{"id":1016,"date":"2018-10-09T00:08:54","date_gmt":"2018-10-08T22:08:54","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=1016"},"modified":"2025-12-27T22:25:44","modified_gmt":"2025-12-27T21:25:44","slug":"des-teufels-russiger-bruder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/des-teufels-russiger-bruder\/","title":{"rendered":"Des Teufels ru\u00dfiger Bruder"},"content":{"rendered":"<p>Gebr. Grimm<br \/>\n<!--more--><br \/>\n<span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Ein abgedankter Soldat hatte nichts zu leben und wusste sich nicht mehr zu helfen. Da ging er hinaus in den Wald, und als er ein Weilchen gegangen war, begegnete ihm ein kleines M\u00e4nnchen, das war aber der Teufel. Das M\u00e4nnchen sagte zu ihm: &#8222;Was fehlt dir? Du siehst ja so tr\u00fcbselig aus?&#8220; Da sprach der Soldat: &#8222;Ich habe Hunger, aber kein Geld.&#8220; Der Teufel sagte: &#8222;Willst du dich bei mir vermieten, und mein Knecht sein, so sollst du f\u00fcr dein Lebtag genug haben; sieben Jahre sollst du mir dienen, hernach bist du wieder frei. Aber eins sag ich dir, du darfst dich nicht waschen, nicht k\u00e4mmen, nicht schnippen, keine N\u00e4gel und Haare abschneiden und kein Wasser aus den Augen wischen.&#8220; Der Soldat sprach: &#8222;Frisch dran, wenn&#8217;s nicht anders sein kann&#8220;, und ging mit dem M\u00e4nnchen fort, das f\u00fchrte ihn geradewegs in die H\u00f6lle hinein. Dann sagte es ihm, was er zu tun h\u00e4tte: er m\u00fcsste das Feuer sch\u00fcren unter den Kesseln, wo die H\u00f6llenbraten drin s\u00e4\u00dfen, das Haus rein halten, den Kehrdreck hinter die T\u00fcre tragen, und \u00fcberall auf Ordnung sehen: aber guckte er ein einziges Mal in die Kessel hinein, so w\u00fcrde es ihm schlimm ergehen. Der Soldat sprach: &#8222;Es ist gut, ich will&#8217;s schon besorgen.&#8220; Da ging nun der alte Teufel wieder hinaus auf seine Wanderung und der Soldat trat seinen Dienst an, legte Feuer zu, kehrte und trug den Kehrdreck hinter die T\u00fcre, alles, wie es befohlen war. Wie der alte Teufel wieder kam, sah er nach, ob alles geschehen war, zeigte sich zufrieden und ging zum zweiten Mal fort. Der Soldat schaute sich nun einmal recht um; da standen die Kessel ringsherum in der H\u00f6lle, und war ein gewaltiges Feuer darunter, und es kochte und brutzelte darin. Er h\u00e4tte f\u00fcr sein Leben gerne hinein- geschaut, wenn es ihm der Teufel nicht so streng verboten h\u00e4tte: endlich konnte er sich nicht mehr anhalten, hob vom ersten Kessel ein klein bisschen den Deckel auf und guckte hinein. Da sah er seinen ehemaligen Unteroffizier darin sitzen: <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Aha, Vogel&#8220;, sprach er, &#8222;treff ich dich hier? Du hast mich gehabt, jetzt hab ich dich&#8220;, lie\u00df geschwind den Deckel fallen, sch\u00fcrte das Feuer und legte noch frisch zu. Danach ging er zum zweiten Kessel, hob ihn auch ein wenig auf und guckte; da sa\u00df sein F\u00e4hnrich darin: &#8222;Aha, Vogel, treff ich dich hier? Du hast mich gehabt, jetzt hab ich dich&#8220;, machte den Deckel wieder zu und trug noch einen Klotz her bei, der sollte ihm erst recht hei\u00df machen. Nun wollte er auch sehen, wer im dritten Kessel s\u00e4\u00dfe; da war&#8217;s gar ein General: &#8222;Aha, Vogel, treff ich dich hier? Du hast mich gehabt, jetzt hab ich dich&#8220;, holte den Blasbalg und lie\u00df das H\u00f6llenfeuer recht unter ihn flackern. Also tut er sieben Jahre seinen Dienst in der H\u00f6lle, wusch sich nicht, k\u00e4mmte sich nicht, schnippte sich nicht, schnitt sich die N\u00e4gel und Haare nicht und wischte sich kein Wasser aus den Augen; und die sieben Jahre waren ihm so kurz, dass er meinte, es w\u00e4re nur ein halbes Jahr gewesen. Als nun die Zeit vollends herum war, kam der Teufel und sagte: <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">&#8222;Nun, Hans, was hast du gemacht?&#8220; &#8211; &#8222;Ich habe das Feuer unter den Kesseln gesch\u00fcrt, ich habe gekehrt und den Kehrdreck hinter die T\u00fcre getragen.&#8220; &#8211; &#8222;Aber du hast auch in die Kessel geguckt; dein Gl\u00fcck ist, dass du noch Holz zugelegt hast, sonst w\u00e4r dein Leben verloren; jetzt ist deine Zeit herum, willst du wieder heim?&#8220; &#8211; &#8222;Ja&#8220;, sagte der Soldat, ,;ich wollt auch gerne sehen, was mein Vater daheim macht.&#8220; Sprach der Teufel: &#8222;Damit du deinen verdienten Lohn kriegst, geh und raffe dir deinen Ranzen voll Kehrdreck und nimm&#8217;s mit nach Haus Du sollst auch gehen ungewaschen und ungek\u00e4mmt, mit langen Haaren am Kopf und am Bart, mit ungeschnittenen N\u00e4geln und mit tr\u00fcben Augen, und wenn du gefragt wirst, woher du k\u00e4mst, sollst du sagen ,aus der H\u00f6lle&#8216;, und wenn du gefragt wirst, wer du w\u00e4rst, sollst du sagen ,des Teufels ru\u00dfiger Bruder und mein K\u00f6nig auch&#8216;.&#8220; Der Soldat schwieg still und tat, was der Teufel sagte, aber er war mit seinem Lohn gar nicht zufrieden. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Sobald er nun wieder oben im Wald war, hob er seinen Ranzen vom R\u00fccken und wollt ihn aussch\u00fctten: wie er ihn aber \u00f6ffnete, so war der Kehrdreck pures Gold geworden. &#8222;Das h\u00e4tte ich mir nicht gedacht&#8220;, sprach er, war vergn\u00fcgt und ging in die Stadt hinein. Vor dem Wirtshaus stand der Wirt, und wie ihn der herankommen sah, erschrak er, weil Hans so entsetzlich aussah, \u00e4rger als eine Vogelscheuche. Er rief ihn an und fragte: &#8222;Woher kommst du?&#8220; &#8211; &#8222;Aus der H\u00f6lle.&#8220; &#8211; &#8222;Wer bist du?&#8220; &#8211; &#8222;Dem Teufel sein ru\u00dfiger Bruder und mein K\u00f6nig auch.&#8220; Nun wollte der Wirt ihn nicht einlassen, wie er ihm aber das Gold zeigte, ging er und klinkte selber die T\u00fcre auf. Da lie\u00df sich Hans die beste Stube geben und k\u00f6stlich aufwarten, a\u00df und trank sich satt, wusch sich aber nicht und k\u00e4mmte sich nicht, wie ihm der Teufel gehei\u00dfen hatte, und legte sich endlich schlafen. Dem Wirt aber stand der Ranzen voll Gold vor Augen und lie\u00df ihm keine Ruhe, bis er in der Nacht hinschlich und ihn wegstahl. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Wie nun Hans am andern Morgen aufstand, den Wirt bezahlen und weiter gehen wollte, da war sein Ranzen weg. Er fasste sich aber kurz, dachte, du bist ohne Schuld ungl\u00fccklich gewesen, und kehrte wieder um, geradezu in die H\u00f6lle: da klagte er dem alten Teufel seine Not und bat ihn um Hilfe. Der Teufel sagte: &#8222;Setze dich, ich will dich waschen, k\u00e4mmen, schnippen, die Haare und N\u00e4gel schneiden und die Augen auswischen&#8220;, und als er mit ihm fertig war, gab er ihm den Ranzen wieder voll Kehrdreck und sprach: &#8222;Geh hin und sage dem Wirt, er sollte dir dein Geld wieder herausgeben, sonst wollt ich kommen und ihn abholen, und er sollte an deinem Platz das Feuer sch\u00fcren.&#8220; Hans ging hinauf und sprach zum Wirt: &#8222;Du hast mein Gold gestohlen; gibst du&#8217;s nicht wieder, so kommst du in die H\u00f6lle an meinen Platz und sollst aussehen so greulich wie ich.&#8220; Da gab ihm der Wirt das Gold und noch mehr dazu und bat ihn, nur still davon zu sein; und Hans war nun ein reicher Mann. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Verdana; font-size: medium;\">Hans machte sich auf den Weg heim zu seinem Vater, kaufte sich einen schlechten Linnenkittel auf den Leib, ging herum und machte Musik, denn das hatte er bei dem Teufel in der H\u00f6lle gelernt. Es war aber ein alter K\u00f6nig im Land, vor dem musst er spielen, und der geriet dar\u00fcber in solche Freude, dass er dem Hans seine \u00e4lteste Tochter zur Ehe versprach. Als die aber h\u00f6rte, dass sie so einen gemeinen Kerl im wei\u00dfen Kittel heiraten sollte, sprach sie: &#8222;Eh ich das t\u00e4t, wollt ich lieber ins tiefste Wasser gehen.&#8220; Da gab ihm der K\u00f6nig die j\u00fcngste, die wollt&#8217;s ihrem Vater zuliebe gerne tun; und also bekam des Teufels ru\u00dfiger Bruder die K\u00f6nigstochter und, als der alte K\u00f6nig gestorben war, auch das ganze Reich.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gebr. 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