{"id":126,"date":"2015-10-06T02:27:46","date_gmt":"2015-10-06T00:27:46","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=126"},"modified":"2026-01-16T21:30:03","modified_gmt":"2026-01-16T20:30:03","slug":"die-legende-von-dem-arabischen-astrologen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-legende-von-dem-arabischen-astrologen\/","title":{"rendered":"Die Legende von dem arabischen Astrologen"},"content":{"rendered":"\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Die Legende von dem arabischen Astrologen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">In alten Zeiten, vor vielen hundert Jahren herrschte einmal ein maurischer F\u00fcrst mit Namen Aben Habuz \u00fcber das K\u00f6nigreich Granada. Er war ein Eroberer, der sich, nach einem Leben voll Kampf und durch Raubz\u00fcge reich geworden, nun im Alter nach Ruhe sehnte. Schwach und kr\u00e4nklich wollte der alte Haudegen mit der ganzen Welt in Frieden leben, sich die Lorbeeren seines Ruhms bewahren und in Ruhe den Besitz genie\u00dfen, den er in fr\u00fcheren Jahren seinen Nachbarn kaltbl\u00fctig entrissen hatte.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Es begab sich indessen, dass dieser h\u00f6chst verst\u00e4ndige und friedliebende alte Monarch es mit jungen Nebenbuhlern zu tun bekam. Diese F\u00fcrsten und Prinzen erf\u00fcllte, wie einst ihn selbst, ein gro\u00dfes Verlangen nach Ruhm und Kampf, und sie alle wollten das ihren V\u00e4tern fr\u00fcher zugef\u00fcgte Unrecht r\u00e4chen und alte Scharten auswetzen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Ja ganze Provinzen seiner eigenen Lande erhoben sich in Waffen gegen ihn, der sie in den Tagen seiner Kraft und St\u00e4rke grausam und hart behandelt hatte. Von allen Seiten war er also von Feinden umringt, und sie drohten ihn bereits aus seiner Hauptstadt zu verjagen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Der ungl\u00fcckliche Landesvater war krank und bedr\u00fcckt. Wegen der gebirgigen Umgebung von Granada war dauernde Wachsamkeit erforderlich, da man nie wissen konnte, ob sich in den engen Gebirgsschluchten nicht Feinde verborgen hielten, die pl\u00f6tzlich zum Angriff \u00fcbergehen konnten.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Unn\u00fctz schienen die Wachtt\u00fcrme auf den Bergen und die Feldwachen auf P\u00e4ssen und H\u00e4ngen, die nachts mit Feuer und tags\u00fcber mit Rauchzeichen jede Ann\u00e4herung von Feinden schnellstens zur K\u00f6nigsburg melden sollten. Durch ihre Schl\u00e4ue lie\u00dfen seine Gegner alle Vorsichtsma\u00dfregeln zum Gesp\u00f6tt werden und machten jede strategische Planung zunichte.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Unerwartet brachen sie aus einem un\u00fcbersichtlichen Engpass hervor, verw\u00fcsteten ihm sein Land vor der Nase und machten sich dann mit Gefangenen und reicher Beute in die Berge davon. War je ein friedliebender ehemaliger Krieger in einer unbehaglicheren Lage als dieser nach Ruhe und Beschaulichkeit seufzende alte Eroberer?<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">W\u00e4hrend Aben Habuz von Schwierigkeiten und Sorgen dieser Art gequ\u00e4lt wurde und in schlaflosen N\u00e4chten zum Himmel um Hilfe flehte, kam eines Tages ein alter arabischer Arzt an den K\u00f6nigshof. Des Weisen Bart fiel bis auf den G\u00fcrtel herab, und alles zeugte von seinem hohen Alter. Der gebrechliche, ehrw\u00fcrdige Greis hatte den ganzen Weg von \u00c4gypten her zu Fu\u00df und ohne irgendeine Hilfe zur\u00fcckgelegt; als einzige St\u00fctze diente ihm sein mit Hieroglyphen bedeckter Wanderstab.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Der Ruf eines gro\u00dfen Denkers ging dem gelehrten Mann voraus, und auch am granadinischen Maurenhof war der Name Ibrahim Ebn Abu Ayub, so n\u00e4mlich hie\u00df der Astrologe aus dem fernen Morgenland, wohl bekannt und allgemein geehrt. Man erz\u00e4hlte sich, und manche behaupteten, da gebe es gar keinen Zweifel, dass er seit den Tagen Mohammeds lebe und der Sohn von Aju Ajeeb sei, dem letzten der Gef\u00e4hrten des Propheten. Schon als Knabe war er dem Eroberungsheer Amrus nach \u00c4gypten gefolgt; dort hielt er sich \u00fcber viele viele Jahre hin unter den hochgelehrten Priestern auf und lernte deren geheime Wissenschaften, ganz besonders aber die so tiefsch\u00fcrfende \u00e4gyptische Magie.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Auch glaubte man von ihm zu wissen, dass er das Geheimnis, das Leben zu verl\u00e4ngern kenne, weswegen er inzwischen ein Alter von \u00fcber zweihundert Jahren erreicht habe.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Dieser Mann wurde vom K\u00f6nig ehrenvoll aufgenommen und in hoher Gunst gehalten, was leicht verst\u00e4ndlich war, denn allen alten Monarchen, kranken Machthabern und gichtbr\u00fcchigen Potentaten sind \u00c4rzte und Gesundbeter hochwillkommen. Der K\u00f6nig wollte ihm eine Zimmerflucht in seinem Palast anweisen, aber der Sternkundige zog eine H\u00f6hle als Wohnung vor. Er fand sie auf der Granada zugekehrten Seite jenes Berges, dort wo sich heute stolz die Alhambra erhebt. Er lie\u00df von kundigen Arbeitern diesen seinen k\u00fcnftigen Wohnraum zu einer weiten hohen Halle erweitern. Oben in der Decke wurde durch den Fels ein rundes Loch geschlagen, so dass er, wie aus einem Schacht, den Himmel beobachten und die Sterne selbst am Mittag sehen konnte. Die hohen W\u00e4nde dieses Saales waren mit \u00e4gyptischen Hieroglyphen bedeckt. Er stellte drinnen an bestimmten Pl\u00e4tzen Apparate und Gestelle auf, die gem\u00e4\u00df seinen Anordnungen von den geschicktesten Handwerkern Granadas angefertigt wurden, deren Ziel und Zweck und Eigenschaften aber nur er allein kannte.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Schon nach kurzer Zeit war der weise Ibrahim der engste Berater des alten K\u00f6nigs, der ihn bei jedem wichtigen Problem um seine Meinung fragte. Einst beklagte sich Aben Habuz bitter \u00fcber seine ruchlosen f\u00fcrstlichen Nachbarn und erz\u00e4hlte dem gespannt zuh\u00f6renden Magier von der seine Gesundheit aufreibenden Wachsamkeit, die er \u00fcben m\u00fcsse, um sich vor den \u00dcbergriffen dieser Raubgesellen zu sch\u00fctzen. Als er zu Ende gekommen war, schwieg der Astrologe nachdenklich, und nach einer Weile erwiderte er mit leiser Stimme: \u00bbWisse, o K\u00f6nig, dass ich w\u00e4hrend meines Aufenthaltes in \u00c4gypten ein wundervolles Kunstwerk sah, das einer der alten heidnischen Priester vor vielen Jahren erdacht hatte. Auf einem Berg \u00fcber der Stadt Borsa, wo man das gro\u00dfe Tal des Nils \u00fcberschauen kann, stand aus Erz gegossen die Figur eines Widders und dar\u00fcber die eines Hahnes; beide Tierbilder konnten sich auf Zapfen und Angeln drehen. Und nun staune \u00fcber das Wunderwerk! Wenn immer dem Land ein feindlicher Einfall drohte, dann schwenkte der Widder in seinem Lager herum und schaute in die Richtung des Angreifers, und der Hahn begann laut zu kr\u00e4hen. Die Bewohner der Stadt hatten also sofort Kunde von der Gefahr und wussten gleich von vornherein die Stellung des Gegners und kannten innerhalb kurzer Zeit die Sto\u00dfrichtung seiner Truppen. Es war jetzt leicht, die zweckdienlichen Vorkehrungen zu treffen, um sich zu sch\u00fctzen und den Widersacher zu vernichten. \u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbGott ist gro\u00df!\u00ab rief der friedfertige Aben Habu, \u00bbwelch ein Schatz w\u00e4re ein solcher Widder, der unerm\u00fcdlich Wache hielte und kein Auge von den Bergen der Umgebung lie\u00dfe! Und erst der Hahn, dessen Kr\u00e4hen die wehrhaften M\u00e4nner meiner Garden zu den Waffen ruft! Allah akbar! wie ruhig und sicher k\u00f6nnte ich mit einem solchen Sp\u00e4her auf dem Turm in meinen Gem\u00e4chern leben! \u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Der Astrologe wartete, bis sich der K\u00f6nig etwas beruhigt hatte und fuhr dann fort: \u00bbNachdem der siegreiche Amru &#8211; er m\u00f6ge in Frieden ruhen! &#8211; die Eroberung \u00c4gyptens vollendet hatte, blieb ich weiterhin bei den alten Priestern des Landes und machte mich mit den Gebr\u00e4uchen und Riten ihres G\u00f6tzenglaubens bekannt. Ich suchte jene geheimen Kenntnisse zu erwerben, f\u00fcr die sie so ber\u00fchmt und gef\u00fcrchtet waren. So sa\u00df ich wieder einmal am Ufer des Nils und unterhielt mich mit einem der erfahrensten Gelehrten. W\u00e4hrend des Gespr\u00e4chs wies er mit seiner ausgestreckten Rechten nach den m\u00e4chtigen Pyramiden, die Bergen gleich aus der benachbarten W\u00fcste emporragten.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">&gt;Alles, was wir dich lehren k\u00f6nnen&lt;, sagte er, &gt;ist nichts im Vergleich zur Weisheit und zur Wissenschaft, die in jenen m\u00e4chtigen Steinbauten eingeschlossen und verborgen In der Grabkammer der mittleren Pyramide dr\u00fcben ruht die Mumie des Hohepriesters, der diese staunenswerten Geb\u00e4ude errichten half. Dort drinnen mit ihm vergilbt das so wundervolle Buch der Weisheit, das alle Geheimnisse der Kunst und Magie enth\u00e4lt. Dieses Buch wurde Adam nach seinem Fall \u00fcbergeben und kam dann von Geschlecht zu Geschlecht bis auf Salomon den Weisen, der mit dessen Hilfe den Tempel von Jerusalem erbaute. Wie diese wertvollen Papyri in den Besitz des Erbauers der &#8220;Pyramiden kamen, das wei\u00df nur der, dem alle Dinge bekannt sind.&lt;<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Als ich diese Worte des \u00e4gyptischen Priesters h\u00f6rte, entflammte mein Herz, und es wurde mir klar, dass ich alles tun m\u00fcsse, um in den Besitz dieses Buches zu gelangen. Mir standen viele Soldaten und eine gro\u00dfe Anzahl eingeborener \u00c4gypter zur Verf\u00fcgung, \u00fcber deren Dienste ich bestimmen konnte. Mit diesen Hilfskr\u00e4ften ging ich tatkr\u00e4ftig ans Werk und lie\u00df die undurchdringlich scheinende Steinmasse der bezeichneten Pyramide \u00f6ffnen; nach gro\u00dfen Anstrengungen und schwerer Arbeit stie\u00df ich endlich auf einen ihrer inneren und verborgenen G\u00e4nge. Ich folgte &#8222;diesem und betrat ein furchtbares Labyrinth, durch das mich bis in das Herz der Pyramide durchk\u00e4mpfte und endlich den Weg zur Grabkammer fand. Dort lag seit Jahrhunderten unangetastet die Mumie des Hohepriesters.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;Ich zerschlug die \u00e4u\u00dfere Schutzh\u00fclle des einbalsamierten K\u00f6rpers, entfernte die vielen Binden und Tuchstreifen, in &#8222;die sie gewickelt war, und endlich fand ich, der Herzschlag &#8222;stockte mir, das kostbare Buch. Es lag auf der eingetrockneten Brust des Leichnams, dessen d\u00fcrre H\u00e4nde es umklammerten.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Zitternd vor Aufregung riss ich den Schatz an mich und suchte schnellstens aus der Pyramide zu entkommen. Die Mumie lie\u00df ich in ihrem dunklen und stillen Grabe, auf dass sie dort den j\u00fcngsten Tag der Auferstehung und des Gerichts erwarten m\u00f6ge. \u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbSohn des Abu Ayub\u00ab, rief Aben Habuz, \u00bbdu hast viele L\u00e4nder gesehen und wunderbare Dinge beobachtet; doch wozu n\u00fctzt mir das Geheimnis der Pyramide und das gelehrte Buch des weisen Salomo?\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbWohl kann es dir n\u00fctzen, mein K\u00f6nig! Genau studierte ich den Inhalt dieses Buches des Wissens, so dass ich heute in allen magischen K\u00fcnsten unterrichtet bin und \u00fcber Geister gebiete, die meine Pl\u00e4ne und mein Wollen f\u00f6rdern und ausf\u00fchren. Mir ist das Geheimnis des Wunders von Borsa bekannt, und ich kann dir einen Talisman von gr\u00f6\u00dferen Wunderkr\u00e4ften bauen als der Widder und der Hahn zu Borsa es waren, die jener Priester einst schuf.\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbKluger Sohn des Abu Ayub\u00ab, sprach Aben Habuz, \u00absolcher Talisman w\u00e4re besser als alle Wacht\u00fcrme auf den Bergen und alle W\u00e4chter und Krieger an den Grenzen. Gib mir diesen Schutz, und alle Reicht\u00fcmer meiner Schatzkammern sollen dir zur Verf\u00fcgung stehen. \u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Der Astrologe ging sofort an die Arbeit, um den Wunsch des K\u00f6nigs zu verwirklichen. Er lie\u00df auf dem h\u00f6chstgelegenen Teil des Palastes, der sich auf der Kuppe des Albaicin erhob, einen m\u00e4chtigen Turm errichten. Als Baumaterial verwendete er quader\u00e4hnliche Steine, die vor Zeiten in \u00c4gypten behauen wurden und, wie man sagt, von einer der \u00e4ltesten Pyramiden stammen sollen. Im obersten Teil des Turmes war ein runder Saal, dessen Fenster nach allen Himmelsrichtungen hin ins Freie zeigten. Vor jedem Fenster befand sich ein Tisch mit einer sch\u00f6n gearbeiteten Platte, worauf, wie auf einem Schachbrett ausgerichtet, viele kleine aus Holz geschnitzte Figuren standen; ein symbolisches Heer von Reitern und Kriegern zu Fu\u00df und auf Streitwagen, angef\u00fchrt von demjenigen F\u00fcrsten, der in der jeweiligen Richtung Habuz&#8216; Nachbar war.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Auf jedem dieser sinnbildlichen Schlachtfelder lag auch eine kleine lanzenf\u00f6rmige Nadel, die bestimmte chald\u00e4ische Schriftzeichen trug. Der beschriebene Saal wurde immer verschlossen gehalten; die T\u00fcren waren aus Bronze und die Schl\u00f6sser aus hartem Eisen. Die Schl\u00fcssel trug der K\u00f6nig st\u00e4ndig bei sich.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Auf der Spitze des Turmes stand, auf einem Zapfen drehbar, die Bronzestatue eines maurischen Reiters. Den festen Schild im starken Arm, die Lanze gesenkt, so schaute der eherne Maure auf seine Stadt hinab, als wache er \u00fcber &#8218;,sie. Wenn aber irgendein Feind den Grenzen der Heimat nahe kam, dann drehte sich der Ritter in diese Richtung und legte die Lanze wie zum Kampf ein.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Als das Wunderwerk fertig war, wurde der K\u00f6nig ganz ungeduldig. Er wollte sobald wie m\u00f6glich seine geheime Kraft ausprobieren, er w\u00fcnschte nun sehns\u00fcchtiger einen feindlichen \u00dcberfall herbei, als er je in fr\u00fcheren Jahren nach Ruhe geseufzt hatte. Und bald sollte sein Wunsch ,sich erf\u00fcllen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Eines Morgens zu sehr fr\u00fcher Stunde brachte der den Turm bewachende Posten die Nachricht, dass der Reiter auf dem Giebel nach der Sierra Elvira schaue und die Lanzenspitze nach dem Paso de Lope weise.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbLa\u00dft mit Trommeln und Trompeten zu den Waffen rufen und ganz Granada alarmieren\u00ab, befahl mit lauter Stimme K\u00f6nig Aben Habuz.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bb0 edler K\u00f6nig\u00ab, sagte der Astrologe, \u00bbbeunruhige nicht die guten B\u00fcrger deiner Stadt, nicht all die Krieger in ihren Quartieren, denn wir k\u00f6nnen ihre Waffenhilfe entbehren. &#8218;Entlasse deine Begleiter. Ganz allein wollen wir zu dem geheimen Saal auf dem Turm gehen.\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;,Der greise Aben Habuz stieg langsam die steile Turmtreppe hinauf. Er st\u00fctzte sich auf den Arm des fast zwei hundertj\u00e4hrigen Ibrahim Abu Ayub. Sie schlossen die T\u00fcr<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">&#8222;A auf, diese knarrte laut in den Angeln, und beide traten in die helle Halle.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Das Fenster in der Richtung nach dem Paso de Lope stand offen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbIn dieser Gegend steht der Feind; von dort droht Gefahr\u00ab, sagte Ibrahim und wies zu dem weit ge\u00f6ffneten Fenster. \u00bbTritt heran, o K\u00f6nig, und betrachte das Geheimnis, das sich dir auf der Tischplatte zeigt. \u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Der K\u00f6nig Aben Habuz n\u00e4herte sich dem scheinbaren Schachbrett, auf dem, wie er wusste, die kleinen h\u00f6lzernen Figuren aufgestellt waren. Interessiert betrachtete er die Truppen und schaute fragend zum Astrologen. Dieser wies stumm l\u00e4chelnd auf den Tisch, und da bemerkte der K\u00f6nig mit Erstaunen, dass sich die ganze Formation bewegte dass die kleinen Fig\u00fcrchen zu leben schienen. Die Streitrosse b\u00e4umten sich auf, trippelten und galoppierten; die Krieger schwangen ihre Waffen, und man h\u00f6rte den klaren Klang von Trommelwirbeln, Trompetenst\u00f6\u00dfen, das Klirren von Schwertern und Lanzen, Kommandorufe und das Wiehern der Pferde. Doch alles t\u00f6nte leise, nicht lauter, noch deutlicher als das Brummen der Hummeln und das Summen der Fliegen im Ohr des schl\u00e4frigen Wanderers, der an einem hei\u00dfen Mittag im Schatten eines Baumes ausruht.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbSiehe, o K\u00f6nig\u00ab, sagte der alte Magier, \u00bbhier hast du den Beweis, dass deine Feinde dich mit Krieg \u00fcberziehen wollen. Sie r\u00fccken \u00fcber das Gebirge vor und werden durch die Engp\u00e4sse von Lope in die Ebene vorsto\u00dfen. Willst du Schrecken unter sie bringen, sie zu einem raschen R\u00fcckzug ohne Verluste von Menschenleben zwingen, dann schlage die Figuren auf dem Tisch mit dem stumpfen Ende, mit dem Knopf der magischen Lanze. Willst du aber ein Gemetzel unter ihnen anrichten, sollen sich deine Feinde selbst zerfleischen, dann ber\u00fchre die h\u00f6lzernen Krieger mit der feinen Spitze des kleinen Speers. \u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Ein dunkler Schatten flog \u00fcber das Antlitz des friedliebenden Monarchen;, hastig fasste er nach der zauberkr\u00e4ftigen Waffe und trat an den Tisch. Der wei\u00dfe Patriarchenbart zitterte im ehrw\u00fcrdigen Gesicht des Herrschers \u00fcber das granadinische Volk, als er leise zwischen seinen Zahnl\u00fccken hervorzischte: \u00bbSohn des Abu Ayub ich denke, da wird ein wenig Blut vonn\u00f6ten sein. \u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Wie gesagt, so getan! Der K\u00f6nig stie\u00df die Zauberlanze in einige der sich bewegenden Zwerggestalten und bearbeitete gleich darauf wieder andere mit deren stumpfem Ende. Welch Wunder! Die einen fielen wie tot auf den Boden, und die \u00fcbrigen begannen untereinander zu streiten und erschlugen sich in einem m\u00f6rderischen Handgemenge.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Es kostete den Astrologen viel M\u00fche, der Hand des friedlichsten und besten aller Monarchen Einhalt zu gebieten, um ihn von einer v\u00f6lligen Vernichtung seiner Feinde abzuhalten. Doch schlie\u00dflich gelang es ihm, den K\u00f6nig zu beruhigen und ihn zu veranlassen, vom Turm herabzusteigen und Kundschafter durch den Engpass von Lope zu senden.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Diese kehrten mit der Nachricht zur\u00fcck, ein starkes christliches Heer sei durch das Herz der Sierra bis auf Sichtweite von Granada vorgedrungen; doch pl\u00f6tzlich, ohne erkennbaren Grund, w\u00e4re unter den Kriegern und den sie anf\u00fchrenden F\u00fcrsten ein Streit ausgebrochen, und nach einem m\u00f6rderischen Kampf aller gegen alle habe sich die Invasionsarmee in Aufl\u00f6sung \u00fcber die Grenzen in ihre Heimat zur\u00fcckgezogen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Aben Habuz war au\u00dfer sich vor Freude, als er die Wirksamkeit und die magische Kraft des Talismans auf solche Art best\u00e4tigt fand.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbEndlich\u00ab, sagte er, \u00bbwerde ich ein ruhiges Leben f\u00fchren, denn alle meine Feinde k\u00f6nnen mir nichts mehr anhaben; ich habe sie nunmehr g\u00e4nzlich in meiner Gewalt. Oh, weiser Sohn des gro\u00dfen Abu Ayub, was soll ich dir zum Lohn f\u00fcr dieses so segensreiche Kunstwerk schenken?\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbGering und einfach sind, mein K\u00f6nig, die Bed\u00fcrfnisse eines alten Mannes und Philosophen; stelle mir die Mittel zur Verf\u00fcgung, meine H\u00f6hle und Klause in eine wohnliche Einsiedelei zu verwandeln, dann bin ich v\u00f6llig zufrieden.\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbWie edel ist doch die M\u00e4\u00dfigung des wahrhaft Weisen!\u00ab rief Aben Habuz aus, herzlich froh, dass er so billig davongekommen war. Umgehend berief er seinen Schatzmeister und befahl ihm, alle jene Gelder fl\u00fcssig zu machen, die Ibrahim zur Vollendung und Ausstattung seiner Klause erbeten hatte.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Der Astrologe lie\u00df nun von ge\u00fcbten Steinmetzen verschiedene R\u00e4ume aus dem Felsen heraushauen; es entstand so nach k\u00fcnstlerischen, von ihm selbst ausgearbeiteten Entw\u00fcrfen, eine Zimmerflucht, die er mit der bereits bestehenden astronomischen Halle verband. Die W\u00e4nde wurden mit schweren Seidenstoffen aus Damaskus verkleidet, Diwane und schwellende Ottomanen luden zu Ruhe und Meditation, zu sinnenden Betrachtungen und philosophischem Denken ein.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbIch bin ein alter Mann\u00ab, sagte Ayub, \u00bbund kann mit meinen br\u00fcchigen Knochen nicht mehr auf steinernen Lagern ruhen, wie auch diese feuchten Zellenw\u00e4nde im lebenden Fels einer Verkleidung bed\u00fcrfen, denn un\u00e4sthetisch w\u00e4ren doch f\u00fcr K\u00fcnstleraugen wassertriefende Mauern.\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Auch befahl er B\u00e4der einzurichten und versah diese dann mit aller Art von Wohlger\u00fcchen und aromatischen \u00d6len.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbEin Bad\u00ab, meinte er, \u00bbist notwendig, um der Steifheit des Alters entgegenzuwirken und dem durch das Studium eingeschrumpften K\u00f6rper wieder Frische und Geschmeidigkeit zu geben. \u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Dann lie\u00df er die Zimmer und S\u00e4le mit unz\u00e4hligen und herrlichen Lampen und Ampeln aus Silber und Kristall schm\u00fccken, die ihrerseits mit einem wohlriechenden \u00d6l gef\u00fcllt wurden, das nach einem von ihm in den Gr\u00e4bern \u00c4gyptens entdeckten Rezept hergestellt wurde. Das \u00d6l verzehrte sich nie und str\u00f6mte einen sanften Schein aus, gleich der Sonne in den fr\u00fchen Morgenstunden.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbDas Tageslicht\u00ab, sagte Ibrahim den k\u00f6niglichen Mitarbeitern, \u00bbist zu grell f\u00fcr das Auge eines alten Mannes, und viel angemessener finde ich den ruhigen Schein der Lampen, denn er f\u00f6rdert die geistige Sammlung und die Studien eines Philosophen.\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Der Schatzmeister des K\u00f6nigs Aben Habuz st\u00f6hnte und seufzte \u00fcber die Menge Geldes, die er t\u00e4glich zur Ausstattung der Einsiedelei hergeben und der Staatskasse entnehmen musste. Bald trug er eine diesbez\u00fcgliche Klage seinem Herrn vor. Aber Aben Habuz hatte sein Wort verpf\u00e4ndet, und das einmal gegebene Versprechen musste gehalten werden. Mit den Schultern zuckend, antwortete der K\u00f6nig dem vor ihm stehenden Hofmarschall:<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbWir m\u00fcssen Geduld haben. Der Alte baut sich sein Philosophenheim nach Pl\u00e4nen und Vorstellungen, die auf seine Besuche und Studien in Pyramiden und auf \u00e4gyptischen Tr\u00fcmmerfeldern, in Tempeln und Pharaonenpal\u00e4sten zur\u00fcckzuf\u00fchren sind. Aber alles hat ja einmal sein Ende, so bestimmt auch die Einrichtung dieser Astrologenh\u00f6hle.\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Und der K\u00f6nig hatte recht; die Klause war endlich fertig und bildete einen prachtvollen, unterirdischen M\u00e4rchenpalast.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbIch bin nun zufrieden\u00ab, sagte der anspruchslose Ibrahim Ibn Abu Ayub zu dem Schatzmeister, \u00bbich ziehe mich in meine Zelle zur\u00fcck und widme von nun an die Zeit dem Studium und der philosophischen Meditation. Ich brauche nichts mehr, gar nichts, au\u00dfer einen ganz unbedeutenden Zeitvertreib, um mich in den Arbeitspausen unterhalten und nach Stunden ernsten Denkens geistig entspannen zu k\u00f6nnen. \u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbNun, Ibrahim, verlange was du willst. Alles soll beschafft werden, wonach es dir in deiner Einsamkeit gel\u00fcstet.\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbDann m\u00f6chte ich noch eine Anzahl von T\u00e4nzerinnen haben\u00ab, sagte ernst der einsiedlerische Philosoph.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbT\u00e4nzerinnen?\u00ab fragte der erstaunte Schatzmeister.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbja, T\u00e4nzerinnen\u00ab, erwiderte \u00fcberlegt der Weise. \u00bbEs brauchen nicht viele zu sein, denn ich bin ein alter Mann, ein Philosoph von einfachen Gewohnheiten und leicht zufrieden zu stellen. Die ausgew\u00e4hlten M\u00e4dchen m\u00fcssen jedoch jung und sch\u00f6n sein, weil ja nur Jugend und Sch\u00f6nheit das Herz eines alten Mannes h\u00f6herschlagen l\u00e4sst und seinen Kennerblick erfreut.\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">W\u00e4hrend nun der Philosoph Ibrahim Ibn Abu Ayub seine Zeit so weise und zur\u00fcckgezogen in der Klause hinbrachte, f\u00fchrte der friedfertige Aben Habuz im Turmzimmer hinter fest verschlossenen T\u00fcren w\u00fctende Scheinkriege. Es war h\u00f6chst r\u00fchmlich f\u00fcr einen alten Mann von ruhigen Sitten, wie er, sich das Kriegshandwerk so leicht als m\u00f6glich zu machen und von seinem Zimmer aus sich damit zu unterhalten, ganze Heere wie Fliegenschw\u00e4rme verjagte.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Eine Zeitlang schwelgte er in der Befriedigung seiner Launen und reizte, verspottete und beleidigte sogar seine Nachbarn, um sie zu \u00dcberf\u00e4llen in sein Land zu verleiten. Aber allm\u00e4hlich beeindruckte sie doch ihre milit\u00e4rische Machtlosigkeit dem Granadiner gegen\u00fcber, und als Folge der wiederholten Niederlagen wagte endlich niemand mehr, dessen Gebiet in feindlicher Absicht zu betreten.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Viele Monde blieb der eherne Reiter auf der Turmspitze in Friedensstellung und schaute zufrieden auf das sch\u00f6ne Granada herab. Der w\u00fcrdige Monarch wurde ob der Eint\u00f6nigkeit des Lebens schon ganz verdrie\u00dflich, und er empfand das Fehlen des gewohnten Zeitvertreibs wirklich \u00e4u\u00dferst schmerzlich.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Da, eines Tages drehte sich der Reiter pl\u00f6tzlich herum, senkte sofort seinen langen Speer zum Angriff und deutete beharrlich hinauf auf die Berge von Guadix. Aben Habuz eilte umgehend auf den Turm, lief zum offenen Fenster, aber der magische Tisch davor blieb ruhig; kein einziger Krieger war in Bewegung, unbelebt blieben die Zwergfiguren. Von diesem Umstand etwas verwirrt, schickte er sogleich einen Trupp Reiter los und befahl ihnen, das ganze Gebirge zu durchstreifen und zu durchforschen. Nach dreit\u00e4giger Abwesenheit kamen sie endlich zur\u00fcck und meldeten ihrem obersten Kriegsherrn: \u00bbWir haben den Engpass durchsucht, jeden Berg und jeden Wald durchst\u00f6bert\u00ab, berichteten sie, \u00bbaber wir fanden nichts, weder Helm noch Speer ward sichtbar. Alles, was uns in die H\u00e4nde fiel, ist ein christliches M\u00e4dchen von au\u00dferordentlicher Sch\u00f6nheit, das wir um Mittag neben einem Brunnen im Schatten gr\u00fcner \u00d6lb\u00e4ume schlafend antrafen, und das wir dir nun als Gefangene mitbringen. \u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbEin M\u00e4dchen von au\u00dferordentlicher Sch\u00f6nheit!\u00ab rief Aben Habuz mit zitternder Stimme und vor Erregung funkelnden Augen. \u00bbMan f\u00fchre es hierher vor meinen Diwan! \u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Die sch\u00f6ne Unbekannte wurde vor den K\u00f6nig geleitet. Sie war in all die reiche Pracht gekleidet, die zur Zeit der arabischen Eroberung bei der hispano-gotischen Bev\u00f6lkerung Iberiens Sitte war. In ihren schwarzen Z\u00f6pfen trug sie Perlen von blendend funkelndem Wei\u00df; kostbares Geschmeide glitzerte auf Stirn und Nacken und wetteiferten mit dem Glanz ihrer herrlichen Augen. \u00dcber die Schultern hing eine goldene Kette; sie reichte ihr bis zur H\u00fcfte und hielt eine feingeschwungene, silberne Leier.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Die Strahlen ihrer dunklen, gl\u00e4nzenden Augen trafen wie Flammenpfeile das verwitterte und verwelkte, aber noch immer entz\u00fcndbare Herz des ehrw\u00fcrdigen Aben Habuz; die schwellende \u00dcppigkeit ihres Wuchses, die aufreizende Elastizit\u00e4t ihres K\u00f6rpers lie\u00df seine Sinnlichkeit zu neuem Leben erwachen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbSch\u00f6nste aller Frauen\u00ab, rief er entz\u00fcckt, \u00bbwer und was bist du?\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbDie Tochter eines der Gotengrafen, die noch vor kurzer Zeit dieses Land beherrschten. Die Krieger meines Vaters wurden wie durch Zauberkraft in diesem Gebirge vernichtet und er selbst mit den wenigen \u00dcberlebenden in die Verbannung getrieben. Seine Tochter ist nun deine Gefangene. \u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbH\u00fcte dich, K\u00f6nig! \u00ab fl\u00fcsterte Ibrahim Ihn Abu Ayub dem maurischen Monarchen ins Ohr, \u00bbes k\u00f6nnte dies eine jener nordischen Zauberinnen sein, von denen uns berichtet wird, dass sie die aufreizendsten und verf\u00fchrerischsten Formen und Gestalten annehmen, nur um arglose M\u00e4nner, auf die sie es abgesehen haben, zu bet\u00f6ren und zu ber\u00fccken. Ich meine, Zauberkraft in ihren Augen zu lesen und Hexerei in jeder ihrer Bewegungen. Dies ist ohne Zweifel der Feind, den uns der eherne Reiter meldete. \u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbSohn des Abu Ayub\u00bb, erwiderte der K\u00f6nig \u00fcberlegen l\u00e4chelnd, \u00bbich gebe gerne zu, dass du ein weiser Mann, ein gro\u00dfer Philosoph und ein seltener Zauberer bist; aber von Frauen, lieber Freund, scheinst du wirklich wenig zu verstehen. In Kenntnissen \u00fcber die weibliche Seele tut es mir keiner gleich, nein, auch der weise Salomon nicht, trotz der Vielzahl seiner Frauen und Konkubinen. Was nun dieses liebenswerte M\u00e4dchen anbelangt, so sehe ich wirklich keinen Makel an ihr; sie ist sch\u00f6n anzusehen und findet daher Gnade und Gunst vor meinen k\u00f6niglichen Augen.\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbH\u00f6r mir jetzt gut zu, mein K\u00f6nig!\u00ab, erwiderte der Astrologe. \u00bbIch habe dir mit meinen Kenntnissen und dem ehernen Talisman auf dem Turm zu vielen Siegen verholfen und niemals einen Beuteanteil von dir gefordert, wie es eigentlich Brauch und Sitte gewesen w\u00e4re. So gib mir denn heute diese verirrte Gefangene, auf dass sie mich in meiner Einsamkeit mit Gesang und Leierspiel aufmuntere und erfreue. Sollte sie aber wirklich eine Hexe sein, dann habe ich die wirksamen Gegenmittel, die all ihren Zauber unwirksam machen. \u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbWas! \u00ab schrie der K\u00f6nig Aben Habuz, \u00bbnoch mehr Weiber willst du haben? Hast du denn an den T\u00e4nzerinnen, die dir die Zeit vertreiben, nicht genug?\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbja, T\u00e4nzerinnen habe ich allerdings genug\u00ab, sagte ernst der Einsiedler, \u00bbaber es fehlen mir S\u00e4ngerinnen, und mein Geist bedarf dringend der Entspannung und Erfrischung, wenn er von meinen anstrengenden Studien und schwerer Denkarbeit erm\u00fcdet ist. \u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbGenug, alter Eremit!\u00ab rief erz\u00fcrnt der K\u00f6nig und sagte, jedem Wort Nachdruck verleihend:<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbDieses sch\u00f6ne Christenm\u00e4dchen ist f\u00fcr mich selbst bestimmt. Ich finde gro\u00dfen Gefallen an ihr, und sie soll mich tr\u00f6sten gleich der Sunamitin Abisag, deren Gesellschaft den alten Tagen Davids, des Vaters Salomons des Weisen, Glanz verlieh. \u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Weitere Bitten des Astrologen blieben erfolglos; der K\u00f6nig wollte um keinen Preis das sch\u00f6ne M\u00e4dchen hergeben, und schlie\u00dflich trennten sich der K\u00f6nig und der Magier, erz\u00fcrnt und zerstritten wegen einer Frau. Ibrahim schloss sich in seiner Klause von der Welt des Hofes ab, um br\u00fctend und philosophierend dar\u00fcber zu sinnen, wie es denn hatte angehen k\u00f6nnen, dass sein k\u00f6niglicher Freund seine wohlgemeinten Ratschl\u00e4ge so leichtsinnig missachtet hatte. Aber wo gibt es einen verliebten Greis, der auf einen Freundesrat h\u00f6rt? Aben Habuz war ein Sklave seiner Leidenschaft. Er wollte sich mit allen Mitteln bei der gotischen Sch\u00f6nen einschmeicheln, ihr gefallen und sich in den Besitz ihres Herzens setzen. Er war zwar nicht mehr jung, aber er besa\u00df Geld, Gold und Sch\u00e4tze, und wenn ein alter Liebhaber wirbt, dann ist er auch gew\u00f6hnlich sehr freigiebig. Der Zacatin von Granada wurde nach den kostbarsten Erzeugnissen des Orients durchw\u00fchlt: Seidenstoffe, Juwelen, herrliche Edelsteine, auserlesene Wohlger\u00fcche, alles, was Asien und Afrika Kostbares und Seltenes boten, wurden der spr\u00f6den Grafentochter zu F\u00fc\u00dfen gelegt. K\u00fcnstler ersannen Schauspiele und Festlichkeiten zu ihrer Unterhaltung. Es gab Musik, Gesang, Tanz, Kampfspiele und Stiergefechte. Granada feierte so ausschweifende Feste wie niemals zuvor, noch je danach. All das schien die Prinzessin nicht zu ber\u00fchren. Sie nahm diese Huldigungen hin wie jemand, der solche Pracht selbstverst\u00e4ndlich gewohnt ist. Es war f\u00fcr sie der Tribut, den man ihrer Sch\u00f6nheit schuldete. ja, es schien, als ob sie ein geheimes Vergn\u00fcgen daran f\u00e4nde, den K\u00f6nig zu Ausgaben zu veranlassen, die seinen Schatz hinschwinden lie\u00dfen und deren Zahlung dem Hofmarschall immer mehr Kopfzerbrechen bereitete. Dabei behandelte sie seine \u00fcberm\u00e4\u00dfige Freigebigkeit wie etwas, was sich ganz von selbst verst\u00fcnde, ohne dass der K\u00f6nig mit seinem Eifer und seiner Gro\u00dfz\u00fcgigkeit auf die so verehrte Sch\u00f6ne den geringsten Eindruck gemacht h\u00e4tte. Sie z\u00fcrnte ihm zwar nie, auch machte sie keine finsteren Mienen, aber sie l\u00e4chelte auch nie, und kein freundliches Wort kam \u00fcber ihre kalten und sch\u00f6n geschwungenen Lippen. Sooft der k\u00f6nigliche Liebhaber seinen Gef\u00fchlen Ausdruck verleihen und von seiner hei\u00dfen Liebe sprechen wollte, griff sie in die Saiten ihrer silbernen Leier und entlockte ihr wundervolle T\u00f6ne. Augenblicklich fing dann der K\u00f6nig zu nicken an, Schl\u00e4frigkeit \u00fcbermannte ihn, und bald sank er in tiefen Schlummer. Herrlich erfrischt erwachte er sp\u00e4ter wieder, und f\u00fcr Tage schien alle Leidenschaft aus seinem Herzen gewichen zu sein. Dem Liebeswerben war dies allerdings nicht f\u00f6rderlich, doch begleiteten angenehme Traumbilder diesen Zauberschlaf, die den Sinn des m\u00fcden Liebenden derart fesselten, dass er weiter tr\u00e4umte, w\u00e4hrend ganz Granada \u00fcber ihn lachte und den Sch\u00e4tzen nachtrauerte, die er f\u00fcr ein Spiel auf der Leier vergeudete.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Da kam es schlie\u00dflich zu einem gefahrvollen Ereignis, vor dem der bronzene Maurenreiter seinen Herrn und K\u00f6nig nicht warnen konnte. In der eigenen Hauptstadt kam es zu einer Rebellion und zu einem Volksaufstand. Ein bewaffneter P\u00f6bel umzingelte den Palast des Aben Habuz und schrie blutr\u00fcnstig nach den K\u00f6pfen der k\u00f6niglichen Bewohner. In der Brust des alten Recken glomm immer noch ein Funke kriegerischen Geistes. An der Spitze einer kleinen Schar treuer Leibw\u00e4chter machte er einen tapferen Ausfall, jagte die Rebellen in die Flucht und erstickte die Emp\u00f6rung im Keime.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Als die Ruhe wiederhergestellt war, suchte er sogleich den Astrologen auf, der sich noch immer in seiner unterirdischen Klause vom Hofleben abgewandt aufhielt und, wenn er auch nicht gerade auf Rache sann, doch dar\u00fcber nachdachte, wie er in den Besitz der sch\u00f6nen Gotin gelangen k\u00f6nnte.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Vers\u00f6hnlich gestimmt, sprach zu ihm Aben Habuz: \u00bbWie weise du doch bist, Sohn des Gro\u00dfen Abu Ayub! Wohl hast du mich vor dieser gefangenen Sch\u00f6nheit gewarnt und Gefahren vorhergesagt, die von ihr ausgehen w\u00fcrden; verk\u00fcnde mir nun du, der du jedes kommende \u00dcbel schon im Scho\u00df der Zeit vorhersehen kannst, was ich tun soll, um in Frieden leben zu k\u00f6nnen.\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbEntferne die Ursache allen \u00dcbels und schicke diese ungl\u00e4ubige Frau fort. \u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbLieber lass ich von meinem K\u00f6nigreich\u00ab, rief Aben Habuz. \u00bbDu schwebst in der Gefahr, beides zu verlieren\u00ab, erwiderte der Astrologe.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbZ\u00fcrne mir nicht, weisester aller Philosophen. Erw\u00e4ge die doppelte Not, das zweifache Ungl\u00fcck in der Brust eines Menschen, der zugleich K\u00f6nig und Liebender ist. Zeige mir Mittel und Wege, mich vor drohendem Unheil zu sch\u00fctzen. Ich verlange nicht nach Ruhm, es gel\u00fcstet mich nicht nach Macht! Ich sehne mich nur nach Ruhe, nach einem stillen Zufluchtsort, wohin ich mich von der Welt und allen ihren Sorgen, ihrem Prunk und ihren Unruhen zur\u00fcckziehen kann, um dort den Rest meiner Tage in Frieden und Liebe zu verbringen. \u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Mit gerunzelter Stirn und unter den dichten Augenbrauen blinzelnd, blickte ihn der Astrologe an und sprach: \u00bbUnd was gibst du mir, wenn ich dir einen solchen Zufluchtsort verschaffe, ehrw\u00fcrdigster aller K\u00f6nige?\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbDu selbst sollst deinen Lohn bestimmen, und was es auch sein mag, bei meiner Seele, es soll dir geh\u00f6ren, wenn es sich im Bereich meiner Macht befindet. \u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbHast du schon etwas von dem Garten von Jrem geh\u00f6rt, o K\u00f6nig, jenem Wunder des gl\u00fccklichen Arabiens?\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbIch habe davon geh\u00f6rt; schlie\u00dflich spricht auch der Prophet im Koran davon, in jenem Kapitel, das mit &gt;Die D\u00e4mmerung des Tages&lt; \u00fcberschrieben ist. Zudem: Viele Mekkapilger, erz\u00e4hlten wunderbare Dinge von diesem Garten Gottes. Allerdings hielt ich bisher all dies f\u00fcr Fabeln, wie solche von Reisenden erz\u00e4hlt werden, die entlegene L\u00e4nder besucht haben.\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbDu handelst nicht klug, mein K\u00f6nig, wenn du den Berichten der Pilger misstraust\u00ab, erwiderte ernst der Astrologe, \u00bbsie enthalten kostbares Wissen, das von den Enden unserer Erde herbeigeholt ist. \u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Und sich ruhig den langen Bart streichend fuhr er fort: \u00bbWas nun den Palast und den Garten von Jrem im speziellen anbelangt, so ist das, was man von ihm berichtet, die volle Wahrheit. Ich habe mit diesen meinen Augen Palast und G\u00e4rten gesehen. H\u00f6re auf den Bericht meines Abenteuers, denn er hat Bezug auf den Gegenstand meines Begehrens!\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Ibrahim \u00fcberlegte eine Weile, sch\u00f6pfte dann tief Atem und begann mit leiser Stimme seine Erz\u00e4hlung:<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbIn meinen jungen Jahren, als ich nichts als ein umherziehender Beduine war, h\u00fctete ich die Kamele meines Vaters, dessen Seele Allah gn\u00e4dig sein m\u00f6ge. Als wir einmal durch die W\u00fcste von Aden zogen, entfernte sich eines der besten Tiere von der Herde, verirrte sich und ging verloren. Vergebens suchte ich mehrere Tage nach ihm; m\u00fcde und abgehetzt legte ich mich eines Mittags neben einen sp\u00e4rlich rieselnden Brunnen unter eine schattige Palme und schlief bald ein. Als ich erwachte, fand ich mich an den Toren einer Stadt. Ich trat ein und erblickte pr\u00e4chtige Stra\u00dfen, Pl\u00e4tze, M\u00e4rkte und Hallen; aber alles war still und kein Mensch war zu sehen; es schien sich um eine verzauberte Stadt ohne Einwohner zu handeln.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Lange Zeit schlenderte ich durch die Gassen und kam endlich zu einem prachtvollen Palast mit einem gro\u00dfen Garten, der mit Springbrunnen und Fischteichen, Lauben und Rosenhecken geschm\u00fcckt war; Obstb\u00e4ume standen darin mit den k\u00f6stlichsten Fr\u00fcchten, aber auch hier war niemand zu sehen und kein Laut zu h\u00f6ren. Ge\u00e4ngstigt und erschrocken eilte ich fort, und als ich die Stadt durch das Tor verlassen hatte, wandte ich mich nochmals um, denn zu sch\u00f6n f\u00fcr eines Sterblichen Auge war alles gewesen. Noch einen einzigen Blick wollte ich auf Stadt und G\u00e4rten werfen, aber nichts mehr war davon zu sehen. Nur die stumme Sandw\u00fcste breitete sich vor meinen Augen aus.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">In der N\u00e4he traf ich kurze Zeit danach einen alten Derwisch, der mit den Geheimnissen des Landes wohlvertraut war, und erz\u00e4hlte ihm, was ich gesehen hatte.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">&gt;Da&lt;, sagte er mir, &gt;war der weltber\u00fchmte Garten von Jrem, eines der vielen Wunder der W\u00fcste. Nur von Zeit zu Zeit zeigt er sich einem Wanderer, wie er sich dir gezeigt hat, und erfreut ihn mit dem Anblick von T\u00fcrmen, Pal\u00e4sten, Mauern und Gartenanlagen mit Obstb\u00e4umen und farbenpr\u00e4chtigen Blumen, um dann pl\u00f6tzlich wieder zu verschwinden, derart, dass nichts zur\u00fcckbleibt als die einsame und \u00f6de W\u00fcste. Und wenn du die Geschichte dieses kleinen Pardieses wissen willst, dann h\u00f6re:<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">In alten Zeiten, als dieses Land noch von den Additen bewohnt war, gr\u00fcndete der K\u00f6nig Scheddad, der Sohn Ads, eines Urenkels von Noah, hier in dieser Gegend eine gro\u00dfe Stadt. Als sie vollendet dastand und er die Sch\u00f6nheit und Gr\u00f6\u00dfe seines Werkes sah, schwoll sein Herz vor Stolz und Anma\u00dfung. Sogleich beschloss er, einen k\u00f6niglichen Palast zu bauen und diesen mit G\u00e4rten und Anlagen zu umgeben, solcher Art, dass sie alles in den Schatten stellen w\u00fcrden, was uns der Koran vom himmlischen Paradies erz\u00e4hlt. Doch Hochmut kommt vor dem Fall, lehrt uns das Sprichwort, und den stolzen K\u00f6nig traf des Himmels Fluch.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Er und seine Untertanen vergingen und verschwanden von der Erde, und seine Stadt, seinen pr\u00e4chtigen Palast und die herrlichen G\u00e4rten bannt ein ewiger Zauber, der sie vor jedem Menschenauge verbirgt. Nur manchmal steigen sie aus dem Nichts auf, und dann sieht ein Sterblicher des vermessenen K\u00f6nigs Werk, damit so dessen S\u00fcnde in steter Erinnerung bleibe.&lt;<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Diese Geschichte des alten Derwischs und die Wunderwerke, die ich selbst gesehen habe, blieben in meinem Ged\u00e4chtnis haften, und in sp\u00e4teren Jahren, als ich bereits in \u00c4gypten gewesen und im Besitz des Buchs des Wissens des weisen Salomon war, beschloss ich, wieder in die W\u00fcste bei Aden zu gehen, um den Garten von Jrem nochmals zu suchen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Ich brach auf und fand ihn bald meinem sehenden Blick erschlossen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Ich zog ein in den Palast des Scheddad und brachte mehrere Tage in diesem kleinen Paradies zu. Die Genien, die des K\u00f6nigs Heim bewachten, gehorchten meiner magischen Kunst und offenbarten mir die Bannspr\u00fcche, deren Zauberkraft den Garten ins Dasein rief und ihn dann wieder unsichtbar machte.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Eine solche K\u00f6nigsburg und gleiche G\u00e4rten kann ich f\u00fcr dich, friedfertigster aller K\u00f6nige, hier auf den Berg oberhalb deiner Hauptstadt leicht hinbauen. Kenne ich nicht alle die geheimen Zauberspr\u00fcche? Und bin ich nicht der einzige Besitzer des Buchs des Wissens, das schon den weisen Salomon ber\u00fchmt machte?\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbOh, gro\u00dfer Sohn des weisen Abu Ayub\u00bb, rief Aben Habuz mit vor Begierde zitternder Stimme, \u00bbdu bist f\u00fcrwahr ein gro\u00dfer Mann, der weite Reisen unternommen und viel gesehen und gelernt hat! Verschaffe mir ein solches Paradies und fordere jeden Lohn! Dein soll er sein, und verlangtest du auch die H\u00e4lfte meines K\u00f6nigreichs.\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbAch was!\u00ab erwiderte der andere, \u00bbdu wei\u00dft, ich bin ein alter Mann und ein Philosoph, der d\u00fcrftig lebt und leicht zufrieden gestellt werden kann. Gib mir als Lohn das erste Lasttier mit seiner B\u00fcrde, das durch das magische Portal des Palastes schreitet.\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Der K\u00f6nig bewilligte mit Freuden einen von soviel Zur\u00fcckhaltung zeugenden Wunsch, und der Astrologe begann sogleich sein Werk.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Unmittelbar \u00fcber seiner Klause lie\u00df er auf dem Gipfel des H\u00fcgels einen gro\u00dfen und weiten Torweg bauen, der mitten durch einen festen Turm f\u00fchrte.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">An der Au\u00dfenseite war ein Portikus mit hohem Bogen, und drinnen ein Innenhof, den starke T\u00fcrfl\u00fcgel abschlossen. In den Schlussstein des Portals mei\u00dfelte der Astrologe eigenh\u00e4ndig einen gro\u00dfen Schl\u00fcssel; den zentralen Keilstein des \u00e4u\u00dferen Bogens der Halle &#8211; er war h\u00f6her als der des Tores &#8211; versah er mit einer riesigen Hand.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Diese beiden Zeichen verk\u00f6rperten m\u00e4chtige Zaubermittel, \u00fcber die er viele Spr\u00fcche und Formeln in einer unbekannten Sprache murmelte.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Als dieser Eingang vollendet war, schloss er sich zwei Tage lang in seiner astrologischen Studienhalle ein und besch\u00e4ftigte sich ununterbrochen mit geheimen Beschw\u00f6rungen. Am dritten Tag endlich stieg er den H\u00fcgel hinauf und verweilte von Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang auf dessen Gipfel. Erst in sp\u00e4ter Nachtstunde kam er herunter und lie\u00df sich sogleich dem K\u00f6nig Aben Habuz melden.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbEndlich, mein K\u00f6nig\u00ab, sagte er, \u00bbist meine Arbeit vollendet. Auf dem Gipfel des H\u00fcgels erhebt sich einer der wunderbarsten Pal\u00e4ste, die je eines Menschen Geist erdacht oder das Herz eines Sterblichen erfreut hat. Du findest pr\u00e4chtige S\u00e4le, herrliche Hallen und G\u00e4nge, k\u00f6stliche G\u00e4rten, k\u00fchle Brunnen und wohlriechende B\u00e4der. Kurzum: Der ganze Berg ist in ein himmlisches Paradies verwandelt. Gleich dem Garten von Jrem sch\u00fctzt ihn ein m\u00e4chtiger Zauber, der das Lustschloss vor den Augen und den Nachforschungen der gemeinen Sterblichen verbirgt und nur die dort alles Sch\u00f6ne genie\u00dfen l\u00e4sst, denen der Zauber kein Geheimnis ist.\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbGenug!\u00ab rief Aben Habuz erfreut, \u00bbmorgen fr\u00fch mit Tagesanbruch wollen wir hinaufsteigen und dein Meisterwerk besichtigen.\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Wenig schlief der gl\u00fcckliche K\u00f6nig in dieser Nacht. Kaum vergoldeten die ersten Strahlen der aufgehenden Sonne die verschneiten Gipfel der Sierra Nevada, als er schon zu Pferd stieg und, nur von einem kleinen Gefolge begleitet, den steilen und schmalen Weg zum Gipfel des Berges hinaufritt.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Neben ihm trabte auf einem wei\u00dfen Zelter die gotische Prinzessin, angetan mit einem herrlichen, von Juwelen blinkenden Seidenkleid; die silberne Leier trug sie an einer mit Perlen besetzten Goldkette, leicht \u00fcber die Schulter geh\u00e4ngt.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Gest\u00fctzt auf seinen Hieroglyphenstab schritt langsam zu Fu\u00df der Astrologe dahin, denn er bestieg nie ein Pferd.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Aben Habuz blickte sich um. Er suchte auf der H\u00f6he des Berges den Palast, die T\u00fcrme, die schattigen Terrassen und duftigen G\u00e4rten. Doch nichts war von all dem zu sehen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbDarin liegt eben das gro\u00dfe Geheimnis\u00ab, sagte der weise Ibrahim, \u00bbund darin liegt auch die Sicherheit des Ortes, denn niemand kann das Schloss und die Anlagen sehen, der nicht den zaubergesch\u00fctzten Torweg durchschritten oder )die Bergkuppe erobert hat.\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Als sie sich dem Eingang n\u00e4herten, blieb der Magier stehen und zeigte dem K\u00f6nig die in Stein gehauene mystische Hand und den Schl\u00fcssel und sagte zu seinen Begleitern, lauf Portal und Bogen hinaufweisend: \u00bbDas ist der Zauberbann, der den Eingang ins granadinische Paradies sch\u00fctzt.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Jene steinerne Hand muss zum Schl\u00fcssel im Keilstein heruntergreifen und ihn fassen, dann erst zerbricht der Zauber. Weder menschliche Gewalt noch Zauberkunst k\u00f6nnen, ohne dass dies geschieht, dem Herrn dieses Berges Schaden zuf\u00fcgen.\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">W\u00e4hrend der alte Aben Habuz mit offenem Munde und stummer Verwunderung die mystischen Zeichen anstarrte, schritt das Pferd der Prinzessin langsam weiter und trug sie in das Portal hinein, durch den Portikus hindurch bis in die Mitte des Au\u00dfenwerkes.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbSieh dort\u00ab, rief in eben diesem Augenblick der wei\u00dfb\u00e4rtige Astrologe, \u00bbda geht der mir verhei\u00dfene Lohn. Das erste Tier, das durch den magischen Eingang schreitet, geh\u00f6rt mit seiner gesamten Last mir! \u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Aben Habuz l\u00e4chelte bei diesen Worten Ibrahims; er hielt .,alles f\u00fcr einen scherzhaften Einfall des alten Mannes.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Aber als er sah, dass das kein Spa\u00df war, rief er zitternd vor Wut und Zorn: \u00bbSohn des Abu Ayub! Betr\u00fcge mich nicht, lege dich nicht mit mir an! Du kennst genau den Sinn meines Versprechens. Gemeint war das erste Lasttier, das mit seiner B\u00fcrde durch das Portal schreitet. Das und nichts anderes wollte ich sagen. Nimm den st\u00e4rksten Maulesel -&#8218;aus meinen St\u00e4llen, belade ihn mit den kostbarsten Sch\u00e4tzen meines Reiches, und sie sind dein; aber erdreiste dich nicht, mir jene Frau abzufordern, die die Wonne und das Gl\u00fcck meines Herzens ist. \u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbWas soll ich mit all dem Reichtum aus deiner Schatzkammer\u00ab, rief ver\u00e4chtlich der Magier aus Arabien, &#8222;habe ich nicht das Buch Salomons des Weisen, mit dessen Hilfe ich \u00fcber alle verborgenen Sch\u00e4tze der Erde gebiete? Dein k\u00f6nigliches Wort ist verpf\u00e4ndet, und die sch\u00f6ne Christin geh\u00f6rt dem Wortlaut des Vertrages nach nun mir. Sie ist mein Eigentum von diesem Augenblicke an.\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Die Prinzessin blickte stolz von ihrem Zelter herab, und ein leichtes L\u00e4cheln des Hohnes kr\u00e4uselte ihre rosigen Lippen bei diesem Streit der beiden alten M\u00e4nner um den Besitz der durch sie verk\u00f6rperten Jugend und Sch\u00f6nheit.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Der K\u00f6nig konnte sich indessen nicht l\u00e4nger beherrschen; der Zorn \u00fcbermannte ihn, und alle Vorsicht vergessend rief er laut: \u00bbDu Hundesohn der W\u00fcste! Du magst Meister vieler K\u00fcnste sein, aber dein Meister bin ich und werde es immer sein! Treibe nicht mit deinem Herrn und K\u00f6nig Scherz. Das k\u00f6nnte dich teuer zu stehen kommen! \u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">\u00bbMein Meister! \u00ab wiederholte wild lachend der Astrologe, \u00bbwas Ihr nicht sagt, mein K\u00f6nig! \u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Aus Ibrahims Blicken zuckten Blitze, als er fortfuhr: \u00bbDer Besitzer eines elenden Maulwurfsh\u00fcgels will den beherrschen, der \u00fcber das Wissen Salomons gebieten kann? Regiere du dein kleines Reich und schwelge, du geiler Greis, in deinem Narrenparadies. Ich hohnlache \u00fcber dich und deinesgleichen in meiner philosophischen Einsamkeit. Leb wohl, Aben Habuz!\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Bei diesen Worten fasste er die Z\u00fcgel des edlen Pferdes, stie\u00df seinen Zauberstab in die Erde und versank samt der gotischen Prinzessin durch den Boden in der Mitte der Torganges. Die Erde schloss sich \u00fcber ihnen gleich wieder, und keine Spur deutete hin auf den furchtbaren Vorgang.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Aben Habuz war sprachlos vor Erstaunen, als er da hilflos mit ansehen musste, wie die Erde Ro\u00df und Reiterin und Zauberer verschlangen. Aber er war bald wieder Herr seiner Sinne, rief Tausende von Arbeitern herbei und lie\u00df sie pausenlos mit Hacken und Schaufeln an der Stelle graben, wo der Astrologe kurz zuvor verschwunden war.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Sie gruben und gruben, doch vergebens; der felsige Grund des Berges widerstand ihren Werkzeugen, und wenn sie nach harter Arbeit wirklich eine kleine Grube gegraben h\u00e4tten, dann rieselten der Sand und die Erde zur\u00fcck und f\u00fcllten die eher unscheinbare Vertiefung wieder aus. Aben Habuz suchte unterdessen den Eingang zum unterirdischen Palast des Astrologen. Gleichfalls vergebens, denn wo ehemals der Zugang war, da fand er nur eine glatte Felswand ohne Spalt und Loch.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Mit dem Verschwinden des Ibrahim Ibn Abu Ayub erlahmten auch die geheimen Kr\u00e4fte und Eigenschaften des Talismans auf dem Turm der K\u00f6nigspfalz.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Fest und still stand von nun an der bronzene Reiter, Gesicht und Speer dem Tor zugekehrt, wo der Astrologe mit der sch\u00f6nen Gotengr\u00e4fin verschwunden war, als ob dort der wahre Feind des K\u00f6nigs sich aufhalte.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Von Zeit zu Zeit vernahm man aus dem Innern des H\u00fcgels Musik und Gesang, und ein Bauer brachte sogar einmal dem K\u00f6nig die Nachricht, dass er in der vergangenen Nacht im Fels einen Spalt gefunden habe, durch den er hineinkriechen und in eine unterirdische Halle von seltener Sch\u00f6nheit und Pracht habe hinabblicken k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Der wei\u00dfb\u00e4rtige Astrologe Ibrahim habe dagesessen, schlummernd und tr\u00e4umend auf bequemen Daunenpolstern, umwoben von den magischen Silbert\u00f6nen, die die sch\u00f6nste Gotin ihrer Leier entlockte.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Aben Habuz machte sich sofort auf die Suche nach dem Spalt im Felsen, doch der hatte sich wieder geschlossen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Abermals wollte er seinen Nebenbuhler und die geraubte Prinzessin ausgraben und den Weg zum magischen Palaste finden; aber alle Versuche blieben vergebens. Zu m\u00e4chtig war der Zauber von Hand und Schl\u00fcssel in den Kei staunen des festen Portals; weder Menschenmacht noch Menschenkraft konnten ihn unwirksam machen und den Bann brechen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Die Kuppe des Berges blieb nackt und leer; der verhei\u00dfene Palast mit den Wunderg\u00e4rten unsichtbar. Die Leute nahmen aber an, dass alles nur ein M\u00e4rchen des Astrologen gewesen sei, und so nannten die einen den Platz, wo dieses Paradies h\u00e4tte stehen sollen, \u00bbDes K\u00f6nigs Torheit\u00ab, w\u00e4hrend ihn andere \u00bbDes Narren Paradies\u00ab nannten.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Um den Kummer des friedlichsten aller K\u00f6nige und ungl\u00fccklichsten aller Liebhaber noch zu vermehren, regten sich auch seine feindlichen Nachbarn wieder. Bald hatten sie erkannt, dass sich der ihn sch\u00fctzende magische Zauber verfl\u00fcchtigt hatte und er gleich allen anderen Sterblichen A&#8216;, um Macht und Besitz k\u00e4mpfen musste.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Als Aben Habuz noch vom Zauberreiter besch\u00fctzt und bewacht war, als er auf dem Schachbrett des Turmzimmers mit der k leinen Lanze Heere vernichtete, hatte er stolz seine Angreifer gereizt und verh\u00f6hnt.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Nun fielen diese in sein Land ein, trugen reiche Beute davon und verbitterten so den Rest des Lebens des ehrw\u00fcrdigsten und tugendhaftesten K\u00f6nigs, den es je gab.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Endlich starb Aben Habuz und wurde begraben.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Jahrhunderte sind seitdem verflossen. Kunstbegeisterte F\u00fcrsten erbauten auf dem so ereignisreichen und ber\u00fchmten H\u00fcgel die Alhambra, wo der Traum vom Garten Jrem Wirklichkeit wurde und wir heute noch ein zu Stein gewordenes M\u00e4rchen aus Tausendundeiner Nacht bewundern k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Noch steht der verzauberte Eingang unversehrt da; der Zahn der Zeit konnte ihm nichts anhaben. Es ist die Puerta de la Justicia, das Tor der Gerechtigkeit, der Hauptzugang zur alten Maurenpfalz.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Noch immer sch\u00fctzen ihn die von Ibrahim gemei\u00dfelte Hand und der Schl\u00fcssel, und unterm Turm soll der \u00dcberlieferung nach in seiner unterirdischen Halle der alte Astrologe hausen und auf einem Diwan dahind\u00e4mmern, vom Klang der Leier der Gotenprinzessin in den Traum gewiegt.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Die alten Veteranen, die am Tor der Gerechtigkeit Wache halten, vernehmen von Zeit zu Zeit in lauen Sommern\u00e4chten die bannenden T\u00f6ne der silbernen Leier und schlafen dann, alles vergessend, ruhig ein. ja, der Zauber ist so stark, dass man auch tags\u00fcber die Posten dieses Au\u00dfenwerkes auf den steinernen B\u00e4nken tr\u00e4umend oder unter den nahen B\u00e4umen schlafend, antrifft. Es d\u00fcrfte sich um das einschl\u00e4ferndste Quartier der ganzen Christenheit handeln.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">All das, sagt die alte Legende, wird noch Jahrhunderte dauern. Die gefangene Prinzessin wird fortfahren, den Astrologen in bannenden Schlummer zu halten, bis endlich am j\u00fcngsten Tag die Posaunen zum letzten Gericht rufen, oder bis die mystische Hand nach dem magischen Schl\u00fcssel greift und so den auf dem Berg liegenden Zauber wirkungslos macht und aufhebt.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In alten Zeiten, vor vielen hundert Jahren herrschte einmal ein maurischer F\u00fcrst mit Namen Aben Habuz \u00fcber das K\u00f6nigreich Granada. Er war ein Eroberer, der sich, nach einem Leben voll Kampf und durch Raubz\u00fcge reich geworden, nun im Alter nach Ruhe sehnte.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":3653,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[95],"tags":[],"class_list":["post-126","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-legende"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/126","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=126"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/126\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3935,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/126\/revisions\/3935"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3653"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=126"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=126"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=126"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}