{"id":1010,"date":"2018-08-13T12:49:14","date_gmt":"2018-08-13T10:49:14","guid":{"rendered":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/?p=1010"},"modified":"2026-04-08T03:23:50","modified_gmt":"2026-04-08T01:23:50","slug":"die-drei-musikanten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/die-drei-musikanten\/","title":{"rendered":"Die drei Musikanten"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Die drei Musikanten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ludwig Bechstein<\/strong><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Es zogen einmal drei junge Musikanten aus ihrer Heimat in die Fremde, sie hatten alle drei bei einem Meister die Musik gelernt und wollten nun auch vereint bleiben und ihr Gl\u00fcck in fremden Landen versuchen. Von Ort zu Ort wanderten sie fr\u00f6hlich dahin, spielten auf zu Kirmes- und Festtagt\u00e4nzen und gewannen durch ihre lustigen Musikst\u00fccklein gar manchen schweren Batzen, neben dem stillen und lauten Beifall. So kamen sie denn auch einmal in ein St\u00e4dtchen und belustigten am Abend die Gesellschaft mit sch\u00f6ner Musik. Endlich h\u00f6rten sie auf aufzuspielen, sondern tranken eines, taten manchem Bescheid und gaben auch zum Gespr\u00e4ch der G\u00e4ste ihren Teil. Da ward mancherlei Verwunderliches durcheinander geplaudert und erz\u00e4hlt. Zun\u00e4chst ging die Rede von einem Zauberschloss, welches sich in der N\u00e4he des St\u00e4dtchens bef\u00e4nde und von welchem ebensoviel Wundersch\u00f6nes als Wunderbares erz\u00e4hlt wurde. Bald hie\u00df es: ja, dort sind ungeheure Sch\u00e4tze, dort ist stets \u00dcberfluss an den k\u00f6stlichsten Lebensmitteln, obgleich keine Menschenseele darinnen wohnt &#8211; bald hie\u00df es wieder: aber dort ist ein schrecklicher Gespensterspuk. Wer seinen Buckel wei\u00df hinein tr\u00e4gt, bringt ihn braun und blau gef\u00e4rbt wieder heraus, ohne die Sch\u00e4tze gehoben oder den Zauber gel\u00f6st zu haben. Dies und vieles andere wurde hin und her geredet \u00fcber das verzauberte Schloss. Die drei Musikanten waren nicht sobald allein in ihrem Schlafk\u00e4mmerlein, als sie sich lange unterredeten und zugleich den Gedanken erfassten, das r\u00e4tselhafte Schloss sich n\u00e4her zu besehen, ja, sogar sich hineinzuwagen, um m\u00f6glicherweise die dort verborgenen und verzauberten Sch\u00e4tze zu heben. Nun wurden sie einig unter sich, dass ein jeder einzeln, einer nach dem andern, sich hineinwagen sollte, je nach der \u00c4lte, und dass einem jeden ein ganzer Tag dazu verg\u00f6nnt sein sollte, sein Abenteuer zu bestehen.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Der erste Gl\u00fccksversuch fiel dem Geiger zu. Der machte sich mutvoll und ohne S\u00e4umen auf das Schloss und fand, als er dort anlangte, die Eingangspforten schon offen, als ob man seiner geharrt h\u00e4tte; doch als er \u00fcber die Schwelle geschritten war, schlug hinter ihm die schwere T\u00fcre zu, und es sprang ein riesiger Eisenriegel vor, obgleich kein lebendes Wesen zu erblicken war, doch als wenn ein strenger Pf\u00f6rtner hier sein Amt verrichte und Wache halte &#8211; und dem Geiger kam ein Grausen an, so dass sein Haar sich auf dem Wirbel str\u00e4ubte. Aber er konnte weder umkehren noch verweilen, und es kr\u00e4ftigte ihn wieder der Gedanke an das zu hoffende Gl\u00fcck, an Gold und Sch\u00e4tze. Treppe auf, Treppe ab wanderte der J\u00fcngling, durch herrliche Zimmer, kostbare S\u00e4le, trauliche Kabinettchen &#8211; alles prachtvoll ausgestattet und in der sch\u00f6nsten Sauberkeit erhalten. Aber \u00fcberall war eine Totenstille, auch nicht das kleinste M\u00fcckchen lebte und wohnte hier. Doch dem J\u00fcngling wuchs der Mut aufs neue, zumal als er den untern R\u00e4umen, K\u00fcche und Gew\u00f6lben, sich zuwandte, wo in F\u00fclle die seltensten und k\u00f6stlichsten Speisevorr\u00e4te vorhanden waren, in den Gew\u00f6lben die Weinflaschen hoch aufgespeichert lagen und alle Sorten s\u00fc\u00dfer eingemachten Fr\u00fcchte in gro\u00dfen Gl\u00e4sern nach der Reihe standen. In der sch\u00f6nen blanken K\u00fcche knisterte vertraulich ein helles Feuerlein, und dar\u00fcber ward von unsichtbarer Hand ein Bratrost gesetzt, und ein ausgesuchtes Wildbretfleisch tanzte aus dem Gew\u00f6lbe herein in die K\u00fcche und auf den Rost; und viele andre Speisen, feine Gem\u00fcse und Pasteten und k\u00f6stliches Backwerk wurden ebenso schnell als kostbar von unsichtbaren H\u00e4nden zubereitet und dann in eins der sch\u00f6nsten Zimmer, wohin sich der J\u00fcngling begeben hatte, ihm nachgetragen und auf einer gedeckten Tafel vor ihm ausgesetzt. Der J\u00fcngling ergriff zuerst sein Instrument und lie\u00df klangvoll seine sch\u00f6nen Melodien durch die stillen R\u00e4ume schallen, worauf er sich dann ohne Zaudern zur einladenden Tafel setzte und zu schmausen anfing. Doch nicht lange, so \u00f6ffnete sich die T\u00fcre, und es trat ein M\u00e4nnlein herein, etwa drei Ellenbogen hoch, mit einem Scharlachr\u00f6cklein angetan, mit verwelktem Gesichtlein und einem grauen Bart, der bis auf die gro\u00dfen silbernen Schuhschnallen reichte. Und das M\u00e4nnlein setzte sich schweigend neben den Geiger und schmausete mit. Als nun die Reihe an den sch\u00f6nen Wildbretbraten kam, nahm der Geiger die Sch\u00fcssel und nickte dem M\u00e4nnlein zu, doch zuerst zuzulangen, und dieses spie\u00dfte l\u00e4chelnd ein St\u00fcck Fleisch an die Gabel und nickte wieder und lie\u00df dabei das Bratenst\u00fcckchen unter den Tisch fallen. Gef\u00e4llig b\u00fcckte sich da gleich der gute Geiger, um es wieder aufzuheben; aber im Nu sa\u00df ihm schon das Bartm\u00e4nnlein auf dem R\u00fccken und bl\u00e4ute so unbarmherzig auf ihn los, als ob es ihm das Lebenslicht ausblasen wolle. Und auch des Geigers Mund wurde zugehalten, bis unter unaufh\u00f6rlichen Pr\u00fcgeln derselbe endlich zur gro\u00dfen Eingangspforte hinausgeschoben ward. Drau\u00dfen sch\u00f6pfte der halbtote Geiger frischen Odem und schlich dann \u00e4chzend dem Gasthof zu, wo die Kameraden geblieben waren. Es war schon Nacht, als er ihn erreichte, und jene beiden schliefen bereits. Am andern Morgen sahen sie ganz erstaunt den Geiger ebenfalls im Bette liegen und best\u00fcrmten ihn bald mit vielen Fragen; doch er kraute sich Kopf und R\u00fccken, gab sehr kurze Antworten und sprach: \u00bbGehet hin und sehet selber zu! Es ist eine kitzliche Sache. \u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Der zweite Musiker, ein Trompeter, trat nun den Gang nach dem Zauberschloss an, fand alles ebenso wie das gebl\u00e4ute Geigerlein und wurde auch ebenso bewirtet mit Pasteten und Pr\u00fcgeln, so dass er am folgenden Morgen ebenfalls wie ein geprellter Fuchs auf seinem Lager lag und klagte, es sei ihm absonderlich aufgespielt worden, aus grober Tonart.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Dennoch hatte der dritte, ein Fl\u00f6tenbl\u00e4ser, noch Mut genug, um sein Heil im Zauberschloss zu versuchen. Er war der pfiffigste. Furchtlos durchwanderte er das ganze Schloss, es deuchte ihm recht angenehm, diese sch\u00f6nen R\u00e4ume f\u00fcr immer zu besitzen; in K\u00fcche und Keller war ja Vorrat an Lebensmitteln die H\u00fclle und F\u00fclle. Bald ward auch f\u00fcr ihn eine kostbare Tafel gedeckt, und als er lange genug fr\u00f6hlich singend und fl\u00f6teblasend herum gewandert war, nahm er Platz und lie\u00df es sich behagen. Da trat wieder das Bartm\u00e4nnlein herein und setzte sich neben den Gast. Und der unerschrockene Musikant lie\u00df sich mit ihm in ein Gespr\u00e4ch ein und tat gerade, als ob er ihn schon hundertmal hier getroffen, doch war das M\u00e4nnlein nicht sehr redselig. Endlich kam es wieder an den Braten, und das M\u00e4nnlein lie\u00df wieder mit Absicht ein St\u00fcck fallen; gutm\u00fctig war eben der Fl\u00f6tenbl\u00e4ser im Begriff es aufzunehmen, als er gewahrte, dass das Zwerglein flugs auf seinen R\u00fccken springen wollte. Da wandte er sich alsbald rasch um, riss es von sich und packte und sch\u00fcttelte das M\u00e4nnlein an seinem Bart so derb, bis er denselben zuletzt ganz herausriss und der kleine Alte \u00e4chzend niederst\u00fcrzte. Aber so wie der J\u00fcngling den Bart in seinen H\u00e4nden hatte, \u00fcberkam ihn eine au\u00dferordentliche Kraft, und er erschaute im Schloss noch viel wunderbarere Dinge als vorher; dagegen hatte das M\u00e4nnlein fast alles Leben verloren; es winselte und flehte: \u00bbGib, o gib mir meinen Bart wieder, so will ich dir allen Zauber, der dieses Schloss umfasst, kundtun und dir dazu verhelfen, den Zauber zu l\u00f6sen, so dass du dadurch reich und ewig gl\u00fccklich werden wirst.\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Der kluge Fl\u00f6tenbl\u00e4ser aber sprach: \u00bbDeinen Bart sollst du wieder haben, doch musst du mir zuvor alles dies kundtun, sonst bist du ein Schalk. Und eher gebe ich den Bart nicht aus meinen H\u00e4nden. \u00ab Da musste der Alte sich bequemen, erst sein Versprechen zu erf\u00fcllen, ob er es gleich nicht willens gewesen war, sondern nur mit List seinen Bart wieder an sich bringen wollte. Der J\u00fcngling musste ihm nun folgen, durch dunkle geheime G\u00e4nge, unterirdische Gew\u00f6lbe und gr\u00e4uliche Felskl\u00fcfte, bis sie endlich auf ein freies Gefilde kamen, das g\u00e4nzlich aussah wie eine viel sch\u00f6nere Welt als die unsrige. Und an einen Strom kamen sie, der brausete wild; doch das M\u00e4nnlein zog einen kleinen Stab hervor und schlug ins Wasser, worauf alsobald die Flut auseinander trat und stille stand, bis beide trockenen Fu\u00dfes hin\u00fcber waren. Dr\u00fcben war es eine Pracht! da ging es weiter durch gr\u00fcne, herrliche Laubg\u00e4nge, \u00fcberall Blumen, V\u00f6glein mit Silber- und Goldfedern, die sangen wundersam, und gl\u00e4nzende K\u00e4fer und Schmetterlinge gaukelten und tanzten herum, und andere niedliche Tiere sch\u00e4kerten in B\u00fcschen und Hecken; und der Himmel \u00fcber ihnen sah nicht blau, sondern wie pure Goldstrahlen aus, und die Sterne waren viel gr\u00f6\u00dfer und kreiseten wie in verschlungenen T\u00e4nzen durcheinander.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Der J\u00fcngling staunte; und staunte noch mehr, als er von dem grauen Zwerglein in ein noch weit prachtvolleres Geb\u00e4ude als das Wunderschloss gef\u00fchrt wurde. Auch hier herrschte neben aller Herrlichkeit die tiefste Stille in den Gem\u00e4chern, und als sie deren viele durchwandert, kamen sie in eins, das ganz mit Schleiern behangen war, wo in der Mitte des Zimmers ein dicht verhalltes Bette stand, dar\u00fcber ein sch\u00f6ner Vogelbauer hing mit einem V\u00f6glein, das gar helle Lieder durch die einsame Stille schmetterte. Das graue M\u00e4nnlein hub die Schleier und H\u00fcllen vom Bette und f\u00fchrte den J\u00fcngling n\u00e4her; dieser sah hier auf weichen seidenen Kissen, die reich mit Goldtroddeln behangen waren, ein gar liebliches M\u00e4dchen schlafend daliegen, das war so sch\u00f6n wie ein Engel, hatte ein wei\u00dfes Kleidchen an, und \u00fcber ihre Brust und Schultern wallten die goldnen Locken herab, und auf dem Haupte blitzte eine demantne Krone; aber ein tiefer toten\u00e4hnlicher Schlaf hielt die sanften Z\u00fcge gefangen, und kein Ger\u00e4usch vermochte die holde Schl\u00e4ferin zu erwecken. Da sprach das M\u00e4nnlein zu dem verwunderten J\u00fcngling: \u00bbSiehe hier dieses schlafende Kind! Es ist eine hohe Prinzessin. Dieses sch\u00f6ne Schloss und dieses gesegnete Land ist ihr Erbgut, wann sie erl\u00f6set ist; aber seit Jahrhunderten schl\u00e4ft sie den festen Zauberschlaf, und auch seit Jahrhunderten fand noch keine menschliche Seele den Weg, der hierher f\u00e4hrt, den nur ich t\u00e4glich zur\u00fccklegte, um dort im Schloss, das meine Wohnung ist, zu speisen und etwa die goldbegierigen Menschen, die sich einfanden, mit einem Gericht Pr\u00fcgel zu bedienen. Ich bin der W\u00e4chter \u00fcber diese Schl\u00e4ferin und musste sorgf\u00e4ltig verh\u00fcten, dass kein Fremder hier eindringe, und dazu ward mir mein Bart, in dem solche \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Kr\u00e4fte wohnen, dass auch ich ebenfalls seit Jahrhunderten diesen Zauber zu \u00fcben vermag. Doch nun, wo mir der Bart entrissen, bin ich kraftlos und muss dieses \u00fcberschw\u00e4ngliche Gl\u00fcck, das mit der holden Prinzessin erwacht, dir entdecken und \u00fcberlassen. Und so schicke dich rasch zur Ausf\u00fchrung des Erl\u00f6sungswunders. Nimm diesen Vogel, der \u00fcber der Prinzessin h\u00e4ngt und der sie einst in den Zauberschlummer gesungen hat und seitdem jene Melodien auch immerfort singen musste, nimm ihn, schlachte ihn und schneide ihm das kleine Herz aus, brenne es dann zu Pulver und gib dieses der Prinzessin in den Mund, alsobald wird sie davon erwachen und wird dich begl\u00fccken mit Hand und Herz, mit Land und Schloss und allen ihren Sch\u00e4tzen.\u00ab<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Das M\u00e4nnlein schwieg ersch\u00f6pft, und der J\u00fcngling s\u00e4umte nicht, an das Werk der Erl\u00f6sung zu gehen. Schnell und gut wurde alles getreu nach der Angabe des kleinen Alten ausgef\u00fchrt und das P\u00fclverlein bereitet. Nach wenigen Minuten, als es der Prinzessin gegeben war, schlug sie frisch und l\u00e4chelnd die Augen auf und hob sich vom Lager empor und sank dem gl\u00fccklichen J\u00fcngling an die Brust, liebkoste und dankte ihm und nahm ihn zu ihrem Gemahl an. Und in demselben Moment zog ein Donnern und Krachen durch das Schloss, auf allen Treppen wurde es laut, und in allen Zimmern wurde es ger\u00e4uschvoll. Und endlich kam eine Schar Diener und Dienerinnen mit freundlichen Gesichtern in das Zimmer getreten, in dem das gl\u00fcckliche Paar weilte, und alle freuten sich und flogen dann flink und froh in die K\u00fcchen und Kellerr\u00e4ume, in Zimmer und S\u00e4le und G\u00e4nge an ihre Arbeit, und waren alle wie neugeboren.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"font-family: Verdana;\">Das graue Zwerglein aber heischte nun streng seinen Bart von dem J\u00fcngling und gedachte immer noch in seinem boshaften Herzen, dem Gl\u00fccklichen einen Possen zu spielen. Denn, wenn ihm der Bart erst wieder am Kinn sa\u00df, hatte er Macht, alle Sterblichen zu \u00fcberw\u00e4ltigen. Allein der kluge Fl\u00f6tenbl\u00e4ser gebrauchte noch immer Vorsicht mit dem t\u00fcckischen M\u00e4nnlein, er sprach: \u00bbOh, deinen Bart sollst du wieder haben, sei nicht bange, ich will ihn dir zum Abschied \u00fcberreichen, aber erlaube, dass wir beide, meine holde Braut und ich, dich eine kleine Strecke begleiten d\u00fcrfen. \u00ab Das konnte das M\u00e4nnlein nicht verweigern. Sie gingen nun weit durch sch\u00f6ne Laubg\u00e4nge und Blumenbeete mit dem Zwerg und kamen endlich an das ungeheuer tiefe, rauschende Wasser, das viele viele Meilen weit in der Runde um das Land der Prinzessin str\u00f6mte und gleichsam die Grenzscheidung bildete. Keine Br\u00fccke und kein Nachen war rings vorhanden, worauf Menschen das jenseitige Ufer erreichen konnten; auch kein k\u00fchner Schwimmer h\u00e4tte es errungen, denn die Wellenflut war zu tosend und wild. Da sprach der J\u00fcngling zu dem M\u00e4nnlein: \u00bbGib mir deinen Stab, auf dass ich dir diesmal noch zur Ehre das Wasser auseinander scheide. \u00ab Und das M\u00e4nnlein musste gehorchen, weil es seine Bartkr\u00e4fte noch nicht wieder hatte, und dachte auch im stillen noch in h\u00e4mischer Freude: wenn er mir dr\u00fcben \u00fcber dem Wasser den Bart \u00fcberreicht, so bekomme ich ihn doch in meine Gewalt, nehme ihm dann den Stab wieder ab, und beide k\u00f6nnen ihr wundersch\u00f6nes Land nie betreten. Aber nicht also gingen des Zwerges boshafte Gedanken aus. Der kluge, gl\u00fcckliche J\u00fcngling schlug mit dem Stab ins Wasser, es teilte sich behende und stand stille, und der Zwerg ging voran und ging hin\u00fcber, und schnell hinter ihm brausete die Flut zusammen; aber der J\u00fcngling war mit seiner lieben Braut am andern Ufer zur\u00fcckgeblieben, er behielt den Zauberstab und schleuderte nur den Bart \u00fcbers Wasser hin\u00fcber, so dass ihn der Zwerg dr\u00fcben auffing und sich ihn wieder ansetzte; und so ward der Alte doch um seinen Zauberstab betrogen und durfte hinfort nimmer wieder das herrliche Gebiet betreten. Und der gl\u00fcckliche J\u00fcngling kehrte zur\u00fcck ins Schloss mit seiner Holden, zu steter Freude und Gl\u00fcckseligkeit; und keine Sehnsucht kam ihm in sein Herz, je wieder zu seinen Kameraden zur\u00fcckzukehren. Die sa\u00dfen lange im Wirtshaus, und als jener nicht wiederkam, sprachen sie: \u00bbDer ist fl\u00f6ten gegangen\u00ab &#8211; und das ist hernach zum Sprichwort geworden, wenn einer oder eine Sache abhanden und nicht wiederkommt.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die drei Musikanten Ludwig Bechstein<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"pgc_sgb_lightbox_settings":"","footnotes":""},"categories":[90,85],"tags":[],"class_list":["post-1010","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-ludwig-bechstein","category-maerchen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1010","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1010"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1010\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5743,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1010\/revisions\/5743"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1010"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1010"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/internet-maerchen.de\/mobile\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1010"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}