{"id":1099,"date":"2019-09-10T02:18:05","date_gmt":"2019-09-10T00:18:05","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=1099"},"modified":"2026-01-13T17:24:25","modified_gmt":"2026-01-13T16:24:25","slug":"wie-die-schone-scheherezade-den-wilden-sultan-zahmte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wie-die-schone-scheherezade-den-wilden-sultan-zahmte\/","title":{"rendered":"Wie die sch\u00f6ne Scheherezade den wilden Sultan z\u00e4hmte"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Wie die sch\u00f6ne Scheherezade den wilden Sultan z\u00e4hmte<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">aus 1001 Nacht<\/p>\n\n\n\n<p>Wie kam es zu diesen vielen sch\u00f6nen und abenteuerlichen Geschichten? Das ist bereits eine Geschichte f\u00fcr sich. Wer sie aber nicht nur h\u00f6ren will, sondern auch richtig miterleben m\u00f6chte, der muss nun dem Erz\u00e4hler in h\u00f6chst fremdartige L\u00e4nder folgen. Er sollte alles vergessen, was heute umgibt. Denn er darf nicht erwarten, dass die Menschen von Tausendundeiner Nacht genauso leben und wohnen und sprechen oder dass sie etwa denken wie er.<br>\nDie Menschen im Morgenland, die sich vor Jahrhunderten diese Geschichten<br>\nimmer wieder aufs neue erz\u00e4hlten, hatten ihre eigenen Gewohnheiten und Sitten. Ein reicher Mann lebte damals im \u00dcberfluss, durfte auch viele Frauen heiraten und nicht nur eine. Wer aber arm geboren war, mochte noch so flei\u00dfig sein, er blieb sein ganzes Leben hindurch ein Habenichts. Nur in seinen Tr\u00e4umen und in diesen Geschichten konnte jedermann in goldenen Bergen des Reichtums w\u00fchlen. Darum wimmelt es in Tausendundeiner Nacht von m\u00e4rchenhaften Sch\u00e4tzen und gewaltigen Geistern, die einen \u00fcber Nacht zum K\u00f6nig machen. Und immer wieder sind es schwache und wehrlose Menschen, die es fertig bringen, allein durch ihre G\u00fcte oder ihren Verstand einen \u00fcberm\u00e4chtigen Herrscher zu besiegen. Einer von diesen Menschen ist die sch\u00f6ne Scheherezade, der es ohne jeden Kampf gelang, den wilden Sultan Scheherban zu fesseln &#8211; n\u00e4mlich mit ihren spannenden Geschichten von Tausendundeiner Nacht:<\/p>\n\n\n\n<p>Einst, vor schier undenkbar langen Zeiten, herrschte \u00fcber die Inseln Indiens und Chinas der ebenso m\u00e4chtige wie reiche Sultan Scheherban. Er galt als ein rechter Mann, der aber sehr streng darauf achtete, dass seine Befehle eingehalten wurden. Seiner Frau hatte er die Todesstrafe angedroht f\u00fcr den Fall, dass sie w\u00e4hrend seiner Abwesenheit ihre Zimmer verlie\u00df und mit anderen M\u00e4nnern sprach oder gar lachte.<br> Scheherban liebte seine Frau, wollte aber auch wissen, ob sie es wert war und seine Anweisungen getreu befolgte. Darum stellte er sie eines Tages auf die Probe. Der Sultan tat so, als ob er auf die Jagd z\u00f6ge. Auch sein j\u00fcngerer Bruder Schahseman, der K\u00f6nig von Samarkand in Persien war und ihn in dieser Zeit besuchte, ritt mit zum Tor hinaus. Bald aber kehrten beide heimlich zur\u00fcck in den Palast. Von einem versteckten Fenster aus musste Scheherban mit eigenen Augen sehen, was die Sultanin nun w\u00e4hrend seiner Abwesenheit tat: Achtlos hatte sie ihr Zimmer verlassen. Sie vergn\u00fcgte sich mit ihren Dienerinnen und G\u00e4sten im Garten des Palastes und lachte dabei, dass es dem Sultan wie Messer ins Herz schnitt.<br> Noch am selben Tag machte er seine furchtbare Drohung wahr. Er lie\u00df die ungehorsame Sultanin k\u00f6pfen und schwor sich, er wolle k\u00fcnftig nie mehr an die Ehrlichkeit und Treue irgendeiner Frau glauben. Der Gro\u00dfwesir erhielt darauf den Auftrag, ihm t\u00e4glich ein sch\u00f6nes M\u00e4dchen aus einer vornehmen Familie des Landes in den Palast zu bringen, damit es seine Frau werden solle. Doch schon am n\u00e4chsten Morgen nach ihrer Hochzeit wurde dann die Ungl\u00fcckliche wie die erste Sultanin hingerichtet. Auf diese grausame Weise wollte Scheherban erreichen, dass ihn keine Frau jemals wieder hintergehen k\u00f6nnte.<br> Schon Monate w\u00e4hrte dieses sinnlose Morden. Angst und Schrecken erf\u00fcllten das Land, denn Hunderte von sch\u00f6nen M\u00e4dchen hatten bereits ihr junges Leben verloren. Aber niemand traute sich zu, den wilden Sultan zur M\u00e4\u00dfigung zu bringen oder ihn gar zu z\u00e4hmen.<br> Nun hatte der Gro\u00dfwesir zwei T\u00f6chter, die Scheherezade und Dinarzade hie\u00dfen. Besonders Scheherezade, die \u00e4ltere, stand seinem Herzen nah, denn sie war nicht nur au\u00dferordentlich sch\u00f6n, sondern auch ungew\u00f6hnlich klug und redegewandt, weil sie viele B\u00fccher las. Eines Tages sagte sie zu ihrem Vater:<br> \u00bbW\u00fcrdest du deiner Tochter auch eine gro\u00dfe Bitte erf\u00fcllen?\u00ab<br> \u00bbWas in meiner Macht liegt, tue ich gern f\u00fcr dich\u00ab, antwortete der Gro\u00dfwesir. \u00bbIch erf\u00fclle dir jeden Wunsch, wenn er nicht unvern\u00fcnftig ist.\u00ab<br> Da sagte Scheherezade: \u00bbDer Grausamkeit des Sultans muss endlich Einhalt geboten werden. Bitte sorge daf\u00fcr, dass ich ihn heiraten darf.\u00ab<br> \u00bbWas f\u00e4llt dir ein \u00ab rief der Gro\u00dfwesir entsetzt. \u00bbDu wei\u00dft doch, dass der Sultan jede Frau am Morgen nach der Hochzeit umbringen l\u00e4sst.\u00ab<br> \u00bbEben weil ich es wei\u00df, darum trage ich dir meine gro\u00dfe Bitte vor\u00ab, sagte Scheherezade. \u00bbVielleicht gelingt es mir, Scheherban von seiner Unmenschlichkeit zu heilen. Doch wenn ich es nicht kann, m\u00f6chte ich lieber sterben, als dieses grausame Spiel noch l\u00e4nger mit anzusehen.\u00ab<br> Mit allen Mitteln der \u00dcberredung versuchte der Gro\u00dfwesir seine Tochter von ihrem Vorhaben abzubringen, schlie\u00dflich gab er nach und sagte: \u00bbSo muss ich also daf\u00fcr sorgen, dass du in dein Verderben ziehst. Ich werde unserem Herrn Deinen Wunsch melden, mach du dich inzwischen bereit.\u00ab<br> Sultan Scheherban seinen Gro\u00dfwesir angeh\u00f6rt hatte, fragte er verwundert: &#8222;Ausgerechnet du willst mir die liebste deiner T\u00f6chter opfern? Erwartest du dass ich bei ihr eine Ausnahme mache? Gro\u00dfwesir, morgen fr\u00fch werde dir den Befehl geben, Scheherezade t\u00f6ten zu lassen wie ihre Vorg\u00e4ngerinnen. Doch wenn du dann z\u00f6gerst, geht es dir selbst an den Hals.\u00ab<br> &#8222;Herr&#8220;, antwortete der Wesir, \u00bbso schwer es mir f\u00e4llt, ich bin bereit, dir wie zu gehorchen.\u00ab Dann ging er fort, um seine Tochter zu holen.<br> Ehe Scheherezade das Elternhaus verlie\u00df, zog sie aber noch die Schwester beiseite und fl\u00fcsterte ihr zu: \u00bbDinarzade, ich gehe jetzt zum Sultan, um seine Frau zu werden. Heute abend will ich ihn jedoch bitten, dass er dich kommen l\u00e4sst, damit ich noch eine Nacht meines Lebens in deiner Gesellschaft verbringen kann. Wenn du dann bei mir bist, so schlage mir vor, ich solle dir zum Zeitvertreib eine von meinen Geschichten erz\u00e4hlen. Alles Weitere wirst du schon sehen. Ich hoffe n\u00e4mlich, mit meiner List den wilden Sultan zu z\u00e4hmen.\u00ab<br> Mit diesem Plan im Herzen erschien Scheherezade vor dem Sultan. Er freute sich \u00fcber ihre Sch\u00f6nheit, empfing sie sehr freundlich, f\u00fchrte sie in den Prunksaal und gab das Zeichen f\u00fcr den Beginn ihres Festes. Nach einiger Zeit begann Scheherezade bitterlich zu weinen. Scheherban fragte sie nach dem Grund ihres Kummers und h\u00f6rte: \u00bbHerr, ich denke an meine j\u00fcngere Schwester, die ich sehr habe. Leider konnte ich mich heute von ihr nicht verabschieden und m\u00f6chte gern noch ein einziges Mal sehen.\u00ab<br> Sogleich ordnete der Sultan an, dass auch die zweite Tochter des Gro\u00dfwesirs in seinem Palast willkommen sei. Und kaum war Dinarzade dort eingetroffen, zeigte Scheherezade pl\u00f6tzlich ein heiteres Gesicht. Als dann die Nacht hereinbrach, sa\u00df die Schwester zu ihren F\u00fc\u00dfen und sagte: \u00bbLiebe Scheherezade, erz\u00e4hle mir doch eine von deinen sch\u00f6nen Geschichten, damit uns die Zeit bis zum Morgen besser vergeht.\u00ab<br> Scheherezade fragte darauf den Sultan, ob er etwas dagegen h\u00e4tte. Scheherban<br> war einverstanden und blieb bei den Schwestern, um zuzuh\u00f6ren. Nun begann Scheherezade mit einer sehr langen Geschichte, die aber auch sehr mitrei\u00dfend und sehr spannend war. Der Sultan merkte nicht, wie die Stunden verstrichen. Als die Erz\u00e4hlerin erst etwa in der Mitte ihres abenteuerlichen Berichtes war, d\u00e4mmerte schon der Morgen. Da unterbrach sich Scheherezade und sagte: &#8222;Jetzt folgt eigentlich der sch\u00f6nste und spannendste Teil. Wenn mein gn\u00e4diger Herr es also gestattet, will ich die Erz\u00e4hlung dann in der n\u00e4chsten Nacht beenden.\u201c Scheherban war viel zu neugierig auf die Fortsetzung. Er beschloss, die Hinrichtung um einen Tag zu verschieben, und gab Scheherezade die Erlaubnis, am Abend fortzufahren.<br> Der Gro\u00dfwesir hatte diesen Morgen mit Schrecken erwartet, doch er bekam keine Anweisung, das Todesurteil an seiner Tochter vollstrecken zu lassen. Als er dann sah, wie der Sultan nur heiter seinen Regierungsgesch\u00e4ften nachging, fasste der Wesir Mut. Scheherban aber konnte den Abend kaum erwarten. Als er sein Schlafzimmer betrat, sa\u00dfen dort schon die beiden Schwestern, und Scheherezade begann sofort ihre unterbrochene Geschichte weiterzuerz\u00e4hlen.<br> Mitten in der Nacht war sie dann zum guten Ende ihrer Erz\u00e4hlung gekommen, doch Dinarzade sagte nun rasch: \u00bbSchwester, ich m\u00f6chte noch eine Geschichte .h\u00f6ren ehe es Morgen wird.\u00ab Der Sultan hatte den gleichen Wunsch, den ihm Scheherezade nur zu gern erf\u00fcllte. Sie wusste es aber so einzurichten, dass genau im spannendsten Moment die Sonne des neuen Morgens aufging. Der Sultan wollte nat\u00fcrlich unbedingt erfahren, wie es weiterging, und musste sich nun von der klugen Scheherezade bis zum kommenden Abend vertr\u00f6sten lassen. Durch diese List erreichte die Tochter des Gro\u00dfwesirs, dass Scheherban ihre Hinrichtung von Tag zu Tag und von Woche zu Woche verschob. Jeden Abend wusste sie etwas Sch\u00f6neres zu erz\u00e4hlen, begann immer neue Geschichten, aber stets so geschickt, dass beim Morgengrauen das Ende der Handlung noch l\u00e4ngst nicht zu erkennen war.<br> So vertrieb sie tausendundeine Nacht hindurch mit ihrer Schwester dem Sultan die Zeit. Als sie dann auch die letzte ihrer Geschichten erz\u00e4hlt hatte, warf sich Scheherezade dem Sultan zu F\u00fc\u00dfen und sagte: \u00bbMein Herr und Gebieter, jetzt habe ich dir alle Geschichten erz\u00e4hlt, die ich kenne, und ich merke dir an, dass sie dir gefallen haben. Nun bitte ich dich, schenke mir zum Lohn f\u00fcr dieses Vergn\u00fcgen mein Leben.\u00ab<br> Scheherban hatten die Erz\u00e4hlungen l\u00e4ngst von seiner wilden Verbitterung geheilt. Er liebte dieses sch\u00f6ne M\u00e4dchen und glaubte wieder an das reine Herz einer Frau. Mit seinen H\u00e4nden zog er Scheherezade zu sich empor und sagte:<br> \u00bbDich hat Allah zu mir geschickt, um mich von meinem Wahn zu befreien. Du sollst meine Frau sein und noch lange mit mir in Gl\u00fcck und Freuden leben.\u00ab<br> Darauf beschenkte der Sultan den gl\u00fccklichen Gro\u00dfwesir, der ihm seine Tochter fast geopfert h\u00e4tte. Dann schickte er eine Nachricht zu seinem Bruder Schahseman und bot ihm darin Dinarzade als Frau an, die ebenso sch\u00f6n und fast so klug wie ihre Schwester war. Von seinem fernen Reich Samarkand in Persien kam Sultan Schahseman so schnell wie m\u00f6glich herbei. Das pr\u00e4chtige Hochzeitsfest der beiden Br\u00fcder mit den sch\u00f6nen T\u00f6chtern des Gro\u00dfwesirs wurde noch lange Zeit von den Dichtern besungen. Viele Tage lang jubelte Scheherbans Volk, weil die Zeit des Schreckens endlich vorbei war. Die sch\u00f6nsten und abenteuerlichsten Geschichten, die Scheherezade dem Sultan erz\u00e4hlt hat, wurden f\u00fcr alle Zeiten und alle Menschen in den M\u00e4rchen von Tausendundeiner Nacht festgehalten.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie die sch\u00f6ne Scheherezade den wilden Sultan z\u00e4hmte aus 1001 Nacht Wie kam es zu diesen vielen sch\u00f6nen und abenteuerlichen Geschichten? Das ist bereits eine Geschichte f\u00fcr sich. Wer sie aber nicht nur h\u00f6ren will, sondern auch richtig miterleben m\u00f6chte, der muss nun dem Erz\u00e4hler in h\u00f6chst fremdartige L\u00e4nder folgen. 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