{"id":1294,"date":"2021-04-04T20:57:57","date_gmt":"2021-04-04T18:57:57","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=1294"},"modified":"2026-01-26T13:05:00","modified_gmt":"2026-01-26T12:05:00","slug":"robin-hood","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/robin-hood\/","title":{"rendered":"Robin Hood"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><br><strong>Robin Hood<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Englische Legende<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Wer von der H\u00f6he der Zinnen von Nottingham, der festen Stadt, herabblickt, erkennt in der Ferne einen dunkelgr\u00fcnen Waldstreifen. Das ist der Sherwood, der sich weit durch das englische Land zieht. Dort lebte zur Zeit des K\u00f6nigs Richard, den alles Volk wegen seines hochgemuten, tapferen Wesens &#8222;L\u00f6wenherz&#8220; nannte, als Waldvogt Herr Hugh Fitzooth von Locksley. Er war ein Nachfahre der angels\u00e4chsischen Geschlechter, die einst mit ihren Drachenschiffen zur britischen Insel gesto\u00dfen waren und dort seither als Freisassen gelebt hatten. Als dann vor drei Menschenaltern die Normannen unter Wilhelm dem Eroberer das Inselreich in ihre Gewalt gebracht hatten, waren die angestammten Sachsen gezwungen, sich der Befehlsgewalt der Normannen zu beugen, aber deren Herrschaft war verst\u00e4ndnisvoll und milde gewesen, solange Richard L\u00f6wenherz sie aus\u00fcbte. Er war gerecht und gro\u00dfherzig, und darum liebten ihn auch die Sachsen. Keiner der k\u00f6niglichen Statthalter, der Grafen und Barone, missbrauchte seine Gewalt, denn sie sahen sich von dem rechtlich denkenden K\u00f6nig Richard \u00fcberwacht. Das wussten die Sachsen dem Normannenk\u00f6nig zu danken, und besonders hatte er ihre Zuneigung gewonnen, seit er ihnen die alten Rechte &#8211; vor allem das Jagdrecht &#8211; wiedergegeben hatte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-rich is-provider-handler-einbetten wp-block-embed-handler-einbetten wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Robin Hood: M\u00e4rchen aus England | H\u00f6rbuch zum Einschlafen (deutsch)\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/IZ6fyUGNpFg?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>Doch nun war K\u00f6nig Richard au\u00dfer Landes, er machte einen Kreuzzug in das Heilige Land, um das Grab des Erl\u00f6sers vor dem Zugriff der &#8222;Ungl\u00e4ubigen&#8220; zu sch\u00fctzen. Als Stellvertreter hatte er seinen Bruder, den Prinzen Johann, eingesetzt und ihm die Regentschaft \u00fcbertragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Prinz &#8211; das Volk nannte ihn ver\u00e4chtlich ,&#8220;Johann-ohne-Land&#8220; &#8211; war ein schlechter Sachwalter des Willens seines k\u00f6niglichen Bruders. In seinem Hass gegen die heimatstolzen Sachsen, die sich nicht der Fremdherrschaft beugen wollten, schrak Johann nicht davor zur\u00fcck, ihnen angestammte Rechte zu versagen. Leichtfertig setzte er sich dar\u00fcber hinweg, dass K\u00f6nig Richard ihnen das alt \u00fcberlieferte Recht zu jagen ausdr\u00fccklich zugestanden hatte, und er verbot ihnen die Jagd; der hartherzige Prinz wusste genau, dass ein Sachse ohne sie nicht leben kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit Johanns neue Gesetze galten, hatte Hugh von Locksley sein Amt als k\u00f6niglicher Waldvogt verloren. Er musste sich dar\u00fcber im klaren sein, dass die V\u00f6gte des Prinzen Johann jede \u00dcbertretung des Verbots mit unnachsichtiger H\u00e4rte ahnden w\u00fcrden, denn der Prinz hatte ihnen eingesch\u00e4rft, notfalls jeden Trotz mit Gewalt zu brechen.<\/p>\n\n\n\n<p>In bitterer Unzufriedenheit hauste der s\u00e4chsische Edeling mit Frau und Kind, seinem Sohn Robert, den sie Robin nannten, in seiner festen Burg am Rande des riesigen Waldes. Der Sherwood war seine Welt, von den Vorfahren ererbt, und er war von Jugend auf gewohnt, hier zu jagen &#8211; nun war ihm durch Prinz Johanns ungerechtes Verbot alles Lebensgl\u00fcck zerst\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie K\u00f6nig Richard seinen Grafen und Baronen milde und gerechte Verwaltung befahl und diese \u00fcberwachte, so betrieb Prinz Johann mit aller Strenge die Durchf\u00fchrung seiner neuen Befehle. In der festen Stadt Nottingham hatte er als seinen Vogt den Grafen de Lacy eingesetzt, einen grimmigen, hartherzigen Mann, der wie sein Herr die Sachsen hasste. Er misstraute dem Gehorsam des Waldvogts von Locksley, und heimlich lie\u00df er Herrn Hugh Fitzooth \u00fcberwachen &#8211; er hoffte, man werde ihn bei einer gesetzeswidrigen Handlung \u00fcberraschen und dann strenger Strafe zuf\u00fchren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Mutter wollte, dass der Sohn Geistlicher w\u00fcrde, doch f\u00fcr den standesstolzen Edeling gab es keine Frage, dass Robin im Walde lebte wie er. &#8222;J\u00e4ger will ich werden wie der Vater&#8220;, sagte auch Robin selbstbewusst, &#8222;und unserm K\u00f6nig Richard, wenngleich er Normanne ist, will ich dienen, denn er ist ein guter K\u00f6nig, und ich will mit ihm hinausziehen und gro\u00dfe Taten vollbringen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Vater wusste, was ein s\u00e4chsischer Edeling an Waffenkunst beherrschen muss. Von ihm lernte Robin die Kunst, mit dem Wolfsspie\u00df zu werfen, vom Vater lernte er die Kunst des Bogenschie\u00dfens, in der Herr Hugh Fitzooth Meister war, und der Vater nahm ihn in harte Lehre, um ihn im Stockfechten zu unterweisen. Sp\u00e4ter sollte an die Stelle des schweren Eichenkn\u00fcppels das Sachsenschwert treten.<\/p>\n\n\n\n<p>Harte Tage, harte Wochen waren es f\u00fcr Robin, so hart, dass mancher J\u00fcngling vielleicht den Wunsch der Mutter erw\u00e4gen w\u00fcrde, B\u00fccher zu lesen, um Geistlicher zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht so Robin. Wenn er abends mit lahmen Gliedern und zerschundenen Knochen auf sein Lager sank, dann dachte er nicht zur\u00fcck, sondern nur vorw\u00e4rts: Wie h\u00e4tte ich dem Schlag besser ausweichen k\u00f6nnen, wie treffe ich des Vaters Stock h\u00e4rter, um ihm die Waffe aus der Hand zu schlagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bald war Robin Hood, erst sechzehn Jahre alt, un\u00fcbertrefflich im Stockfechten, im Werfen mit dem Wolfsspie\u00df, im Bogenschie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Graf de Lacy, der Sheriff des Landes, hatte in seiner Stadt Nottingham ein Wettschie\u00dfen mit dem Bogen angesagt. Nur widerwillig war Herr Hugh der Aufforderung gefolgt. Robin begleitete den Vater. Die beiden wussten nicht von der Absicht des Sheriffs: mit einer Niederlage in dem Preisschie\u00dfen wollte er ihr Ansehen herabsetzen. Er war fest \u00fcberzeugt, dass Red Gill, der F\u00fchrer seiner Leibgarde, den Wettkampf gewinnen werde.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zuschauer beim Wettschie\u00dfen jubelten laut, als die Besten sich zur Entscheidung stellten. Immer weiter hatte man die Scheibe abger\u00fcckt, immer mehr der Bewerber waren ausgefallen. In der Ehrenlaube sa\u00df Prinz Johann. Er hatte es sich nicht nehmen lassen, das Festspiel zu besuchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun standen, wie vorausgesehen. nur noch drei der Besten auf dem Platze. Es war Gill, der Rothaarige, es war Hugh Fitzooth, der s\u00e4chsische Freisass, es war Robin, sein Sohn.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Herold trat in die Schranken: Die Scheibe wurde jetzt auf hundert Schritt Entfernung ger\u00fcckt. Es ging um die letzte Entscheidung.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Den ersten Schuss hat Red Gill!&#8220; Laut klang des Herolds Stimme \u00fcber den Platz.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Aufgerufene trat vor, hob den Bogen, legte den Pfeil ein und zielte lange. In der f\u00fcrstlichen Laube verfolgten Prinz Johann und sein Sheriff voller Spannung den schwirrenden Pfeil. &#8222;Das nenne ich eine Leistung!&#8220; rief der Regent begeistert: &#8222;Auf solche Entfernung noch den Rand des Zentrums zu treffen!&#8220; De Lacy, der Sheriff, nickte dienstbeflissen. &#8222;Ja, mein F\u00fcrst, kein Sch\u00fctze in England kommt ihm gleich!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Es folgt der zweite Bewerber, Herr Robin Fitzooth&#8220;, ert\u00f6nte des Herolds Ansagen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Der junge Mann sollte lieber auf seinen Schuss verzichten&#8220;, meinte Prinz Johann und blickte gleichg\u00fcltig zu Robin hin\u00fcber.<\/p>\n\n\n\n<p>Ruhig, als sei es etwas ganz Allt\u00e4gliches, legte Robin den Pfeil ein, sch\u00e4tzte mit dem Auge die Entfernung und zielte sorgf\u00e4ltig. Dann lie\u00df er den Pfeil schwirren. Aus der Frauenlaube h\u00f6rte man Jubelrufe:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ins Schwarze!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Das nenn ich Gl\u00fcck&#8220;, stie\u00df der Sheriff bissig hervor, w\u00e4hrend die. Menge wie rasend vor Begeisterung tobte.<\/p>\n\n\n\n<p>Als der Beifall langsam verebbte, trat der Herold wieder vor. &#8222;Als dritter Bewerber schie\u00dft Herr Hugh Fitzooth.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Jedermann sah, Robins Schuss war nicht zu \u00fcbertreffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Herr Hugh nahm Aufstellung, sichtete kurz und lie\u00df den Pfeil aus der Sehne schnellen.<\/p>\n\n\n\n<p>War so etwas m\u00f6glich? Sein Geschoss hatte Robins Pfeil, der genau im Zentrum steckte, in zwei Teile gespalten! &#8222;Solch einen Meisterschuss sieht man nicht in jedem Menschenleben!&#8220; rief ein wei\u00dfb\u00e4rtiger Alter ganz au\u00dfer sich. Die Menge war wie von Sinnen in ihrem Jubel.<\/p>\n\n\n\n<p>Die gl\u00fccklichen Sch\u00fctzen rief man vor die Frauenlaube, wo die K\u00f6niginmutter den Sieger ehren sollte. &#8222;Majest\u00e4t&#8220;, sagte Herr Hugh, &#8222;gebt den Preis dem Sch\u00fctzen, dessen Pfeil zuerst das Zentrum traf!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Doch sie sch\u00fcttelte l\u00e4chelnd den Kopf und \u00fcberreichte ihm den kostbaren Siegespreis.<\/p>\n\n\n\n<p>Da trat ein Bote vor Herrn Hugh: &#8222;Der Sheriff l\u00e4sst Euch auffordern, mit Eurem Sohne vor ihm zu erscheinen!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Den Vater durchzuckte es ahnungsvoll: das war das Verh\u00e4ngnis, das er nahen sah.<\/p>\n\n\n\n<p>Robin sp\u00fcrte des Vaters Besorgnis. &#8222;Ach was&#8220;, fl\u00fcsterte er ihm zu, &#8222;,er will uns doch nur zu unserm Siege begl\u00fcckw\u00fcnschen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Gott geb es&#8220;, murmelte der Vater.<\/p>\n\n\n\n<p>Als sie vor dem Gestrengen erschienen, nickte er ihnen wohlwollend zu. &#8222;Gute Sch\u00fctzen seid ihr, Vater und Sohn&#8220;, sagte er und blickte sie pr\u00fcfend an. &#8222;Ich habe eine Frage an euch.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Beide blickten den Sheriff erwartungsvoll an. W\u00fcrde sich des Vaters Besorgnis jetzt erf\u00fcllen?<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Gute Sch\u00fctzen kann ich gebrauchen&#8220;, sagte der Sheriff langsam, &#8222;es gibt so viel widersetzliche Menschen, die es zum Gehorsam zu zwingen gilt. Wollt ihr nicht in meine Leibgarde eintreten?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Mein Pfeil richtet sich nicht auf Menschen&#8220;, sagte Vater Hugh hart. &#8222;Ich liebe meine Freiheit.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Und ich nicht weniger, Herr Sheriff&#8220;, f\u00fcgte Robin schnell hinzu, &#8222;auch ich tauge nicht f\u00fcr solchen Herrendienst.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;So frech wagt ihr mir zu trotzen?&#8220;, fuhr de Lacy auf. &#8222;Erb\u00e4rmliches Sachsengesindel!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Hugh Fitzooth wollte aufbegehren, doch der Sheriff winkte b\u00f6se ab. &#8222;Kein Wort mehr von solchen anma\u00dfenden Frechlingen! Ihr werdet von mir h\u00f6ren!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Drohung war nicht von ungef\u00e4hr. Noch am Abend machten Vater und Sohn sich auf den R\u00fcckweg. Sie sehnten sich nach ihrem festen Hause und nach der Waldeseinsamkeit. Beide wussten nicht, was der Sheriff seinem treuesten Gefolgsmann und besten Bogensch\u00fctzen zugefl\u00fcstert hatte. Heimlich folgte Red Gill den Fitzooths mit einer kleinen Schar wendiger und kampferprobter Reiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Gedankenvoll ritten Vater und Sohn durch den dunkelnden Wald. &#8222;Wer sich gegen de Lacy aufzulehnen wagt, tut gut daran, auf der Hut zu sein&#8220;, sagte er eben, zu Robin gewendet &#8211; da schwirrte ein Pfeil durch die Luft, und sofort folgte auch ein Schrei. Voller Entsetzen blickte Robin zur Seite: zwischen des Vaters Schulterbl\u00e4ttern haftete das Geschoss! Schon taumelte der Alte &#8211; jetzt brach er zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ersch\u00fcttert kniete Robin vor ihm: &#8222;Vater, lieber Vater!&#8220; keuchte er.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Das war des Sheriffs Geschoss!&#8220; stie\u00df Hugh Fitzooth aus. Als Robin sich \u00fcber den Vater beugte, sp\u00fcrte er, wie das Herz zu schlagen aufh\u00f6rte.<\/p>\n\n\n\n<p>Woher war der Schuss gekommen? Vorsichtig erhob sich der Junge und sp\u00e4hte nach allen Seiten. In diesem Augenblick schwirrte etwas durch die Luft. Robin warf sich beiseite \u00fcber ihm im Baumstamm stak zitternd ein zweiter Pfeil!<\/p>\n\n\n\n<p>Robin hatte den Bogen von der Schulter gerissen und schlich in die Richtung des unsichtbaren Sch\u00fctzen. Da bekam er ihn zu Gesicht. &#8222;Dachte ich es doch&#8220;, stie\u00df er hervor, &#8222;es ist Red Gill, dieses feige Werkzeug des Sheriffs!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Red Gill schlich sich an, um die Wirkung seines Schusses festzustellen. Als er sich eine kleine Bl\u00f6\u00dfe gab, fuhr Robins Schuss ihm mitten ins Herz.<\/p>\n\n\n\n<p>Eben wollte er sich wieder dem toten Vater zuwenden, da h\u00f6rte er hinter sich Hufgetrappel. &#8222;Dort ist der M\u00f6rder!&#8220; schrien mehrere Stimmen. &#8222;Los, packt ihn!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Es ging um Sekunden. Wieselgleich suchte Robin hinter den St\u00e4mmen Schutz, wand sich durchs dichte Unterholz, wo die Pferde keinen Weg finden, und lie\u00df das Waldesgr\u00fcn \u00fcber sich zusammenschlagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mehrere Tage irrte Robin durch den Wald, um den H\u00e4schern zu entgehen. Erst als sich der dritte Abend herab senkte, wagte Robin sich aus seinem Versteck. Vorsichtig pirschte er sich um die Waldecke, um das freie Feld zu \u00fcberqueren, an dem das Elternhaus sich vor dem jenseitigen Waldrand erhob. Er w\u00fcrde nur auf einen Sprung einkehren, um der Mutter vom Tode des Vaters zu berichten. Er w\u00fcrde ihr raten, zum Onkel Gamewell, dem alten Landedelmann in Norfolk, zu ziehen, bis bessere Zeiten k\u00e4men.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich darf mich nicht lange bei der Mutter aufhalten, dachte Robin bitter bei sich selber. Ich werde&#8230; Da, was ist das? Welch seltsame Abendbeleuchtung, dass er das feste Haus am Waldrand nicht erkennen konnte? Narrte ihn etwa ein Trugbild?<\/p>\n\n\n\n<p>Bin ich wahnsinnig geworden? durchfuhr es Robin wild.<\/p>\n\n\n\n<p>Nein, es war kein Trugbild, was sich dort seinen Augen zeigte. Wo einst das Elternhaus stand, hoben sich verkohlte Mauerreste gegen den Abendhimmel ab. Noch qualmte es zwischen den Ruinen. Wie in stummer Anklage ragte der alte Turm \u00fcber den zusammengest\u00fcrzten Mauern empor.<\/p>\n\n\n\n<p>Fassungslos stand Robin vor den noch schwelenden Tr\u00fcmmern des Hauses, in dem er einst mit Vater und Mutter gl\u00fccklich war. Ganz gebrochen trat der Hausverwalter zu seinem jungen Herrn.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Wo ist meine Mutter?,&#8220; stie\u00df Robin heiser hervor.<\/p>\n\n\n\n<p>Der treue Mann hatte sie abseits von den Tr\u00fcmmern auf eine Felldecke gebettet. Dort lag sie unter freiem Himmel. Nur mit gr\u00f6\u00dfter Vorsicht konnte Robin es wagen, in ihrer N\u00e4he zu bleiben, denn jeden Augenblick musste er gew\u00e4rtig sein, dass des Sheriffs H\u00e4scher zur\u00fcckkehrten, um ihn zur Stadt zu schleppen. Und dabei war es der Mutter anzusehen, dass sie in den letzten Z\u00fcgen lag. Als sie von dem schrecklichen Ende ihres Ehemannes h\u00f6rte, sank ihr der Kopf zur Seite; der unendliche Schmerz brach ihr das Herz.<\/p>\n\n\n\n<p>So wurde Robin ein Ge\u00e4chteter, ein &#8222;outlaw&#8220;, das hei\u00dft ein Mann au\u00dferhalb der Gesetze. Die Landesgesetze, die f\u00fcr ihn galten, besagten, niemand d\u00fcrfe ihm helfen, ihm Nahrung und Trank reichen, niemand d\u00fcrfe ihm Obdach gew\u00e4hren Robin Hood war vogelfrei!<\/p>\n\n\n\n<p>Die Mutter war gestorben &#8211; an gebrochenem Herzen, sagten die Leute mit Recht. Das Hausgesinde von daheim war in alle Winde verstreut; nur Muck, der Reitknecht, hatte seinen jungen Herrn nicht verlassen wollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Tief drinnen im Dunkel des Sherwood-Waldes, wo man sich vor dem Arm des Sheriffs sicher f\u00fchlen darf, hatten die beiden ihr Freiheitsasyl gefunden. Was scherte es sie, dass sie auf nacktem Boden schlafen mussten, mit dem Laub der Waldb\u00e4ume zugedeckt! Was scherte es sie, dass die Mahlzeiten karg waren und die N\u00e4chte kalt.<\/p>\n\n\n\n<p>Bald hatten sie, wo der Wald am dichtesten war, sich ein Lager eingerichtet. Mit Eschenbogen und Hirschf\u00e4nger bot der Wald Nahrung genug, und der sprudelnde, frische Waldbach gew\u00e4hrte Trunk in F\u00fclle.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie herrlich ist es, durch den Wald zu streifen, wenn der Tau noch auf Gr\u00e4sern und Zweigen liegt, wenn die V\u00f6gel erwachen und die Sonne langsam \u00fcber den Waldrand klettert. Wie sch\u00f6n ist die Gottesnatur in der unber\u00fchrten Morgenstille.<\/p>\n\n\n\n<p>Bald sammelten sich um Robin Hood M\u00e4nner, die ge\u00e4chtet und vogelfrei waren wie er, alle entschlossene Gesellen, die die Fremdherrschaft der Normannen hassten wie er. Da war Klein John, ein ungef\u00fcger, b\u00e4renstarker Kerl, der wie Robin ein Meister im Stockfechten war, und Bruder Tuck, ein entlaufener M\u00f6nch; da war Muck, des Oheims getreuer Knecht, dazu die drei Br\u00fcder Huggins, denen die Normannenschergen das Elternhaus niedergebrannt hatten, weil die bedr\u00e4ngten Bauern die Steuern nicht bezahlen konnten. Immer mehr dieser tollk\u00fchnen, wild entschlossenen Freiheitsk\u00e4mpfer stie\u00dfen zu dem Haufen der Ausgesto\u00dfenen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Wenn Ritter de Lacy, der Sheriff von Nottingham, von der H\u00f6he seiner Stadtburg \u00fcber das weite englische Land sah, wandte er nur ungern seinen Blick zu dem gr\u00fcnen Waldstreifen hin\u00fcber, denn mochte er auch Herr \u00fcber die weite Stadtumgebung sein: in den Sherwood reichte seine Macht nicht, denn dort hausten die s\u00e4chsischen Outlaws &#8211; und Robin Hood war ihr F\u00fchrer und der K\u00f6nig des gr\u00fcnen Waldes, denn er war der k\u00fchnste und verwegenste und kl\u00fcgste unter ihnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bald traute sich kein Normanne mehr in den Sherwood-Wald hinein, so gef\u00fcrchtet waren Robin und seine tollk\u00fchnen Gesellen. Man erkannte sie an dem Lincolnrock, den sie trugen, aber dieses waldgr\u00fcne Tuch machte sie unsichtbar. So waren sie allgegenw\u00e4rtig, ein Schrecken der normannischen H\u00e4scher. Auch die Reichen ringsum, die das Volk aussaugten, waren vor Robin Hoods M\u00e4nnern nicht sicher, denn er schonte keinen, zum Nutzen der Unbeg\u00fcterten und Unterdr\u00fcckten, die darben mussten.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Robin eines Tages durch das maiengr\u00fcne Land ritt, sah er auf einer Wiese neben der Landstra\u00dfe eine seltsame Gruppe. Drei normannische Reiter waren es, die einen jungen Menschen in kanarienbuntem Gewand in die Mitte genommen hatten. Der eine lie\u00df drohend seine Reitpeitsche spielen, der andere zerrte das B\u00fcrschlein derb am Arme, w\u00e4hrend der dritte ihm seinen Spie\u00df vor den Bauch hielt. Sie wollten dem Spielmann das Pferd abnehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Blitzschnell hatte Robin seinen Eschenbogen in der Hand, den armlangen Pfeil auf der Sehne.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ich pflege bedr\u00e4ngten Menschen zu helfen und trete ein f\u00fcr Recht und Billigkeit, wenn unser gutes Sachsenrecht so mit F\u00fc\u00dfen getreten wird!&#8220; So erkl\u00e4rte er ruhig, als die drei Normannenreiter ihn beschimpfen wollten. Ruhig brachte er den jungen Menschen in Sicherheit &#8211; und hatte der Bande der Ge\u00e4chteten einen neuen Freund gewonnen, einen normannischen Spielmann, der die Gesetzlosigkeit seiner eigenen Landsleute erlebt hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Als die beiden dem Waldlager zuritten, leuchtete es zwischen den Baumst\u00e4mmen auf. B\u00e4rtige M\u00e4nner, die um die Flammen sa\u00dfen, sprangen auf, als die beiden in den Kreis einritten. Ganz unbek\u00fcmmert, ein echter Spielmann, klimperte Alin ein fr\u00f6hliches Liedchen, w\u00e4hrend die Gesellen voll Erstaunen sein buntes Wams betrachteten. &#8222;Unser neuer Freund wird unser Schicksal teilen&#8220;, rief Robin den Gef\u00e4hrten zu. &#8222;Willkommen sei uns jeder, der f\u00fcr Recht und Freiheit ist!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Abends sa\u00dfen sie wieder zusammen und wetterten \u00fcber des Sheriffs Grausamkeit. &#8222;Wir sind nicht die einzigen&#8220;, berichteten Abel und Fred, &#8222;viele gibt es, die ge\u00e4chtet und vogelfrei sind und vor ihren H\u00e4schern im Walde Schutz gesucht haben.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;So holt sie herbei&#8220;, rief Robin, &#8222;wenn ihr f\u00fcr sie b\u00fcrgen k\u00f6nnt. Jeden freiheitsliebenden Mann k\u00f6nnen wir gebrauchen!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Tags darauf standen die M\u00e4nner vor ihm, alles b\u00e4renstarke, hochgewachsene Sachsen, die mit dem schmalen Schwert und dem langen Bogen aus Eschenholz umzugehen wussten. Und alles entschlossene Burschen, die Prinz Johanns grausame H\u00e4rte gesp\u00fcrt hatten und ihm voll Ingrimm den Tod an den Hals w\u00fcnschten. &#8222;Willst du unsere Hilfe, Robin Hood&#8220;, sagte der F\u00fchrer dieser Burschen, &#8222;so wollen wir dir folgen!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Seid mir willkommen. Und wie ist dein Name?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ich hei\u00dfe Will Stutely&#8220;, versetzte der Mann.<\/p>\n\n\n\n<p>So wuchs der Haufen der Verschworenen. Und Robin Hood, der junge s\u00e4chsische Edelmann, war ihr Haupt. Die Armen liebten ihn, der das freie Leben unter den B\u00e4umen des Waldes einem Leben in Zwang und Unfreiheit vorzog; der Sheriff aber hasste diesen Freund und Helfer der Unterdr\u00fcckten und sann auf Mittel und Wege, ihn zu fangen und zum Tode zu f\u00fchren. Er setzte auf Robin Hoods Kopf einen Preis aus. F\u00fcnfzig Goldst\u00fccke f\u00fcr den, der den verhassten Freiheitsk\u00e4mpfer in Ritter de Lacys H\u00e4nde lieferte!<\/p>\n\n\n\n<p>Da gaben seine Ratgeber ihm einen Vorschlag f\u00fcr eine Veranstaltung ein, die Robin Hood in seine H\u00e4nde f\u00fchren k\u00f6nnte. Er lie\u00df zu einem Wettschie\u00dfen aufrufen, dessen Preis ein silberner Bogen sein sollte. Sicherlich w\u00fcrde Robin Hood, der Meistersch\u00fctze, der Versuchung nicht widerstehen k\u00f6nnen auch wenn es mehr als Tollk\u00fchnheit bedeutete, sich in den Machtbereich des Sheriffs zu wagen.<\/p>\n\n\n\n<p>In seinem unb\u00e4ndigen Verlangen, seine Kunst zu zeigen, lachte Robin Hood unbek\u00fcmmert \u00fcber die Bedenken seiner Gesellen. &#8222;Geh nicht, Robin,&#8220; baten sie ihn, &#8222;denk auch daran, was du uns schuldig bist als unser F\u00fchrer! Es w\u00e4re f\u00fcr dich ein Tod in Schande!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;F\u00fcr mich gibt es keine Gefahr&#8220;, sagte er sorglos. &#8222;Mich f\u00e4ngt der Sheriff nicht. Aber was wird es f\u00fcr uns bedeuten, wenn jedermann wei\u00df, dass ich in Nottingham gewesen bin und am Bogenschie\u00dfen des hochgeborenen Herrn de Lacy teilgenommen und den silbernen Bogen gewonnen habe!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Als armseliger Bettler verkleidet, betrat der Ge\u00e4chtete die Stadt. Niemand kam auf den Gedanken, den gef\u00fcrchteten Anf\u00fchrer der Freiheitsk\u00e4mpfer vor sich zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Bunte Wimpel wehten \u00fcber dem Kampfplatz, wo die festliche Menge sich erwartungsfroh dr\u00e4ngte. In der Laube des Sheriffs hatte auch Prinz Johann Platz genommen. Da trat der Herold in die Schranken, lie\u00df sein Horn erschallen und forderte die Bewerber auf, sich zum Wettkampf zu stellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Murren ging durch die Menge, als man unter den Meistern des Eschenbogens den zerlumpten Bettler gewahrte. Stimmen wurden laut, dass solcher Bewerber nicht zuzulassen sei. Doch die K\u00f6niginmutter, die ihr Volk liebte, sprach die Entscheidung. &#8222;Hier geht es nicht nach Rang und Stand, sondern nach der Fertigkeit im Bogenschie\u00dfen&#8220;, rief sie l\u00e4chelnd. &#8222;Jeder Meister ist uns willkommen!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Wettkampf begann. Alle trafen das Ziel, das auf sechzig Schritt gestellt war. Der Bettler, der als erster schie\u00dfen musste, schien sich gar keine M\u00fche zu geben, so dass es aussah, als habe er nur durch Zufall getroffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Weiter r\u00fcckte man die Scheibe ab; schon verfehlten zwei der Herren das Ziel und mussten vom Wettkampf abtreten. Wieder wurde die Entfernung gr\u00f6\u00dfer, und wieder mussten zwei Bewerber sich geschlagen bekennen. Als des Herolds Helfer die Zielscheibe auf hundertundzwanzig Schritt gestellt hatten, waren nur noch zwei Sch\u00fctzen im Spiel: Thorn Greenwood, der F\u00fchrer der prinzlichen J\u00e4ger, und der unbekannte Bettler.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Jetzt w\u00e4re Red Gill vonn\u00f6ten&#8220;, rief jemand in die Spannung hinein. Den einstigen F\u00fchrer der Bogensch\u00fctzen h\u00e4tte man hier in der Tat im Wettkampf sehen m\u00f6gen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ungeheuer war die Erregung, mit der die Menge den Wettkampf verfolgte. Einhundertundzwanzig Schritt war die Entfernung des Ziels! So klein war das Schwarze auf der Scheibe, dass es kaum noch zu erkennen war.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt ging es um die Entscheidung! Wieder schritt der Herold vor die Menge: &#8222;Wir werfen das Los, um festzustellen, wem der erste Schuss geh\u00f6rt!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Das Los traf den Bettler. Mit dem\u00fctiger Selbstsicherheit trat Robin vor. Er dachte an den einstigen Meisterschuss seines Vaters, dessen Schuss den im Mittelpunkt haftenden Pfeil gespalten hatte. Diese Leistung w\u00fcrde Thorn Greenwood nicht vollbringen. So durfte Robin seines Sieges sicher sein. Ruhig legte er den Pfeil ein, zog ihn bis hinters Ohr zur\u00fcck und lie\u00df die Sehne schnellen.<\/p>\n\n\n\n<p>In atemloser Spannung folgten die Augen der Zuschauer dem schwirrenden Geschoss. Es traf genau in den Mittelpunkt, schwankte einen Augenblick hin und her und stand wie ein stolzer Sieger.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Mitbewerber wusste, dass damit seine Aussicht, ins Ziel zu treffen, dahin war. &#8222;Man h\u00e4tte einen hergelaufenen Bettler nicht zum Wettkampf ehrenhafter M\u00e4nner zulassen sollen&#8220;, knurrte er ver\u00e4chtlich und trat beiseite. Ringsum wurden h\u00f6hnische Stimmen laut, Jubelschreie f\u00fcr den Sieger. Nur mit Unwillen erkl\u00e4rte der Herold den Bettler zum Sieger. &#8222;Du sollst vor der Laube erscheinen&#8220;, sagte er unfreundlich. &#8222;Prinz Johann selber will dich kennen lernen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Robin Hood war es niemals zweifelhaft gewesen, wer den Siegespreis davontragen werde. Trotzdem schwoll ihm das Herz vor Freude; denn nicht nur der Erfolg, auch das Abenteuergl\u00fcck wog alles auf.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend er, von der Menge bestaunt, zur Laube des Prinzen hin\u00fcberging, lie\u00df er die Blicke \u00fcber den Platz schweifen. Da pl\u00f6tzlich stutzte er: Ringsum zwischen den Zuschauern gewahrte er zu seiner \u00dcberraschung die Gesichter seiner verwegenen Gesellen &#8211; da hatten sie sich doch in die Stadt gewagt, die treuen Freunde, um ihm in der Stunde der Gefahr zur Seite zu stehen! Alle waren verkleidet; aber Robin erkannte sie in ihren Altweiberr\u00f6cken und Bauernm\u00e4nteln, in den M\u00f6nchskutten und Fuhrmannskitteln.<\/p>\n\n\n\n<p>Da packte den Freiheitsk\u00e4mpfer wieder die verwegene Abenteuerlust: Heute wollte er einen Streich wagen, den der Sheriff sein Lebtag nicht vergessen sollte!<\/p>\n\n\n\n<p>Herr de Lacy hatte gedacht, seinen Feind in eine Falle zu locken, als er das Wettschie\u00dfen verk\u00fcnden lie\u00df, und nun f\u00fchlte er sich entt\u00e4uscht, dass Robin es nicht gewagt hatte zu erscheinen. Mehrfach hatte der Sheriff die Gestalt des Bettlers gemustert. Sollte er etwa der Gesuchte sein? Aber nein, so sah Robin Hood nicht aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt stand der Freiheitsheld vor dem verhassten Mann. Gleichg\u00fcltig blickte er an ihm vorbei. Den Kopf etwas gesenkt und in kraftloser Haltung. &#8222;Du hast den Wettkampf gewonnen&#8220;, begann der Sheriff, und aus seiner Stimme war deutlich zu sp\u00fcren, wie ungern er diesem zerlumpten Strauchdieb die Anerkennung aussprach. &#8222;So empfange nun den Siegespreis; doch zuvor muss ich dich auffordern, uns deinen Namen zu nennen!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Was tut er zur Sache, Herr&#8220;, versetzte der Bettler mit kr\u00e4chzender Stimme. &#8222;Was kann Euch hochgeborenen Herrn ein armer, namenloser Waldl\u00e4ufer k\u00fcmmern, der&#8230;&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Nenne uns deinen Namen&#8220;, unterbrach ihn der Sheriff ungehalten, &#8222;so wie es Brauch ist unter ehrbaren Menschen . . .&#8220; Er stutzte voller Entsetzen, denn was nun geschah, musste ihm den Atem rauben.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ja, Ritter de Lacy, so h\u00f6rt meinen Namen und seht, wer ich bin!&#8220; schrie der Zerlumpte wild auf. Aus der zusammengesunkenen Gestalt des kraftlosen Bettlers wurde pl\u00f6tzlich ein aufrechter, starker Mann, die Bettlerlumpen flogen beiseite, und vor dem Sheriff stand, in waldgr\u00fcnes Wams gekleidet, der Mann, den er hasste und den er f\u00fcrchtete . . .<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Robin Hood!&#8220; rief er stammelnd.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Nicht schwer zu erraten&#8220;, lachte Robin unbek\u00fcmmert, sprang auf das Podest vor der Laube und hob sein Schwert. &#8222;Freiheit!&#8220; schrie er wild \u00fcber die Menge hin. &#8222;Tod den Zwingherren!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Ein ungeheures Get\u00fcmmel erf\u00fcllte sekundenschnell den Platz. Robin drang auf den verhassten Gegner ein, doch der wich seinem Schwertsto\u00df aus. Ehe die H\u00e4scher des Sheriffs zupacken konnten, hatten sich Robins tollk\u00fchne Gesellen dazwischengedr\u00e4ngt. Entsetzt wichen Ritter de Lacys M\u00e4nner zur\u00fcck, als sie urpl\u00f6tzlich unter vielfacher Vermummung einen Haufen wild entschlossener M\u00e4nner im gr\u00fcnen Gewand der Freiheitsk\u00e4mpfer auftauchen sahen.<\/p>\n\n\n\n<p>In dem allgemeinen Tumult k\u00e4mpften diese sich durch die dichtgedr\u00e4ngte Menge. Immer mehr waren es von den Leuten der Stadtbev\u00f6lkerung, die mit unterdr\u00fcckter Freude Robins verwegene Tat bewunderten. Schwerf\u00e4llig schoben und dr\u00e4ngten sie sich dazwischen, wenn die normannischen Knechte auf die Gr\u00fcnr\u00f6cke eindrangen, und sicherten diesen so den R\u00fcckzug.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun hatte Robin Hood das Stadttor erreicht. Mit grimmigem Lachen schwang er sich auf die Mauerkuppe und stie\u00df in sein Horn, dass es weit \u00fcber die Stadt hin und \u00fcber die Burg ert\u00f6nte. ,&#8220;An diesen Tag wird der Sheriff noch lange denken&#8220;, rief er den Gesellen zu; dann verschwand er mit ihnen jenseits der Stadtmauer und f\u00fchrte sie zur\u00fcck in den Sherwood-Wald.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie zum Hohn klang noch lange Robins Horn zur Stadt hin\u00fcber.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenige Tage sp\u00e4ter trat die K\u00f6niginmutter in das Zimmer des Prinzen Johann.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Gute Kunde, mein Sohn, hat mich soeben erreicht. Richard sitzt in Verhaft in der Feste D\u00fcrnstein im \u00d6sterreichischen, doch der Bote meldet, dass wir ihn durch ein L\u00f6segeld freikaufen k\u00f6nnen. . .&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Prinz Johann tat erfreut &#8211; und wusste doch, dass mit der R\u00fcckkehr K\u00f6nig Richards sein Los besiegelt war.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Wir m\u00fcssen das Volk zu einer Spende aufrufen, doch schwer wird es sein, den hohen Betrag aufzubringen, denn Robin Hood hat das Land ausgepl\u00fcndert!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Jeder wusste, wie l\u00fcgnerisch seine Behauptung war. In Wirklichkeit war der Prinz gl\u00fccklich, Geld in den Kasten flie\u00dfen zu sehen, denn schon hatte er einen heimt\u00fcckischen Plan, der K\u00f6nig Richard f\u00fcr alle Zeit die Heimkehr verwehren w\u00fcrde: er wollte die Spende des Volkes in seine eigene Schatzkammer f\u00fchren &#8211; ein zweites Mal w\u00fcrde das ausgepresste Volk den Betrag nicht aufbringen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das treue Volk gab sein Letztes, um dem Herrscher, den es so sehr liebte und zur\u00fcckw\u00fcnschte, die Freiheit zu verschaffen. Bald lag die riesige Summe des geforderten L\u00f6segeldes bereit.<\/p>\n\n\n\n<p>Der verr\u00e4terische Prinz Johann ging sogleich daran, seinen Plan auszuf\u00fchren, der ihm doppelten Vorteil und Gewinn bringen sollte. Noch vor Sonnenaufgang lie\u00df er f\u00fcnfzig seiner Bogensch\u00fctzen in aller Heimlichkeit auf dem Schlosshof versammeln. &#8222;Ihr reitet auf der Landstra\u00dfe am Sherwood-Walde entlang. Dort legt ihr die grasgr\u00fcnen W\u00e4mser an, die ich euch mitgeben lasse, und kleidet euch so wie Robin Hoods Bande.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Niemand ahnte das hinterh\u00e4ltige Vorgehen des Prinzen. In der Tracht von Robin Hoods k\u00fchnen Gesellen sollten die Bogensch\u00fctzen den Lastzug \u00fcberfallen, der das f\u00fcr K\u00f6nig Richard bestimmte L\u00f6segeld in Prinz Johanns Schatzkammer nach London schaffte!<\/p>\n\n\n\n<p>Doch Robin Hoods Sp\u00e4her erkannten rechtzeitig genug auch diesen heimt\u00fcckischen Bubenstreich, der das Ansehen der gr\u00fcnen Gesellen so schm\u00e4hlich missbrauchen und verunglimpfen und K\u00f6nig Richard f\u00fcr immer die Heimkehr verwehren sollte. In Windeseile war die Bande zur Stelle und verhinderte die Entf\u00fchrung des L\u00f6segeldes. Statt in die Schatzkammer des eigens\u00fcchtigen Prinzen gelangte der Betrag an die richtige Stelle: Er diente als L\u00f6segeld f\u00fcr den K\u00f6nig, der fern der Heimat auf R\u00fcckkehr hoffte.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem erbarmungslos harten Winter in der K\u00e4lte der waldigen Schlupfwinkel sahen die Ge\u00e4chteten endlich den Fr\u00fchling nahen. Mit ihm wuchs ihnen neuer Mut und neue Hoffnung. Immer neue Gesellen str\u00f6mten den Freiheitsk\u00e4mpfern als Helfer zu.<\/p>\n\n\n\n<p>In sorgenvollen Gedanken, wie er die gro\u00dfe Zahl der Getreuen ern\u00e4hren solle, schritt Robin Hood mit Bruder Tuck durch den Wald. Der freiheitsliebende M\u00f6nch war seit langer Zeit einer der t\u00e4tigsten unter seinen Gesellen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Halt!&#8220; t\u00f6nte es ihnen pl\u00f6tzlich entgegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Robin zuckte zusammen. Gerade vor ihnen an der gro\u00dfen Eiche hielt ein Ritter hoch zu Ross, in blanker R\u00fcstung, das Visier heruntergeklappt.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Was wollt Ihr hier im Walde?&#8220; rief Robin drohend.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ich suche Robin Hood! Wisst ihr, wo ich ihn finde?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ich selber bin es! Was wollt Ihr?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Den Sherwood-Wald von Ge\u00e4chteten befreien! Wir wissen von deinen Schandtaten und Gesetzwidrigkeiten, Robin Hood. Du weigerst dich, dem Prinzen Johann den schuldigen Gehorsam zu erweisen, du hast hier im Walde wider alles Landrecht einen Haufen gesetzloser Gesellen um dich geschart, du hast das L\u00f6segeld geraubt, das f\u00fcr unsern gefangenen K\u00f6nig bestimmt war!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Weil der verr\u00e4terische Prinz falsches Spiel getrieben hat!&#8220; rief Robin in wildem Zorn. &#8222;Ihr dient einem schlechten Herrn, Herr Ritter! Soll ich sagen, wo das Geld geblieben ist? Seinem rechten Zweck habe ich es zugef\u00fchrt! Meine M\u00e4nner haben es \u00fcbers Meer gebracht, um unsern geliebten K\u00f6nig Richard aus der schm\u00e4hlichen Gefangenschaft freizukaufen . . .&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Bruder Tuck konnte nicht mehr an sich halten. &#8222;Lasst diese herausfordernde Sprache, Herr Ritter! Und nehmt den Helm ab, oder ich schlage ihn Euch vom Sch\u00e4del!&#8220; Drohend hatte der streitbare M\u00f6nch den schweren Kn\u00fcppel erhoben. Willig folgte der fremde Ritter der Aufforderung, l\u00f6ste den Riemen und nahm den Helm vom Kopf.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie auf eine Geistererscheinung blickten die beiden M\u00e4nner auf den Reiter. &#8222;K\u00f6nig &#8211; K\u00f6nig Richard!&#8220; brach Robin fast stammelnd aus und beugte das Knie. Der M\u00f6nch tat desgleichen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ihr seid wieder zur\u00fcck, Majest\u00e4t&#8220;, sagte Robin. Erst langsam begann er, sich zu fassen. &#8222;Vergebt mir, Majest\u00e4t, das gro\u00dfe Auftreten&#8220;, sagte er dann, &#8222;ich ahnte ja nicht . . .&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ihr habt nicht zu bitten, Robin Hood. Mit mir ist ganz England in Eurer Schuld. In Eurer Schuld und der Eurer verwegenen Gesellen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>G\u00fctig l\u00e4chelnd stieg der K\u00f6nig vom Pferde. &#8222;Robin Hood&#8220;, sagte er. &#8222;Kniet nieder, hier an der St\u00e4tte, wo Ihr f\u00fcr die Freiheit gek\u00e4mpft habt.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Der K\u00f6nig hatte sein Schwert gezogen und legte es dem Knienden auf die Schulter. &#8222;Robin Hood, ich schlage Euch hiermit zum Ritter meiner Krone und ernenne Euch hiermit zum Herzog,&#8220; sagte er, als Herzog von Locksley sollt Ihr das Land hier ringsum als Lehen aus meiner Hand \u00fcbernehmen und f\u00fcr mich in Treue verwalten. Erhebt Euch, Sir Robin!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Hand in Hand schritten die beiden dem Waldlager zu. Bruder Tuck f\u00fchrte des K\u00f6nigs Streitross am Z\u00fcgel.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit wilden Heilrufen umringten die Ge\u00e4chteten den K\u00f6nig und seinen neuen Herzog.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ich wei\u00df, wo ich meine Freunde zu suchen habe&#8220;, sagte K\u00f6nig Richard. &#8222;Ich werde sie zu belohnen wissen, und sie sollen die Stelle in meinem Reiche einnehmen, die ihnen zukommt und die dem Reiche f\u00f6rderlich ist!&#8220; Da breitete Robin seine Arme aus, als wollte er alle darin einschlie\u00dfen, und dann rief er, dass es hinauf klang bis zu den Baumkronen des Sherwood-Waldes: &#8222;Hoch Robins tollk\u00fchne Gesellen!&#8220; England hatte seinen Frieden wieder gefunden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ruhig, als sei es etwas ganz Allt\u00e4gliches, legte Robin den Pfeil ein, sch\u00e4tzte mit dem Auge die Entfernung und zielte sorgf\u00e4ltig. 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