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Der Schäfer und der Zwerg


Vor vielen, vielen Jahren lebte einmal ein armer Schäfer. Der hatte sieben Schafe und weidete sie an einem hohen Berg. Er stützte sich auf seinen Stock und dachte an die Kinder daheim, denn es war eine teure Zeit.

Der Schäfer sagte leise vor sich hin: ,,Oh, ihr armen Kindlein, wollte Gott, ich könnte euch alle Tage satt zu essen geben!"

Da stand auf einmal ein kleines Männlein vor ihm mit rotem Käppchen und langem Bart. ,,Geh mit mir", sagte es, ,,ich bin dir gut!" Da ging der Schäfer mit.

Das Männlein aber trug eine Wurzel in der Hand. Vor einem großen Felsen blieb es stehen. Es schlug mit der Wurzel dreimal gegen den Stein. Sogleich sprang der mit lautem Krachen aus einander. Und es war da eine dunkle Höhle. Der Zwerg ging hinein, und der Schäfer folgte ihm.

Tief in der Hähle brannte ein Feuer. Und viele Zwerge mit rußigen Gesichtern waren bei der Arbeit. Sie schmiedeten allerlei kostbare Dinge von Gold: Kronen und Ketten, Becher und Ringe.

Dem Schäfer taten die Augen weh, als er das Gold sah. Der Zwerg sagte zu ihm: ,,Nimm, soviel du tragen magst, aber vergiß das Beste nicht!" Damit legte er die Wurzel auf die Erde und war verschwunden.

Der Schäfer steckte sich alle Taschen voll mit Gold und' lief den Weg zurück. Als er eben seinen Fuß ins Freie setzte, tat sich der Felsen mit großem Getöse wieder zu.

Für das Gold konnte der Schäfer genug Brot kaufen und Kleider und Schuhe. Aber dann war die glückliche Zeit vorbei. Und ob er auch tagelang nach dem Eingang der Höhle suchte, der Berg blieb für immer verschlossen. Denn er hatte ja das Beste, die Wurzel, vergessen.

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