{"id":1237,"date":"2021-01-28T20:40:07","date_gmt":"2021-01-28T19:40:07","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=1237"},"modified":"2026-03-31T15:52:10","modified_gmt":"2026-03-31T13:52:10","slug":"die-geschichte-von-dem-kleinen-muck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-geschichte-von-dem-kleinen-muck\/","title":{"rendered":"Die Geschichte von dem kleinen Muck"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Die Geschichte von dem kleinen Muck<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wilhelm Hauff<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>In Nicea, meiner lieben Vaterstadt, wohnte ein Mann, den man den kleinen Muck hie\u00df. Ich kann mir ihn, ob ich gleich damals noch sehr jung war, noch recht wohl denken, besonders weil ich einmal von meinem Vater wegen seiner halbtot gepr\u00fcgelt wurde. Der kleine Muck n\u00e4mlich war schon ein alter Geselle, als ich ihn kannte; doch war er nur drei bis vier Schuh hoch, dabei hatte er eine sonderbare Gestalt, denn sein Leib, so klein und zierlich er war, musste einen Kopf tragen, viel gr\u00f6\u00dfer und dicker als der Kopf anderer Leute; er wohnte ganz allein in einem gro\u00dfen Haus und kochte sich sogar selbst, auch h\u00e4tte man in der Stadt nicht gewusst, ob er lebe oder gestorben sei, denn er ging nur alle vier Wochen einmal aus, wenn nicht um die Mittagsstunde ein m\u00e4chtiger Dampf aus dem Hause aufgestiegen w\u00e4re, doch sah man ihn oft abends auf seinem Dache auf und ab gehen, von der Stra\u00dfe aus glaubte man aber, nur sein gro\u00dfer Kopf allein laufe auf dem Dache umher. Ich und meine Kameraden waren b\u00f6se Buben, die jedermann gerne neckten und belachten, daher war es uns allemal ein Festtag, wenn der kleine Muck ausging; wir versammelten uns an dem bestimmten Tage vor seinem Haus und warteten, bis er herauskam; wenn dann die T\u00fcre aufging und zuerst der gro\u00dfe Kopf mit dem noch gr\u00f6\u00dferen Turban herausguckte, wenn das \u00fcbrige K\u00f6rperlein nachfolgte, angetan mit einem abgeschabten M\u00e4ntelein, weiten Beinkleidern und einem breiten G\u00fcrtel, an welchem ein langer Dolch hing, so lang, dass man nicht wusste, ob Muck an dem Dolch, oder der Dolch an Muck stak, wenn er so heraustrat, da ert\u00f6nte die Luft von unserem Freudengeschrei, wir warfen unsere M\u00fctzen in die H\u00f6he und tanzten wie toll um ihn her. Der kleine Muck aber gr\u00fc\u00dfte uns mit ernsthaftem Kopfnicken und ging mit langsamen Schritten die Stra\u00dfe hinab. Wir Knaben liefen hinter ihm her und schrien immer: \u00bbKleiner Muck, kleiner Muck! \u00ab Auch hatten wir ein lustiges Verslein, das wir ihm zu Ehren hier und da sangen; es hie\u00df:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">\u00bbKleiner Muck, kleiner Muck,<br>Wohnst in einem gro\u00dfen Haus,<br>Gehst nur all vier Wochen aus,<br>Bist ein braver, kleiner Zwerg,<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-rich is-provider-einbettungs-handler wp-block-embed-einbettungs-handler wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"H\u00f6rbuch: Die Geschichte vom kleinen Muck (M\u00e4rchen von Wilhelm Hauff zum Einschlafen)\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/bbYhyW6fQQ0?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Hast ein K\u00f6pflein wie ein Berg,<br>Schau dich einmal um und guck,<br>Lauf und fang uns, kleiner Muck!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>So hatten wir schon oft unsere Kurzweil getrieben, und zu meiner Schande muss ich es gestehen, ich trieb&#8217;s am \u00e4rgsten; denn ich zupfte ihn oft am M\u00e4ntelein, und einmal trat ich ihm auch von hinten auf die gro\u00dfen Pantoffeln, dass er hinfiel. Dies kam mir nun h\u00f6chst l\u00e4cherlich vor, aber das Lachen verging mir, als ich den kleinen Muck auf meines Vaters Haus zugehen sah. Er ging richtig hinein und blieb einige Zeit dort. Ich versteckte mich an der Haust\u00fcre und sah den Muck wieder herauskommen, von meinem Vater begleitet, der ihn ehrerbietig an der Hand hielt und an der T\u00fcre unter vielen B\u00fccklingen sich von ihm verabschiedete. Mir war gar nicht wohl zumute; ich blieb daher lange in meinem Versteck; endlich aber trieb mich der Hunger, den ich \u00e4rger f\u00fcrchtete als Schl\u00e4ge, heraus, und dem\u00fctig und mit gesenktem Kopf trat ich vor meinen Vater. \u00bbDu hast, wie ich h\u00f6re, den guten Muck beschimpft?\u00ab sprach er in sehr ernstem Tone. \u00bbIch will dir die Geschichte dieses Muck erz\u00e4hlen, und du wirst ihn gewiss nicht mehr auslachen; vor- und nachher aber bekommst du das Gew\u00f6hnliche.\u00ab Das Gew\u00f6hnliche aber waren f\u00fcnfundzwanzig Hiebe, die er nur allzu richtig aufzuz\u00e4hlen pflegte. Er nahm daher sein langes Pfeifenrohr, schraubte die Bernsteinmundspitze ab und bearbeitete mich \u00e4rger als je zuvor.<\/p>\n\n\n\n<p>Als die F\u00fcnfundzwanzig voll waren, befahl er mir, aufzumerken, und erz\u00e4hlte mir von dem kleinen Muck:<\/p>\n\n\n\n<p>Der Vater des kleinen Muck, der eigentlich Muckrah hei\u00dft, war ein angesehener, aber armer Mann hier in Nicea. Er lebte beinahe so einsiedlerisch wie jetzt sein Sohn. Diesen konnte er nicht wohl leiden, weil er sich seiner Zwerggestalt sch\u00e4mte, und lie\u00df ihn daher auch in Unwissenheit aufwachsen. Der kleine Muck war noch in seinem sechzehnten Jahr ein lustiges Kind, und der Vater, ein ernster Mann, tadelte ihn immer, dass er, der schon l\u00e4ngst die Kinderschuhe zertreten haben sollte, noch so dumm und l\u00e4ppisch sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Alte tat aber einmal einen b\u00f6sen Fall, an welchem er auch starb und den kleinen Muck arm und unwissend zur\u00fccklie\u00df. Die harten Verwandten, denen der Verstorbene mehr schuldig war, als er bezahlen konnte, jagten den armen Kleinen aus dem Hause und rieten ihm, in die Welt hinauszugehen und sein Gl\u00fcck zu suchen. Der kleine Muck antwortete, er sei schon reisefertig, bat sich aber nur noch den Anzug seines Vaters aus, und dieser wurde ihm auch bewilligt. Sein Vater war ein gro\u00dfer, starker Mann gewesen, daher passten die Kleider nicht. Muck aber wusste bald Rat; er schnitt ab, was zu lang war, und zog dann die Kleider an. Er schien aber vergessen zu haben, dass er auch in der Weite davon schneiden m\u00fcsse, daher sein sonderbarer Aufzug, wie er noch heute zu sehen ist; der gro\u00dfe Turban, der breite G\u00fcrtel, die weiten Hosen, das blaue M\u00e4ntelein, alles dies sind Erbst\u00fccke seines Vaters, die er seitdem getragen; den langen Damaszenerdolch seines Vaters aber steckte er in den G\u00fcrtel, ergriff ein St\u00f6cklein und wanderte zum Tor hinaus.<\/p>\n\n\n\n<p>Fr\u00f6hlich wanderte er den ganzen Tag; denn er war ja ausgezogen, um sein Gl\u00fcck zu suchen; wenn er eine Scherbe auf der Erde im Sonnenschein gl\u00e4nzen sah, so steckte er sie gewiss zu sich, im Glauben, dass sie sich in den sch\u00f6nsten Diamanten verwandeln werde; sah er in der Ferne die Kuppel einer Moschee wie Feuer strahlen, sah er einen See wie einen Spiegel blinken, so eilte er voll Freude darauf zu; denn er dachte, in einem Zauberland angekommen zu sein. Aber ach! Jene Trugbilder verschwanden in der N\u00e4he, und nur allzu bald erinnerten ihn seine M\u00fcdigkeit und sein vor Hunger knurrender Magen, dass er noch im Lande der Sterblichen sich befinde. So war er zwei Tage gereist unter Hunger und Kummer und verzweifelte, sein Gl\u00fcck zu finden; die Fr\u00fcchte des Feldes waren seine einzige Nahrung, die harte Erde sein Nachtlager. Am Morgen des dritten Tages erblickte er von einer Anh\u00f6he eine gro\u00dfe Stadt.<\/p>\n\n\n\n<p>Hell leuchtete der Halbmond auf ihren Zinnen, bunte Fahnen schimmerten auf den D\u00e4chern und schienen den kleinen Muck zu sich herzuwinken. \u00dcberrascht stand er stille und betrachtete Stadt und Gegend. \u00bbJa, dort wird Klein-Muck sein Gl\u00fcck finden\u00ab, sprach er zu sich und machte trotz seiner M\u00fcdigkeit einen Luftsprung, \u00bbdort oder nirgends.\u00ab Er raffte alle seine Kr\u00e4fte zusammen und schritt auf die Stadt zu. Aber obgleich sie ganz nahe schien, konnte er sie doch erst gegen Mittag erreichen; denn seine kleinen Glieder versagten ihm beinahe g\u00e4nzlich ihren Dienst, und er musste sich oft in den Schatten einer Palme setzen, um auszuruhen. Endlich war er an dem Tor der Stadt angelangt. Er legte sein M\u00e4ntelein zurecht, band den Turban sch\u00f6ner um, zog den G\u00fcrtel noch breiter an und steckte den langen Dolch schiefer; dann wischte er den Staub von den Schuhen, ergriff sein St\u00f6cklein und ging mutig zum Tor hinein.<\/p>\n\n\n\n<p>Er hatte schon einige Stra\u00dfen durchwandert; aber nirgends \u00f6ffnete sich ihm die T\u00fcre, nirgends rief man, wie er sich vorgestellt hatte: \u00bbKleiner Muck, komm herein und iss und trink und lass deine F\u00fc\u00dflein ausruhen!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Er schaute gerade auch wieder recht sehns\u00fcchtig an einem gro\u00dfen, sch\u00f6nen Haus hinauf; da \u00f6ffnete sich ein Fenster, eine alte Frau schaute heraus und rief mit singender Stimme:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">\u00bbHerbei, herbei!<br>Gekocht ist der Brei,<br>Den Tisch lie\u00df ich decken,<br>Drum lasst es euch schmecken;<br>Ihr Nachbarn herbei,<br>Gekocht ist der Brei.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Die T\u00fcre des Hauses \u00f6ffnete sich, und Muck sah viele Hunde und Katzen hineingehen. Er stand einige Augenblicke in Zweifel, ob er der Einladung folgen sollte; endlich aber fasste er sich ein Herz und ging in das Haus. Vor ihm her gingen ein paar junge K\u00e4tzlein, und er beschloss, ihnen zu folgen, weil sie vielleicht die K\u00fcche besser w\u00fcssten als er.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Muck die Treppe hinaufgestiegen war, begegnete er jener alten Frau, die zum Fenster herausgeschaut hatte. Sie sah ihn m\u00fcrrisch an und fragte nach seinem Begehr. \u00bbDu hast ja jedermann zu deinem Brei eingeladen\u00ab, antwortete der kleine Muck, \u00bbund weil ich so gar hungrig bin, bin ich auch gekommen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Die Alte lachte und sprach: \u00bbWoher kommst du denn, wunderlicher Gesell? Die ganze Stadt wei\u00df, dass ich f\u00fcr niemand koche als f\u00fcr meine lieben Katzen, und hier und da lade ich ihnen Gesellschaft aus der Nachbarschaft ein, wie du siehst.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Der kleine Muck erz\u00e4hlte der alten Frau, wie es ihm nach seines Vaters Tod so hart ergangen sei, und bat sie, ihn heute mit ihren Katzen speisen zu lassen. Die Frau, welcher die treuherzige Erz\u00e4hlung des Kleinen wohl gefiel, erlaubte ihm, ihr Gast zu sein, und gab ihm reichlich zu essen und zu trinken. Als er ges\u00e4ttigt und gest\u00e4rkt war, betrachtete ihn die Frau lange und sagte dann: \u00bbKleiner Muck, bleibe bei mir in meinem Dienste! Du hast geringe M\u00fche und sollst gut gehalten sein.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Der kleine Muck, dem der Katzenbrei geschmeckt hatte, willigte ein und wurde also der Bedienstete der Frau Ahavzi. Er hatte einen leichten, aber sonderbaren Dienst. Frau Ahavzi hatte n\u00e4mlich zwei Kater und vier Katzen, diesen musste der kleine Muck alle Morgen den Pelz k\u00e4mmen und mit k\u00f6stlichen Salben einreiben; wenn die Frau ausging, musste er auf die Katzen Achtung geben, wenn sie a\u00dfen, musste er ihnen die Sch\u00fcsseln vorlegen, und nachts musste er sie auf seidene Polster legen und sie mit samtenen Decken einh\u00fcllen. Auch waren noch einige kleine Hunde im Haus, die er bedienen musste, doch wurden mit diesen nicht so viele Umst\u00e4nde gemacht wie mit den Katzen, welche Frau Ahavzi wie ihre eigenen Kinder hielt. \u00dcbrigens f\u00fchrte Muck ein so einsames Leben wie in seines Vaters Haus, denn au\u00dfer der Frau sah er den ganzen Tag nur Hunde und Katzen. Eine Zeitlang ging es dem kleinen Muck ganz gut; er hatte immer zu essen und wenig zu arbeiten, und die alte Frau schien recht zufrieden mit ihm zu sein, aber nach und nach wurden die Katzen unartig, wenn die Alte ausgegangen war, sprangen sie wie besessen in den Zimmern umher, warfen alles durcheinander und zerbrachen manches sch\u00f6ne Geschirr, das ihnen im Weg stand. Wenn sie aber die Frau die Treppe heraufkommen h\u00f6rten, verkrochen sie sich auf ihre Polster und wedelten ihr mit den Schw\u00e4nzen entgegen, wie wenn nichts geschehen w\u00e4re. Die Frau Ahavzi geriet dann in Zorn, wenn sie ihre Zimmer so verw\u00fcstet sah, und schob alles auf Muck, er mochte seine Unschuld beteuern, wie er wollte, sie glaubte ihren Katzen, die so unschuldig aussahen, mehr als ihrem Diener.<\/p>\n\n\n\n<p>Der kleine Muck war sehr traurig, dass er also auch hier sein Gl\u00fcck nicht gefunden hatte, und beschloss bei sich, den Dienst der Frau Ahavzi zu verlassen. Da er aber auf seiner ersten Reise erfahren hatte, wie schlecht man ohne Geld lebt, so beschloss er, den Lohn, den ihm seine Gebieterin immer versprochen, aber nie gegeben hatte, sich auf irgendeine Art zu verschaffen. Es befand sich in dem Hause der Frau Ahavzi ein Zimmer, das immer verschlossen war und dessen Inneres er nie gesehen hatte. Doch hatte er die Frau oft darin rumoren geh\u00f6rt, und er h\u00e4tte oft f\u00fcr sein Leben gern gewusst, was sie dort versteckt habe. Als er nun an sein Reisegeld dachte, fiel ihm ein, dass dort die Sch\u00e4tze der Frau versteckt sein k\u00f6nnten. Aber immer war die T\u00fcr fest verschlossen, und er konnte daher den Sch\u00e4tzen nie beikommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eines Morgens, als die Frau Ahavzi ausgegangen war, zupfte ihn eines der Hundlein, welches von der Frau immer sehr stiefm\u00fctterlich behandelt wurde, dessen Gunst er sich aber durch allerlei Liebesdienste in hohem Grade erworben hatte, an seinen weiten Beinkleidern und geb\u00e4rdete sich dabei, wie wenn Muck ihm folgen sollte. Muck, welcher gerne mit den Hunden spielte, folgte ihm, und siehe da, das Hundlein f\u00fchrte ihn in die Schlafkammer der Frau Ahavzi vor eine kleine T\u00fcre, die er nie zuvor dort bemerkt hatte. Die T\u00fcre war halb offen. Das Hundlein ging hinein, und Muck folgte ihm, und wie freudig war er \u00fcberrascht, als er sah, dass er sich in dem Gemach befand, das schon lange das Ziel seiner W\u00fcnsche war. Er sp\u00e4hte \u00fcberall umher, ob er kein Geld finden k\u00f6nne, fand aber nichts. Nur alte Kleider und wunderlich geformte Geschirre standen umher. Eines dieser Geschirre zog seine besondere Aufmerksamkeit auf sich. Es war von Kristall, und sch\u00f6ne Figuren waren darauf ausgeschnitten. Er hob es auf und drehte es nach allen Seiten. Aber, o Schrecken! Er hatte nicht bemerkt, dass es einen Deckel hatte, der nur leicht darauf hingesetzt war. Der Deckel fiel herab und zerbrach in tausend St\u00fccke.<\/p>\n\n\n\n<p>Lange stand der kleine Muck vor Schrecken leblos. Jetzt war sein Schicksal entschieden, jetzt musste er entfliehen, sonst schlug ihn die Alte tot. Sogleich war auch seine Reise beschlossen, und nur noch einmal wollte er sich umschauen, ob er nichts von den Habseligkeiten der Frau Ahavzi zu seinem Marsch brauchen k\u00f6nnte. Da fielen ihm ein Paar m\u00e4chtig gro\u00dfe Pantoffeln ins Auge; sie waren zwar nicht sch\u00f6n; aber seine eigenen konnten keine Reise mehr mitmachen; auch zogen ihn jene wegen ihrer Gr\u00f6\u00dfe an; denn hatte er diese am Fu\u00df, so mussten ihm hoffentlich alle Leute ansehen, dass er die Kinderschuhe vertreten habe. Er zog also schnell seine T\u00f6ffelein aus und fuhr in die gro\u00dfen hinein. Ein Spazierst\u00f6cklein mit einem sch\u00f6n geschnittenen L\u00f6wenkopf schien ihm auch hier allzu m\u00fc\u00dfig in der Ecke zu stehen; er nahm es also mit und eilte zum Zimmer hinaus. Schnell ging er jetzt auf seine Kammer, zog sein M\u00e4ntelein an, setzte den v\u00e4terlichen Turban auf, steckte den Dolch in den G\u00fcrtel und lief, so schnell ihn seine F\u00fc\u00dfe trugen, zum Haus und zur Stadt hinaus. Vor der Stadt lief er, aus Angst vor der Alten, immer weiter fort, bis er vor M\u00fcdigkeit beinahe nicht mehr konnte. So schnell war er in seinem Leben nicht gegangen; ja, es schien ihm, als k\u00f6nne er gar nicht aufh\u00f6ren zu rennen; denn eine unsichtbare Gewalt schien ihn fortzurei\u00dfen. Endlich bemerkte er, dass es mit den Pantoffeln eine eigene Bewandtnis haben m\u00fcsse; denn diese schossen immer fort und f\u00fchrten ihn mit sich. Er versuchte auf allerlei Weise stillzustehen; aber es wollte nicht gelingen; da rief er in der h\u00f6chsten Not, wie man den Pferden zuruft, sich selbst zu: \u00bbOh &#8211; oh, halt, oh!\u00ab Da hielten die Pantoffeln, und Muck warf sich ersch\u00f6pft auf die Erde nieder.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Pantoffeln freuten ihn ungemein. So hatte er sich denn doch durch seine Verdienste etwas erworben, das ihm in der Welt auf seinem Weg das Gl\u00fcck zu suchen, forthelfen konnte. Er schlief trotz seiner Freude vor Ersch\u00f6pfung ein; denn das K\u00f6rperlein des kleinen Muck, das einen so schweren Kopf zu tragen hatte, konnte nicht viel aushalten. Im Traum erschien ihm das Hundlein, welches ihm im Hause der Frau Ahavzi zu den Pantoffeln verholfen hatte, und sprach zu ihm: \u00bbLieber Muck, du verstehst den Gebrauch der Pantoffeln noch nicht recht; wisse, wenn du dich in ihnen dreimal auf dem Absatz herumdrehst, so kannst du hinfliegen, wohin du nur willst, und mit dem St\u00f6cklein kannst du Sch\u00e4tze finden, denn wo Gold vergraben ist, da wird es dreimal auf die Erde schlagen, bei Silber zweimal.\u00ab So tr\u00e4umte der kleine Muck. Als er aber aufwachte, dachte er \u00fcber den wunderbaren Traum nach und beschloss, alsbald einen Versuch zu machen. Er zog die Pantoffeln an, lupfte einen Fu\u00df und begann sich auf dem Absatz umzudrehen. Wer es aber jemals versucht hat, in einem ungeheuer weiten Pantoffel dieses Kunstst\u00fcck dreimal hintereinander zu machen, der wird sich nicht wundern, wenn es dem kleinen Muck nicht gleich gl\u00fcckte, besonders wenn man bedenkt, dass ihn sein schwerer Kopf bald auf diese, bald auf jene Seite hin\u00fcberzog.<\/p>\n\n\n\n<p>Der arme Kleine fiel einige Mal t\u00fcchtig auf die Nase; doch lie\u00df er sich nicht abschrecken, den Versuch zu wiederholen, und endlich gl\u00fcckte es. Wie ein Rad fuhr er auf seinem Absatz herum, w\u00fcnschte sich in die n\u00e4chste gro\u00dfe Stadt, und &#8211; die Pantoffeln ruderten hinauf in die L\u00fcfte, liefen mit Windeseile durch die Wolken, und ehe sich der kleine Muck noch besinnen konnte, wie ihm geschah, befand er sich schon auf einem gro\u00dfen Marktplatz, wo viele Buden aufgeschlagen waren und unz\u00e4hlige Menschen gesch\u00e4ftig hin und her liefen. Er ging unter den Leuten hin und her, hielt es aber f\u00fcr ratsamer, sich in eine einsamere Stra\u00dfe zu begeben; denn auf dem Markt trat ihm bald da einer auf die Pantoffeln, dass er beinahe umfiel, bald stie\u00df er mit seinem weit hinausstehenden Dolch einen oder den anderen an, dass er mit M\u00fche den Schl\u00e4gen entging.<\/p>\n\n\n\n<p>Der kleine Muck bedachte nun ernstlich, was er wohl anfangen k\u00f6nnte, um sich ein St\u00fcck Geld zu verdienen; er hatte zwar ein St\u00e4blein, das ihm verborgene Sch\u00e4tze anzeigte, aber wo sollte er gleich einen Platz finden, wo Gold oder Silber vergraben w\u00e4re? Auch h\u00e4tte er sich zur Not f\u00fcr Geld sehen lassen k\u00f6nnen; aber dazu war er doch zu stolz. Endlich fiel ihm die Schnelligkeit seiner F\u00fc\u00dfe ein, \u00bbvielleicht\u00ab, dachte er, \u00bbk\u00f6nnen mir meine Pantoffeln Unterhalt gew\u00e4hren\u00ab, und er beschloss, sich als Schnell\u00e4ufer zu verdingen. Da er aber hoffen durfte, dass der K\u00f6nig dieser Stadt solche Dienste am besten bezahle, so erfragte er den Palast. Unter dem Tor des Palastes stand eine Wache, die ihn fragte, was er hier zu suchen habe. Auf seine Antwort, dass er einen Dienst suche, wies man ihn zum Aufseher der Sklaven. Diesem trug er sein Anliegen vor und bat ihn, ihm einen Dienst unter den k\u00f6niglichen Boten zu besorgen. Der Aufseher ma\u00df ihn mit seinen Augen von Kopf bis zu den F\u00fc\u00dfen und sprach: \u00bbWie, mit deinen F\u00fc\u00dflein, die kaum so lang als eine Spanne sind, willst du k\u00f6niglicher Schnell\u00e4ufer werden? Hebe dich weg, ich bin nicht dazu da, mit jedem Narren Kurzweil zu machen.\u00ab Der kleine Muck versicherte ihm aber, dass es ihm vollkommen ernst sei mit seinem Antrag und dass er es mit dem Schnellsten auf eine Wette ankommen lassen wollte. Dem Aufseher kam die Sache gar l\u00e4cherlich vor; er befahl ihm, sich bis auf den Abend zu einem Wettlauf bereitzuhalten, f\u00fchrte ihn in die K\u00fcche und sorgte daf\u00fcr, dass ihm geh\u00f6rig Speis&#8216; und Trank gereicht wurde; er selbst aber begab sich zum K\u00f6nig und erz\u00e4hlte ihm vom kleinen Muck und seinem Anerbieten. Der K\u00f6nig war ein lustiger Herr, daher gefiel es ihm wohl, dass der Aufseher der Sklaven den kleinen Menschen zu einem Spa\u00df behalten habe, er befahl ihm, auf einer gro\u00dfen Wiese hinter dem Schloss Anstalten zu treffen, dass das Wettlaufen mit Bequemlichkeit von seinem ganzen Hofstaat k\u00f6nnte gesehen werden, und empfahl ihm nochmals, gro\u00dfe Sorgfalt f\u00fcr den Zwerg zu haben. Der K\u00f6nig erz\u00e4hlte seinen Prinzen und Prinzessinnen, was sie diesen Abend f\u00fcr ein Schauspiel haben w\u00fcrden, diese erz\u00e4hlten es wieder ihren Dienern, und als der Abend herankam, war man in gespannter Erwartung, und alles, was F\u00fc\u00dfe hatte, str\u00f6mte hinaus auf die Wiese, wo Ger\u00fcste aufgeschlagen waren, um den gro\u00dfsprecherischen Zwerg laufen zu sehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als der K\u00f6nig und seine S\u00f6hne und T\u00f6chter auf dem Ger\u00fcst Platz genommen hatten, trat der kleine Muck heraus auf die Wiese und machte vor den hohen Herrschaften eine \u00fcberaus zierliche Verbeugung. Ein allgemeines Freudengeschrei ert\u00f6nte, als man des Kleinen ansichtig wurde; eine solche Figur hatte man dort noch nie gesehen. Das K\u00f6rperlein mit dem m\u00e4chtigen Kopf, das M\u00e4ntelein und die weiten Beinkleider, der lange Dolch in dem breiten G\u00fcrtel, die kleinen F\u00fc\u00dflein in den weiten Pantoffeln &#8211; nein! es war zu drollig anzusehen, als dass man nicht h\u00e4tte laut lachen sollen. Der kleine Muck lie\u00df sich aber durch das Gel\u00e4chter nicht irremachen. Er stellte sich stolz, auf sein St\u00f6cklein gest\u00fctzt, hin und erwartete seinen Gegner. Der Aufseher der Sklaven hatte nach Mucks eigenem Wunsche den besten L\u00e4ufer ausgesucht. Dieser trat nun heraus, stellte sich neben den Kleinen, und beide harrten auf das Zeichen. Da winkte Prinzessin Amarza, wie es ausgemacht war, mit ihrem Schleier, und wie zwei Pfeile, auf dasselbe Ziel abgeschossen, flogen die beiden Wettl\u00e4ufer \u00fcber die Wiese hin.<\/p>\n\n\n\n<p>Von Anfang hatte Mucks Gegner einen bedeutenden Vorsprung, aber dieser jagte ihm auf seinem Pantoffelfuhrwerk nach, holte ihn ein, \u00fcberfing ihn und stand l\u00e4ngst am Ziele, als jener noch, nach Luft schnappend, daherlief. Verwunderung und Staunen fesselten einige Augenblicke die Zuschauer, als aber der K\u00f6nig zuerst in die H\u00e4nde klatschte, da jauchzte die Menge, und alle riefen: \u00bbHoch lebe der kleine Muck, der Sieger im Wettlauf!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Man hatte indes den kleinen Muck herbeigebracht; er warf sich vor dem K\u00f6nig nieder und sprach: \u00bbGro\u00dfm\u00e4chtigster K\u00f6nig, ich habe dir hier nur eine kleine Probe meiner Kunst gegeben; wolle nur gestatten, dass man mir eine Stelle unter deinen L\u00e4ufern gebe!\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Der K\u00f6nig aber antwortete ihm: \u00bbNein, du sollst mein Leibl\u00e4ufer und immer um meine Person sein, lieber Muck, j\u00e4hrlich sollst du hundert Goldst\u00fccke erhalten als Lohn, und an der Tafel meiner ersten Diener sollst du speisen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>So glaubte denn Muck, endlich das Gl\u00fcck gefunden zu haben, das er so lange suchte, und war fr\u00f6hlich und wohlgemut in seinem Herzen. Auch erfreute er sich der besonderen Gnade des K\u00f6nigs, denn dieser gebrauchte ihn zu seinen schnellsten und geheimsten Sendungen, die er dann mit der gr\u00f6\u00dften Genauigkeit und mit unbegreiflicher Schnelle besorgte.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber die \u00fcbrigen Diener des K\u00f6nigs waren ihm gar nicht zugetan, weil sie sich ungern durch einen Zwerg, der nichts verstand, als schnell zu laufen, in der Gunst ihres Herrn zur\u00fcckgesetzt sahen. Sie veranstalteten daher manche Verschw\u00f6rung gegen ihn, um ihn zu st\u00fcrzen; aber alle schlugen fehl an dem gro\u00dfen Zutrauen, das der K\u00f6nig in seinen geheimen Oberleibl\u00e4ufer (denn zu dieser W\u00fcrde hatte er es in so kurzer Zeit gebracht) setzte.<\/p>\n\n\n\n<p>Muck, dem diese Bewegungen gegen ihn nicht entgingen, sann nicht auf Rache, dazu hatte er ein zu gutes Herz, nein, auf Mittel dachte er, sich bei seinen Feinden notwendig und beliebt zu machen. Da fiel ihm sein St\u00e4blein, das er in seinem Gl\u00fcck au\u00dfer acht gelassen hatte, ein; wenn er Sch\u00e4tze finde, dachte er, w\u00fcrden ihm die Herren schon geneigter werden. Er hatte schon oft geh\u00f6rt, dass der Vater des jetzigen K\u00f6nigs viele seiner Sch\u00e4tze vergraben habe, als der Feind sein Land \u00fcberfallen; man sagte auch, er sei dar\u00fcber gestorben, ohne dass er sein Geheimnis habe seinem Sohn mitteilen k\u00f6nnen. Von nun an nahm Muck immer sein St\u00f6cklein mit, in der Hoffnung, einmal an einem Ort vor\u00fcberzugehen, wo das Geld des alten K\u00f6nigs vergraben sei. Eines Abends f\u00fchrte ihn der Zufall in einen entlegenen Teil des Schlossgartens, den er wenig besuchte, und pl\u00f6tzlich f\u00fchlte er das St\u00f6cklein in seiner Hand zucken, und dreimal schlug es gegen den Boden. Nun wusste er schon, was dies zu bedeuten hatte. Er zog daher seinen Dolch heraus, machte Zeichen in die umstellenden B\u00e4ume und schlich sich wieder in das Schloss; dort verschaffte er sich einen Spaten und wartete die Nacht zu seinem Unternehmen ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Schatzgraben selbst machte \u00fcbrigens dem kleinen Muck mehr zu schaffen, als er geglaubt hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Seine Arme waren gar zu schwach, sein Spaten aber gro\u00df und schwer; und er mochte wohl schon zwei Stunden gearbeitet haben, ehe er ein paar Fu\u00df tief gegraben hatte. Endlich stie\u00df er auf etwas Hartes, das wie Eisen klang. Er grub jetzt emsiger, und bald hatte er einen gro\u00dfen eisernen Deckel zutage gef\u00f6rdert; er stieg selbst in die Grube hinab, um nachzusp\u00e4hen, was wohl der Deckel k\u00f6nnte bedeckt haben, und fand richtig einen gro\u00dfen Topf, mit Goldst\u00fccken angef\u00fcllt. Aber seine schwachen Kr\u00e4fte reichten nicht hin, den Topf zu heben, daher steckte er in seine Beinkleider und seinen G\u00fcrtel, so viel er zu tragen vermochte, und auch sein M\u00e4ntelein f\u00fcllte er damit, bedeckte das \u00fcbrige wieder sorgf\u00e4ltig und lud es auf den R\u00fccken. Aber wahrlich, wenn er die Pantoffeln nicht an den F\u00fc\u00dfen gehabt h\u00e4tte, er w\u00e4re nicht vom Fleck gekommen, so zog ihn die Last des Goldes nieder. Doch unbemerkt kam er auf sein Zimmer und verwahrte dort sein Gold unter den Polstern seines Sofas.<\/p>\n\n\n\n<p>Als der kleine Muck sich im Besitz so vielen Goldes sah, glaubte er, das Blatt werde sich jetzt wenden und er werde sich unter seinen Feinden am Hofe viele G\u00f6nner und warme Anh\u00e4nger erwerben. Aber schon daran konnte man erkennen, dass der gute Muck keine gar sorgf\u00e4ltige Erziehung genossen haben musste, sonst h\u00e4tte er sich wohl nicht einbilden k\u00f6nnen, durch Gold wahre Freunde zu gewinnen. Ach, dass er damals seine Pantoffeln geschmiert und sich mit seinem M\u00e4ntelein voll Gold aus dem Staub gemacht h\u00e4tte!<\/p>\n\n\n\n<p>Das Gold, das der kleine Muck von jetzt an mit vollen H\u00e4nden austeilte, erweckte den Neid der \u00fcbrigen Hofbediensteten. Der K\u00fcchenmeister Ahuli sagte: \u00bbEr ist ein Falschm\u00fcnzer.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Der Sklavenaufseher Achmet sagte: \u00bbEr hat&#8217;s dem K\u00f6nig abgeschwatzt.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Archaz, der Schatzmeister, aber, sein \u00e4rgster Feind, der selbst hier und da einen Griff in des K\u00f6nigs Kasse tun mochte, sagte geradezu: \u00bbEr hat&#8217;s gestohlen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Um nun ihrer Sache gewiss zu sein, verabredeten sie sich, und der Obermundschenk Korchuz stellte sich eines Tages recht traurig und niedergeschlagen vor die Augen des K\u00f6nigs. Er machte seine traurigen Geb\u00e4rden so auffallend, dass ihn der K\u00f6nig fragte, was ihm fehle .<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbAh\u00ab, antwortete er, \u00bbich bin traurig, dass ich die Gnade meines Herrn verloren habe.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbWas fabelst du, Freund Korchuz?\u00ab entgegnete ihm der K\u00f6nig. \u00bbSeit wann h\u00e4tte ich die Sonne meiner Gnade nicht \u00fcber dich leuchten lassen?\u00ab Der Obermundschenk antwortete ihm, dass er ja den geheimen Oberleibl\u00e4ufer mit Gold belade, seinen armen, treuen Dienern aber nichts gebe.<\/p>\n\n\n\n<p>Der K\u00f6nig war sehr erstaunt \u00fcber diese Nachricht, lie\u00df sich die Goldausteilungen des kleinen Muck erz\u00e4hlen, und die Verschworenen brachten ihm leicht den Verdacht bei, dass Muck auf irgendeine Art das Geld aus der Schatzkammer gestohlen habe. Sehr lieb war diese Wendung der Sache dem Schatzmeister, der ohnehin nicht gerne Rechnung ablegte. Der K\u00f6nig gab daher den Befehl, heimlich auf alle Schritte des kleinen Muck achtzugeben, um ihn wom\u00f6glich auf der Tat zu ertappen. Als nun in der Nacht, die auf diesen Ungl\u00fcckstag folgte, der kleine Muck, da er durch seine Freigebigkeit seine Kasse sehr ersch\u00f6pft sah, den Spaten nahm und in den Schlossgarten schlich, um dort von seinem geheimen Schatze neuen Vorrat zu holen, folgten ihm von weitem die Wachen, von dem K\u00fcchenmeister Ahuli und Archaz, dem Schatzmeister, angef\u00fchrt, und in dem Augenblick, da er das Gold aus dem Topf in sein M\u00e4ntelein legen wollte, fielen sie \u00fcber ihn her, banden ihn und f\u00fchrten ihn sogleich vor den K\u00f6nig. Dieser, den ohnehin die Unterbrechung seines Schlafes m\u00fcrrisch gemacht hatte, empfing seinen armen Oberleibl\u00e4ufer sehr ungn\u00e4dig und stellte sogleich das Verh\u00f6r \u00fcber ihn an. Man hatte den Topf vollends aus der Erde gegraben und mit dem Spaten und mit dem M\u00e4ntelein voll Gold vor die F\u00fc\u00dfe des K\u00f6nigs gesetzt. Der Schatzmeister sagte aus, dass er mit seinen Wachen den Muck \u00fcberrascht habe, wie er diesen Topf mit Gold gerade in die Erde gegraben habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Der K\u00f6nig befragte hierauf den Angeklagten, ob es wahr sei und woher er das Gold, das er vergraben, bekommen habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Der kleine Muck, im Gef\u00fchl seiner Unschuld, sagte aus, dass er diesen Topf im Garten entdeckt habe, dass er ihn habe nicht ein-, sondern ausgraben wollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Alle Anwesenden lachten laut \u00fcber diese Entschuldigung, der K\u00f6nig aber, aufs h\u00f6chste erz\u00fcrnt \u00fcber die vermeintliche Frechheit des Kleinen, rief aus: \u00bbWie, Elender! Du willst deinen K\u00f6nig so dumm und sch\u00e4ndlich bel\u00fcgen, nachdem du ihn bestohlen hast? Schatzmeister Archaz! Ich fordere dich auf, zu sagen, ob du diese Summe Goldes f\u00fcr die n\u00e4mliche erkennst, die in meinem Schatze fehlt.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Der Schatzmeister aber antwortete, er sei seiner Sache ganz gewiss, so viel und noch mehr fehle seit einiger Zeit von dem k\u00f6niglichen Schatz, und er k\u00f6nne einen Eid darauf ablegen, dass dies das Gestohlene sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Da befahl der K\u00f6nig, den kleinen Muck in enge Ketten zu legen und in den Turm zu f\u00fchren; dem Schatzmeister aber \u00fcbergab er das Gold, um es wieder in den Schatz zu tragen. Vergn\u00fcgt \u00fcber den gl\u00fccklichen Ausgang der Sache, zog dieser ab und z\u00e4hlte zu Haus die blinkenden Goldst\u00fccke; aber das hat dieser schlechte Mann niemals angezeigt, dass unten in dem Topf ein Zettel lag, der sagte: \u00bbDer Feind hat mein Land \u00fcberschwemmt, daher verberge ich hier einen Teil meiner Sch\u00e4tze; wer es auch finden mag, den treffe der Fluch seines K\u00f6nigs, wenn er es nicht sogleich meinem Sohne ausliefert! K\u00f6nig Sadi.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Der kleine Muck stellte in seinem Kerker traurige Betrachtungen an; er wusste, dass auf Diebstahl an k\u00f6niglichen Sachen der Tod gesetzt war, und doch mochte er das Geheimnis mit dem St\u00e4bchen dem K\u00f6nig nicht verraten, weil er mit Recht f\u00fcrchtete, dieses und seiner Pantoffeln beraubt zu werden. Seine Pantoffeln konnten ihm leider auch keine Hilfe bringen; denn da er in engen Ketten an die Mauer geschlossen war, konnte er, so sehr er sich qu\u00e4lte, sich nicht auf dem Absatz umdrehen. Als ihm aber am anderen Tage sein Tod angek\u00fcndigt wurde, da gedachte er doch, es sei besser, ohne das Zauberst\u00e4bchen zu leben als mit ihm zu sterben, lie\u00df den K\u00f6nig um geheimes Geh\u00f6r bitten und entdeckte ihm das Geheimnis. Der K\u00f6nig ma\u00df von Anfang an seinem Gest\u00e4ndnis keinen Glauben bei; aber der kleine Muck versprach eine Probe, wenn ihm der K\u00f6nig zugest\u00fcnde, dass er nicht get\u00f6tet werden solle.<\/p>\n\n\n\n<p>Der K\u00f6nig gab ihm sein Wort darauf und lie\u00df, von Muck ungesehen, einiges Gold in die Erde graben und befahl diesem, mit seinem St\u00e4bchen zu suchen. In wenigen Augenblicken hatte er es gefunden; denn das St\u00e4bchen schlug deutlich dreimal auf die Erde. Da merkte der K\u00f6nig, dass ihn sein Schatzmeister betrogen hatte, und sandte ihm, wie es im Morgenland gebr\u00e4uchlich ist, eine seidene Schnur, damit er sich selbst erdrossle. Zum kleinen Muck aber sprach er: \u00bbIch habe dir zwar dein Leben versprochen; aber es scheint mir, als ob du nicht allein dieses Geheimnis mit dem St\u00e4bchen besitzest; darum bleibst du in ewiger Gefangenschaft, wenn du nicht gestehst, was f\u00fcr eine Bewandtnis es mit deinem Schnellaufen hat.\u00ab Der kleine Muck, den die einzige Nacht im Turm alle Lust zu l\u00e4ngerer Gefangenschaft benommen hatte, bekannte, dass seine ganze Kunst in den Pantoffeln liege, doch lehrte er den K\u00f6nig nicht das Geheimnis von dem dreimaligen Umdrehen auf dem Absatz. Der K\u00f6nig schl\u00fcpfte selbst in die Pantoffeln, um die Probe zu machen, und jagte wie unsinnig im Garten umher; oft wollte er anhalten; aber er wusste nicht, wie man die Pantoffeln zum Stehen brachte, und der kleine Muck, der diese kleine Rache sich nicht versagen konnte, lie\u00df ihn laufen, bis er ohnm\u00e4chtig niederfiel.<\/p>\n\n\n\n<p>Als der K\u00f6nig wieder zur Besinnung zur\u00fcckgekehrt war, war er schrecklich aufgebracht \u00fcber den kleinen Muck, der ihn so ganz au\u00dfer Atem hatte laufen lassen. \u00bbIch habe dir mein Wort gegeben, dir Freiheit und Leben zu schenken; aber innerhalb zw\u00f6lf Stunden musst du mein Land verlassen, sonst lasse ich dich aufkn\u00f6pfen!\u00ab Die Pantoffeln und das St\u00e4bchen aber lie\u00df er in seine Schatzkammer legen.<\/p>\n\n\n\n<p>So arm als je wanderte der kleine Muck zum Land hinaus, seine Torheit verw\u00fcnschend, die ihm vorgespiegelt hatte, er k\u00f6nne eine bedeutende Rolle am Hofe spielen. Das Land, aus dem er gejagt wurde, war zum Gl\u00fcck nicht gro\u00df, daher war er schon nach acht Stunden auf der Grenze, obgleich ihn das Gehen, da er an seine lieben Pantoffeln gew\u00f6hnt war, sehr sauer ankam.<\/p>\n\n\n\n<p>Als er \u00fcber der Grenze war, verlie\u00df er die gew\u00f6hnliche Stra\u00dfe, um die dichteste Ein\u00f6de der W\u00e4lder aufzusuchen und dort nur sich zu leben; denn er war allen Menschen gram. In einem dichten Walde traf er auf einen Platz, der ihm zu dem Entschluss, den er gefasst hatte, ganz tauglich schien. Ein klarer Bach, von gro\u00dfen, schattigen Feigenb\u00e4umen umgeben, ein weicher Rasen luden ihn ein; hier warf er sich nieder mit dem Entschluss, keine Speise mehr zu sich zu nehmen, sondern hier den Tod zu erwarten. \u00dcber traurigen Todesbetrachtungen schlief er ein; als er aber wieder aufwachte und der Hunger ihn zu qu\u00e4len anfing, bedachte er doch, dass der Hungertod eine gef\u00e4hrliche Sache sei, und sah sich um, ob er nirgends etwas zu essen bekommen k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>K\u00f6stliche reife Feigen hingen an dem Baume, unter welchem er geschlafen hatte; er stieg hinauf, um sich einige zu pfl\u00fccken, lie\u00df es sich trefflich schmecken und ging dann hinunter an den Bach, um seinen Durst zu l\u00f6schen. Aber wie gro\u00df war sein Schrecken, als ihm das Wasser seinen Kopf mit zwei gewaltigen Ohren und einer dicken, langen Nase geschm\u00fcckt zeigte! Best\u00fcrzt griff er mit den H\u00e4nden nach den Ohren, und wirklich, sie waren \u00fcber eine halbe Elle lang.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbIch verdiene Eselsohren!\u00ab rief er aus; \u00bbdenn ich habe mein Gl\u00fcck wie ein Esel mit F\u00fc\u00dfen getreten.\u00ab Er wanderte unter den B\u00e4umen umher, und als er wieder Hunger f\u00fchlte, musste er noch einmal zu den Feigen seine Zuflucht nehmen; denn sonst fand er nichts Essbares an den B\u00e4umen. Als ihm \u00fcber der zweiten Portion Feigen einfiel, ob wohl seine Ohren nicht unter seinem gro\u00dfen Turban Platz h\u00e4tten, damit er doch nicht gar zu l\u00e4cherlich aussehe, f\u00fchlte er, dass seine Ohren verschwunden waren. Er lief gleich an den Bach zur\u00fcck, um sich davon zu \u00fcberzeugen, und wirklich, es war so, seine Ohren hatten ihre vorige Gestalt, seine lange, unf\u00f6rmliche Nase war nicht mehr. Jetzt merkte er aber, wie dies gekommen war; von dem ersten Feigenbaum hatte er die lange Nase und Ohren bekommen, der zweite hatte ihn geheilt; freudig erkannte er, dass sein g\u00fctiges Geschick ihm noch einmal die Mittel in die Hand gebe, gl\u00fccklich zu sein. Er pfl\u00fcckte daher von jedem Baum so viel, wie er tragen konnte, und ging in das Land zur\u00fcck, das er vor kurzem verlassen hatte. Dort machte er sich in dem ersten St\u00e4dtchen durch andere Kleider ganz unkenntlich und ging dann weiter auf die Stadt zu, die jener K\u00f6nig bewohnte, und kam auch bald dort an.<\/p>\n\n\n\n<p>Es war gerade zu einer Jahreszeit, wo reife Fr\u00fcchte noch ziemlich selten waren; der kleine Muck setzte sich daher unter das Tor des Palastes; denn ihm war von fr\u00fcherer Zeit her wohl bekannt, dass hier solche Seltenheiten von dem K\u00fcchenmeister f\u00fcr die k\u00f6nigliche Tafel eingekauft wurden. Muck hatte noch nicht lange gesessen, als er den K\u00fcchenmeister \u00fcber den Hof her\u00fcberschreiten sah. Er musterte die Waren der Verk\u00e4ufer, die sich am Tor des Palastes eingefunden hatten; endlich fiel sein Blick auch auf Mucks K\u00f6rbchen. \u00bbAh, ein seltener Bissen\u00ab, sagte er, \u00bbder Ihro Majest\u00e4t gewiss behagen wird. Was willst du f\u00fcr den ganzen Korb?\u00ab Der kleine Muck bestimmte einen m\u00e4\u00dfigen Preis, und sie waren bald des Handels einig. Der K\u00fcchenmeister \u00fcbergab den Korb einem Sklaven und ging weiter; der kleine Muck aber macht sich einstweilen aus dem Staub, weil er bef\u00fcrchtete, wenn sich das Ungl\u00fcck an den K\u00f6pfen des Hofes zeigte, m\u00f6chte man ihn als Verk\u00e4ufer aufsuchen und bestrafen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der K\u00f6nig war \u00fcber Tisch sehr heiter gestimmt und sagte seinem K\u00fcchenmeister einmal \u00fcber das andere Lobspr\u00fcche wegen seiner guten K\u00fcche und der Sorgfalt, mit der er immer das Seltenste f\u00fcr ihn aussuche; der K\u00fcchenmeister aber, welcher wohl wusste, welchen Leckerbissen er noch im Hintergrund habe, schmunzelte gar freundlich und lie\u00df nur einzelne Worte fallen, als: \u00bbEs ist noch nicht aller Tage Abend\u00ab, oder \u00bbEnde gut, alles gut\u00ab, so dass die Prinzessinnen sehr neugierig wurden, was er wohl noch bringen werde. Als er aber die sch\u00f6nen, einladenden Feigen aufsetzen lie\u00df, da entfloh ein allgemeines Ah! dem Munde der Anwesenden.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbWie reif, wie appetitlich!\u00ab rief der K\u00f6nig. \u00bbK\u00fcchenmeister, du bist ein ganzer Kerl und verdienst unsere ganz besondere Gnade!\u00ab Also sprechend, teilte der K\u00f6nig, der mit solchen Leckerbissen sehr sparsam zu sein pflegte, mit eigener Hand die Feigen an seiner Tafel aus. Jeder Prinz und jede Prinzessin bekam zwei, die Hofdamen und die Wesire und Agas eine, die \u00fcbrigen stellte er vor sich hin und begann mit gro\u00dfem Behagen sie zu verschlingen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbAber, lieber Gott, wie siehst du so wunderlich aus, Vater?\u00ab rief auf einmal die Prinzessin Amarza. Alle sahen den K\u00f6nig erstaunt an; ungeheure Ohren hingen ihm am Kopf, eine lange Nase zog sich \u00fcber sein Kinn herunter; auch sich selbst betrachteten sie untereinander mit Staunen und Schrecken; alle waren mehr oder minder mit dem sonderbaren Kopfputz geschmeckt.<\/p>\n\n\n\n<p>Man denke sich den Schrecken des Hofes! Man schickte sogleich nach allen \u00c4rzten der Stadt; sie kamen haufenweise, verordneten Pillen und Mixturen; aber die Ohren und die Nasen blieben. Man operierte einen der Prinzen; aber die Ohren wuchsen nach.<\/p>\n\n\n\n<p>Muck hatte die ganze Geschichte in seinem Versteck, wohin er sich zur\u00fcckgezogen hatte, geh\u00f6rt und erkannte, dass es jetzt Zeit sei zu handeln. Er hatte sich schon vorher von dem aus den Feigen gel\u00f6sten Geld einen Anzug verschafft, der ihn als Gelehrten darstellen konnte; ein langer Bart aus Ziegenhaaren vollendete die T\u00e4uschung. Mit einem S\u00e4ckchen voll Feigen wanderte er in den Palast des K\u00f6nigs und bot als fremder Arzt seine Hilfe an. Man war von Anfang sehr ungl\u00e4ubig; als aber der kleine Muck eine Feige einem der Prinzen zu essen gab und Ohren und Nase dadurch in den alten Zustand zur\u00fcckbrachte, da wollte alles von dem fremden Arzte geheilt sein. Aber der K\u00f6nig nahm ihn schweigend bei der Hand und f\u00fchrte ihn in sein Gemach; dort schloss er eine T\u00fcre auf, die in die Schatzkammer f\u00fchrte, und winkte Muck, ihm zu folgen. \u00bbHier sind meine Sch\u00e4tze\u00ab, sprach der K\u00f6nig, \u00bbw\u00e4hle dir, was es auch sei, es soll dir gew\u00e4hrt werden, wenn du mich von diesem schmachvollen \u00dcbel befreist.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Das war s\u00fc\u00dfe Musik in des kleinen Muck Ohren; er hatte gleich beim Eintritt seine Pantoffeln auf dem Boden stehen sehen, gleich daneben lag auch sein St\u00e4bchen. Er ging nun umher in dem Saal, wie wenn er die Sch\u00e4tze des K\u00f6nigs bewundern wollte; kaum aber war er an seine Pantoffeln gekommen, so schl\u00fcpfte er eilends hinein, ergriff sein St\u00e4bchen, riss seinen falschen Bart herab und zeigte dem erstaunten K\u00f6nig das wohlbekannte Gesicht seines versto\u00dfenen Muck. \u00bbTreuloser K\u00f6nig\u00ab, sprach er, \u00bbder du treue Dienste mit Undank lohnst, nimm als wohlverdiente Strafe die Missgestalt, die du tr\u00e4gst. Die Ohren lass ich dir zur\u00fcck, damit sie dich t\u00e4glich erinnern an den kleinen Muck.\u00ab Als er so gesprochen hatte, drehte er sich schnell auf dem Absatz herum, w\u00fcnschte sich weit hinweg, und ehe noch der K\u00f6nig um Hilfe rufen konnte, war der kleine Muck entflohen. Seitdem lebt der kleine Muck hier in gro\u00dfem Wohlstand, aber einsam; denn er verachtet die Menschen. Er ist durch Erfahrung ein weiser Mann geworden, welcher, wenn auch sein \u00c4u\u00dferes etwas Auffallendes haben mag, deine Bewunderung mehr als deinen Spott verdient.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbSo erz\u00e4hlte mir mein Vater; ich bezeugte ihm meine Reue \u00fcber mein rohes Betragen gegen den guten kleinen Mann, und mein Vater schenkte mir die andere H\u00e4lfte der Strafe, die er mir zugedacht hatte. Ich erz\u00e4hlte meinen Kameraden die wunderbaren Schicksale des Kleinen, und wir gewannen ihn so lieb, dass ihn keiner mehr schimpfte. Im Gegenteil, wir ehrten ihn, solange er lebte, und haben uns vor ihm immer so tief wie vor Kadi und Mufti geb\u00fcckt.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Die Reisenden beschlossen, einen Rasttag in dieser Karawanserei zu machen, um sich und die Tiere zur weiteren Reise zu st\u00e4rken . Die gestrige Fr\u00f6hlichkeit ging auch auf diesen Tag \u00fcber, und sie erg\u00f6tzten sich in allerlei Spielen. Nach dem Essen aber riefen sie dem f\u00fcnften Kaufmann, Ali Sizah, zu, auch seine Schuldigkeit gleich den \u00fcbrigen zu tun und eine Geschichte zu erz\u00e4hlen. Er antwortete, sein Leben sei zu arm an auffallenden Begebenheiten, als dass er ihnen etwas davon mitteilen m\u00f6chte, daher wolle er ihnen etwas anderes erz\u00e4hlen, n\u00e4mlich: &#8230;&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Nicea, meiner lieben Vaterstadt, wohnte ein Mann, den man den kleinen Muck hie\u00df. 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