{"id":1174,"date":"2020-09-16T00:23:08","date_gmt":"2020-09-15T22:23:08","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=1174"},"modified":"2025-12-28T21:28:33","modified_gmt":"2025-12-28T20:28:33","slug":"der-wunderliche-spielmann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/der-wunderliche-spielmann\/","title":{"rendered":"Der wunderliche Spielmann"},"content":{"rendered":"\n<p>Gebr. Grimm<\/p>\n\n\n\n<p>Es war einmal ein wunderlicher Spielmann, der ging durch einen Wald mutterselig allein und dachte hin und her, und als f\u00fcr seine Gedanken nichts mehr \u00fcbrig war, sprach er zu sich selbst: &#8222;Mir wird hier im Walde Zeit und Weile lang, ich will einen guten Gesellen herbeiholen&#8220; Da nahm er die Geige vom R\u00fccken und fidelte eins, dass es durch die B\u00e4ume schallte. Nicht lange, so kam ein Wolf durch das Dickicht dahergetrabt. &#8222;Ach, ein Wolf kommt! Nach dem trage ich kein Verlangen&#8220;, sagte der Spielmann; aber der Wolf schritt n\u00e4her und sprach zu Ihm: &#8222;Ei, du lieber Spielmann, was fidelst du so sch\u00f6n! Das m\u00f6cht ich auch lernen&#8220;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Der wunderliche Spielmann: M\u00e4rchen der Gebr\u00fcder Grimm f\u00fcr Kinder und Erwachsene (H\u00f6rbuch)\" width=\"500\" height=\"281\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/OYswzHB-PcM?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>&#8222;Das ist bald gelernt&#8220;, antwortete ihm der Spielmann, &#8222;du musst nur alles tun, was ich dich hei\u00dfe&#8220;<br>&#8222;O Spielmann&#8220;, sprach der Wolf, &#8222;ich will dir gehor\u00adchen wie ein Sch\u00fcler seinem Meister&#8220; Der Spielmann hie\u00df ihn mitgehen, und als sie ein St\u00fcck Wegs zusammen gegangen waren, kamen sie an einen alten Eichbaum, der innen hohl und in der Mitte aufgerissen war.<br>&#8222;Sieh her&#8220;, sprach der Spielmann, &#8222;willst du fiedeln lernen, so lege die Vorderpfoten in diesen Spalt&#8220; Der Wolf gehorchte, aber der Spielmann hob schnell einen Stein auf und keilte ihm die beiden Pfoten mit einem Schlag so fest, dass er wie ein Gefangener da liegen bleiben musste. &#8222;Warte da so lange, bis ich wiederkomme&#8220;, sagte der Spielmann und ging seines Weges.<br>\u00dcber eine Weile sprach er abermals zu sich selber: &#8222;Mir wird hier im Walde Zeit und Weile lang, ich will einen \u00e4n\u00addern Gesellen herbeiholen&#8220;, nahm seine Geige und fidelte wieder in den Wald hinein.<br>Nicht lange, so kam ein Fuchs durch die B\u00e4ume daher geschlichen. &#8222;Ach, ein Fuchs kommt!&#8220; sagte der Spielmann. &#8222;Nach dem trage ich kein Verlangen&#8220; Der Fuchs kam zu ihm heran und sprach: &#8222;Ei, du lieber Spielmann, was fidelst du so sch\u00f6n! Das m\u00f6cht ich auch lernen&#8220;<br>&#8222;Das ist bald gelernt&#8220;, sprach der Spielmann, &#8222;du musst nur alles tun, was ich dich hei\u00dfe&#8220;<br>&#8222;O Spielmann&#8220;, antwortete der Fuchs, &#8222;ich will dir ge\u00adhorchen wie ein Sch\u00fcler seinem Meister&#8220;<br>&#8222;Folge mir&#8220;, sagte der Spielmann, und als sie ein St\u00fcck Wegs gegangen waren, kamen sie auf einen Fu\u00dfweg, zu dessen beiden Seiten hohe Str\u00e4ucher standen. Da hielt der Spielmann still, bog von der einen Seite ein Haselnu\u00dfb\u00e4umchen zur Erde herab und trat mit dem Fu\u00df auf die Spitze, dann bog er von der \u00e4ndern Seite noch ein B\u00e4umchen herab und sprach: &#8222;Wohlan, F\u00fcchslein, wenn du et\u00adwas lernen willst, so reich mir deine linke Vorderpfote<\/p>\n\n\n\n<p>Der Fuchs gehorchte, und der Spielmann band ihm die Pfote an den linken Stamm. &#8222;F\u00fcchslein&#8220;, sprach er, &#8222;nun reich mir die rechte&#8220; Die band er ihm an den rechten Stamm. Und als er nachgesehen hatte, ob die Knoten der Stricke auch fest genug waren, lie\u00df er los, und die B\u00e4um\u00adchen fuhren in die H\u00f6he und schnellten das F\u00fcchslein hinauf, dass es in der Luft schwebte und zappelte.<br>&#8222;Warte da so lange, bis ich wiederkomme&#8220;, sagte der Spielmann und ging seines Weges. Wiederum sprach er zu sich: &#8222;Zeit und Weile wird mir hier im Walde lang; ich will einen \u00e4ndern Gesellen herbeiholen&#8220;, nahm seine Geige, und der Klang erschallte durch den Wald.<br>Da kam ein H\u00e4schen dahergesprungen. &#8222;Ach, ein Hase kommt!&#8220; sagte der Spielmann. &#8222;Den wollte ich nicht haben&#8220;<br>&#8222;Ei, du lieber Spielmann&#8220;, sagte das H\u00e4schen, &#8222;was fidelst du so sch\u00f6n, das m\u00f6chte ich auch lernen&#8220;<br>&#8222;Das ist bald gelernt&#8220;, sprach der Spielmann, &#8222;du musst nur alles tun, was ich dich hei\u00dfe&#8220;<br>&#8222;O Spielmann&#8220;, antwortete das H\u00e4slein, &#8222;ich will dir gehorchen wie ein Sch\u00fcler seinem Meister&#8220;<br>Sie gingen ein St\u00fcck Wegs zusammen, bis sie zu einer lichten Stelle im Wald kamen, wo ein Espenbaum stand. Der Spielmann band dem H\u00e4schen einen langen Bind\u00adfaden um den Hals, wovon er das andere Ende an den Baum kn\u00fcpfte. &#8222;Munter, H\u00e4schen, jetzt spring mir zwan\u00adzigmal um den Baum herum&#8220;, rief der Spielmann, und das H\u00e4schen gehorchte, und wie es zwanzigmal herumgelau\u00adfen war, so hatte sich der Bindfaden zwanzigmal um den Stamm gewickelt, und das H\u00e4schen war gefangen, und es mochte ziehen und zerren, wie es wollte, es schnitt sich nur den Faden in den weichen Hals. &#8222;Warte da so lange, bis ich wiederkomme&#8220;, sprach der Spielmann und ging weiter.<br>Der Wolf indessen hatte ger\u00fcckt, gezogen, an dem Stein gebissen und so lange gearbeitet, bis er die Pfoten frei gemacht und wieder aus der Spalte gezogen hatte. Voll Zorn und Wut eilte er hinter dem Spielmann her und wollte ihn zerrei\u00dfen.<br>Als ihn der Fuchs laufen sah, fing er an zu jammern und schrie aus Leibeskr\u00e4ften: &#8222;Bruder Wolf, komm mir zur Hilfe, der Spielmann hat mich betrogen&#8220; Der Wolf zog die B\u00e4umchen herab, biss die Schn\u00fcre entzwei und machte den Fuchs frei, der mit ihm ging und an dem Spielmann Rache nehmen wollte.<br>Sie fanden das gebundene H\u00e4schen, das sie ebenfalls er\u00adl\u00f6sten, und dann suchten alle zusammen ihren Feind auf. Der Spielmann hatte auf seinem Weg abermals seine Fidel erklingen lassen, und diesmal war er gl\u00fccklicher gewesen. Die T\u00f6ne drangen zu den Ohren eines armen Holzhau\u00aders, der alsbald, er mochte wollen oder nicht, von der Ar\u00adbeit ablie\u00df und mit dem Beil unter dem Arme herankam, die Musik zu h\u00f6ren. &#8222;Endlich kommt doch der rechte Geselle&#8220;, sagte der Spielmann, &#8222;denn einen Menschen suchte ich und keine wilden Tiere&#8220; Und fing an und spielte so sch\u00f6n und lieblich, dass der arme Mann wie be\u00adzaubert dastand und ihm das Herz vor Freude aufging. Und wie er so stand, kamen der Wolf, der Fuchs und das H\u00e4slein heran, und er merkte wohl, dass sie etwas B\u00f6ses im Schilde f\u00fchrten. Da erhob er seine blinkende Axt und stellte sich vor den Spielmann, als wollte er sagen: Wer an ihn will, der h\u00fcte sich, der hat es mit mir zu tun. Da ward den Tieren angst und liefen in den Wald zur\u00fcck, der Spielmann aber spielte dem Manne noch eins zum Dank und zog dann weiter.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gebr. 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