mir nur. Aber die alte Frau versteckte mich hinter ein gro\u00dfes Fass, und kaum war ich da verborgen, so kamen die R\u00e4uber heim und schleppten eine Jungfrau mit sich, der gaben sie dreierlei Wein zu trinken, wei\u00dfen, roten und gelben, davon zersprang ihr das Herz. Mein Schatz, das tr\u00e4umte mir nur. Darauf zogen sie ihr die feinen Kleider ab, zerhackten ihren sch\u00f6nen Leib auf einem Tisch in St\u00fccke und bestreuten ihn mit Salz. Mein Schatz, das tr\u00e4umte mir nur. Und einer von den R\u00e4ubern sah dass an dem Goldfinger noch ein Ring steckte, und weil er schwer abzuziehen war, so nahm er ein Beil und hieb ihn ab, aber der Finger sprang in die H\u00f6he und sprang hinter das gro\u00dfe Fass und fiel mir in den Scho\u00df. Und da ist der Finger mit dem Ring.&#8220; Bei diesen Worten zog sie ihn hervor und zeigte ihn den Anwesenden. Der R\u00e4uber, der bei der Erz\u00e4hlung ganz kreidewei\u00df geworden war, sprang auf und wollte entfliehen, aber die G\u00e4ste hielten ihn fest und \u00fcberlieferten ihn den Gerichten. Da ward\u2018 er und seine ganze Bande f\u00fcr ihre Schandtaten gerichtet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gebr. 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