{"id":1205,"date":"2021-01-07T01:08:43","date_gmt":"2021-01-07T00:08:43","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=1205"},"modified":"2026-01-11T02:05:58","modified_gmt":"2026-01-11T01:05:58","slug":"meister-besenbinder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/meister-besenbinder\/","title":{"rendered":"Meister Besenbinder"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center\">von M\u00e4rchenklaus<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Es lebte einmal ein Besenbinder,<br>der so arm war, dass er nicht einmal sein eigenes H\u00fcttchen<br>mit Stroh oder Schilf ausbessern konnte,<br>sodass ihm die \u00fcberm\u00fctigen kalten Winterwinde<br>keineswegs willkommen waren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Es kamen daher auch,<br>ohne dass er h\u00e4tte dagegen etwas unternehmen k\u00f6nnen,<br>viel Spuk und Gesindel zu ihm<br>und versteckten sich unter seinem Ger\u00fcmpel,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">wenn, in den zw\u00f6lf Raun\u00e4chten,<br>der wilde J\u00e4gersmann<br>mit seiner verwunschenen Schar<br>durch die L\u00fcfte toste.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Auf einem dreibeinigen Pferd<br>reitet dieser dann durch die N\u00e4chte,<br>begleitet von dreibeinigen Hunden, F\u00fcchsen und Dachsen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Ein ein\u00e4ugiger Eber geh\u00f6rt auch zu seinem Gefolge,<br>und die ungeb\u00e4rdigen R\u00f6sser<br>sind allesamt tote Pfaffenk\u00f6chinnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Diese haben zu Lebzeiten<br>Menschen oder Tiere misshandelt<br>und m\u00fcssen nun lange Zeit,<br>in rastloser, st\u00fcrmischer Unruhe,<br>zwischen Himmel und Erde dahin jagen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Zum wilden J\u00e4ger<br>wurde der Gef\u00e4hrte Nimrods weil er es wagte,<br>auf die Sonne zu schie\u00dfen und diese verletzte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Zur Strafe daf\u00fcr muss er nun ewig umherjagen<br>und zieht mit seiner Meute<br>in den Zw\u00f6lfern\u00e4chten in der Welt umher.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Eines Abends,<br>es war die erste Julnacht,<br>hatte sich der Besenbinder gerade auf sein Bett aus Lumpen gelegt,<br>um zu schlafen, als die wilde Jagd<br>durch die L\u00fcfte heranbrauste.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Pl\u00f6tzlich<br>riss der Sturmwind die schwache T\u00fcre auf,<br>und herein fl\u00fcchtete ein Waldweibchen,<br>das sich eilends in dem leeren Kessel versteckte,<br>der \u00fcber dem kalten Herde hing.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Kurz danach sprang ein dreibeiniger Hund<br>in die Stube und frug:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">\u201eMeister Besenbinder!<br>Hast du ein altes Weib gesehen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">\u201eNein\u201c,<br>antwortete \u00fcberrascht der Gefragte.<br>\u201eIch habe keine alte Frau gesehen<br>und nun entferne dich und lass mich schlafen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">\u201eHallo, holla!<br>Wol, wol!\u201c,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">erklang es aus den L\u00fcften,<br>und weg war der dreibeinige K\u00f6ter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Kurz darnach,<br>sprang ein dreibeiniger Fuchs in die Stube und bellte:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">\u201eMeister Besenbinder!<br>Hast du ein altes Weib gesehen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">\u201eNein\u201c,<br>antwortete zitternd der Gefragte.<br>\u201eIch habe keine alte Frau gesehen<br>und nun entferne dich und lass mich schlafen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">\u201eHallo, holla!<br>Wol, wol!\u201c,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">erklang es aus den L\u00fcften,<br>und weg war der dreibeinige Reineke.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Noch ein drittes Mal<br>wurde der Besenbinder in seiner Ruhe gest\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Ein dreibeiniges Ross,<br>wohl eine verfluchte Pfaffenk\u00f6chin,<br>sprang in die Stube<br>und wieherte:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">\u201eMeister Besenbinder!<br>Hast du ein altes Weib gesehen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">\u201eNein\u201c,<br>antwortete nun schlotternd der Gefragte.<br>\u201eIch habe keine alte Frau gesehen<br>und nun entferne dich und lass mich schlafen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">\u201eHallo, holla!<br>Wol, wol!\u201c,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">erklang es aus den L\u00fcften,<br>und weg war sie, die wilde Jagd.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Da kroch das Waldweibchen aus dem Kessel,<br>bedankte sich und frug ihren Retter,<br>was er als Dank f\u00fcr das Versteck verlange.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">\u201eNun\u201c,<br>sagte der Besenbinder,<br>dem im Augenblicke gerade nichts Rechtes einfiel,<br>\u201eich m\u00f6chte mir einmal den Mittwinterumzug<br>ansehen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Das ist in der Julzeit die Stunde,<br>wo alle Tiere und Lichtwesen<br>von Baum zu Baum ziehen,<br>um anzusagen,<br>dass die Sonne wieder h\u00f6her steigen wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">\u201eGerne nehme ich dich mit\u201c,<br>antwortete das Waldweiblein,<br>\u201edoch zuvor werde ich an dir<br>wohl etwas ver\u00e4ndern m\u00fcssen,<br>damit dich die Tiere und Lichtwesen auch annehmen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Sie \u00f6ffnete und schloss dreimal ihre zwei H\u00e4nde,<br>zeigte dabei mit ihren zehn Fingern<br>auf den Besenbinder,<br>murmelte dazu unverst\u00e4ndliche Worte,<br>und pl\u00f6tzlich tanzten zehn kleine Flammen<br>auf den Fingern des Mannes, jedoch,<br>ohne diese zu verbrennen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">\u201eSo, jetzt komm mit\u201c,<br>sagte das Weiblein noch,<br>und beide wanderten miteinander in den Wald.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Mit den Flammen auf seinen zehn Fingern<br>lie\u00df man den Fremden<br>\u00fcberall mitlaufen.<br>Weder Tiere, noch Lichtwesen<br>hatten Scheu vor dem Besenbinder,<br>und er sah Rehe, Hirsche und Ottern,<br>gefolgt von den kleinen Baumweibchen<br>Hollerfrauen und Erlk\u00f6niginnen,<br>den dicken Stubenkerlen und Moorknirpsen<br>und noch allerlei anderen wunderlichen Gestalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Die Nacht war wundersch\u00f6n hell und klar.<br>Die Tiere und Lichtgestalten<br>zogen von Baum zu Baum,<br>ber\u00fchrten diese und sangen,<br>dass die Sonne wieder h\u00f6her steigen werde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Auf einmal,<br>als sie gerade so mitten drin im tiefen Walde waren,<br>sauste ein Feuerwisch vorbei.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Dies,<br>so fl\u00fcsterte das Waldweiblein dem Besenbinder<br>ins Ohr, sei ein geiziger Bauer,<br>der zu seinem vergrabenen Schatz wolle.<br>Schnell fuhr er, da er ja nicht wusste,<br>dass ein Mensch unter dem Lichtervolke war,<br>in ein Blitzloch zwischen drei Buchen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Dort n\u00e4mlich<br>hatte er zu seinen Lebzeiten das Geld vergraben.<br>Die Tiere und Lichtwesen murrten,<br>denn sie mochten es nicht,<br>dass die Verwunschenen<br>an solch feierlichen Tagen ihr Geld z\u00e4hlten,<br>und auch der Besenbinder fand dies arg.<br>Er konnte indes, ebenso wenig wie alle anderen,<br>dagegen etwas unternehmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Nachdem nun<br>das Lichterv\u00f6lkchen und die Tiere<br>den Wald mit ihren Liedern und Lichtern<br>durchwandert hatten, kehrten sie alle wieder<br>gl\u00fccklich und zufrieden dorthin zur\u00fcck,<br>von woher sie zuvor gekommen waren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Nur der Besenbinder<br>konnte nicht mehr so richtig einschlafen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Er dachte,<br>dass er ein wenig von dem vergrabenen Schatz<br>ganz gut gebrauchen k\u00f6nnte.<br>Er sprang daher wieder aus dem Bette,<br>holte sich einen Spaten,<br>lief zu den drei Buchen und begann zu graben,<br>dass sein Schwei\u00df in Str\u00f6men floss.<br>Er grub und grub, bis es hell wurde,<br>aber nichts hatte er entdeckt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Nach Sonnenaufgang,<br>so hatte er geh\u00f6rt, st\u00f6\u00dft niemand mehr<br>auf einen verwunschenen Schatz,<br>und so lie\u00df er vorderhand das Graben sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Als jedoch die zweite Julnacht anbrach,<br>machte er sich sofort wieder auf den Weg<br>zu den drei Buchen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Jedoch<br>er h\u00e4tte etwas vorsichtiger sein sollen,<br>denn weder Tiere noch Lichtwesen m\u00f6gen es,<br>wenn Habgier ihre Andacht st\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Der Besenbinder grub und grub<br>und da geschah etwas,<br>was nur in den heiligen N\u00e4chten passiert.<br>Unter dem Grabenden<br>sch\u00fcttelte sich auf einmal der Boden,<br>die Erde sprang auf, und pl\u00f6tzlich hob sich aus der Tiefe<br>eine riesige Truhe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Der Mann \u00f6ffnete sie rasch und sah,<br>dass sie, bis zum Rande,<br>mit Geld und alten Goldst\u00fccken angef\u00fcllt war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Schnell<br>stopfte er sich seine Taschen voll,da er in der Ferne<br>Lieder des Mittwinterzuges vernahm und durch die B\u00e4ume<br>bereits einige Lichtlein schimmern sah.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Deshalb war es f\u00fcr ihn h\u00f6chste Zeit, heimzukehren,<br>denn der Umzug der Tiere und des Lichtv\u00f6lkchens<br>kam langsam n\u00e4her und n\u00e4her.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Da er in dieser Nacht<br>keine Flammen auf den Fingern hatte,<br>w\u00fcrden sie ihn sicherlich<br>sogleich als Fremden erkennen<br>und ihn dementsprechend bestrafen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Eiliger, als er gekommen war,<br>machte sich der Besenbinder auf den Heimweg<br>und erreichte gerade noch rechtzeitig<br>seine armselige Behausung.<br>Als er seine Taschen ausleerte<br>und seinen Schatz z\u00e4hlte,<br>da wusste er, dass er sich davon<br>eine neue H\u00fctte w\u00fcrde bauen k\u00f6nnen<br>und au\u00dferdem w\u00fcrde ihm auch noch einiges<br>f\u00fcr seine alten Tage \u00fcbrig bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Am Mittwinterumzug<br>der Tiere und Lichtwesen teilzunehmen,<br>traute sich Meister Besenbinder nicht mehr,<br>und wenn die Zw\u00f6lf nahten,<br>die Raun\u00e4chte zwischen dem<br>25. Dezember und 6. Januar,<br>verschloss er s\u00e4mtliche Fenster und T\u00fcren seiner H\u00fctte<br>und wagte sich, nach Einbruch der Dunkelheit,<br>nicht mehr ins Freie,<br>weil er zu Recht bef\u00fcrchtete,<br>der Feuerwisch des geizigen Bauern<br>k\u00f6nnte in die Stube fahren<br>und sich an ihm r\u00e4chen, oder aber<br>die Tiere oder Lichtwesen<br>k\u00f6nnten ihn fragen, warum er ihre feierliche Stunde<br>durch den vergrabenen Schatz entweiht habe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">Denn diese Wesen wissen ja nicht,<br>dass viele Menschen neben einer guten Seele,<br>auch noch<br>Gier nach Gold in ihrem Herzen haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<br>Dieses M\u00e4rchen wurde mir von Klaus Streichert zur Verf\u00fcgung gestellt.<br>\u00a0Das Copyright dieses M\u00e4rchens liegt beim Autor: <a href=\"mailto:maerchenklaus11@gmx.at\">maerchenklaus11@gmx.at<\/a><br>\u00a0Das Kopieren in andere Webseiten oder Foren ist nur mit schriftlicher Erlaubnis von Klaus Streichert gestattet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von M\u00e4rchenklaus Es lebte einmal ein Besenbinder,der so arm war, dass er nicht einmal sein eigenes H\u00fcttchenmit Stroh oder Schilf ausbessern konnte,sodass ihm die \u00fcberm\u00fctigen kalten Winterwindekeineswegs willkommen waren. 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