{"id":128,"date":"2015-10-06T02:32:52","date_gmt":"2015-10-06T00:32:52","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=128"},"modified":"2025-12-15T20:16:52","modified_gmt":"2025-12-15T19:16:52","slug":"der-arme-und-seine-mira","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/der-arme-und-seine-mira\/","title":{"rendered":"Der Arme und seine Mira"},"content":{"rendered":"<p><!--more--><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Ein Bauer, ein blutarmer Schlucker, hatte nicht so viel Erde, um sich begraben zu lassen, oder wo er sein Haupt hinlegen k\u00f6nnte, weder \u00fcber noch unter der Erde, sondern nur einen lahmen Esel Allah segne ihn! -, und t\u00e4glich trieb er ihn vor sich hin und zog in den Wald und sammelte d\u00fcrres Holz und Reisig und brachte es in die Stadt und verkaufte es und schlug sich so Tag f\u00fcr Tag mit seiner Familie durch.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Eines Tages, als er in den Stra\u00dfen und Gassen des Ortes umherzog und ausrief: \u00bbGutes Brennholz!\u00ab, rief man ihn aus einem vornehmen Hause heran, er solle eintreten, damit sie das Brennholz kauften. Der Bauer trat in den Flur, verkaufte das Brennholz an die Bediensteten, die Lakaien, und lud es im Keller ab und setzte sich und sah die Sch\u00e4tze und Reicht\u00fcmer des Hauses und wartete und wartete, dass sie ihm das Brennholz bezahlten. Aber jene sagten ihm, er solle wieder heraufkommen, dass es ihm der Herr bezahle. Da legte der Bauer seine Scheu ab und fasste Mut und stieg die aus Marmor gehauenen, verzierten Treppen hinauf, die dem Mann Sinn und Verstand raubten, als er in jenes vornehme Haus eingetreten war, das so pr\u00e4chtig ausgestattet und geschm\u00fcckt war mit Kronleuchtern, wie eine bemalte Kirche. Und der Herr sa\u00df ausgestreckt auf einem Stuhl aus Nussbaumholz, der strahlte und blitzte von Diamanten; und er bewunderte den Mann: der hielt eine mit Troddeln verzierte Wasserpfeife aus Olivenholz in den H\u00e4nden und sog Rauch ein, der wie Moschus duftete, und der Mann verging fast vor Wohlgeruch. Dem Bauern wurde schwindelig, und er war einer Ohnmacht nahe, und er nahm seine M\u00fctze an der Krempe ab und neigte sich und machte eine Verbeugung und sagte zu dem Herrn, er m\u00f6ge ihm das Brennholz bezahlen. Der Herr zog aus seiner Tasche einen Geldbeutel, so gro\u00df wie der Samenbeutel des Ackerknechts und nahm daraus zwei Piaster und gab sie ihm. Und er ging auf und davon, halb schwindelig. Und als er wieder zu sich gekommen war und sich vollends davonmachte, fragte er die Diener, was f\u00fcr einen Beruf der Herr aus\u00fcbe; und jene antworteten ihm, er sitze jeden Tag auf dem Stuhl und rauche seine Pfeife, und seine Mira spinne mit der goldenen Spindel.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbSieh an\u00ab, sprach der Bauer, \u00bbdas ist ein Beruf, zu sitzen und zu rauchen und ein herrliches Leben zu f\u00fchren: das habe ich fr\u00fcher nicht gewusst. Da habe ich nun den ganzen Tag im Walde mich geplagt mit dem Brennholz und dem Reisig. Von jetzt an werde ich ebenso verfahren, und &gt;was regnen will, das mag herunterkommen&lt;.\u00ab Unser guter Bauer kommt an einem Tabakladen vorbei, gibt die zwei Piaster und kauft Tabak und f\u00fcllt seinen Tabaksbeutel und kehrt nach Hause zur\u00fcck ohne Brot, ohne Essen und setzt sich auf einen Sessel, den er hatte, einen zerbrochenen, und beginnt den Tabak zu rauchen und leert den Kopf der Wasserpfeife; er schl\u00fcrfte und w\u00e4lzte und r\u00e4kelte sich und geb\u00e4rdete sich wie ein Aga von Karystos. Seine Frau, die Ungl\u00fcckliche, sieht und sieht wieder, dass er nicht einen Bissen Brot hat, dass ihre Kinder das Abendessen h\u00e4tten und zu Bett gehen k\u00f6nnten. Sie \u00e4rgerte und regte sich innerlich auf, aber was sollte sie machen? Sie legte sich in die Ecke des Hauses, klagend, ver\u00e4rgert, entr\u00fcstet, und das Gras verwelkte von dem hei\u00dfen Kummer ihres Herzens. Der Bauer, ihr Mann, regt sich nicht die Spur auf, raucht fortw\u00e4hrend, f\u00fcllte und leerte wieder den Pfeifenkopf und ruft seine Frau und sagt zu ihr: \u00bbFrau, warum gr\u00e4mst du dich? Sorge dich gar nicht! Von nun an werden auch wir vornehm werden. \u00ab &#8211; \u00bbAber wie sollen wir fortkommen\u00ab, sagte jene zu ihm, \u00bbdie wir nichts haben, den Kindern zum Mittag zu geben?\u00ab &#8211; \u00bbSorge dich nicht! Gott ist gro\u00df.\u00ab Er machte Feuer, f\u00fcllte und leerte die Pfeife. Wie es eben geht &#8211; Gott lie\u00df den Tag vergehen: der Bauer r\u00fchrt nicht den Fu\u00df; weder nach Brennholz noch nach Reisig hat er Lust zu gehen.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Es kam ihr Nachbar und nahm den lahmen Esel, um eine Ladung Ziegelerde von gegen\u00fcber aus der Tongrube zu holen. Es ging also der Nachbar, machte sich daran, grub und grub Ziegelerde. Da merkte er bei seinem Hieb mit der Hacke, dass sie an etwas Hartes anklang; er schaut nach, was zu sehen w\u00e4re &#8211; eine Tonne bis oben gef\u00fcllt mit venezianischen Goldst\u00fccken und Heiligen-Konstantins-M\u00fcnzen, ungeregelt und mit den Schw\u00e4nzen zusammengebunden, kostbare und wundervolle Sachen. Er f\u00fchrt einen Hieb mit der Hacke: es entstand oben ein Loch, und die Goldst\u00fccke flogen heraus und wurden \u00fcber die Erde und die L\u00f6cher verstreut; und die Geschichte gl\u00e4nzte und blitzte. Und unser guter Nachbar nahm und sammelte mit seinen F\u00e4usten die Goldst\u00fccke und packte sie in die S\u00e4cke, dass sie wie W\u00fcrste aussahen, und auf die \u00d6ffnung breitete er Erde, damit die Goldst\u00fccke vor den Augen der Leute verborgen blieben. Was soll ich dir sagen &#8211; er belastete den Esel \u00fcberm\u00e4\u00dfig und f\u00fchrte und trieb ihn nach dem Dorf. Aber auf dem halben Weg \u00fcberlegte er, dass noch viele Goldst\u00fccke in der Erde steckengeblieben seien; und er kehrte um &#8211; drehte um, um alle zusammenzuschaffen. Er wanderte also nach der Tongrube, b\u00fcckte sich, las die Goldst\u00fccke zusammen und sackte sie voll Freude ein. Aber &gt;mitten in der Freude kommt der Steuereinnehmer&lt;, wie die Alten sagten &#8211; unversehens fiel er hin, die Tongrube st\u00fcrzte zusammen und begrub unsern ungl\u00fcckseligen Nachbarn, und er konnte sich weder hierhin noch dorthin drehen noch einen Mucks von sich geben noch Atem holen.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Lassen wir ihn dort krepieren, und wenden wir uns zu unserem Herrn Esel, welcher, immer weidend, Schritt f\u00fcr Schritt weiterging, bis er im Hause seiner Besitzerin ankam, wie er es gewohnt war. Die Frau sieht den Esel beladen. Sie wartet und wartet, dass der Nachbar vorbeikomme, ihn ins Haus zu nehmen und zu entlasten; aber der bleibt unsichtbar. Sie ruft ihren Mann, er solle herauskommen und ihn entlasten. Bah! Wo kommt der zur T\u00fcr heraus, er gibt nicht einmal eine Antwort. Die Frau h\u00e4lt es nicht mehr aus, den Esel beladen und belastet zu sehen; sie ging hinaus und wollte die S\u00e4cke abnehmen, aber sie sieht, dass die verw\u00fcnschten nicht zu heben sind. Sie schaut zu, durchw\u00fchlt sie, wurde starr vor dem Glanz, dem Leuchten der Goldst\u00fccke und war einer Ohnmacht nahe vor Freude. Sie macht sich flugs heran, hebt mit gro\u00dfer M\u00fche die S\u00e4cke herunter und entleert sie in den Keller und in den Bettkasten und geht und r\u00fcttelt ihren Mann auf. Und der kommt auch und sieht jene Goldst\u00fccke in Haufen; die leuchteten wie die Strahlen der Sonne und machten ihn ganz verr\u00fcckt, und er war nahe daran, den Verstand zu verlieren. jedoch kam er wieder zu sich, und sie sammelten und schafften die Gulden St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck an unsichtbare Orte.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Von da ab wurden sie reich und vornehm, und sie und ihre Kinder f\u00fchrten ein angenehmes Leben. M\u00f6ge es wie jenen auch unsern Kindern ergehen und allen, die uns wohlwollen! Seitdem hat man das Paradoxon aufgebracht: \u00bbDer Arme und seine Mira\u00ab.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[85],"tags":[],"class_list":["post-128","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-maerchen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/128","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=128"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/128\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":129,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/128\/revisions\/129"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=128"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=128"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=128"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}