{"id":1170,"date":"2020-08-10T22:57:06","date_gmt":"2020-08-10T20:57:06","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=1170"},"modified":"2025-12-28T04:03:26","modified_gmt":"2025-12-28T03:03:26","slug":"das-mordschloss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/das-mordschloss\/","title":{"rendered":"Das Mordschloss"},"content":{"rendered":"\n<p>Gebr. Grimm<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Es war einmal ein Schuhmacher, welcher drei T\u00f6chter hatte; auf eine Zeit als der Schuhmacher aus war, kam da ein Herr, welcher sehr gut gekleidet war, und welcher eine pr\u00e4chtige Equipage hatte, so dass man ihn f\u00fcr sehr reich hielt, und verliebte sich in eine der sch\u00f6nen T\u00f6chter, welche dachte, ihr Gl\u00fcck gemacht zu haben mit so einem reichen Herrn, und machte also keine Schwierigkeit mit ihm zu reiten. Da es Abend ward, als sie unterwegs waren fragte er sie:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">\u201eDer Mond scheint so hell<br>meine Pferdchen laufen so schnell<br>s\u00fc\u00df Lieb, reut dich&#8217;s auch nicht?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p> \u201eNein, warum sollt mich&#8217;s reuen? ich bin immer bei Euch wohl bewahrt,\u201c da sie doch innerlich eine Angst hatte. Als sie in einem grossen Wald waren, fragte sie, ob sie bald da w\u00e4ren? \u2013 \u201eJa, sagte er, siehst du das Licht da in der Ferne, da ist mein Schloss;\u201c endlich kamen sie da an, und alles war gar sch\u00f6n.<\/p>\n\n\n\n<p>Am andern Tage sagte er zu ihr, er m\u00fcsst auf einige Tage sie verlassen, weil er wichtige Affairen h\u00e4tte, die notwendig w\u00e4ren, aber er wolle ihr alle Schl\u00fcssel lassen, damit sie das ganze Castell sehen k\u00f6nnte, von was f\u00fcr Reichtum sie all Meister w\u00e4r. Als er fort war, ging sie durch das ganze Haus, und fand alles so sch\u00f6n, dass sie v\u00f6llig damit zufrieden war, bis sie endlich an einen Keller kam, wo eine alte Frau sa\u00df und D\u00e4rme schrappte. \u201eEi M\u00fctterchen, was macht sie da?\u201c \u2013 \u201eIch schrapp D\u00e4rme, mein Kind, morgen schrapp ich eure auch!\u201c Wovon sie so erschrak, dass sie den Schl\u00fcssel, welcher in ihrer Hand war, in ein Becken mit Blut fallen lie\u00df, welches nicht gut wieder abzuwaschen war: \u201eNun ist euer Tod sicher, sagte das alte Weib, weil mein Herr sehen kann, dass ihr in der Kammer gewesen seid, wohin ausser ihm und mir kein Mensch kommen darf.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>(Man mu\u00df aber wissen, da\u00df die zwei vorigen Schwestern auf dieselbe Weise waren umgekommen.)<\/p>\n\n\n\n<p>Da in dem Augenblick ein Wagen mit Heu von dem Schloss weg fuhr, so sagte die alte Frau, es w\u00e4re das einzige Mittel, um das Leben zu behalten, sich unter das Heu zu verstecken, und dann da mit weg zu fahren; welches sie auch t\u00e4t. Da inzwischen der Herr nach Haus kam, fragte er, wo die Mamsell w\u00e4re! \u201eO, sagte die alte Frau, da ich keine Arbeit mehr hatte, und sie morgen doch dran musste, hab ich sie schon geschlachtet, und hier ist eine Locke von ihrem Haar, und das Herz, wie auch was warm Blut, das \u00fcbrige haben die Hunde alle gefressen, und ich schrapp die D\u00e4rme.\u201c Der Herr war also ruhig, dass sie tot war.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie kommt inzwischen mit dem Heuwagen zu einem nah bei gelegenen Schloss, wo das Heu hin verkauft war, und sie kommt mit aus dem Heu und erz\u00e4hlt die ganze Sache, und wird ersucht, da einige Zeit zu bleiben. Nach Verlauf von einiger Zeit n\u00f6tigt der Herr von diesem Schloss alle in der N\u00e4he wohnenden Edelleute zu einem gro\u00dfen Fest, und das Gesicht und Kleidung von der fremden Mamsell wird so ver\u00e4ndert, dass sie nicht erkannt werden konnte, weil auch der Herr von dem Mord-Castell dazu eingeladen war.<\/p>\n\n\n\n<p>Da sie alle da waren, musste ein jeder etwas erz\u00e4hlen, da die Reihe an die Mamsell kam, erz\u00e4hlte sie die bewusste Historie, wobei dem sogenannten Herrn Graf so \u00e4ngstlich ums Herz ward, dass er mit Gewalt weg wollte, aber der gute Herr von dem adelichen Haus hatte inzwischen gesorgt, dass das Gericht unsern sch\u00f6nen Herrn Grafen in Gef\u00e4ngnis nahm, sein Castell ausrottete, und seine G\u00fcter alle der Mamsell zu eigen gab, die nach der Hand mit dem Sohn des Hauses, wo sie so gut empfangen war, sich verheiratete und lange Jahre lebte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gebr. 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