{"id":1129,"date":"2019-12-09T23:51:41","date_gmt":"2019-12-09T22:51:41","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=1129"},"modified":"2026-01-17T03:19:36","modified_gmt":"2026-01-17T02:19:36","slug":"die-muhle-die-auf-dem-meeresgrund-mahlt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-muhle-die-auf-dem-meeresgrund-mahlt\/","title":{"rendered":"Die M\u00fchle, die auf dem Meeresgrund mahlt"},"content":{"rendered":"\n<p><strong> Nordisches M\u00e4rchen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>In alten Zeiten gab es einmal zwei Br\u00fcder; der eine war reich und der andere \narm. Als nun der Weihnachtsabend herankam, hatte der Arme keinen Bissen zu essen \nim Hause, weder Fleisch noch Brot; er ging deshalb zu seinem Bruder und bat ihn \nim Namen Gottes um eine Kleinigkeit zu Weihnachten. Es war wohl nicht das erste \nMal, dass ihm der Bruder hatte etwas geben m\u00fcssen; aber er war immer etwas \ngeizig und daher nicht sonderlich erfreut \u00fcber den Besuch. \u201eWillst du tun, was \nich dir sage, dann sollst du einen ganzen Schinken bekommen&#8220;, sagte er. Ja, das \nwolle er gerne, sagte der arme Bruder und bedankte sich.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDa hast du ihn, fahr nun zur H\u00f6lle damit&#8220;, sagte der Reiche und warf ihm den \nSchinken hin.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWas ich versprochen habe, muss ich halten&#8220;, sagte der andere; er nahm den  Schinken und machte sich auf .den Weg. Er wanderte den ganzen Tag hindurch, bis  er in der D\u00e4mmerung an ein Haus kam, aus dem es hell herausschimmerte. \u201eHier ist  es gewiss&#8220;, dachte der Mann mit dem Schinken. Im Holzschuppen stand ein alter  Mann mit einem langen wei\u00dfen Bart, der zum Weihnachtsabend Holz klein machte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eGuten Abend&#8220;, sagte der Mann mit dem Schinken.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eGuten Abend, wohin willst du noch so sp\u00e4t?&#8220; fragte der Alte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch sollte eigentlich in die H\u00f6lle, aber ich wei\u00df nicht, ob ich auf dem rechten \nWeg dahin bin&#8220;, antwortete der Arme.<br>\n\u201eDoch, du bist ganz recht gegangen, dies hier ist die H\u00f6lle&#8220;, sagte der alte \nMann. \u201eWenn du aber nun hineinkommst, werden sie dir alle deinen Schinken \nabkaufen wollen, denn Schweinefleisch ist ein seltenes Gericht in der H\u00f6lle; \naber du sollst ihn nicht f\u00fcr Geld verkaufen, sondern die alte Handm\u00fchle \nverlangen, die hinter der T\u00fcr steht. Wenn du dann wieder herauskommst, will ich \ndir zeigen, wie man die M\u00fchle behandeln muss; sie ist n\u00e4mlich f\u00fcr allerlei \nn\u00fctze&#8220;, sagte er.<br>\nDer Mann mit dem Schinken dankte f\u00fcr die gute Auskunft und klopfte bei dem \nTeufel an. Als er hineinkam, ging es, wie der alte Mann gesagt hatte: alle \nTeufel, die gro\u00dfen und die kleinen, wimmelten um ihn herum wie Ameisen, und der \neine \u00fcberbot immer den anderen, um den Schinken zu bekommen.<br>\n\u201eIch hatte freilich die Absicht, ihn mit meinem Weib zum Christabend zu \nverzehren&#8220;, sagte der Mann. \u201eDa ihr jedoch so erpicht darauf seid, will ich ihn \neuch lassen. Aber wenn ich ihn verkaufen soll, so will ich die alte Handm\u00fchle \ndaf\u00fcr, die hinter der T\u00fcr steht.&#8220;<br>\nDer Teufel wollte die M\u00fchle nicht gern hergeben; er feilschte und handelte mit \ndem Mann, der aber blieb bei seiner Bedingung, und so musste der Teufel mit der \nM\u00fchle herausr\u00fccken. Als dann der Mann wieder auf den Hof herauskam, fragte er \nden alten Holzf\u00e4ller, wie er nun die M\u00fchle handhaben m\u00fcsse, und als der es ihm \ngezeigt h\u00e4tte, bedankte er sich und machte sich schnellstens auf den Heimweg. \nAber so sehr er sich auch beeilte, so kam er doch erst nach Hause, als es eben \nin der Christnacht zw\u00f6lf Uhr schlug.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAber wo in aller Welt bist du denn geblieben?&#8220; fragte die Frau. \u201eHier habe ich \nnun Stunde um Stunde gesessen und gewartet und habe nicht einmal zwei St\u00fccke \nHolz f\u00fcr das Feuer zur Weihnachtssuppe.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAch, ich konnte nicht fr\u00fcher kommen, denn ich hatte noch allerlei zu besorgen, \nund einen weiten Weg hatte ich auch. Aber jetzt sollst du mal sehen&#8220;, sagte der \nMann. Er stellte die M\u00fchle auf den Tisch und befahl ihr, zu mahlen. Zuerst \nKerzen, dann ein Tischtuch, dann Essen und Bier und sonst allerlei Gutes zum \nWeihnachtsschmaus; und wie er der M\u00fchle befahl, so mahlte sie. Seine Frau \nbekreuzte sich ein Mal ums andere und wollte wissen, wo er die M\u00fchle herhabe, \naber der Mann wollte nicht mit der Sprache heraus.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEs ist ganz einerlei, wo ich sie herhabe. Du siehst, dass die M\u00fchle gut ist, \nund dass das Mahlwasser nicht einfriert&#8220;, sagte der Mann. Und so mahlte er Essen \nund Trinken und alle guten Sachen f\u00fcr die ganze Weihnachtszeit, und am dritten \nTage lud er seine Freunde zu sich ein, denn er wollte ihnen ein Gastmahl geben.<\/p>\n\n\n\n<p>Als der reiche Bruder sah, was alles zu dem Festmahl bereitstand, \u00e4rgerte er \nsich gr\u00fcn und gelb, weil er seinem Bruder durchaus nichts g\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAm Weihnachtsabend war er noch so bettelarm, dass er zu mir kam und mich um \nGottes willen um eine Kleinigkeit bat, und jetzt h\u00e4lt er ein Fest, wie wenn er \nGraf und K\u00f6nig w\u00e4re&#8220;, sagte er. \u201eAber wo zum Teufel hast du denn den Reichtum \ngefunden?&#8220; fragte er den Bruder.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eHinter der T\u00fcr&#8220;, sagte der, dem die M\u00fchle geh\u00f6rte, denn er hatte keine Lust, \ndem Bruder Rechenschaft dar\u00fcber abzulegen. Aber sp\u00e4ter am Abend, als er etwas \ngetrunken hatte, konnte er sich nicht l\u00e4nger zur\u00fcckhalten, und nun r\u00fcckte er mit \nder M\u00fchle heraus. \u201eDa siehst du die Gans, die mir die goldenen Eier legt&#8220;, sagte \ner und lie\u00df die M\u00fchle bald dies, bald jenes mahlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als der reiche Bruder dies sah, wollte er ihm die M\u00fchle durchaus abkaufen, und \nschlie\u00dflich willigte der Bruder auch ein, sie ihm zu lassen. Aber dreihundert \nTaler m\u00fcsse er ihm daf\u00fcr geben, und au\u00dferdem verlangte er noch, dass er die \nM\u00fchle bis zur Heuernte behalten d\u00fcrfe. Denn wenn ich sie noch so lange behalte, \nkann sie mir f\u00fcr viele Jahre Essen gemahlen haben, dachte er.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie man sich wohl denken kann, wurde w\u00e4hrend dieser Zeit die M\u00fchle nicht rostig, \nund als die Heuernte herankam, erhielt sie der Bruder. Aber der Arme hatte sich \nwohl geh\u00fctet, ihm zu zeigen, wie man sie behandeln musste. Abends brachte der \nReiche die M\u00fchle nach Hause, und am n\u00e4chsten Morgen befahl er seiner Frau, mit \nden M\u00e4hern aufs Feld hinauszugehen und das Heu hinter ihnen auszubreiten; er \nwerde selbst f\u00fcr das Mittagessen sorgen, sagte er. Als nun die Mittagszeit \nherankam, stellte er die M\u00fchle auf den K\u00fcchentisch. \u201eMahle Hering und \nMilchsuppe; aber schnell und viel!&#8220; sagte der Mann.<\/p>\n\n\n\n<p>Da fing die M\u00fchle an zu mahlen, Hering und Milchsuppe, erst alle Sch\u00fcsseln und \nT\u00f6pfe voll, dann immer weiter, dass der ganze K\u00fcchenboden davon \u00fcberschwemmt \nwurde. Der Mann drehte und schraubte an der M\u00fchle, um sie abzustellen; aber wie \ner auch daran herumhantierte, die M\u00fchle blieb nicht stehen, und zuletzt war die \nMilchsuppe in der K\u00fcche schon so hoch, dass der Mann in Gefahr war, zu \nertrinken. Da riss er die Stubent\u00fcr auf; aber schon nach kurzer Zeit hatte die \nM\u00fchle die Stube voll gemahlen, und nur mit knapper Not konnte der Mann in der \nFlut von lauter Milchsuppe noch die T\u00fcrklinke finden. Als er nun die T\u00fcr \naufgemacht hatte, st\u00fcrzte er eiligst hinaus ins Freie und die Flut von Hering \nund Milchsuppe hinter ihm her, so dass sie sich \u00fcber den ganzen Hof und die \nFelder hinw\u00e4lzte.<\/p>\n\n\n\n<p>Indessen meinte die Frau, die das Heu auf dem Feld ausbreitete, es dauere doch \ngar zu lange, bis das Mittagessen fertig sei. \u201eWir wollen jetzt nur nach Hause \ngehen, wenn uns der Herr auch nicht ruft&#8220;, sagte sie zu den M\u00e4hern. \u201eEr wird \nwohl die Milchsuppe nicht allein zustande bringen, und ich muss ihm helfen.&#8220; Sie \nzogen also langsam heimw\u00e4rts; aber als sie den H\u00fcgel hinter sich hatten, wogte \nihnen Hering und Milchsuppe und Brot alles durcheinander entgegen, und der Mann \nlief immer davor her. \u201eWollte Gott, dass jetzt jeder von euch hundert B\u00e4uche \nh\u00e4tte!&#8220; rief er. \u201eAber nehmt euch in acht, dass ihr nicht im Mittagessen \nertrinkt.&#8220; Damit jagte er, wie vom Teufel besessen, an ihnen vorbei und hin\u00fcber \nzu seinem Bruder. Den bat er, um Gottes willen doch die M\u00fchle wiederzunehmen, \nund zwar augenblicklich. \u201eDenn wenn sie noch eine einzige Stunde mahlt, dann \nertrinkt das ganze Dorf in Hering und Milchsuppe&#8220;, rief er.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Bruder aber wollte die M\u00fchle nicht wiedernehmen, wenn ihm der andere nicht \nnoch dreihundert Taler dazu bezahle, und es blieb dem Reichen nichts \u00fcbrig, er \nmusste mit dem Geld herausr\u00fccken. Jetzt hatte der Arme sowohl Geld als auch die \nM\u00fchle, und es dauerte nicht lange, da hatte er sich ein Haus gebaut, noch viel \nsch\u00f6ner als das, in dem der Bruder wohnte. Mit der M\u00fchle mahlte er so viel Gold \nzusammen, dass er die W\u00e4nde ganz mit Goldplatten bekleiden konnte, und das Haus \nlag dicht am Meeresstrand, da konnte man es vom Meer aus schon von weitem \nblinken und gl\u00e4nzen sehen. Alle, die vorbeifuhren, hielten an, um den reichen \nMann in dem goldenen Haus zu besuchen und die wunderbare M\u00fchle zu sehen, denn \nsie wurde weit und breit ber\u00fchmt, und es gab niemanden, der nicht davon reden \ngeh\u00f6rt h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p>Schlie\u00dflich kam auch einmal ein Schiffer an, der die M\u00fchle sehen wollte, und als \ner sie sah, fragte er, ob sie auch Salz mahlen k\u00f6nne. \u201eO ja. Salz kann sie auch \nmahlen\u201c, sagte der Mann, dem sie geh\u00f6rte. Und als der Schiffer das h\u00f6rte, wollte \ner die M\u00fchle haben, mochte sie kosten, was sie wolle. \u201eDenn\u201c, dachte er, \u201ewenn \nich sie h\u00e4tte, brauchte ich nicht mehr \u00fcber so gef\u00e4hrliche Meere nach Salz zu \nfahren.\u201c Anfangs wollte der Mann sie durchaus nicht hergeben; aber der Schiffer \nlie\u00df nicht mit Bitten und Betteln, und schlie\u00dflich erhielt er denn auch die \nM\u00fchle f\u00fcr viele, viele tausend Taler.<\/p>\n\n\n\n<p>Als der Schiffer die M\u00fchle aufgeladen hatte, hielt er sich nicht lange auf, denn \ner hatte Angst, der Mann k\u00f6nnte wieder anderen Sinnes werden. Zu fragen, wie man \ndie M\u00fchle behandeln m\u00fcsse, dazu nahm er sich gar nicht Zeit, er brachte sie so \nschnell wie m\u00f6glich auf sein Schiff und segelte ab. Als er eine Strecke weit \naufs Meer hinausgefahren war, holte er die M\u00fchle hervor. \u201eMahle Salz, aber \nschnell und viel!&#8220; befahl er. Nun ja, die M\u00fchle begann Salz zu mahlen, das es \nnur so spr\u00fchte. Als das Schiff voll war, wollte der Schiffer die M\u00fchle \nabstellen. Aber wie er auch drehte und schraubte, die M\u00fchle mahlte immer weiter, \nder Salzhaufen wurde immer gr\u00f6\u00dfer, und schlie\u00dflich sank das Schiff. Da steht nun \ndie M\u00fchle auf dem Meeresgrund und mahlt noch bis auf den heutigen Tag, und daher \nkommt es, dass das Meerwasser so salzig ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nordisches M\u00e4rchen In alten Zeiten gab es einmal zwei Br\u00fcder; der eine war reich und der andere arm. Als nun der Weihnachtsabend herankam, hatte der Arme keinen Bissen zu essen im Hause, weder Fleisch noch Brot; er ging deshalb zu seinem Bruder und bat ihn im Namen Gottes um eine Kleinigkeit zu Weihnachten. 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