{"id":111,"date":"2015-10-06T02:20:30","date_gmt":"2015-10-06T00:20:30","guid":{"rendered":"http:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=111"},"modified":"2026-01-17T04:00:55","modified_gmt":"2026-01-17T03:00:55","slug":"die-alte-und-das-feuer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-alte-und-das-feuer\/","title":{"rendered":"Die Alte und das Feuer"},"content":{"rendered":"\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Die Alte und das Feuer<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-style:normal;font-weight:400\"><span style=\"font-family: Verdana;\"><span style=\"font-size: small;\"><strong>M\u00e4rchen der Provence<\/strong><\/span><\/span><\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-style:normal;font-weight:400\"><span style=\"font-family: Verdana;\">Einst geriet Gottvater in gro\u00dfen Zorn \u00fcber die Menschen, denn sie hielten sich nicht an seine Gebote. Herzlos gingen sie miteinander um, und sie betrogen und belogen einander, dass es nur so eine Art hatte. Lange, lange Zeit schon hatte der Herr dies alles in seiner gro\u00dfen G\u00fcte und Geduld ertragen.<br>\nAber nun war es auch ihm zuviel geworden, denn jetzt wagten die Menschen gar, die heilige Fastenzeit zu verletzen, und a\u00dfen, tranken, sangen und feierten nach Herzenslust. Der Braten- und Weinduft drang bis in den Himmel hinauf, und die W\u00e4nde der heiligen Hallen erzitterten von wilden Ges\u00e4ngen.<br>\nDa sprach endlich der Allerh\u00f6chste: \u201eIch will die Menschheit um ihrer S\u00fcnden willen bestrafen. Fortan sollen die Menschen kein Feuer mehr besitzen! \u201e<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Da hob auf der Erde ein Jammern und ein Klagen unter den Menschen an, mussten sie nun das Fleisch roh verzehren und konnten auch kein gekochtes Gem\u00fcse mehr essen. Nicht einmal ein Pfeiflein konnten sie mehr rauchen und kein Brot und keinen Kuchen mehr backen.<br>\nDie Erde wurde traurig wie das Grab. Sie war wie ein Leib ohne Seele. Die Menschen gingen tr\u00fcbsinnig umher, und so war es nicht weiter verwunderlich, dass auch ihre Lieder verstummten und schlie\u00dflich auch die Liebe erlosch.<br>\nTrotz seiner unermesslichen Weisheit hatte Gottvater dies nicht alles vorhergesehen. Das Allerschlimmste aber f\u00fcr ihn war, dass sich die Menschen weniger denn je um Religion k\u00fcmmerten.<br>\nDa scharte Gott der Herr alle Engel und Heiligen um sich und fragte sie um Rat, was hier zu tun sei. Lange schwiegen die himmlischen Heerscharen. Endlich aber erhob sich der sch\u00f6ne, lichte Gabriel und sprach: \u201e0 Herr, wenn Ihr gestattet, so lasst mich hinab zur Erde gehen. Als Feuerverk\u00e4ufer m\u00f6chte ich zu den Menschen gehen und ihnen meine W\u00e4re auf dem Markt feilhalten. Sie werden kommen und mir daf\u00fcr all ihre Sch\u00e4tze anbieten, denn gro\u00df ist ja ihr Verlangen danach. Ich werde ihnen aber kein F\u00fcnkchen Glut geben, wenn sie mir nicht versprechen, von nun ab ein frommes und s\u00fcndenfreies Leben zu f\u00fchren. Wer mir aber solches gelobt, dem will ich das Feuer schenken. \u201e<br>\nAlle Versammelten bewunderten Gabriels gro\u00dfe Klugheit und klatschten laut Beifall. Mit vielen Segensw\u00fcnschen wurde er zur Erde hinabgesandt.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Gro\u00df war die Freude der Menschen, als sie den Feuerverk\u00e4ufer erblickten. Gro\u00df aber war auch ihre Best\u00fcrzung, als jener sprach: \u201eVerk\u00e4uflich ist mir das Feuer nicht, aber wenn ihr mir ein Leben in Vollkommenheit und Gottesfurcht gelobt, so schenke ich es euch. \u201e<br>\nNiemand wagte, solches zu geloben. Zu gut kannten sie sich selbst, und zu gut wussten sie um ihre Schw\u00e4chen und S\u00fcnden.<br>\nAls die Nacht hereinbrach, wollte der Engel traurig ins Paradies zur\u00fcckkehren. Doch da humpelte eine alte Frau auf seinen Marktstand zu. Sie war gezeichnet von Armut und Alter.<br>\n\u201eGebt mir doch nur ein winziges F\u00fcnkchen von Eurem Feuer! \u201e bettelte sie. Dabei ber\u00fchrte sie mit ihrem Stock ein brennendes St\u00fcck Kohle. Gabriel antwortete ihr und sprach, was er allen anderen Menschen zuvor schon gesagt. Nachdenklich ber\u00fchrte die Alte ein zweites St\u00fcck Kohle mit ihrem Stock. Noch einmal bat und bettelte sie, doch Gabriel sprach, er k\u00f6nne ihr nichts von dem Feuer geben, wenn sie nicht ein vollkommenes, s\u00fcndenfreies Leben gelobe.<br>\nUnterdessen hatte die Alte ein drittes St\u00fcck brennender Kohle mit ihrem Stock ber\u00fchrt. Dann ging sie murrend hinweg.<br>\nDer Engel kehrte seufzend ins Paradies zur\u00fcck, um dort von seinem Missgeschick zu berichten. Wie aber wunderten sich Gottvater und alle Bewohner des Himmels, als auf einmal Bratenduft und Pfeifenrauch und laute fr\u00f6hliche Ges\u00e4nge zu ihnen emporstiegen.<br>\nWas war geschehen? Gabriel war ein Opfer der Weiberlist geworden: Die Alte hatte soviel Glut mit ihrem Stock aufgefangen, wie f\u00fcr ihren heimischen Herd notwendig war. Weil Gabriel nicht daran gedacht hatte, dass ihr Stock aus Holz war, konnte sie damit ein sch\u00f6nes Feuer entfachen und allen Nachbarn und allen Menschen das Feuer bringen.<br>\nGabriel wollte sich erbosen in seinem Zorn, denn er war gekr\u00e4nkt in seinem Stolz.<br>\nDer Allm\u00e4chtige aber hielt ihn zur\u00fcck und lachte von Herzen. In seiner unendlichen G\u00fcte vergab er der alten Frau und der ganzen Menschheit und lie\u00df sie das Feuer behalten und freute sich, wenn Lieder zu seinem Lob und Preis erklangen.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich will die Menschheit um ihrer S\u00fcnden willen bestrafen. Fortan sollen die Menschen kein Feuer mehr besitzen!<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":3902,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[85,172,133],"tags":[],"class_list":["post-111","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-maerchen","category-provence","category-maerchen-weltweit"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/111","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=111"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/111\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3904,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/111\/revisions\/3904"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3902"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=111"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=111"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=111"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}