{"id":1161,"date":"2020-03-28T23:54:11","date_gmt":"2020-03-28T22:54:11","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=1161"},"modified":"2025-12-15T13:17:35","modified_gmt":"2025-12-15T12:17:35","slug":"die-sieben-schwaben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-sieben-schwaben\/","title":{"rendered":"Die sieben Schwaben"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Gebr. Grimm<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Einmal waren sieben Schwaben beisammen, der erste war der\n  Herr Schulz, der zweite der Jackli, der dritte der Marli, der vierte der Jergli, der\n  f\u00fcnfte der Michel, der sechste der Hans, der siebente der Veitli; die hatten sich alle\n  siebene vorgenommen, die Welt zu durchziehen, Abenteuer zu suchen und gro\u00dfe Taten zu\n  vollbringen. Damit sie aber auch mit bewaffneter Hand und sicher gingen, sahen sie&#8217;s f\u00fcr\n  gut an, dass sie sich zwar nur einen einzigen, aber recht starken und langen Spie\u00df machen\n  lie\u00dfen. Diesen Spie\u00df fassten sie alle siebene zusammen an: vorn ging der k\u00fchnste und\n  m\u00e4nnlichste, das musste der Herr Schulz sein, und dann folgten die andern nach der Reihe,\n  und der Veitli war der letzte. <\/p>\n\n\n\n<p>Nun geschah es, als sie im Heumonat eines Tages einen\n  weiten Weg gegangen waren, auch noch ein gut St\u00fcck bis in das Dorf hatten, wo sie \u00fcber\n  Nacht bleiben mussten, dass in der D\u00e4mmerung auf einer Wiese ein gro\u00dfer \nRossk\u00e4fer oder\n  eine Hornisse nicht weit von ihnen hinter einer Staude vorbeiflog und feindlich brummelte.\n  Der Herr Schulz erschrak, dass er fast den Spie\u00df h\u00e4tte fallen lassen, und ihm der\n  Angstschwei\u00df am ganzen Leibe ausbrach.&#8220; Horcht, horcht&#8220;, rief er seinen Gesellen, \n&#8222;Gott, ich h\u00f6re eine Trommel!&#8220; Der Jackli, der hinter ihm den Spie\u00df hielt und dem,\n  ich wei\u00df nicht was f\u00fcr ein Geruch in die Nase kam, sprach: &#8222;Etwas ist ohne Zweifel\n  vorhanden, denn ich schmeck&#8216; das Pulver und den Z\u00fcndstrick.&#8220; Bei diesen Worten hub\n  der Herr Schulz an, die Flucht zu ergreifen und sprang im Hui \u00fcber einen Zaun; weil er\n  aber gerade auf die Zinken eines Rechens sprang, der vom Heumachen da liegen geblieben\n  war, so fuhr ihm der Stiel ins Gesicht und gab ihm einen ungewaschenen Schlag.&#8220; 0 wei, 0\n  wei&#8220;, schrie der Herr Schulz, .nimm mich gefangen, ich ergeb&#8216; mich!&#8220; Die andern\n  sechs h\u00fcpften auch alle einer \u00fcber den andern herzu und schrieen: &#8222;Gibst du dich, so\n  geb&#8216; ich mich auch, gibst du dich, so geb&#8216; ich mich auch!&#8220; Endlich, wie kein Feind da\n  war, der sie binden und wegf\u00fchren wollte,&#8216; merkten sie, dass sie betrogen waren, und\n  damit die Geschichte nicht unter die Leute k\u00e4me und sie nicht genarrt und verspottet\n  w\u00fcrden. verschwuren sie sich untereinander, so lange davon stillzuschweigen, bis einer\n  unverhofft das Maul auft\u00e4te. <\/p>\n\n\n\n<p>Hierauf zogen sie weiter. Die zweite Gef\u00e4hrlichkeit, die\n  sie erlebten, kann aber mit der ersten nicht verglichen werden. Nach etlichen Tagen trug\n  sie ihr Weg durch ein Brachfeld, da sa\u00df ein Hase in der Sonne und schlief, streckte die\n  Ohren in die H\u00f6he und hatte die gro\u00dfen, gl\u00e4sernen Augen starr aufstehen. Da erschraken\n  sie bei dem Anblick des grausamen und wilden Tieres insgesamt und hielten Rat, was zu tun\n  das wenigst Gef\u00e4hrliche w\u00e4re. Denn so sie fliehen wollten, war zu bef\u00fcrchten, das\n  Ungeheuer setzte ihnen nach und verschl\u00e4nge sie alle mit Haut und Haar. Also sprachen\n  sie: &#8222;Wir m\u00fcssen einen gro\u00dfen und gef\u00e4hrlichen Kampf bestehen; frisch gewagt \nist halb gewonnen!&#8220; fassten alle siebene den Spie\u00df an, der Herr Schulz voran und der Veitli\n  hinten. Der Herr Schulz wollte den Spie\u00df noch immer anhalten, der Veitli aber war hinten\n  ganz mutig geworden, wollte losbrechen und rief:<br><\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Sto\u00df&#8216; zu in aller Schwabe Name,\n<\/p>\n\n\n\n<p>Sonst ,w\u00fcnsch&#8216; i, dass ihr m\u00f6cht \nerlahme.&#8220;<br><\/p>\n\n\n\n<p>Aber der Hans wu\u00dft&#8216; ihn zu treffen und sprach:<br>\n<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Beim Element, du hascht gut schw\u00e4tze,\n<\/p>\n\n\n\n<p>Bischt stets der Letscht beim \nDrachehetze.&#8220;<br><\/p>\n\n\n\n<p>Der Michel rief:<br><\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Es wird nit fehle um ei Haar,\n<\/p>\n\n\n\n<p>So ischt es wohl der Teufel \ngar.&#8220;<br><\/p>\n\n\n\n<p>Drauf kam an den Jergli die Reihe, der sprach:<br>\n<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Ischt er es nit, so ischt&#8217;s sei Mutter\n<\/p>\n\n\n\n<p>Oder des Teufels Stiefbruder.&#8220;\n<br><\/p>\n\n\n\n<p>Der Marli hatte da einen guten Gedanken und sagte zu\n  Veitli:<br><\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Gang, Veitli, gang, gang du voran,\n<\/p>\n\n\n\n<p><strong>I <\/strong>will dahinte vor di stahn.&#8220;<br>\n<\/p>\n\n\n\n<p>Der Veitli h\u00f6rte aber nicht drauf, und der Jackli sagte:<br>\n<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Der Schulz, der muss der erschte sei,\n<\/p>\n\n\n\n<p>Denn ihm geb\u00fchrt die Ehr allei.&#8220;<br>\n<\/p>\n\n\n\n<p>Da nahm sich der Herr Schulz ein Herz und sprach\n  gravit\u00e4tisch:<br><\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;So zieht denn herzhaft in den Steit,\n<\/p>\n\n\n\n<p>Hieran erkennt man tapfre Leut&#8216;.&#8220;\n<br><\/p>\n\n\n\n<p>Da gingen sie insgesamt auf den Drachen los. Der Herr\n  Schulz segnete sich und rief Gott um Beistand an; wie aber das alles nicht. helfen wollte\n  und er dem Feind immer n\u00e4her kam, schrie er in gro\u00dfer Angst: &#8222;Hau! Hurlehau! hau!\n  Hauhau!&#8220; Davon erwachte der Hase, erschrak und sprang eilig davon. Als ihn der Herr\n  Schulz so feldfl\u00fcchtig sah, da rief er voll Freude:<br><\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Potz, Veitli, lueg, lueg, was ischt das?\n<\/p>\n\n\n\n<p>Das Ungeh\u00fcer ischt a Has&#8216;!&#8220;\n<\/p>\n\n\n\n<p>Der Schwabenbund suchte aber weiter Abenteuer und karn an\n  die Mosel, ein moosiges, stilles und tiefes Wasser, dar\u00fcber nicht viel Br\u00fccken sind,\n  sondern wo man sich an mehreren Orten muss in Schiffen \u00fcberfahren lassen. Weil die\n  Schwaben dessen unberichtet waren, riefen sie einem Manne, der jenseits des Wassers seine\n  Arbeit vollbrachte, zu, wie man doch hin\u00fcberkommen k\u00f6nnte. Der Mann verstand wegen der\n  Weite und wegen ihrer Sprache nicht, was sie wollten, und fragte auf sein Trierisch:\n<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Wat? Wat?&#8220; Da meinte der Herr Schulz, er spr\u00e4che\n  nicht anders als &#8222;Wate, wate durchs Wasser&#8220;, und hob an, weil er der vorderste war,\n  sich auf den Weg zu machen und in die Mosel hineinzugehen. Nicht lange, so versank er in\n  den Schlamm und in die antreibenden tiefen Wellen; seinen Hut aber jagte der Wind hin\u00fcber\n  an das jenseitige Ufer, und ein Frosch quakte: &#8222;Wat, wat, wat!&#8220; Die sechs andern\n  h\u00f6rten das dr\u00fcben und sprachen: &#8222;Unser Gesell, der Herr Schulz, ruft uns, kann er\n  hin\u00fcberwaten, warum wir nicht auch?&#8220; Sprangen darum eilig alle zusammen in das\n  Wasser und ertranken, also dass ein Frosch ihrer sechse ums Leben brachte und niemand von\n  dem Schwabenbund wieder nach Hause kam.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gebr. 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