{"id":113,"date":"2015-10-06T02:21:33","date_gmt":"2015-10-06T00:21:33","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=113"},"modified":"2026-01-16T20:42:56","modified_gmt":"2026-01-16T19:42:56","slug":"der-alte-von-granitz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/der-alte-von-granitz\/","title":{"rendered":"Der Alte von Granitz"},"content":{"rendered":"\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Der Alte von Granitz<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><span lang=\"de\"><strong>Ernst Moritz Arndt<\/strong><\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span lang=\"de\">Nicht weit von der Aalbeck liegt ein kleiner Hof namens Granitz unter der gro\u00dfen waldigen Uferforst, welche auch die Granitz genannt wird. Auf diesem H\u00f6fchen lebte vor nicht langen Jahren ein Herr von Scheele. Dieser war in seinen sp\u00e4teren Tagen in Tr\u00fcbsinn gesunken und sah fast keinen Menschen mehr, da er fr\u00fcher ein sehr munterer und geselliger Mann und ein gewaltiger J\u00e4ger gewesen war. Diese Einsamkeit des alten Mannes, sagen die Leute, kam daher, dass ihm drei sch\u00f6ne T\u00f6chter, die man die drei sch\u00f6nen Blonden hie\u00df, und die hier in des Waldes Einsamkeit unter Herden und V\u00f6geln aufgewachsen waren, mit einem Male alle drei in einer Nacht davongegangen waren und nie wiedergekommen sind. Das hatte der alte Mann sich zu Gem\u00fct gezogen und sich von der Welt und ihren lustigen Freuden abgewendet. Er hatte vielen Umgang mit den kleinen Schwarzen und war auch mancher Nacht au\u00dfer dem Hause, und kein Mensch wusste, wo er gewesen war; wenn er aber um die Morgend\u00e4mmerung heimkam, fl\u00fcsterte er seiner Haush\u00e4lterin zu: \u00bbPst! Pst! Ich habe heint an hoher Tafel geschmaust.\u00ab Dieser alte Herr von Scheele pflegte seinen Freunden zu erz\u00e4hlen und bekr\u00e4ftigte es wohl mit einem t\u00fcchtigen husarischen und weidm\u00e4nnischen Fluche, in den Granitzer Tannen um die Aalbeck und an dem ganzen Ufer wimmele es von Unterirdischen. Auch hat er Leute, die er dort herum spazieren f\u00fchrte, oft eine Menge kleiner Spuren gezeigt, wie von den allerkleinsten Kindern, die da im Sande von ihren F\u00fc\u00dfchen einen Abdruck hinterlassen h\u00e4tten, und ihnen pl\u00f6tzlich zugerufen: \u00bbHorch! Wie es da wieder wispert und fl\u00fcstert!\u00ab Ein ander Mal, als er mit guten Freunden l\u00e4ngs dem Meeresstrand gegangen, ist er wie in Bewunderung pl\u00f6tzlich still gestanden, hat auf das Meer gezeigt und gerufen: \u00bbDa sind sie meiner Seele wieder in voller Arbeit, und viele Tausende sind um ein paar versunkene St\u00fcckf\u00e4sser Wein besch\u00e4ftigt, die sie ans Ufer w\u00e4lzen. Was wird das die Nacht ein lustiges Gelag werden!\u00ab Dann hat er ihnen erz\u00e4hlt, er k\u00f6nne sie sehen bei Tage und bei Nacht, und ihm tun sie nichts, ja sie seien seine besonderen Freunde, und einer habe sein Haus einmal von Feuersgefahr errettet, da er ihn nach Mitternacht aus tiefem Schlafe aufweckte und ihm einen Feuerbrand zeigte, der vom Herde gefallen und schon anderes Holz und Stroh, das auf der Flur lag, anz\u00fcnden wollte. Man sehe beinahe alle Tage einige von ihnen am Ufer; bei hohen St\u00fcrmen aber, wo das Meer sehr tobe, seien sie fast alle da und lauern auf Bernstein und Schiffbr\u00fcche, und gewiss vergehe kein Schiff, von welchem sie nicht den besten Teil der Ladung bergen und unter der Erde in Sicherheit bringen. Und wie herrlich da unter den Sandbergen bei ihnen zu wohnen sei, und welche kristallene Pal\u00e4ste sie haben, davon habe auch kein Mensch eine Vorstellung, der nicht da gewesen sei.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span lang=\"de\">Dieser alte Mann galt sonst f\u00fcr einen guten und freundlichen Mann, und kein Mensch hat ihm nachgesagt, dass er etwas tue, was einen Bund mit b\u00f6sen Geistern verrate. Aber der Umgang mit den kleinen Schwarzen ist nicht immer so unschuldig. Davon gibt es auch eine Geschichte.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nicht weit von der Aalbeck liegt ein kleiner Hof namens Granitz unter der gro\u00dfen waldigen Uferforst, welche auch die Granitz genannt wird. <\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":3653,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[101,85],"tags":[],"class_list":["post-113","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-ernst-moritz-arndt","category-maerchen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/113","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=113"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/113\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3922,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/113\/revisions\/3922"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3653"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=113"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=113"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=113"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}