{"id":1290,"date":"2021-03-25T00:21:43","date_gmt":"2021-03-24T23:21:43","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=1290"},"modified":"2025-12-28T03:58:04","modified_gmt":"2025-12-28T02:58:04","slug":"der-unartige-knabe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/der-unartige-knabe\/","title":{"rendered":"Der unartige Knabe"},"content":{"rendered":"\n<p>Hans-Christian Andersen<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Es war einmal ein alter Dichter, so ein richtig guter alter Dichter. Eines Abends, als er zu Hause sa\u00df, gab es drau\u00dfen ein schrecklich b\u00f6ses Wetter; der Regen str\u00f6mte hernieder, aber der alte Dichter sa\u00df gem\u00fctlich an seinem Kachelofen, wo das Feuer brannte und die \u00c4pfel brutzelten.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDa bleibt kein trockener Faden an den Armen, die bei diesem Wetter drau\u00dfen sind! \u00ab sagte er, denn er war so ein guter Dichter.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Der b\u00f6se F\u00fcrst | Der unartige Knabe: M\u00e4rchen von H. C. Andersen (H\u00f6rbuch zum Einschlafen)\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/bAz-NJVhVMg?start=397&#038;feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>\u00bbOh, \u00f6ffne mir! Mich friert und ich bin so nass! \u00ab rief drau\u00dfen ein kleines Kind. Es weinte und klopfte an die T\u00fcr, w\u00e4hrend der Regen herabstr\u00f6mte und der Wind an allen Fenstern r\u00fcttelte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbArmer Kleiner! \u00ab sagte der alte Dichter und ging zur T\u00fcr und \u00f6ffnete. Da stand ein kleiner Knabe; er war ganz nackt, und das Wasser floss aus seinen langen, blonden Locken. Er zitterte vor K\u00e4lte. W\u00e4re er nicht hereingekommen, h\u00e4tte er gewiss in dem b\u00f6sen Wetter sterben m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbArmer Kleiner! \u00ab sagte der alte Dichter und nahm ihn bei der Hand. \u00bbKomm zu mir, ich werde dich schon erw\u00e4rmen! Wein und einen Apfel sollst du haben, denn du bist ein pr\u00e4chtiger Knabe! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Das war er auch. Seine Augen leuchteten wie zwei helle Sterne, und obwohl das Wasser aus seinen blonden Locken herabfloss, ringelten sie sich doch so sch\u00f6n. Er sah aus wie ein kleines Engelskind, war aber blass vor K\u00e4lte und zitterte am ganzen K\u00f6rper. In der Hand trug er einen herrlichen Flitzbogen, aber der war vom Regen v\u00f6llig verdorben. Alle Farben auf den h\u00fcbschen Pfeilen liefen vor N\u00e4sse ineinander.<\/p>\n\n\n\n<p>Der alte Dichter setzte sich an den Kachelofen, nahm den kleinen Knaben auf seinen Scho\u00df, dr\u00fcckte das Wasser aus seinen Locken, w\u00e4rmte seine H\u00e4nde in seinen eigenen und kochte ihm s\u00fc\u00dfen Wein. Da erholte er sich, bekam rote Wangen, sprang auf den Fu\u00dfboden und tanzte um den alten Dichter herum.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDu bist ein lustiger Knabe! \u00ab sagte der Alte. \u00bbWie hei\u00dft du?\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbIch hei\u00dfe Amor! \u00ab antwortete er. \u00bbKennst du mich nicht? Dort liegt mein Bogen! Damit schie\u00dfe ich, das kannst du mir glauben! Sieh, nun wird das Wetter drau\u00dfen wieder gut; der Mond scheint. \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbAber dein Bogen ist verdorben! \u00ab sagte der alte Dichter.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbDas w\u00e4re schlimm! \u00ab sagte der kleine Knabe, hob ihn auf und sah ihn an. \u00bbOh, der ist ganz trocken und hat gar keinen Schaden erlitten; die Sehne sitzt ganz straff. Nun, ich werde ihn probieren! \u00ab Dann spannte er ihn, legte einen Pfeil darauf, zielte und schoss den guten alten Dichter gerade ins Herz. \u00bbSiehst du nun, dass mein Bogen nichtverdorben war? \u00ab sagte er, lachte ganz laut und lief davon. Der unartige Knabe, so auf den alten Dichter zu schie\u00dfen, der ihn in die warme Stube hereingenommen hatte, so gut gegen ihn gewesen war und ihm den sch\u00f6nen Wein und den besten Apfel gegeben hatte!<\/p>\n\n\n\n<p>Der gute Dichter lag auf dem Fu\u00dfboden und weinte. Er war wirklich gerade ins Herz getroffen, und dann sagte er: \u00bbPfui, was ist dieser Amor f\u00fcr ein unartiger Knabe! Das werde ich allen guten Kindern erz\u00e4hlen, damit sie sich in acht nehmen k\u00f6nnen und niemals mit ihm spielen, denn er tut ihnen etwas zuleide! \u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Alle guten Kinder, M\u00e4dchen und Knaben, denen er dieses erz\u00e4hlte, nahmen sich vor dem b\u00f6sen Amor in acht; aber der f\u00fchrte sie doch an, denn er ist so durchtrieben! Wenn die Studenten aus den Vorlesungen kommen, dann l\u00e4uft er an ihrer Seite mit einem Buch unter dem Arm und hat einen schwarzen Rock an. Sie k\u00f6nnen ihn gar nicht erkennen. Und dann fassen sie ihn unter den Arm und glauben, er sei auch ein Student; aber da sticht er ihnen den Pfeil in die Brust. Wenn die M\u00e4dchen vom Pfarrer kommen und wenn sie eingesegnet werden, so ist er auch hinter ihnen her. Ja, er ist immer hinter den Leuten her! Er sitzt im gro\u00dfen Kronleuchter im Theater und brennt lichterloh, so dass die Leute glauben, es sei eine Lampe; aber sp\u00e4ter merken sie etwas anderes. Er l\u00e4uft im Schlosspark und auf den W\u00e4llen umher! Ja, er hat auch einmal deinem Vater und deiner Mutter gerade ins Herz geschlossen! Frage sie nur danach, so wirst du h\u00f6ren, was sie sagen. Ach, es ist ein b\u00f6ser Knabe, dieser Amor; mit ihm darfst du nie etwas zu tun haben! Hinter allen Leuten ist er her. Denk einmal, er Schoss sogar einen Pfeil auf die alte Gro\u00dfmutter ab; aber das ist lange her. Es ist vor\u00fcbergegangen, aber so etwas vergisst sie nie. Pfui, der b\u00f6se Amor! Aber nun kennst du ihn und wei\u00dft, was f\u00fcr ein unartiger Knabe er ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hans-Christian Andersen Es war einmal ein alter Dichter, so ein richtig guter alter Dichter. Eines Abends, als er zu Hause sa\u00df, gab es drau\u00dfen ein schrecklich b\u00f6ses Wetter; der Regen str\u00f6mte hernieder, aber der alte Dichter sa\u00df gem\u00fctlich an seinem Kachelofen, wo das Feuer brannte und die \u00c4pfel brutzelten. \u00bbDa bleibt kein trockener Faden an [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[88,85],"tags":[],"class_list":["post-1290","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-hans-chr-andersen","category-maerchen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1290","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1290"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1290\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1292,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1290\/revisions\/1292"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1290"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1290"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1290"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}